Emotionaler Missbrauch: keine sichtbaren Narben – Heilung beginnt mit Erkennen.
Emotionaler Missbrauch ist tückisch: Er hinterlässt keine blauen Flecken, aber oft tiefe Spuren in deinem Selbstwert, deiner Konzentration und deiner Fähigkeit, Nähe zuzulassen. Vielleicht fragst du dich, ob du „zu sensibel“ bist, ob deine Erinnerung stimmt – oder ob du noch eine Chance mit deiner/m Ex hast. In diesem Guide bekommst du Klarheit. Du lernst, wie emotionaler Missbrauch (emotional abuse, seelischer Missbrauch) wissenschaftlich definiert wird, welche neuropsychologischen Mechanismen dich binden, und wie du dich Schritt für Schritt stabilisierst, heilst und – falls du es willst und es sicher ist – eine echte, respektvolle Neubeziehung verhandelst. Die Inhalte basieren auf Bindungsforschung (Bowlby, Ainsworth, Hazan & Shaver), Neurochemie der Liebe (Fisher, Acevedo, Young), Trennungspsychologie (Sbarra, Marshall, Field) und Beziehungsforschung (Gottman, Johnson). Du erhältst konkrete Tools: Grenz-Skripte, ein Recovery-Timeline, No-/Low-Contact-Strategien, Beispiele aus der Praxis und Checklisten, die dich in den nächsten Wochen durch schwere Momente tragen.
Emotionaler Missbrauch (auch seelischer Missbrauch, emotional abuse) bezeichnet wiederholte, systematische Verhaltensweisen, die deine Autonomie, Würde und psychische Integrität untergraben. Dazu zählen Abwertung, Demütigung, Kontrolle, Isolierung, Gaslighting, Schuldumkehr, Drohungen, Eifersuchtsmanipulation, Beschämung und das gezielte Entziehen von Zuwendung, um dich gefügig zu machen. Zentral ist nicht ein einzelner Streit, sondern das Muster: Ein Kreislauf aus Anspannung, Übergriff, „Reparatur“ (oft via Love Bombing) und erneuter Eskalation. Dieses Muster formt eine psychologische Abhängigkeit – häufig als Trauma-Bond beschrieben.
Wichtig ist die Abgrenzung zu normalen Konflikten. In jeder Beziehung gibt es Töne, die zu scharf werden, Missverständnisse oder ungünstige Reaktionsmuster. Das ist nicht automatisch Missbrauch. Der entscheidende Unterschied: Intention, Machtgefälle und Konsequenz. Missbrauch ist zielgerichtet oder zumindest wiederholt so schädlich, dass deine Handlungsfreiheit eingeschränkt wird. Auch der Kontext zählt: Droht dein Gegenüber mit Strafen (Kontaktentzug, Schweigen, Rufschaden)? Werden deine Bedürfnisse lächerlich gemacht? Fühlst du dich zunehmend ängstlich, klein oder abhängig?
In der Forschung wird emotionaler Missbrauch als psychologische Gewaltform im Rahmen von „coercive control“ beschrieben: subtile, aber stetige Kontrolle, die deinen Handlungsspielraum beschneidet. Anders als ein eruptiver Streit verläuft coercive control oft leise, allgegenwärtig und schwer zu benennen. Genau deshalb zweifeln Betroffene so oft an sich selbst.
Die Bindungstheorie erklärt, warum gerade enge Beziehungen so verletzlich sind. Bowlby beschrieben Bindung als biologisches System, das Nähe und Schutz sicherstellen soll. Ainsworth zeigte, dass frühe Bindungserfahrungen Muster (sicher, ängstlich, vermeidend) formen, die später unsere Liebesbeziehungen prägen. In romantischen Beziehungen werden diese Muster reaktiviert (Hazan & Shaver). Wenn emotionale Gewalt dazu kommt, entsteht ein Dilemma: Dein Bindungssystem sucht Sicherheit beim gleichen Menschen, der die Unsicherheit erzeugt. Das verstärkt die innere Zerrissenheit – du willst weg und bleibst zugleich.
Neurochemisch kommt es zu einer Wechselwirkung aus Belohnung und Stress. Intensive Nähe, Sex, Versöhnungen und Versprechen aktivieren Dopamin- und Oxytocin-Systeme. Gerade nach Phasen der Distanz oder Abwertung kann die plötzliche Zuwendung besonders belohnend wirken – das ist intermittierende Verstärkung, ein Mechanismus, der Suchtverhalten begünstigt. Fisher und Kolleg:innen konnten zeigen, dass Liebes- und Trennungsschmerz Belohnungs- und Schmerzareale im Gehirn koaktiviert, was die magnetische Anziehung trotz schlechter Erfahrungen erklärt. Oxytocin fördert Bindung und Vertrauen – leider auch dann, wenn es nicht verdient ist. Mit jeder „guten“ Phase kann sich die Hoffnung verfestigen, dass es diesmal anders wird.
Parallel wird das Stresssystem (HPA-Achse) sensibler. Andauernde Kritik, Drohungen oder Schweigen halten deinen Körper in Alarmbereitschaft. Schlaf leidet, Konzentration sinkt, Reizbarkeit steigt. Langfristig kann sich eine ängstliche Grundstimmung etablieren. Wiederkehrende Hormonspitzen (Dopamin-Hochs nach Nähe, Cortisol-Hochs bei Konflikt) trainieren ein nervliches Auf-und-Ab, das paradoxerweise vertraut wird. Das erklärt, warum „langweilige“ sichere Beziehungen anfangs weniger anziehend wirken.
Kognitiv wirkt Gaslighting wie eine Malware: Wenn dir wiederholt eingeredet wird, du würdest falsch erinnern, übertreiben oder „spinnen“, verlierst du Vertrauen in deine Wahrnehmung. Du beginnst, Fakten zu relativieren, Tagebuchnotizen zu verlieren, Chatverläufe zu ignorieren. Auf diese Weise wird Missbrauch unsichtbar – auch für dich. Seligmans Konzept der erlernten Hilflosigkeit beschreibt, wie wiederholte Ohnmachtserfahrungen zu Passivität führen. Je länger das Muster läuft, desto schwieriger wird der Ausstieg, nicht wegen Schwäche, sondern wegen neuropsychologischer Konditionierung.
Aus Paarforschung wissen wir: Häufige Kritik, Verachtung, Defensivität und Mauern – die „Vier apokalyptischen Reiter“ nach Gottman – sagen Beziehungszusammenbrüche sehr gut vorher. In missbräuchlichen Beziehungen sind diese Muster oft nicht nur häufig, sondern strategisch eingesetzt. Zugleich zeigen bindungsorientierte Ansätze (z. B. Emotionally Focused Therapy, Johnson), dass tiefe Beziehungsschmerzen als Bindungsverletzungen verstanden werden können. Heilung entsteht durch Sicherheit, Responsivität und Verlässlichkeit – Bedingungen, die Missbrauch gerade unterlaufen.
Emotionaler Missbrauch ist ein Spektrum. Er reicht von offen herabwürdigenden Angriffen bis zu feinen, schwer greifbaren Eingriffen in dein Denken. Die folgenden Formen treten häufig kombiniert auf. Entscheidend ist das Muster, nicht die Etikette einzelner Handlungen.
Zweifeln an deiner Wahrnehmung, Umdeuten von Fakten, „Das hast du dir eingebildet“. Ziel: Verunsicherung, um Kontrolle zu gewinnen.
Beleidigungen, Spott, Witze auf deine Kosten, Kommentare über Körper/Intelligenz. „Nur Spaß“ wird als Vorwand benutzt.
„Wenn du gehst, erzähle ich allen…“, „Ohne mich schaffst du nichts“. Entzieht dir psychische Sicherheit.
Regeln, Verbote, Geokontrolle, Social-Media-Überwachung. Deine Welt wird kleiner, Entscheidungen werden fremdbestimmt.
Überwältigende Zuwendung, dann Entzug. Konditioniert dich auf ihren/seinen „Zustimmungs-Hebel“.
Andere Personen werden instrumentalisiert, um Druck, Konkurrenz oder Schuldgefühle zu erzeugen.
Schweigen als Strafe. Zielt auf Panik in deinem Bindungssystem, bis du dich fügst.
Geldentzug, Verschuldung in deinem Namen, Verhindern von Erwerb. Macht dich real abhängig.
Passwörter verlangen, Tracking, Andeutungen im Freundeskreis, Diffamierung.
Eigene Fehler werden dir zugeschrieben: „Du provozierst mich“, „Du bist eifersüchtig“, obwohl er/sie fremdgeht.
Emotionaler Missbrauch kann in jeder Geschlechter- und Beziehungsform vorkommen: hetero, queer, monogam, polyamor, in Fernbeziehungen und unter Co-Eltern. Entscheidend ist nicht, wer formal „das Sagen“ hat, sondern wie sich das Muster auf dich auswirkt.
Einzelne verletzende Sätze beweisen noch nichts. Achte auf Frequenz, Kontext und Konsequenz. Typische Anzeichen:
Es gibt valide Fragebögen wie das PMWI (Psychological Maltreatment of Women Inventory) oder I³-Frameworks für Aggression; wichtig ist allerdings der praktische Nutzen: Wenn du wiederholt unsicher, klein und kontrolliert wirst, ist das ein Warnsignal – unabhängig von Fragebögen.
Viele Studien zeigen, dass ein signifikanter Anteil romantischer Beziehungen psychologische Aggression erlebt – deutlich häufiger als physische Gewalt.
Emotionaler Missbrauch ist mit erhöhtem Risiko für Depression, Angst, Somatisierung und Problemkonsum verbunden – teils ähnlich stark wie körperliche Gewalt.
Seelischer Missbrauch kommt in allen Altersgruppen, Einkommensklassen und Bildungsschichten vor – Mythen, es treffe „nur andere“, sind gefährlich.
Gute Nachricht: Die meisten dieser Effekte sind plastisch. Mit gezielter Stabilisierung, sozialer Unterstützung und hoher Qualität an Selbstfürsorge kann dein Nervensystem wieder „lernen“, dass es sicher ist. Therapie kann das beschleunigen, ist aber nicht der einzige Weg.
Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit. Trennungsschmerz aktiviert Gehirnsysteme von Belohnung und Entzug – das erklärt, warum du dich trotz schlechter Erfahrungen so stark hingezogen fühlst.
Trennungen sind für das Gehirn echter Schmerz. fMRT-Befunde zeigen Überschneidungen mit Arealen körperlichen Schmerzes. Sbarra und andere fanden, dass wiederholter Kontakt – Nachrichten, Profile stalken, gemeinsame Orte – den Entzug verlängert. Das Dilemma: In missbräuchlichen Beziehungen ist die Versuchung zum Kontakt besonders groß, weil jede Antwort wie eine Dosis wirkt. Gleichzeitig ist genau diese Dosis das Lockmittel, mit dem das Muster fortgesetzt wird. Das erklärt, warum No-Contact/Low-Contact oft so wichtig ist – nicht als Bestrafung, sondern als neurologische Detoxphase.
Wenn du Kinder teilst, ist kompletter Kontaktabbruch oft unmöglich. Dann sind klare Grenzen, schriftliche Kommunikation und thematische Beschränkung („nur Kinder- und Logistikthemen“) essenziell. Du schützt damit deine Regeneration, ohne deine Verantwortung als Elternteil zu vernachlässigen.
Heilung verläuft selten linear. Rückfälle gehören dazu. Das folgende Phasenmodell hilft dir, Orientierung zu behalten und Fortschritt zu erkennen.
Ziel: Erkennen des Musters, Minimieren von Schaden. Konkrete Schritte: Reality-Check via Tagebuch/Chatverläufe, Gespräch mit zwei vertrauenswürdigen Personen, Sicherheitsplanung. Wenn Gefahr im Verzug ist: Hilfe holen (z. B. Beratungsstellen, Ärzt:innen, Polizei). Setze als Minimum mentale Schutzwände: kein nächtliches Chatten, kein Reagieren auf Provokationen.
Ziel: Nervensystem beruhigen, Distanz schaffen. No Contact (wenn sicher und möglich) oder Low Contact mit klaren Regeln: Kommunikation nur schriftlich, nur sachlich. Nutze Standard-Skripte und stelle Benachrichtigungen stumm. Baue eine Routine auf: Schlaf, Essen, Bewegung, soziale Micro-Kontakte.
Ziel: Den Reiz-Reaktions-Kreislauf unterbrechen. Ersetze Trigger-Rituale (z. B. nächtliches Scrollen) durch Alternativen (Atemübungen, kalte Dusche, Spaziergang). Schreibe dir auf, was real passiert ist – nicht was versprochen wurde. Erkenne „Dopamin-Fallen“: späte Nachrichten, „Wir müssen reden“.
Ziel: Neues, wahrhaftiges Selbstbild aufbauen. Praktiken: Stärken-Tagebuch, „Gute Zeugen“ aktivieren (Menschen, die dich als Ganzes sehen), kleine Kompetenzziele (Kochen, Sport, Projektabschlüsse). Übe Selbstmitgefühl wie mit einer guten Freundin.
Ziel: Sicherheit in Nähe wieder erleben. Das kann mit Freundschaften, Familie, Therapie oder Gruppen beginnen. Lerne, wie sichere Bindung klingt: „Ich sehe dich“, „Danke, dass du mir das sagst“, „Wie lösen wir das gemeinsam?“. Übe, Bedürfnisse zu äußern und Grenzen zu halten, ohne dich zu rechtfertigen.
Ziel: Die Geschichte verstehen, ohne darin stecken zu bleiben. Was hast du über Warnzeichen, Bedürfnisse, Grenzen gelernt? Welche roten Flaggen wirst du künftig früh beachten? Sinn entsteht, wenn Schmerz in Schutz für die Zukunft verwandelt wird.
Ziel: Nur unter klaren Bedingungen zurück – oder offen, neu und sicher daten. Kriterien: Verantwortung, Therapie/Nachweis echter Verhaltensänderung, Transparenz, Rechenschaft, Zustimmung zu klaren Regeln. Sonst Abstand.
Wichtig: Wenn Drohungen, Stalking, Kindergefährdung oder Gewalt im Raum stehen, hat Sicherheitsplanung Priorität. Dokumentiere Vorfälle (Screenshots, Datum/Uhrzeit), suche lokale Beratungsstellen und, falls nötig, polizeiliche Unterstützung. Deine Sicherheit geht vor jeder Beziehungsidee.
Das Ziel ist nicht, den/die Ex zu bekehren, sondern dich zu schützen.
Weitere Beispiele:
Wichtig: Wiederhole deine Kernbotschaften wortgleich. Konstanz signalisiert Unbestechlichkeit. Jeder „Ausnahmemoment“ wird als Einfallstor genutzt.
Kurze Antwort: Manchmal ja, oft nein – und nur unter strengen Bedingungen. Liebe allein reicht nicht. Was es braucht:
Rote Flaggen gegen ein Revival:
Wenn du trotz Geschichte einen Neustart erwägst, formuliere einen „Beziehungsvertrag“:
Ohne diese Sicherheitsarchitektur ist die Chance sehr hoch, in alte Muster zu rutschen. Deine Sehnsucht ist verständlich – aber Sicherheit und Würde sind nicht verhandelbar.
Hinweis: Paartherapie ist bei aktivem Missbrauch oft kontraindiziert. Erst wenn sich Missbrauchsmuster stabil beendet haben und Verantwortungsübernahme sichtbar ist, kann ein gemeinsamer Prozess Sinn ergeben. Priorität hat immer individuelle Sicherheit.
Diese Sätze wirken nur, wenn du sie lebst. Sag wenig, halte viel. In missbräuchlichen Dynamiken überzeugt nicht die Debatte, sondern Konsequenz.
Diese Beobachtungen sind keine Anklageschrift. Sie sind Daten. Sammle Daten. Entscheidungen folgen später.
Manchmal erkennen wir, dass wir selbst verletzend wurden: spitze Kommentare, Schweigen, Kontrollversuche. Das Eingeständnis ist kein Selbsthass, sondern der Beginn von Veränderung. Schritte:
Emotionale Gewalt trifft den Körper. Nutze den Körper als Rückweg:
Diese Tools sind keine Esoterik. Sie beruhigen konkret Nervenbahnen, die bei Angst und Panik überaktiv sind.
Wenn du doch über „Ex zurück“ nachdenkst, prüfe:
Eine einzelne Blume ist Frühling – aber nicht die Jahreszeit. Du brauchst Zeitreihen-Daten, kein einzelnes „Sorry“.
Beispiel-Texte:
Woche 1–2 (Sicherheit): Schlafe +1 Stunde gegenüber deinem Durchschnitt, richte Notfallkontakte, ändere Passwörter, erstelle Reality-Log. Täglich 20 Minuten Bewegung + 10 Minuten Tageslicht. Woche 3–4 (Entzug): Social-Media-Fasten 7 Tage, Autoresponder aktivieren, Trigger-Karte nutzen. Zwei „Gute Zeugen“ mit Wochenbericht (5 Bulletpoints). Woche 5–6 (Selbstwert): Stärken-Tagebuch (täglich 3 Stärken in Aktion), Mini-Projekt starten (z. B. 4x Kochen lernen). 2 soziale Termine pro Woche (spazieren, Kaffee). Woche 7–8 (Bindung): Ko-Regulation bewusst planen (Sportgruppe, Chor, Ehrenamt). Grenzen in sicheren Kontexten üben (z. B. „Heute nur 15 Minuten“ am Telefon). Review: Was hat am meisten geholfen? Was braucht Anpassung?
Grüne Signale:
Gelbe Signale:
Rote Signale:
Beantworte für die letzten 4 Wochen:
Menschen, die dich lieben, wollen helfen – manchmal ungeschickt. Formuliere Leitplanken:
Emotionaler Missbrauch betrifft alle Geschlechter und Orientierungen. Männer stoßen oft auf das Vorurteil, sie müssten „stark“ sein; queere Personen erleben zusätzlich Outing-Drohungen oder enge Szenen, in denen Rufschädigung stärker wirkt. Deine Wahrnehmung ist gültig. Suche spezialisierte Angebote (queere Beratungsstellen, Männerberatungen) und Menschen, die deine Realität spiegeln. Scham ist normal – sie ist kein Grund, allein zu bleiben.
Deutschland:
Österreich:
Schweiz:
Hinweis: Bei akuter Gefahr rufe sofort die Polizei. Hebe Beweise auf (Screenshots, Mails, ärztliche Atteste). Juristische Beratung kann helfen, Schutzanordnungen (z. B. Annäherungsverbot) zu prüfen.
Ja. Studien zeigen klare Zusammenhänge zwischen psychologischer Aggression und Depression, Angst, PTBS-Symptomen und körperlichen Beschwerden. Seelische Gewalt kann langfristig so schädlich sein wie körperliche – und beide treten oft gemeinsam auf.
Konflikt dient Klärung und endet mit beiderseitigem Verständnis. Missbrauch dient Kontrolle, macht dich kleiner und wiederholt sich. Achte auf Intention, Machtgefälle und Konsequenz: Drohungen, Schweigen als Strafe, Gaslighting, Isolierung.
Wenn es sicher und möglich ist: Ja, No Contact verkürzt den Entzug. Mit Kindern: Low Contact mit klaren Regeln (nur Schrift, nur Logistik, feste Antwortfenster). Nutze neutrale Tools/Apps und filtere aggressive Inhalte aus.
Manche können – mit Einsicht, Therapie, Verantwortung, Zeit und externer Rechenschaft. Lippenbekenntnisse reichen nicht. Du brauchst Monate stabilen, nachweisbaren Respekt. Wenn Schuldumkehr bleibt, ist die Chance gering.
Dein Bindungssystem sucht die gewohnte „Sicherheit“ – und Belohnungssysteme erinnern sich an Höhen. Das ist Biologie, kein Beweis für „Schicksal“. Distanz, Zeit und neue sichere Bindungserfahrungen verändern das Muster.
Oft nein. Bei aktivem Missbrauch kann Paartherapie die Dynamik verschlimmern, weil sie Waffen für Manipulation liefert. Erst wenn Missbrauch beendet und Verantwortung übernommen wurde, kann gemeinsam gearbeitet werden.
Individuell. Viele berichten von 3–6 Monaten, bis die stärksten Wellen abflachen, und 12–18 Monaten bis zu stabiler innerer Ruhe. Mit konsequentem Kontaktmanagement, sozialer Unterstützung und Therapie kann es schneller gehen.
Anerkennen, Verantwortung übernehmen, entschuldigen, Trigger verstehen und neue Strategien üben. Hole dir Hilfe. Veränderung ist möglich, aber Arbeit – und deine Beziehungen werden dadurch sicherer.
Glaube ihr, vermeide Schuldzuweisungen, biete konkrete Hilfe (Begleitung, Dokumentation, Adressen von Beratungsstellen). Dränge nicht – Druck kann isolieren. Sei verlässlich über Zeit.
Nein. Jede Grenze zählt. Auch nach Jahren ist Ausstieg und Heilung möglich. Der beste Zeitpunkt ist heute – mit einem kleinen Schritt.
Du bist nicht „kaputt“. Dein Gehirn hat auf unsichere Bedingungen adaptiv reagiert. Mit Distanz, Stabilisierung, Selbstmitgefühl und verlässlicher Unterstützung reguliert sich dein System neu. Sichere Liebe fühlt sich anfangs weniger aufregend an – aber sie ist friedlich, respektvoll und wachstumsfördernd. Ob mit deiner/m Ex unter strengen Sicherheitsbedingungen oder mit einem neuen Menschen: Entscheidend ist, dass du deine Würde nicht mehr verhandelst. Heute kannst du starten: eine Grenze, ein Anruf, eine warme Mahlzeit, ein Spaziergang. Das ist Recovery in Aktion.
Bowlby, J. (1969). Attachment and loss: Vol. 1. Attachment. Basic Books.
Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Lawrence Erlbaum.
Hazan, C., & Shaver, P. (1987). Romantic love conceptualized as an attachment process. Journal of Personality and Social Psychology, 52(3), 511–524.
Fisher, H. E., Xu, X., Aron, A., & Brown, L. L. (2010). Reward, addiction, and emotion regulation systems associated with rejection in love. Journal of Neurophysiology, 104(1), 51–60.
Acevedo, B. P., Aron, A., Fisher, H. E., & Brown, L. L. (2012). Neural correlates of long-term intense romantic love. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 7(2), 145–159.
Young, L. J., & Wang, Z. (2004). The neurobiology of pair bonding. Nature Neuroscience, 7(10), 1048–1054.
Gottman, J. M. (1994). What predicts divorce? The relationship between marital processes and marital outcomes. Lawrence Erlbaum Associates.
Gottman, J. M., & Levenson, R. W. (1992). Marital processes predictive of later dissolution: Behavior, physiology, and health. Journal of Personality and Social Psychology, 63(2), 221–233.
Johnson, S. M. (2004). The practice of emotionally focused couple therapy: Creating connection. Routledge.
Sbarra, D. A., & Ferrer, E. (2006). The structure and process of emotional experience following nonmarital relationship dissolution: Dynamic factor analyses of love, anger, and sadness. Emotion, 6(2), 224–238.
Field, T., Diego, M., Pelaez, M., Deeds, O., & Delgado, J. (2011). Breakup distress in university students. Adolescence, 46(183), 705–718.
Dutton, M. A., Goodman, L. A., & Bennett, L. (1999). Court-involved battered women's responses to violence: The impact of legal advocacy. Violence and Victims, 14(1), 21–40.
Dutton, D. G., & Painter, S. L. (1993). Emotional abuse of women by male partners: The forgotten component of domestic violence. Violence and Victims, 8(2), 105–118.
Follingstad, D. R., Rutledge, L. L., Berg, B. J., Hause, E. S., & Polek, D. S. (1990). The role of emotional abuse in physically abusive relationships. Journal of Family Violence, 5(2), 107–120.
Stark, E. (2007). Coercive control: How men entrap women in personal life. Oxford University Press.
Seligman, M. E. P. (1975). Helplessness: On depression, development, and death. W. H. Freeman.
Teicher, M. H., & Samson, J. A. (2016). Annual research review: Enduring neurobiological effects of childhood abuse and neglect. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 57(3), 241–266.
Hamby, S., & Grych, J. (2013). The web of violence: Exploring connections among different forms of interpersonal violence and abuse. Springer.
Marshall, T. C., Bejanyan, K., & Ferenczi, N. (2013). Attachment styles and personal growth following romantic breakups. Journal of Social and Personal Relationships, 30(2), 175–196.
Johnson, S. M., & Greenman, P. S. (2013). Commentary: Of course it is relevant: EFT, attachment, and neuroscience. Couple and Family Psychology: Research and Practice, 2(2), 91–93.
Murphy, C. M., & Hoover, S. A. (1999). Measuring emotional abuse in dating relationships as a multifactorial construct. Violence and Victims, 14(1), 39–53.
Porges, S. W. (2011). The polyvagal theory: Neurophysiological foundations of emotions, attachment, communication, and self-regulation. Norton.
Herman, J. L. (1992). Trauma and recovery. Basic Books.
van der Kolk, B. A. (2014). The body keeps the score: Brain, mind, and body in the healing of trauma. Viking.
World Health Organization. (2012). Understanding and addressing violence against women. WHO.
Westmarland, N., & Kelly, L. (2013). Why extending measurements of 'success' in domestic violence perpetrator programmes matters for social work. British Journal of Social Work, 43(6), 1092–1110.