Ex stalkt mein Profil: Anzeichen

Ex stalkt dein Profil? Klare Anzeichen – und was du jetzt tust.

22 Min. Lesezeit Bindung & Psychologie

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du hast das Gefühl: „Mein Ex stalkt mein Profil.“ Jede neue Story fühlt sich an wie ein Fenster, durch das dein:e Ex in dein Leben schaut. Das ist verunsichernd – und emotional anstrengend. In diesem Ratgeber erhältst du:

  • wissenschaftlich fundierte Anzeichen dafür, ob dein Ex dein Profil beobachtet
  • psychologische und neurobiologische Hintergründe, warum das passiert
  • klare Strategien, wie du dich schützt – ohne Drama
  • Beispiele aus dem echten Leben, damit du die Dynamik besser einordnen kannst
  • rechtliche Einordnung (DACH) und sichere Eskalationspfade, falls Grenzen überschritten werden
  • Checklisten, Vorlagen und ein Mini-Selbsttest für schnelle Orientierung

Ich zeige dir, wie du Anzeichen realistisch bewertest, typische Denkfehler vermeidest und welche Schritte dir jetzt innere Ruhe, Sicherheit und – wenn du es möchtest – eine solide Basis für einen späteren Neuanfang geben.

Was „Stalken“ online bedeutet – und was nicht

„Stalken“ ist ein starkes Wort. Im Alltag sagst du vielleicht „Ex stalkt mein Profil“, wenn du merkst, dass er oder sie ständig deine Stories schaut oder alte Fotos liked. Wissenschaftlich und juristisch unterscheidet man jedoch:

  • Unverbindliches Online-Nachschauen: Gelegentliches Anschauen von Profilen aus Neugier. Das ist verbreitet und oft harmlos (Lyndon et al., 2011; Tokunaga, 2011).
  • Social-Media-Surveillance: Systematisches Beobachten, um Informationen zu sammeln – z. B. wer dich tagged, mit wem du Zeit verbringst (Marshall, 2012; Fox & Warber, 2014).
  • Cyberstalking/Belästigung: Wiederholtes, unerwünschtes Kontaktieren, Drohungen, das Anlegen von Fake-Accounts zum Umgehen von Blockaden, Rufschädigung. Das ist ernst und kann strafbar sein (Spitzberg & Cupach, 2007; Sheridan & Grant, 2007).

Wichtig: Nicht jedes „Aufpoppen“ deines Ex in deiner Online-Welt ist ein Beweis für Stalking. Plattform-Algorithmen pushen Menschen, mit denen du kürzlich interagiert hast. Zudem zeigen manche Plattformen (z. B. Instagram) keine Profilbesuche an – du siehst nur Story-Views. Deshalb brauchst du einen kühlen Kopf und klare Kriterien.

Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Wenn du dich bedroht fühlst, dokumentiere alles, blockiere konsequent und wende dich an Beratungsstellen oder die Polizei.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum Ex-Partner Profile beobachten

Das Verhalten „ex stalkt profil“ hat tiefe psychologische Wurzeln. Mehrere wissenschaftliche Linien helfen, es zu verstehen.

  • Bindungssystem: Nach einer Trennung ist das Bindungssystem aktiviert (Bowlby, 1969; Ainsworth et al., 1978). Vor allem unsicher-ambivalente oder ängstliche Bindungsstile neigen dazu, nach Nähe zu suchen, auch passiv – etwa durchs Anschauen deines Profils (Hazan & Shaver, 1987; Marshall et al., 2013).
  • Ungewissheit reduzieren: Social Media liefert scheinbar „Antworten“ – Was machst du? Mit wem bist du unterwegs? Diese Informationssuche wirkt kurzfristig angstlindernd, langfristig verstärkt sie jedoch Rumination und Trennungsstress (Marshall, 2012; Sbarra & Emery, 2005).
  • Eifersucht und Vergleich: Plattformen triggern „sozialen Vergleich“ und Eifersucht, weil kuratierte Informationen Überschlussfolgerungen einladen (Muise et al., 2009; Fox & Warber, 2014). Das kann Monitoring verstärken – auch wenn es schmerzt.
  • Neurochemie der Liebe: Zurückweisung aktiviert Belohnungs- und Stresssysteme im Gehirn, ähnlich wie Entzug (Fisher et al., 2010). Dopamin-getriebene „Suche“ nach dem Ex kann sich wie Zwang anfühlen. Bei langjährigen Beziehungen bleiben Liebesnetzwerke teils aktiv (Acevedo et al., 2012), was „nur mal eben schauen“ belohnt.
  • Paarbindungsbiologie: Bindung ist neurale Gewohnheit (Young & Wang, 2004). Nach Trennung laufen konditionierte „Annäherungsroutinen“ nach, auch digital.
  • Social-Media-Wohlbefinden: Häufige Social-Media-Nutzung kann negative Stimmung verstärken und den Eindruck erzeugen, andere seien „besser dran“ (Kross et al., 2013; Verduyn et al., 2017) – was das Ping-Pong aus Sehnsucht, Eifersucht und Monitoring befeuert.

Kurz: Dein Ex klickt nicht, weil du etwas „falsch“ gemacht hast. Er/sie reguliert inneren Stress – leider auf eine Weise, die auch dich belastet.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Mythen vs. Fakten

  • Mythos: „Wenn er/sie meine Story guckt, will er/sie zurück.“
    • Fakt: Story-Views zeigen Aufmerksamkeit, nicht Absichten. Muster und Offline-Handlungen zählen.
  • Mythos: „Instagram zeigt mir, wer mein Profil besucht.“
    • Fakt: Nein. Du siehst nur Interaktionen (Likes/Kommentare/DMs) und Story-Views.
  • Mythos: „Blockieren ist immer aggressiv.“
    • Fakt: Blockieren ist eine legitime Schutzmaßnahme. Wie du es kommunizierst, macht den Unterschied.
  • Mythos: „Ich muss das aushalten, sonst wirke ich schwach.“
    • Fakt: Grenzen sind Stärke und fördern Heilung.

24 häufige Anzeichen: Beobachtet dein Ex dein Profil?

Jedes Anzeichen hat eine andere Beweiskraft. Entscheidend ist das Muster über 2–4 Wochen – nicht ein einzelnes Ereignis. Nutze diese Liste, um belastbare Indizien von Zufällen zu unterscheiden.

Schnelles Ansehen deiner Stories
  • Was du siehst: Dein Ex ist fast immer unter den ersten Viewern.
  • Warum es passiert: Algorithmisch werden Accounts mit hoher Interaktion oben angezeigt. Wenn dein Ex dich oft schaut, bleibst du oben – ein Feedback-Loop.
  • Einschätzung: Mittel – spricht für regelmäßiges Beobachten, ist aber kein Beweis für Absicht in jedem Einzelfall.
Views von alten Story-Highlights
  • Was du siehst: Dein Ex taucht in den Views alter Highlights auf.
  • Warum es passiert: Aktives „Zurückscrollen“ nötig – eher absichtsvoll.
  • Einschätzung: Hoch – gezieltes Interesse an der Vergangenheit.
Likes oder Reaktionen auf sehr alte Posts
  • Was du siehst: „Aus Versehen“ ein Like auf deinem 2018er Foto.
  • Warum es passiert: Scrollt weit zurück; hohes Monitoring.
  • Einschätzung: Hoch – starker Hinweis auf intensives Profil-Scanning.
Häufige Profilaufrufe erkennbar über LinkedIn-Benachrichtigungen
  • Was du siehst: „Jemand hat dein Profil angesehen“ – dein Ex im Nicht-Privatmodus.
  • Warum es passiert: Berufliches Vorwandschauen kommt vor.
  • Einschätzung: Hoch – wenn sichtbar.
„Zufällige“ Treffen nach Posts
  • Was du erlebst: Nach einem Lokal-Post taucht dein Ex dort „zufällig“ auf.
  • Warum es passiert: Gezieltes Observieren deiner Orte.
  • Einschätzung: Mittel bis hoch – in Kombination mit anderen Anzeichen kritisch.
Direkte Reaktionen auf subtile Hinweise in Captions
  • Was du siehst: Ex reagiert mit Inside-Jokes oder „Das war doch unser Song“.
  • Einschätzung: Mittel – zeigt genaue Lektüre deiner Inhalte.
Rapid-Fire-Views nach Upload-Zeiten
  • Was du siehst: Innerhalb von Minuten nach Upload schaut dein Ex – auch zu ungewöhnlichen Zeiten.
  • Einschätzung: Mittel – kann auch Schlaflosigkeit/Rumination anzeigen.
Plötzliche Likes von befreundeten Accounts mit keiner früheren Interaktion
  • Was du siehst: Ein „neuer“ Account aus dem Umfeld liked Muster-haft.
  • Warum es passiert: Freund:innen-Proxy oder Zweitaccount möglich.
  • Einschätzung: Niedrig bis mittel – Vorsicht vor Fehlinterpretation.
Wiederholtes Folgen/Entfolgen
  • Was du siehst: Follow–Unfollow–Follow.
  • Warum es passiert: Ambivalenz, Aufmerksamkeitssuche, Testen deiner Reaktion.
  • Einschätzung: Mittel.
Kommentare, die Wissen aus Nicht-öffentlichen Quellen verraten
  • Was du siehst: Hinweise auf deine Aktivitäten, die nur via Stories ersichtlich waren.
  • Einschätzung: Hoch.
Unerwünschte DMs auf neutrale Posts
  • Was du siehst: Ex nutzt jeden Vorwand für Kontakt („Süßer Hund“).
  • Einschätzung: Mittel – Kontaktversuch, nicht zwingend „Stalken“.
Nutzung von „Close Friends“-Leaks
  • Was du erlebst: Inhalte aus deiner Close-Friends-Story erreichen deinen Ex.
  • Einschätzung: Hoch – indirekte Überwachung via Dritte.
Interaktionen mit Personen, die dich oft taggen
  • Was du siehst: Ex folgt/DMt Freund:innen, mit denen du postest.
  • Einschätzung: Mittel bis hoch – Netzwerk-Monitoring.
Gezielte Selbstinszenierung des Ex „als Antwort“
  • Was du siehst: Mirror-Posts (ähnlicher Ort, ähnliche Caption) kurz nach dir.
  • Einschätzung: Niedrig bis mittel – kann Zufall/Algorithmus sein.
„Passive“ Präsenz auf allen Kanälen
  • Was du erlebst: Ex taucht in Story-Views, LinkedIn, TikTok Live-View, Spotify-Playlist-Follows.
  • Einschätzung: Mittel – Summe macht’s.
Reaktionen auf vergängliche Formate (Lives, Fleets)
  • Einschätzung: Mittel – aktives Dabeisein in deiner Zeitleiste.
Likes auf Kommentar-Ebene
  • Was du siehst: Ex liked Kommentare Dritter unter deinen Posts.
  • Einschätzung: Mittel – zeigt Monitoring deines sozialen Feldes.
Plötzliche Verbindung zu alten Kontakten/Familie
  • Einschätzung: Niedrig bis mittel – kann auch Höflichkeit sein.
„Zweitaccounts“ folgen dir nach Blockierung
  • Einschätzung: Hoch – klare Umgehung von Grenzen.
Standortbezogene Reaktionen
  • Was du erlebst: Ex schreibt „Viel Spaß in München“, obwohl du es nur in einer Story mit eingeschränkter Zielgruppe gepostet hast.
  • Einschätzung: Hoch – Insiderzugang.
Monitoring deiner „Aktiv“-Signale (z. B. „zuletzt online“)
  • Einschätzung: Mittel – häufiges Checking.
Indirekte Kontaktversuche über Memes/Anspielungen
  • Einschätzung: Niedrig bis mittel – Signal, aber schwach belastbar.
Wiederholte „Tipp“-Benachrichtigungen ohne Nachricht
  • Einschätzung: Mittel – Impulsivität/Annäherungsversuch.
Grenzüberschreitungen: Drohungen, Fake-Profile, Doxing
  • Einschätzung: Sehr hoch – hier spricht man von Belästigung/Cyberstalking.

Harmlosere Indizien

  • Gelegentliches Story-View
  • Seltenes Like auf aktuelle Posts
  • Indirekte Meme-Posts ohne Bezug

Klare Red Flags

  • Alte Posts geliked/aufgerufen
  • Fake-Accounts nach Blockieren
  • „Zufällige“ Offline-Begegnungen nach Standort-Posts

Wie zuverlässig sind diese Anzeichen wirklich?

Viele Menschen überschätzen die Beweiskraft einzelner Platform-Signale. Typische Denkfehler:

  • Bestätigungsfehler: Du siehst, was du erwartest. Wenn du „ex stalkt profil“ vermutest, deutest du neutrale Reize als Bestätigung.
  • Algorithmus-Illusion: Instagram reiht Story-Viewer und „Vorgeschlagene“ anhand komplexer Signale. Häufige gegenseitige Checks halten euch oben – es ist ein Kreislauf.
  • Verfügbarkeitsheuristik: Einzelne auffällige Ereignisse (altes Like) wirken größer als 20 harmlose Tage dazwischen.

So prüfst du deine Wahrnehmung:

  • 14-Tage-Log: Notiere nur überprüfbare Ereignisse (z. B. „2 alte Posts geliked, 1 Fake-Account folgt“). Keine Interpretationen.
  • Muster statt Moment: Suche wiederkehrende Sequenzen (z. B. „Story-View → DM → Offline-Auftauchen“).
  • Plattform-Wissen: Kenn die Limits. Instagram zeigt keine Profilbesuche an; LinkedIn tut es eingeschränkt; WhatsApp „zuletzt online“ ist manipulierbar.

>80%

Studierende berichten in Studien, Ex-Profile zumindest gelegentlich zu checken (Lyndon et al., 2011)

2–4 Wochen

So lange solltest du Muster beobachten, bevor du Schlussfolgerungen ziehst

3 Ebenen

Technik, Verhalten, Grenzen – auf diesen Ebenen schützt du dich

Psychologie des „Ex beobachtet mich“: Bindung, Emotion, Algorithmus

  • Bindung und Ambivalenz: ängstliche Bindung → Monitoring; vermeidende Bindung → Distanz online, aber verdeckte Checks (Hazan & Shaver, 1987; Marshall et al., 2013).
  • Emotionale Regulation: Social-Media-Checks liefern Mikrodosen an Dopamin/Erleichterung – die negative Verstärkung hält das Verhalten am Laufen (Fisher et al., 2010).
  • Eifersuchtsschleife: mehr Infos → mehr Interpretationen → mehr Eifersucht → mehr Monitoring (Muise et al., 2009; Fox & Warber, 2014).
  • Trennungsverarbeitung: Rumination und „Online-Exposure“ korrelieren mit schlechterer Anpassung (Sbarra & Emery, 2005; Marshall, 2012).
Phase 1

Akute Trennung (0–4 Wochen)

  • Hohe Aktivierung, impulsive Checks, späte Nachrichten
  • Typische Anzeichen: frühe Story-Views, „versehentliche“ Likes
Phase 2

Pendelphase (1–3 Monate)

  • Wechsel aus Distanz und Nähe-Versuchen
  • Typische Anzeichen: Follow/Unfollow, Kommentare über Dritte
Phase 3

Neuordnung (3–6+ Monate)

  • Deutlich weniger Monitoring – oder eskalierte Muster bei ungelösten Themen

Plattform-Wissen: Was du wirklich sehen kannst

  • Instagram
    • Sichtbar: Story-Views (24h), Reaktionen/Antworten, Likes/Kommentare, wer dir folgt.
    • Nicht sichtbar: Profilbesuche; wer Screenshots macht (mit Ausnahmen bei einmaligen Direktfotos).
    • Fallstrick: Viewer-Reihenfolge spiegelt Interaktionsnähe – nicht „wer am meisten stalkt“ – exakt wider.
  • WhatsApp
    • Sichtbar: Status-Views (wenn Lesebestätigungen an), „online“-Status je nach Einstellung.
    • Nicht sichtbar: Wer deinen Chat öffnet. „Zuletzt online“ kann durch Einstellungen verborgen werden.
  • TikTok
    • Sichtbar: Kommentare, Likes, ggf. Profilansichten bei aktivierter Funktion (nur begrenzt und beidseitig sichtbar).
    • Nicht sichtbar: Wer deine Videos mehrfach abspielt.
  • Facebook
    • Sichtbar: Interaktionen, geteilte Inhalte, Markierungsvorschläge (wenn aktiviert).
    • Nicht sichtbar: Wer dein Profil still betrachtet.
  • LinkedIn
    • Sichtbar: Profilansichten – abhängig vom Modus. Im Privatmodus sieht man dich nicht, aber du siehst dann auch weniger.

Tipp: Stelle dir die Frage „Was kann mein Ex objektiv sehen – und was konstruiere ich dazu?“ Das trennt Fakten von Fantasie.

Konkrete Strategien: Technischer Schutz, Verhalten, Grenzen

Dreifachstrategie: 1) Technische Einstellungen, 2) Verhalten/Kommunikation, 3) Selbstregulation.

1Technische Einstellungen – Checklisten für die wichtigsten Plattformen

  • Instagram
    • Konto privat schalten: Einstellungen → Datenschutz → Privates Konto.
    • Follower entfernen: Profil → Follower-Liste → Entfernen.
    • Restrict statt Block: Beschränkt Interaktionen ohne Eskalationssignal.
    • Story-Kontrollen: Story → Einstellungen → Verbergen vor…; enge Freunde zielgenau.
    • Kommentare einschränken: Nur von Abonnenten, Schlüsselwörter filtern.
    • Standort nur nachträglich posten; Geotags weglassen.
    • „Kontaktaufnahme“-Buttons entfernen (bei Business-Accounts), falls nicht beruflich nötig.
  • WhatsApp
    • Zuletzt online/Onlinestatus verbergen; Lesebestätigungen aus.
    • Status-Zielgruppe auf „Meine Kontakte außer…“.
    • Unbekannte blockieren; Archivieren und stummschalten.
    • Zwei-Schritt-Verifizierung aktivieren.
  • Facebook
    • Chronik-Überprüfung aktivieren; Markierungen freigeben.
    • Freundeslisten (Enge Freunde/Restriktiv) bewusst einsetzen.
    • Listenbasierte Sichtbarkeit für Posts.
    • Face Recognition deaktivieren.
  • TikTok
    • Privates Konto; Direktnachrichten nur von Freunden.
    • Duette/Stitches deaktivieren.
    • Downloads von Videos deaktivieren.
  • LinkedIn
    • Privater Modus bei Profilansichten; Sichtbarkeit einschränken.
    • Kontakte-Export verhindern (Sichtbarkeit deiner Verbindungen: „Nur ich“).
  • Google/YouTube/Spotify
    • Aktivitätsprotokoll prüfen; Playlists privat; keine öffentlichen Standorte/Reviews.
  • Geräte/Sicherheit
    • Zwei-Faktor-Authentifizierung; starke, einzigartige Passwörter.
    • E-Mail-/Telefon-Recovery prüfen; alte Geräte abmelden.
    • Keine gemeinsamen Cloud-Alben; Standortfreigaben deaktivieren.
    • Prüfe Freigaben in iCloud/Google („Mit dir geteilt“, „Standort teilen“).

Schützen ist keine „Feindseligkeit“. Es ist Selbstfürsorge – und reduziert Trigger für euch beide.

2Verhalten und Kommunikation – wenn Kontakt unvermeidbar ist

  • No-Contact als Default (Sbarra & Emery, 2005): 30–45 Tage vollfunkstill, wenn keine Kinder/Jobbindung.
  • Limited Contact bei Co-Parenting: Nur sachlich, schriftlich, klare Zeiten.
  • BIFF-Prinzip für heikle Nachrichten (Brief, Informativ, Freundlich, Fest): kurz, ohne Schuldzuweisungen.
  • Klare Grenzen setzen – Beispielformulierung:
    • „Bitte sieh davon ab, meine Social-Media-Profile zu verfolgen oder zu kommentieren. Ich brauche klare digitale Grenzen, um gut abzuschließen. Danke fürs Respektieren.“
  • Bei Eskalation über Dritte:
    • „Mir wurde berichtet, dass Inhalte aus meiner Close-Friends-Liste weitergegeben werden. Ich bitte, das zu unterlassen. Ich passe sonst die Einstellungen an.“
  • Wenn berufliche Schnittstellen bestehen (LinkedIn):
    • „Ich halte Social Media beruflich. Bitte keine privaten Nachrichten hier.“
  • Grey-Rock-Ansatz: sachlich, neutral, minimal reagieren – keine Emotionalität füttern.

3Selbstregulation – raus aus dem Reaktionsmodus

  • Reizkontrolle: App-Timer, keine Pushes für DMs/Views; Stories planen und seltener posten.
  • Kognitive Neubewertung: „Das ist kein Beweis für Interesse an mir als Person – es ist ein Bewältigungsversuch meines Ex.“
  • Achtsamkeit: 3-Minuten-Atmung, wenn ein Trigger aufploppt.
  • Ersatzhandlungen: statt Profil zu checken → kurze Bewegung, Wasser, Atemzug, Notiz.
  • Wochenplan: Social-Media-Fenster 2×/Tag 10 Minuten, Rest geschlossen.
  • Nervensystem pflegen: Schlaf, Essen, Tageslicht, Bewegung – reduziert Reaktivität spürbar.

Wenn du deinen Ex zurückmöchtest: Nicht auf das „Stalking“ anspringen

„Ex stalkt profil“ bedeutet nicht automatisch „Ex will zurück“. Monitoring kann auch aus Angst/Eifersucht passieren, ohne Bindungsangebot. Wenn du einen Neuanfang anstrebst:

  • Stabilisiere dich zuerst: 30–45 Tage kein Austausch, keine versteckten Botschaften. Das reduziert Rumination und steigert Klarheit (Sbarra & Emery, 2005).
  • Verzichte auf Reaktions-Mikros: Kein Like-zurück, keine indirekten Story-Botschaften.
  • Zeige Sicherheit statt Drama: Späte, klare Kommunikation, wenn du bereit bist:
    • „Hey, ich habe gemerkt, dass wir uns online viel begegnen. Wenn du magst, können wir in 1–2 Wochen telefonieren, um den Abstand und die nächsten Schritte zu besprechen.“
  • Keine Eifersuchts-Taktiken: Sie schaden Vertrauen und erhöhen Gegensurveillance (Muise et al., 2009).
  • Offline als Prüfstein: Wenn es wieder ernst wird, zeigt sich Reife in Gesprächen, nicht in Story-Views.

Realistische Szenarien – und was du tun kannst

  • Sarah, 34, zwei Kinder, Instagram privat
    • Muster: Ex sieht jede Story, kommentiert über die Kinder („Süß, dass Mia jetzt radelt“), folgt plötzlich Sarahs Schwester.
    • Risiko: Verwischte Grenze zwischen Co-Parenting und Kontrolle.
    • Strategie: Story-Kreise trennen (Kinder-Updates nur für enge Familie), klare Übergabekommunikation, keine Kinderinhalte öffentlich; Message: „Kinder-Infos per Familienchat, Social Media bleibt privat.“
    • Effekt: Monitoring sinkt, Co-Parenting wird sachlicher.
  • Jonas, 29, Musiker, öffentliche Accounts
    • Muster: Alte Posts geliked, Fake-Account folgt nach Block.
    • Risiko: Grenzüberschreitung.
    • Strategie: Umstellen auf privat, Follower bereinigen, 2FA, Fake melden, juristisch beraten bei Persistenz.
    • Effekt: Druck nimmt ab, Jonas gewinnt Ruhe zurück.
  • Leyla, 26, TikTok aktiv
    • Muster: Ex duettierte alte Videos mit passiv-aggressiven Untertönen.
    • Strategie: Duette/Stitches deaktivieren, Kommentarmoderation, keine indirekten Antworten. Statement ohne Adresse: „Kein Privates auf diesem Kanal“.
  • Mehmet, 41, LinkedIn sichtbar
    • Muster: Ex schaut mehrfach sein Profil im nicht-privaten Modus.
    • Strategie: LinkedIn privat schalten, Soft-Boundary-Nachricht, konzentriert auf Berufliches.
  • Alina, 32, kleinräumige Stadt
    • Muster: „Zufällig“ im Café nach einem Geotag-Post.
    • Strategie: Geotags weglassen, erst nachträglich posten, soziale Unterstützung aktivieren. Bei Wiederholung: freundlich aber klar ansprechen, ggf. dokumentieren.
  • Noah, 37, Kooperationsnetzwerk
    • Muster: Ex fragt gemeinsame Bekannte nach Noahs Plänen.
    • Strategie: Netzwerk informieren („Wir besprechen das nicht mehr“), Futter für Monitoring reduzieren, Offline-Fokus.

Kommunikation: Vorlagen für verschiedene Lagen

  • Neutrale Grenzsetzung
    • „Ich möchte meine Social-Media-Inhalte privat halten. Bitte respektiere das und verzichte darauf, meine Posts zu kommentieren oder zu verfolgen. Danke.“
  • Nach Fake-Accounts
    • „Ich habe wiederholte Versuche bemerkt, über neue Accounts Kontakt aufzunehmen. Bitte unterlass das. Ich blockiere künftig konsequent und dokumentiere Vorfälle.“
  • Co-Parenting-Boundary
    • „Für die Kinderkommunikation nutzen wir nur den Familienchat. Social Media lassen wir raus.“
  • Berufliche Distanz
    • „Ich nutze LinkedIn nur beruflich und antworte nicht auf private Anliegen hier.“
  • Wenn du eine Brücke offenhalten willst (später)
    • „Ich brauche aktuell digitale Distanz. Wenn wir in ein paar Wochen sprechen möchten, melde dich gern – offline.“
  • Klar bei Umgehungen
    • „Ich habe dein neues Profil identifiziert. Bitte respektiere meine Entscheidung und nimm keinen weiteren Kontakt auf. Ich dokumentiere ab jetzt alle Vorfälle.“

Sicherheit: Wann „Stalken“ zur Gefahr wird

Warnsignale für ernsthafte Belästigung:

  • wiederholtes Erscheinen an deinen Orten nach Online-Hinweisen
  • Drohungen, Rufschädigung, Veröffentlichung privater Daten
  • Umgehung von Blockaden, Kontakt über Dritte trotz klarer Ablehnung
  • Monitoring kombiniert mit Besitzansprüchen („Du gehörst mir“) oder Kontrolle („Ich weiß, wo du warst“)

Sofortmaßnahmen:

  • dokumentieren: Screenshots, Zeiten, Zeugen, Vorfälle in zeitlicher Reihenfolge
  • Grenzen verschriftlichen und einmalig versenden, dann funkstill
  • juristische Optionen prüfen; Beratungsstellen ansprechen; Notfallnummern kennen
  • Sicherheitsplan: Begleitung, keine alleinigen Abendroutinen, Gerätecheck auf Spyware

Wenn du dich bedroht fühlst: Blockieren, Beweise sichern, externe Hilfe holen. Sicherheit zuerst – nicht Debattieren.

Rechtslage (DACH): Ab wann ist es strafbar?

Hinweis: Keine Rechtsberatung. Hole dir bei konkreten Fällen Unterstützung.

  • Deutschland
    • § 238 StGB „Nachstellung“: Strafbar ist beharrliches Nachstellen, das deine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt (z. B. Auflauern, Kontaktaufnahme gegen deinen Willen, Drohungen, Verbreitung privater Infos). Cyberstalking fällt darunter, wenn es die genannten Kriterien erfüllt.
    • Gewaltschutzgesetz (GewSchG): Zivilrechtliche Schutzanordnungen (Kontakt-/Näheverbote) sind möglich.
  • Österreich
    • § 107a StGB „Beharrliche Verfolgung“: Wiederholtes Nachstellen/Beobachten/Kontaktieren, das deine Lebensführung unzumutbar beeinträchtigt.
  • Schweiz
    • Kein eigener „Stalking“-Tatbestand; zivilrechtlicher Schutz über Art. 28b ZGB (Schutz vor Gewalt, Drohungen und Nachstellungen). Strafrechtlich kommen je nach Verhalten weitere Delikte in Betracht.

Was du praktisch tun kannst:

  • Beweissicherung: Screenshots mit Datum/Uhrzeit, Chat-Exports, Zeugen, Kalendereinträge. Sichere parallel auf externer Cloud/USB.
  • Kontaktabbruch dokumentieren: Eine klare Grenzsetzung hilft später, „Unerwünschtheit“ nachzuweisen.
  • Beratungsstellen: Frauenberatungen, Opferschutz, Männerberatungen, WEISSER RING, spezialisierte Polizeidienststellen.

Entscheidungsbaum: Was jetzt konkret zu tun ist

  • Stufe A – Leichte Indizien (Story-Views, gelegentliche Likes)
    • Technisch: Sichtbarkeit reduzieren (Stories nur enge Freunde), Geotags weg.
    • Verhalten: Nicht reagieren, kein „Like-zurück“, Posting-Frequenz senken.
    • Review nach 14 Tagen.
  • Stufe B – Wiederkehrende Muster (alte Likes, DMs, Freundes-Proxy)
    • Technisch: Privat stellen, Follower bereinigen, Kommentarfunktion einschränken.
    • Kommunikation: Eine kurze Boundary-Nachricht. Dann Funkstille.
    • Dokumentation starten (Vorfall-Log).
  • Stufe C – Grenzüberschreitungen (Fake-Accounts, Offline-Auftauchen)
    • Technisch: Blockieren, Zweitfaktor, Gerät/Cloud prüfen.
    • Netzwerk: Freund:innen bitten, nichts zu teilen. Close Friends bereinigen.
    • Recht: Beratung einholen, Vorfälle sammeln.
  • Stufe D – Bedrohung/Übergriffigkeit
    • Sofort: Blockieren, Beweise sichern, Polizei/Opferschutz, Schutzanordnung prüfen.
    • Sicherheitsplan für Alltag und Wege.

Mini-Selbsttest: Wie belastet dich das Monitoring?

Kreuze pro Aussage 0–3 an (0=nie, 1=selten, 2=oft, 3=sehr oft):

  • Ich verändere, was/wo ich poste, weil mein Ex mitliest.
  • Ich checke Story-Views oder „zuletzt online“ mehrmals täglich.
  • Ich fühle mich überwacht oder mulmig, wenn ich rausgehe.
  • Ich antworte/poste, um Reaktionen meines Ex zu steuern.
  • Ich habe Schlaf-/Konzentrationsprobleme wegen Social Media.

Auswertung:

  • 0–3: Niedrig – Basismaßnahmen reichen.
  • 4–7: Mittel – Grenzen klaren, Sichtbarkeit senken, Log führen.
  • 8–15: Hoch – konsequente Schutzstrategie, ggf. Beratung.

Protokollvorlage: Vorfälle strukturiert festhalten

Notiere pro Ereignis:

  • Datum/Uhrzeit
  • Plattform/Ort
  • Konkrete Handlung (z. B. „Like auf Post vom 12.06.2018“)
  • Kontext (z. B. „kurz nach Post mit Geotag des Cafés“)
  • Zeugen (falls vorhanden)
  • Reaktion von dir (z. B. „keine“, „blockiert“)
  • Anmerkung (z. B. „zweiter Fake-Account in 2 Wochen“)

Kontinuität ist wichtiger als Perfektion.

Typische Fehler – und bessere Alternativen

  • Fehler: „Aus Versehen“ zurück-liken
    • Besser: Entfolgen/Entfreunden, Interaktionspfade minimieren.
  • Fehler: Indirekte Seitenhiebe posten
    • Besser: Offline verarbeiten, online neutral bleiben.
  • Fehler: Grenzen nur andeuten
    • Besser: Kurz, klar, einmalig – dann konsequent handeln.
  • Fehler: Algorithmen persönlich nehmen
    • Besser: Verstehen, einstellen, entpersonalisieren.
  • Fehler: Gemeinsame Freund:innen als „Nachrichtenkanal“ nutzen
    • Besser: Netzwerk freundlich instruieren, nichts weiterzugeben.

Heilsame Distanz schaffen: Was dir jetzt hilft

  • Digitale Hygiene: Bewusste Posting-Pausen, keine „Vibes“-Botschaften für den Ex.
  • Wertearbeit: Was willst du schützen (Ruhe, Würde, Kinder)? Danach ausrichten.
  • Körperliche Regulation: Schlaf, Essen, Bewegung – das senkt Reaktivität auf Trigger.
  • Sozialer Puffer: Freund:innen einweihen, damit sie keine Infos weiterreichen.
  • Kleine Siege zählen: Eine Woche ohne Checking ist ein Triumph fürs Nervensystem.
  • Medien-Fasten: 48 Stunden ohne App – beobachte den Unterschied.

Wie Social-Media-Stalking Heilung verzögert – und wie du gegensteuerst

  • Mechanismus: Monitoring → Trigger → Rumination → schlechtere Stimmung → erneutes Monitoring (Marshall, 2012; Kross et al., 2013).
  • Gegenmittel: Reizkontrolle + alternative Regulation + klare Grenzen. Studien zeigen: Distanz und Struktur fördern Anpassung nach Trennung (Sbarra & Emery, 2005; Field et al., 2009).

Besonderheiten in kleinen Communities (Dorf, Campus, Szene, LGBTQIA*)

  • Höhere Sichtbarkeit: Weniger Anonymität, mehr Überschneidungen.
  • Strategie: Engere Sichtbarkeitskreise, Netzwerk klar informieren, Offline-Routinen variieren.
  • Respektiere Outing-Grenzen: Keine Details posten, die Dritte unfreiwillig involvieren.

Co-Parenting: Digital gesund bleiben

  • Trennung der Kanäle: Elternkommunikation nur über einen definierten Kanal (z. B. E-Mail/Co-Parenting-App).
  • Inhalte der Kinder: Nur geschlossen teilen; Gesichter/Standorte vermeiden.
  • Zeitfenster: Nachrichtenfenster (z. B. Mo–Fr 9–17 Uhr) zur Entlastung.

Arbeit und Reputation: LinkedIn & Co.

  • Halte Profile sachlich, privat, ohne persönliche Posts.
  • Sichtbarkeit deiner Kontakte auf „Nur ich“.
  • Reagiere bei beruflichen Grenzverletzungen kurz und sachlich, ohne Schuldzuweisungen.

„Ich will nicht zurückstalken“ – 7 Alternativen

  • „30-Sekunden-Regel“: Wenn der Impuls kommt, 30 Sekunden atmen, dann Entscheidung.
  • Ersetze durch Mikro-Aufgabe: Glas Wasser, 10 Kniebeugen, 5 tiefe Atemzüge.
  • Leite Impuls um: Öffne Notiz-App, schreib 1 Satz: „Was bräuchte ich gerade?“
  • App vom Startbildschirm entfernen; Login aus Apps ausloggen.
  • Bildschirmzeit-Berichte aktiv nutzen; wöchentliche Limits setzen.
  • Achtsamkeit: 5 Dinge sehen – 4 fühlen – 3 hören – 2 riechen – 1 schmecken.
  • Buddy-System: Freund:in antexten statt Profil anzuklicken.

Häufige Plattform-Fallen – und wie du sie entschärfst

  • Snap Map/Live-Standort: Deaktivieren bei Snapchat, WhatsApp, iMessage.
  • Gemeinsame Alben/Clouds: Auflösen, Rechte entziehen, Inhalte sichern.
  • Passwort-Wiederherstellung: Fremde E-Mail/Nummer entfernt?
  • Dritt-Apps: Social-Logins durchgehen, Zugriffe widerrufen.

Erweiterte Tools: Wenn du dich sehr belastet fühlst

  • Content-Filter: Liste an Trigger-Wörtern in Kommentarfiltern (z. B. „Vermisse dich“, „Zurück“).
  • Keyword-Blocklisten (Instagram/TikTok/Facebook): Verhindern, dass bestimmte Begriffe bei dir auftauchen.
  • Aufräum-Session: 60 Minuten, um Follower, Markierungen, alte Posts zu kuratieren.

Vertiefung: Bindungsstile und typische Online-Muster

  • Ängstlich-ambivalent: Starkes Monitoring, schnelle Reaktionen auf Stories, Interpretationsneigung. Hilfe: Klare Offline-Struktur, No-Contact-Phase, therapeutische Unterstützung bei Trennungsangst.
  • Vermeidend: Scheinbar distanziert, aber nächtliche Checks, „unsichtbare“ Präsenz (z. B. nur Story-Views). Hilfe: Bewusstes Emotionsmanagement, sichere Grenzen ohne Spielchen.
  • Sicher: Kurzfristige Neugier, dann Loslassen. Hilfe: Routinen, Offline-Fokus, kein Gegenspiel.

Beachte: Das sind Tendenzen, keine Diagnosen. Menschen können je nach Stresslevel zwischen Strategien wechseln.

Forensische Beweissicherung: So machst du es belastbar

  • Vollständigkeit: Speichere Screenshots inkl. Datum/Uhrzeit, URL, Profilname. Bei Videos: Bildschirmaufnahme mit kurzer verbalen Einordnung („Datum, Uhrzeit, Kontext“).
  • Unveränderlichkeit: Exportiere Chatverläufe als Datei (WhatsApp/Instagram-Data-Download). Lade Kopien auf einen externen Datenträger oder in eine Cloud, die dein Ex nicht kennt.
  • Chronologie: Führe ein Ereignisprotokoll (Tabellenblatt). Nutze eindeutige IDs (z. B. „IG-2025-03-14-01“).
  • Zeugen: Wenn möglich, lass eine vertraute Person einzelne Vorfälle zeitnah gegenlesen/abzeichnen.
  • Metadaten: Bei E-Mails/LinkedIn-Benachrichtigungen in PDF „Drucken“ und speichern; Dateiname mit Datum.
  • Keine Manipulation: Poste keine „Köder“, um Beweise zu erzeugen – das kann rechtlich/ethisch nach hinten losgehen.

Technik-Check: Hinweise auf Spyware oder verdeckte Zugriffe

  • iPhone
    • Einstellungen → Allgemein → VPN & Geräteverwaltung: Unbekannte Profile entfernen.
    • Standort teilen: Einstellungen → Datenschutz & Sicherheit → Ortungsdienste → „Standort teilen“ deaktivieren.
    • iCloud: Einstellungen → Apple-ID → Geräte; unbekannte Geräte abmelden. Gemeinsame Alben ausschalten.
    • Zwei-Faktor: Für Apple-ID aktivieren; App-spezifische Passwörter erneuern.
  • Android
    • Google Play Protect aktivieren; Scan durchführen.
    • Einstellungen → Sicherheit → Geräteadministratoren/Apps mit Bedienungshilfen-Rechten prüfen; Unbekanntes entfernen.
    • Konten: Google-Konto → Sicherheitscheck; Sitzungen beenden, Passwort ändern.
  • Allgemein
    • E-Mail-Konten härten (neues Passwort, Recovery-Methoden prüfen).
    • WLAN-Router: Passwort ändern, Firmware aktualisieren.
    • Verdacht auf Spyware: Fachberatung einholen; forensische Sicherung erwägen, bevor du alle Spuren löschst.

20-Minuten-Digital-Audit: Schnell wirksam

  • 5 Minuten: Sichtbarkeit aller Profile prüfen; Privat wo möglich.
  • 5 Minuten: Follower-Liste säubern (verdächtige Accounts entfernen/soft block).
  • 5 Minuten: Story/Status-Zielgruppen anpassen; Geotags standardmäßig aus.
  • 5 Minuten: Passwörter für E-Mail + Hauptplattformen ändern; 2FA aktivieren.

7-Tage-Plan für Ruhe und Klarheit

  • Tag 1: Grenzen definieren (für dich) und, falls nötig, einmalig kommunizieren.
  • Tag 2: Technik-Hardening (Passwörter, 2FA, Gerätecheck).
  • Tag 3: Social-Media-Fasten 24–48h; Protokoll starten.
  • Tag 4: Umfeld briefen („Bitte nichts weiterleiten/kommentieren“).
  • Tag 5: Selbstfürsorge-Fokus (Schlaf, Bewegung, Essen, Tageslicht).
  • Tag 6: Aufräumen: Alte Posts/Markierungen sichten, Sichtbarkeit kuratieren.
  • Tag 7: Review: Was hat die Belastung gesenkt? Nächste 2 Wochen planen.

Wenn eine neue Beziehung beginnt: Digitale Grenzen klug setzen

  • Transparenz: Keine indirekten Botschaften an den Ex über neue Partnerschaft.
  • Sicherheit: Standort/Termine nicht live posten; Privatsphäre der neuen Person achten.
  • Absprachen: Was posten wir (nicht) über uns? Wer sieht es?
  • Respekt: Kein „Vergleichen“/Tiefstiche – das füttert alte Dynamiken.

Team und Umfeld: Wie Freund:innen helfen können

  • Keine „Lageberichte“: Nicht erzählen, was der Ex online macht.
  • Keine Screenshots weiterreichen: Reduziert Trigger.
  • Bei Leaks: Klar kommunizieren, dass Close-Friends-Inhalte privat sind.
  • Begleitung anbieten: Zu Terminen/wegen Sicherheitsgefühl.

Fragen an Anwält:in/Polizei – Vorbereitung

  • Welche Beweise sind in meinem Fall sinnvoll? Wie am besten sichern?
  • Reicht die Dokumentation für eine Schutzanordnung? Welche Schwelle gilt?
  • Was sind sinnvolle Zwischenschritte (Gefährderansprache, Beratung)?
  • Welche Risiken hat eine Anzeige für meine berufliche/öffentliche Sichtbarkeit?

Häufige Dilemmata – pragmatische Lösungen

  • „Ich brauche Social Media beruflich.“
    • Lösung: Trenne privat/beruflich strikt, poste verzögert, entferne Privates, beschränke DMs, nutze Moderationstools.
  • „Wir haben dieselben Freund:innen/Clubs.“
    • Lösung: Sichtbarkeit auf Listenbasis, Netzwerk einbinden, offline Grenzen setzen.
  • „Ich habe Angst vor Eskalation durch Blockieren.“
    • Lösung: Erst einschränken/stummschalten, Sichtbarkeit reduzieren, Umfeld briefen; wenn nötig, später blockieren – dokumentiert.

Ressourcen (DACH) – Unterstützung holen

  • Deutschland: Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, WEISSER RING (Opferschutz), örtliche Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt, Polizeiliche Beratungsstellen.
  • Österreich: Frauenhelpline gegen Gewalt, Männernotruf, Opferschutz-Organisationen, Polizei-Beratungsstellen.
  • Schweiz: Opferhilfe-Beratungsstellen der Kantone, Fachstellen gegen Gewalt, Polizei.
  • Plattformen: Meldefunktionen für Belästigung/Impersonation nutzen; bei Gefahr immer 110/112 (bzw. nationale Notrufnummern) wählen.

Hinweis: Prüfe aktuelle Kontakte/Nummern lokal; speichere Notfallkontakte im Handy unter Kurzwahl.

FAQ – vertieft

Nicht zwingend. Monitoring kann Sehnsucht, Eifersucht, Kontrollwunsch oder reine Gewohnheit widerspiegeln. Wichtig ist, ob dein Ex reife, respektvolle Schritte unternimmt – offline.

Kommt auf die Lage an. Bei Grenzüberschreitungen: blockieren. Wenn du Eskalation vermeiden willst und keine akute Gefahr besteht: „Restrict“/Einschränken und Follower bereinigen.

Nein. Sie sind ein Indiz. Relevant ist ein Muster über Wochen (z. B. alte Posts, Fake-Accounts, „zufällige“ Treffen nach Standort-Posts).

Kommuniziere deine Bitte, keine Inhalte/Fotos zu teilen. Passe deine Sichtbarkeit und Geschichten-Kreise an. Bei wiederholtem Leaken: entferne oder mute entsprechende Kontakte.

In der Regel nein. Das verschärft Konflikte und vergrößert dein Stressfeld. Konzentriere dich auf deine Grenzen und Sicherheit.

Häufig 4–12 Wochen. Bei ungelösten Themen oder unsicherer Bindung kann es länger anhalten. Konsequente Grenzen und digitale Hygiene beschleunigen die Beruhigung.

Du bist nicht allein. Setze App-Timer, entferne Shortcuts, definiere Check-Fenster, ersetze das Verhalten durch kurze, konkrete Alternativen (Wasser, 10 Kniebeugen, Atemübung).

Nein. Studien verbinden Eifersuchts-Trigger mit mehr Überwachung, Misstrauen und schlechterem Befinden. Für echte Nähe braucht es Sicherheit, nicht Spielchen.

Screenshots mit Datum/Uhrzeit, kurze Notizen zu Kontext und Zeugen, Speichern außerhalb des Geräts, klare Chronologie. Bei Bedrohung: rechtliche Beratung.

Ja: „Stummschalten“, „Weniger davon anzeigen“, „Kein Interesse“. Interagiere nicht; jeder Klick füttert den Algorithmus. Entfolge/entfreunde oder blockiere.

Privat sichern, öffentlich archivieren oder Sichtbarkeit einschränken. Vermeide das Löschen in Rage – entscheide nach 30 Tagen erneut.

Sichtbarkeit des Kinderkontos auf privat, Kontakte prüfen, klare Vereinbarung, dass Social Media der Kinder tabu ist. Notfalls Plattform melden und rechtlich beraten.

Geräte/Netzwerke prüfen (WLAN-Passwort ändern), Standortfreigaben deaktivieren, Mail/Cloud trennen, geteilte Abos auflösen, klare Hausregeln (kein Betreten ohne Zustimmung).

Glossar – kurz erklärt

  • Social-Media-Surveillance: Systematisches Beobachten von Online-Aktivität einer Person.
  • Doxing: Veröffentlichung persönlicher Daten ohne Zustimmung.
  • Grey Rock: Reagieren ohne emotionale „Belohnung“ für die andere Person.
  • BIFF: Brief, Informativ, Freundlich, Fest – Methode für knappe, respektvolle Kommunikation.

Fazit: Ruhe vor dem Algorithmus – und Raum für dich

Die Mischung aus Sehnsucht, Eifersucht und Algorithmen macht Social Media nach einer Trennung tückisch. „Ex stalkt profil“ ist oft weniger eine Aussage über dich als Person – und mehr ein Symptom eines überforderten Bindungssystems. Du musst das nicht aushalten. Mit technischen Einstellungen, klaren Grenzen und guter Selbstfürsorge holst du dir deine Ruhe zurück. Und wenn es irgendwann wieder ein Gespräch gibt, dann idealerweise offline, respektvoll und ohne Publikum. Hoffnung entsteht dort, wo Sicherheit und Klarheit wachsen – nicht in den View-Zahlen deiner Story.

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