Sollte ich Ex blockieren? Strategisch?

Ex blockieren: Wann es die klügste Entscheidung ist – und wie du es umsetzt.

24 Min. Lesezeit Bindung & Psychologie

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du fragst dich, ob du deinen Ex blockieren solltest – und ob das strategisch klug ist? Genau darum geht es hier. Ich zeige dir, was psychologisch und neurologisch bei Trennungsschmerz passiert, warum jede Nachricht dich triggert und wie du Blockieren als wirksames Werkzeug für Klarheit, Heilung und (wenn sinnvoll) eine spätere, reifere Annäherung nutzen kannst. Du bekommst wissenschaftlich fundierte Hintergründe, konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Beispiel-Szenarien und Entscheidungshilfen, damit du heute eine ruhige, strategische Wahl treffen kannst – ohne Drama, ohne Spielchen.

Was bedeutet „Ex blockieren“ – und was nicht?

„Blockieren“ ist kein Racheakt. Es ist eine klare Grenze, die du setzt, um dich zu schützen und deine Regeneration zu fördern. Digital meint „blockieren“:

  • Telefon/SMS: Nummer blockieren oder auf stumm stellen
  • Messenger (WhatsApp, Signal, iMessage): Blockieren oder Benachrichtigungen stumm
  • Social Media (Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn): Blockieren, stumm schalten, entfolgen, Freundschaft aufheben
  • E-Mail: Filterregeln, die Nachrichten automatisch archivieren

Psychologisch meint „blockieren“: Du reduzierst Kontakt und Reize, die dein Belohnungs- und Stresssystem triggern. Das ist keine Manipulation, sondern Emotionsregulation. Wichtig ist die Intention: Blockiere, um dich zu stabilisieren – nicht, um den Ex zu bestrafen.

Abgrenzung:

  • Vollständige Kontaktsperre (No Contact): Kein Kontakt, keine Reaktionen, keine passiven Einblicke (Stalking vermeiden).
  • Teilkontaktsperre: Nur sachliche Kommunikation für Notwendiges (z. B. Kids, Mietvertrag), alles andere blockiert oder stumm.
  • Soft-Block: Technisch nicht blockiert, aber stumm/entfolgt – du entziehst dich dem Algorithmus und reduzierst Trigger.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum dich jede Nachricht so trifft

Trennungen aktivieren mehrere Systeme, die evolutionär wichtig sind:

  1. Bindungssystem und Protest: Nach Bowlby (1969) ist das Bindungssystem darauf ausgelegt, Nähe zu suchen. Nach einer Trennung folgt typischerweise eine Protestphase (Nähe suchen, anrufen, schreiben), dann Verzweiflung und schließlich Loslösung. Jede Nachricht hält dich länger im Protest fest. Ainsworth et al. (1978) und Hazan & Shaver (1987) zeigen, dass Bindungsstile (ängstlich, vermeidend, sicher) bestimmen, wie intensiv und wie du auf Distanz reagierst.
  2. Neurochemie der Liebe und des Entzugs: Verliebtheit und Bindung aktivieren Dopamin-, Opioid- und Oxytocin-Systeme (Fisher et al., 2010; Young & Wang, 2004). Ablehnung und Trennung lösen stressreiche Entzugssymptome aus. fMRI-Studien zeigen, dass sozialer Schmerz ähnliche Hirnregionen aktiviert wie körperlicher Schmerz (Eisenberger et al., 2003; Kross et al., 2011). Deshalb fühlt sich eine harmlose Story deines Ex wie ein Stich an.
  3. Rumination und Identitätskollaps: Nach einer Trennung kreisen die Gedanken: „Was wäre wenn?“ „Warum hat er/sie…?“ Rumination ist mit schlechterer Anpassung verbunden (Sbarra & Emery, 2005). Auch das Selbstkonzept leidet: Du musst definieren, wer du ohne die Beziehung bist (Slotter et al., 2010). Ständiger digitaler Kontakt verhindert diese Neuorganisation.
  4. Social-Media-Verstärker: Plattformen sind auf Intermittierende Verstärkung ausgelegt – du checkst 20-mal, einmal ist etwas vom Ex da, dein Gehirn lernt: „Weiter checken!“ Das verstärkt Obsession und Eifersucht (Fox & Tokunaga, 2015). Schon passives Stalking ist mit höherem Stress assoziiert (Marshall et al., 2013).
  5. Belastung für psychische Gesundheit: Trennungen zählen zu den größten Lebensstressoren (Holmes & Rahe, 1967) und sind mit depressiven Symptomen verbunden (Rhoades et al., 2011). Strategische Begrenzung von Triggern ist damit eine evidenznahe Intervention zur Symptomreduktion.

Kurz gesagt: Blockieren ist ein Werkzeug, um das Belohnungs- und Stresssystem zu beruhigen, dein Bindungssystem zu regulieren und die Neuorganisation deines Selbst zu ermöglichen.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Strategisch blockieren: Worum es wirklich geht

Strategisch blockieren heißt: Du triffst die Entscheidung bewusst, basierend auf Zielen (Heilung, Klarheit, ggf. spätere Annäherung) und Rahmenbedingungen (Kinder, Arbeit, Sicherheit). Es ist kein Spiel, sondern Selbstfürsorge mit Plan.

Kernziele:

  • Akutstress senken (Cortisol runter, Schlaf rauf)
  • Rumination unterbrechen (weniger Grübeln = bessere Emotionsregulation)
  • Verhaltenskontrolle zurückgewinnen (keine impulsiven Nachrichten)
  • Platz schaffen für Entwicklung (Freunde, Hobbys, Therapie, Sport)
  • Grundlage für reifen, optionalen Kontakt später schaffen (wenn beide stabil)

Was Blockieren dir geben kann

  • Ruhephase für dein Nervensystem
  • Weniger Grübeln, weniger Eifersucht
  • Klare Grenze gegen On/Off-Dynamiken
  • Zeit, um Bindungssicherheit aufzubauen
  • Bessere Chance auf respektvollen Neuanfang

Risiken und Missverständnisse

  • Als „Bestrafung“ eingesetzt verstärkt es Machtspiele
  • Zu frühes Entblocken reaktiviert Schmerz
  • Bei gemeinsamen Kindern braucht es Ausnahmen/Tools
  • Ohne innere Arbeit wird Blockieren allein nicht reichen

Wichtig: Blockieren kann sich am Anfang hart anfühlen, ist aber oft wie ein Gips bei einem Knochenbruch. Es ist nicht die Heilung selbst, aber eine zentrale Voraussetzung, damit Heilung eintreten kann.

Entscheidungsrahmen: Solltest du blockieren?

Stelle dir drei Fragen:

  1. Zielklarheit: Brauchst du primär Heilung/Klarheit, oder möchtest du gerade primär Nähe/Bestätigung?
  2. Sicherheit: Gibt es Anzeichen von Missbrauch, Stalking, Grenzüberschreitungen?
  3. Rahmen: Gibt es gemeinsame Kinder, Arbeit, Verträge, Projekte, die Kommunikation nötig machen?

Wenn 1) Heilung/Klarheit und 2) Sicherheitsrisiken bestehen und 3) kein zwingender Kontakt notwendig ist → klare Empfehlung: vollständiges Blockieren für eine definierte Zeit.

Wenn 1) Heilung/Klarheit, 2) kein Risiko, 3) notwendiger Kontakt (Kinder/Job) → Teilkontaktsperre: Nur sachlicher Kontakt über klare Kanäle, alles andere blockiert.

Wenn du spürst, dass du zwanghaft checkst, impulsiv schreibst oder ständig Hoffnungsspitzen/Abstürze erlebst, ist das ein starker Indikator: Blockiere.

Bindungsstil-sensibel blockieren

  • Ängstlich-ambivalenter Stil: Hohe Trennungsangst, starke Protestimpulse. Hier hilft eine klare, zeitlich definierte Kontaktsperre besonders, um emotionale Abhängigkeit zu reduzieren (Hazan & Shaver, 1987; Mikulincer & Shaver, 2007).
  • Vermeidender Stil: Tendenz, Distress zu minimieren. Gefahr: „Pseudo-Heilung“ durch Distanz ohne Verarbeitung. Blockieren kann sinnvoll sein, aber kombiniere es mit bewusster Emotionsarbeit (Journaling, Therapie).
  • Sicherer Stil: Bessere Emotionsregulation. Auch hier kann Blockieren als pragmatischer Schritt dienen, um Heilung zu beschleunigen.

Warum Blockieren wirkt: Die Psychomechanik

  • Unterbrechung intermittierender Verstärkung: Seltene, unvorhersehbare Nachrichten sind Dopamin-Treffer. Blockieren nimmt den Slot-Machine-Effekt.
  • Reizkontrolle: Weniger Trigger → weniger automatische Stressreaktion → bessere Top-down-Regulation (präfrontaler Kortex).
  • Kognitive Entlastung: Ohne ständige Ex-Reize kann dein Selbstkonzept sich neu ordnen (Slotter et al., 2010).
  • Emotionsregulation: Weniger Rumination und Re-Exposition, die Sbarra & Emery (2005) mit schlechterem Coping verknüpfen.
Phase 1

Akutstabilisierung (0–14 Tage)

  • Vollständige Kontaktsperre, Notfall-Kanäle nur für echte Notfälle
  • Schlaf, Essen, Bewegung priorisieren
  • Erste Struktur: Tagesplan, soziale Unterstützung
Phase 2

Neuordnung (15–45 Tage)

  • Triggerarme Zone halten (weiter blockiert)
  • Journaling, Therapie, Sinn- und Wertearbeit
  • Soziale Medien detoxen, Algorithmen „entlernen“
Phase 3

Standortbestimmung (ab 45 Tagen)

  • Check: Stabilität, keine impulsiven Drifts
  • Entscheidung: Noch Zeit, oder geplanter, vorsichtiger Testkontakt
Phase 4

Optionaler Neustartkontakt

  • Nur wenn: Ruhe, klare Ziele, keine Altmuster
  • Kommunikationsleitlinien, kurze, neutrale Messages

Konkrete Indikatoren: Jetzt blockieren

  • Du wachst mit dem Impuls auf, sofort seine/ihre Story zu checken
  • Nachrichten oder Bilder lösen 30–90 Minuten anhaltenden körperlichen Stress aus (Herzrasen, Enge)
  • Du schickst im Schnitt >1 Nachricht pro Tag oder reagierst impulsiv innerhalb von Minuten
  • Du stalkst Profile von Ex, neuen Partnern, Freund:innen
  • Du hoffst auf „Zufallsbegegnungen“ und planst deinen Tag danach
  • On/Off-Dynamik: Er/Sie meldet sich unregelmäßig, du bist „auf Abruf“

Sicherheitsausnahmen: Wann blockieren Pflicht ist

  • Jede Form von emotionaler/physischer Gewalt, Drohungen, Cyberstalking
  • Kontrollierendes Verhalten (ständig Nachfragen, Erpressung, „Wenn du mich liebst, dann…“)
  • Sucht-/Extremkrisen, in denen Grenzen nicht respektiert werden
  • Wenn das Wohl der Kinder betroffen ist

In diesen Fällen: Vollständige Blockade plus Dokumentation, ggf. rechtliche Beratung und Schutzplanung. Deine Sicherheit geht vor.

Wenn du dich bedroht fühlst, blockiere sofort, dokumentiere Vorfälle (Screenshots, Daten), informiere Vertrauenspersonen und ziehe professionelle Hilfe in Betracht. Deine Sicherheit hat Priorität.

Praktische Umsetzung: Schritt für Schritt blockieren

  1. Entscheidung schriftlich festhalten: „Ich blockiere für 45 Tage zur Stabilisierung.“ Verbindlichkeit reduziert spätere Zweifel.
  2. Kanäle erfassen: Liste aller Orte, an denen ihr verbunden seid (Telefon, Messenger, Socials, E-Mail, gemeinsame Tools).
  3. Blockieren/Stummschalten:
    • Telefon/SMS: Nummer blockieren oder „Nicht stören“ mit Ausnahme-Regeln
    • Messenger: Blockieren, außerdem Chat archivieren, damit er nicht oben bleibt
    • Social Media: Blockieren/entfolgen/stumm; oben genannte Reihenfolge je nach Bedarf
    • E-Mail: Filter → Archiv; optional Auto-Antwort für berufliche Fälle: „Bitte nur Projektanfragen an die Team-Mail“
  4. Algorithmus neutralisieren: Entferne alte Bilder aus dem Sichtfeld (nicht löschen, nur aus der Timeline nehmen), entfolge beidseitig verknüpfte Freund:innen, deren Stories dich triggern.
  5. Notfallkanal: Wenn Kinder/Job → ausschließlich ein sachlicher Kanal (z. B. Co-Parenting-App). Alle anderen blockiert.
  6. Accountability: Eine Vertrauensperson, die weiß, was du tust; Screenshare, um Blockierungen gemeinsam einzurichten.

45 Tage

Empfohlene Mindestdauer der Kontaktsperre zur Stabilisierung

3 Kanäle

Telefon, Messenger, Socials – hier zuerst Grenzen setzen

1 Fokus

Deine Heilung hat Vorrang vor allen Taktiken

Sonderfälle: Kinder, Arbeit, gemeinsames Eigentum

Blockieren heißt nicht, dass du unverantwortlich wirst. Es heißt, dass du Kommunikation auf das Notwendige reduzierst – sachlich, klar, kurz.

  • Kinder: Nutze ausschließlich Co-Parenting-Tools oder E-Mail mit Betreff „Kinder – Datum“. Kein Smalltalk, keine Emotionen. Vereinbare feste Übergabepunkte, Zeiten, Regeln.
  • Arbeit: Nur dienstliche Kommunikation über Firmenmail/Projektsoftware. Keine privaten Kanäle. CC Vorgesetzte, wenn es Konflikte gibt.
  • Gemeinsame Wohnung/Finanzen: Setze Fristen, kommuniziere schriftlich, wenn möglich mit Zeug:innen. Erwäge Mediation für faire Lösungen.

Beispiel-Nachrichten:

  • „Übergabe am Freitag 18:00 Uhr am Kindergarten. Bitte pünktlich. Danke.“
  • „Rechnung für Internet geteilt, bitte Überweisung bis 10.03.“
Falsch: „Hi, wie geht’s dir? Die Kinder vermissen dich.“
Richtig: „Übergabe am Freitag 18 Uhr wie vereinbart.“

Der innere Teil: Was du parallel tun solltest

Blockieren ist die äußere Grenze. Innere Arbeit macht die Veränderung stabil.

  • Struktur: Feste Schlafzeiten, Tagesplan, Bewegung (20–30 Min. täglich). Bewegung reduziert Stresshormone und verbessert Stimmung.
  • Journaling (Pennebaker, 1997): 15–20 Minuten täglich freie Texte über Gefühle und Sinnfragen fördern Verarbeitung.
  • Soziale Bindungen: Aktiviere Freund:innen, Familie. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist fundamental (Baumeister & Leary, 1995).
  • Achtsamkeit: 10 Minuten Atemfokus, Body-Scan. Triggertoleranz wächst.
  • Medienhygiene: Kein nächtliches Scrollen, Smartphone aus dem Schlafzimmer (Przybylski & Weinstein, 2013 zeigen, dass schon die Präsenz des Smartphones Verbundenheit stört).

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Blockieren als Test: „Mal sehen, ob er/sie um mich kämpft.“ → Das verfehlt dein Ziel und hält dich im Spiel.
  • Zu frühes Entblocken: Nach 3 Tagen „geht’s schon wieder“ – meist nicht. Warte, bis physiologische Reaktionen abflachen.
  • Hintertüren: Fincstas, Zweitnummern, gemeinsam genutzte Konten – schließen.
  • Gemeinsame Freund:innen als Proxy: „Sag ihm/ihr, dass…“ → Nein. Bitte deine Freund:innen um Neutralität.
  • Alte Fotos/Videos als Trigger: Für 45 Tage in einen geschützten Ordner, nicht ständig verfügbar.

Wenn du immer wieder in alte Schleifen fällst (nachts schreiben, tagsüber bereuen), erhöhe die Schutzmaßnahmen: Blockieren auf allen Kanälen, Benachrichtigungen global aus, feste „Digital Detox“-Zeiten.

Szenarien aus der Praxis – und wie du handeln kannst

  • Sarah, 34, ängstlicher Stil: Ex liked alle 2–3 Tage alte Fotos. Sarah hofft, dass er zurückwill. Realität: Intermittierende Verstärkung. Lösung: 45 Tage vollständige Blockade. Ergebnis: Nach 2 Wochen ruhiger Schlaf, weniger Grübeln. Nach 6 Wochen testet sie eine neutrale Nachricht – ohne Agenda.
  • Jonas, 29, gemeinsamer Arbeitsplatz: Tägliche Meetings, private Chat-Witze laufen weiter. Lösung: Private Kanäle blockieren, nur Firmenkommunikation. In Meetings: sachlich, freundlich, kurz. Bei Grenzüberschreitungen: „Gern per Mail“ wiederholen.
  • Leyla, 41, zwei Kinder: Ex schreibt nächtlich, will „reden“. Lösung: Ein Co-Parenting-Kanal, stille Nachtstunden, Notfälle telefonisch – sonst nicht. Deutliche Grenze: „Nur Kindesbelange hier.“
  • Patrick, 38, On/Off-Beziehung: Ex meldet sich immer, wenn Patrick loslässt. Lösung: 60 Tage vollständige Blockade, Therapie zur Musterarbeit. Danach klare Beziehungsbedingungen, falls Wiederannäherung.
  • Mia, 27, beiderseitiger Freundeskreis: Stories triggern. Lösung: 6 Wochen Social-Media-Fasten, Freunde bitten, keine Updates zu teilen. Ergebnis: Sozialer Druck sinkt.
  • Ahmed, 44, Ex nutzt Mitleid: „Mir geht’s so schlecht, bitte antworte.“ Lösung: Blockade plus Sicherheitsnetz: Freund:innen informieren, Notfallhinweise: „Bitte wende dich an professionelle Hilfe.“ Co-Abhängigkeit bearbeiten.
  • Julia, 36, Ex-Kollege schickt doppeldeutige Nachrichten: Lösung: Deutliches, einmaliges Boundary-Statement: „Bitte nur Berufliches per E-Mail.“ Danach blockieren, Vorgesetzte informieren, wenn es weitergeht.
  • Niklas, 31, vermeidend: „Mir geht’s gut, ich brauche nichts.“ Aber nachts exzessives Stalking. Lösung: Komplettes Blockieren, Achtsamkeit, Emotionsarbeit, Sportplan. Nach 30 Tagen weniger Drang, Profil zu checken.

No-Contact-Protokoll: Die ersten 45 Tage

  • Tage 1–7: Akut. Schlaf priorisieren, Essen, Bewegung. Sozialen Kreis informieren: „Ich mache 45 Tage No Contact, bitte helft mir, keine Updates zu hören.“
  • Tage 8–14: Digitaler Frühjahrsputz. Algorithmen entlernen, Triggerquellen entfernen. Journaling starten.
  • Tage 15–30: Stabilisierung spürbar. Erste Tätigkeiten, die dich früher begeisterten. Kleine Freude-Routinen.
  • Tage 31–45: Standortbestimmung. Miss: Puls beim Gedanken an Ex, Schreibdrang, Grübelzeit pro Tag. Notiere nüchtern.

Wenn die Werte deutlich gesunken sind, kannst du entscheiden, ob du verlängerst oder einen „Trockenlauf“ machst (siehe unten).

„Trockenlauf“-Tests: Bist du bereit zu entblocken?

  • 7-Tage-Triggercheck: 7 Tage keine impulsiven Ex-Gedanken < 10 Minuten/Tag.
  • Simulierte Exposition: Stell dir vor, du siehst ein Bild deines Ex. Kommt Herzrasen? Dann noch nicht.
  • Schattenübungen: Schreibe die 3 realistischsten Reaktionen, falls er/sie sich meldet – und deine geplante Antwort. Fühlt sich das stabil an?

Green Flags fürs Entblocken:

  • Keine körperlichen Stressspitzen bei Ex-Gedanken
  • Du brauchst den Ex nicht, um dich gut zu fühlen
  • Klare Grenze: „Wenn Kontakt, dann nur respektvoll und langsam“

Red Flags:

  • Du willst entblocken, um eine Reaktion zu provozieren
  • Du bist einsam/unterfordert und suchst kurzfristigen Dopamin-Schub
  • Du planst „zufällig“ online zu sein, wenn er/sie aktiv ist

Entblocken – wie und wann

Wenn du wirklich stabil bist und einen guten Grund hast (z. B. sachliche Klärungen oder reife, langsame Wiederannäherung), dann:

  1. Interne Klarheit: Was ist dein Ziel? Was sind No-Gos?
  2. Setzte Grenzen schriftlich für dich: Kommunikationszeiten, Themen, Maximalfrequenz.
  3. Beginne mit Soft-Entblocken (nur einen Kanal, der asynchron ist, z. B. E-Mail).
  4. Test-Nachrichten: Später, neutral, kurz, ohne Vorwürfe:
    • „Hi, eine kurze organisatorische Frage: …“
    • „Hallo, ich hoffe, es geht dir gut. Wenn du offen für einen Kaffee in 2–3 Wochen bist, sag gern Bescheid. Ohne Druck.“

Das Ziel ist nicht, eine Reaktion zu erzwingen, sondern zu prüfen, ob respektvoller Dialog möglich ist. Keine Diskussion alter Konflikte per Text.

Kontaktregeln bei optionaler Wiederannäherung

  • 80/20-Regel: 80% der Zeit auf Gegenwart/Zukunft, 20% kontrolliert über Vergangenes sprechen – am besten in Präsenz.
  • BIFF-Kommunikation (Brief, Informative, Friendly, Firm): Kurz, sachlich, freundlich, klar.
  • Langsamkeit: Nicht mehr als 1–2 Nachrichten pro Tag. Keine nächtlichen Chats.
  • Grenzen messen: Wenn respektlos, abwertend oder unzuverlässig → wieder blockieren und neu evaluieren.

Warum Blockieren deine Chancen auf einen gesunden Neuanfang erhöhen kann

Gottmans Forschung zeigt, dass Abwehr, Kritik und Verachtung Beziehungszerstörer sind (Gottman, 1994). In der akuten Trennungsphase ist das Risiko für diese Muster hoch. Blockieren schafft Abstand, damit ihr später – falls überhaupt – aus einem regulierten Zustand sprechen könnt. Johnson (2004) betont, dass emotional sichere Verbindungen nur entstehen, wenn Bindungsangst und -flucht reguliert werden. Genau dafür ist die Ruhephase da.

Häufige Glaubenssätze – und die wissenschaftliche Antwort

  • „Wenn ich blockiere, verliere ich ihn/sie für immer.“ – Nähe entsteht nicht aus ständiger Erreichbarkeit, sondern aus Respekt und emotionaler Sicherheit. Ohne Ruhephase bleibt ihr im Kampf-Flucht-Modus (Bowlby, 1969; Johnson, 2004).
  • „Blockieren ist kindisch.“ – Es ist eine Form der Reizkontrolle, ein etabliertes Selbstmanagement-Prinzip. Klinisch sinnvoll, nicht kindisch.
  • „Er/Sie denkt, ich hasse ihn/sie.“ – Du kannst neutral kommunizieren: „Ich brauche vorübergehend Abstand zur Stabilisierung. Später können wir sprechen.“
  • „Wenn ich antworte, zeige ich Reife.“ – Reife heißt, die Reaktion zu wählen, die dich langfristig schützt, nicht die, die kurzfristig nett wirkt.

Konkrete Textbausteine für Grenzen

  • „Ich brauche 45 Tage Funkstille, um wieder klar zu werden. Danach melde ich mich.“
  • „Bitte nur Kindesbelange über App X. Danke für’s Respektieren.“
  • „Ich möchte aktuell keinen Kontakt. Bitte akzeptiere das.“

Wenn du das gesagt hast und trotzdem Druck kommt: blockieren. Deine Grenze ist nicht verhandelbar.

Mikro-Fertigkeiten zur Impulskontrolle

  • 2-Minuten-Regel: Wenn du schreiben willst, warte 2 Minuten. Atme 10 tiefe Atemzüge, trinke ein Glas Wasser. Meist nimmt der Drang ab.
  • STOPP-Karte: Stop – Tief atmen – Orientieren („Wo bin ich, was fühle ich?“) – Planen (Was dient mir langfristig?).
  • If-Then-Pläne: „Wenn ich die Story sehe, dann schließe ich die App und rufe Person X an.“
  • Zeiten: „Kein Handy im Bett“, „Apps nach 21 Uhr blockiert“.

Social Media: Spezifische Strategien

  • Instagram/TikTok: Stumm statt nur „entfolgen“, weil Algorithmen Ex-Inhalte sonst weiter pushen.
  • Facebook: Erinnerungen deaktivieren („Vor X Jahren…“).
  • LinkedIn: Verbindungen mit Bedacht; Karrierekontakte kann man lassen, aber Benachrichtigungen aus.
  • WhatsApp: Profilbilder, Status von Ex nicht sichtbar machen; Archivieren-Funktion nutzen, Unterhaltungen ausblenden.

Vermeide digitale Selbstsabotage: Keine kryptischen Stories („Starke Menschen lassen los…“). Das sind Kontaktversuche durch die Hintertür und halten dich gebunden.

Umgang mit gemeinsamer Verantwortung ohne Drama

  • Verwende Checklisten für Termine, Kosten, Übergaben.
  • Dokumentiere Absprachen schriftlich.
  • Bei Eskalation: „Ich beende hier das Gespräch. Wir setzen morgen um 10 Uhr fort.“ Wiederhole, dann blockiere vorübergehend.

Der psychologische „ROI“ des Blockierens

  • Schlaf verbessert sich, Gedankenkreisen nimmt ab – Grundvoraussetzungen für Problemlösen und Selbstkontrolle (präfrontal).
  • Dein Selbstkonzept reorganisiert sich – du findest wieder eigene Routinen und Ziele (Slotter et al., 2010).
  • Du wirst unabhängiger von externer Bestätigung – sicheres Bindungsmuster wird wahrscheinlicher (Mikulincer & Shaver, 2007).

Kritische Selbstreflexion: Wofür willst du entblocken?

Schreibe ehrlich:

  • „Ich will entblocken, weil…“ (Wunsch nach Nähe? Einsamkeit? Echte Reife?)
  • „Wenn keine Antwort kommt, fühle ich… und tue dann…“
  • „Wenn eine Antwort kommt, die kühl ist, tue ich…“

Wenn du in beiden Fällen stabil bleibst, bist du näher an Entblock-Reife. Wenn nicht: verlängere die Ruhephase.

Ethischer Rahmen: Kein Gaslighting, keine Spiele

  • Keine Eifersuchtstests („Date jemand anderen, poste es und warte…“). Das erzeugt Gegenspiele und zerstört Vertrauen.
  • Keine verdeckten Profile, kein „zufälliges“ Auftauchen an Orten des Ex.
  • Keine verbalen Sticheleien oder Ironie-Nachrichten.

Behandeln, wie du später behandelt werden willst – das erhöht die Chance auf reife Dynamik, ob zusammen oder getrennt.

Mini-Programme für die ersten 30 Tage

  • Woche 1: Stabilisierung – Schlaf, Essen, Bewegung, zwei soziale Kontakte.
  • Woche 2: Umwelt hygiene – Apps aufräumen, Algorithmen säubern, Arbeits- und Wohnbereich resetten.
  • Woche 3: Selbstkonzept – ein neues/provisorisches Ritual (Kurs, Sportgruppe, Ehrenamt).
  • Woche 4: Sinn – Welche Werte willst du leben? 3 kleine Schritte planen.

Wissenschaftliche Einordnung: Warum Pausen helfen

In Paarforschung zeigt sich: Hohe physiologische Erregung verschlechtert Konfliktgespräche (Gottman, 1994). Pausen senken Arrousal, ermöglichen Zuhören. In der Trennungsphase ist Arrousal besonders hoch, also ist die „Pause“ – via Blockieren – eine günstige Voraussetzung für spätere, konstruktive Gespräche.

Wenn der Ex dich blockiert – was es bedeutet (und was nicht)

  • Es kann Selbstschutz sein, nicht Bestrafung.
  • Respektiere die Grenze. Versuche nicht, durch Hintertüren Kontakt aufzunehmen.
  • Nutze die Zeit genauso, wie oben beschrieben – als Einladung, dein System zu beruhigen.

Kleine Checklisten

  • Sofort: Nummern/Apps blockieren, Algorithmen bereinigen, Vertrauensperson einweihen
  • Diese Woche: Schlafroutine, Sport, Journal, Social Support aktivieren
  • Diesen Monat: Wertearbeit, neue Routinen, Trockenlauf-Tests

Leitplanken für den ersten Kontakt nach Entblocken

  • Kontext: tagsüber, keine Wochenenden oder Spätabende
  • Inhalt: kurz, freundlich, ohne Vorwürfe
  • Erwartung: Keine Antwort erzwingen; wenn keine Antwort, dann akzeptieren und nicht nachsetzen.

Beispiele:

  • „Hi, ich hoffe, es geht dir gut. Wenn du nächste Woche 20 Minuten für einen Kaffee hast, sag gern Bescheid. Wenn nicht, auch okay. Alles Gute dir!“
  • „Hallo, kurze organisatorische Frage: Liegt die Steuerunterlage noch bei dir? Könntest du sie bis Freitag einscannen?“

Wie du mit Rückfällen umgehst

Rückfall = Impulsnachricht, Profil gecheckt, Tränensturm nach einem Foto. Das ist normal. Wichtiger als „perfekt sein“ ist, wie du reagierst:

  • Stoppe, verzeih dir, stelle den Plan wieder her.
  • Verstärke Schutz: Blockiere zusätzliche Kanäle, verlängere No Contact um 14 Tage.
  • Verbinde dich mit jemandem. Erzähle es – Scham liebt Geheimhaltung.

Jeder Tag, an dem du deine Grenzen hältst, stärkt deine neuronalen Pfade für Selbstkontrolle. Das ist messbarer Fortschritt – auch wenn es sich nicht spektakulär anfühlt.

Mini-Werkzeugkasten gegen akute Trigger

  • Kälte-Trick: Kaltes Wasser ins Gesicht/Handgelenke – beruhigt das autonome Nervensystem.
  • 5-4-3-2-1-Übung: 5 Dinge sehen, 4 fühlen, 3 hören, 2 riechen, 1 schmecken – erdet dich.
  • Tempo-Spaziergang: 10–15 Minuten. Bewegung entlädt Adrenalin.
  • Exposition in Dosen: Denke bewusst 2 Minuten an Ex, dann Thema wechseln. Trainiert Flexibilität.

Wie Blockieren bei ängstlichem vs. vermeidendem Stil wirkt

  • Ängstlich: Starke Protestwellen; Blockieren nimmt die „Belohnungshoffnung“ heraus, beschleunigt Akzeptanz. Parallel: Selbstberuhigung trainieren, Bindungssicherheit aufbauen.
  • Vermeidend: Gefahr des „Emotional Numbing“. Blockieren kann zum Ausweichen missbraucht werden. Gegensteuern: Therapie, Nähe zu sicheren Bezugspersonen, bewusstes Fühlen.

Langfristig: Gesund bleiben – mit oder ohne Ex

  • Kommunikationsverträge: Falls Wiederannäherung, klare Regeln, wie ihr mit Triggern umgeht.
  • „Rote Linien“: Abwertung, Parallelbeziehungen, Heimlichkeit – wenn sie auftauchen, klare Konsequenzen.
  • Pflege deines sozialen Feldes: Freundschaften, Familie, neue Projekte.

Fallstricke von „Pseudo-Kontakt“

  • Liken/Story-Views als „Kontakt“ – das ist Selbsttäuschung.
  • „Wir sind Freunde“ direkt nach der Trennung – oft nicht ehrlich möglich. Echte Freundschaft entsteht nach stabiler Distanz.

Beispiel-Dialoge: Sachlich vs. emotional verstrickt

  • Du: „Ich brauche die Bohrmaschine zurück.“
  • Ex: „Warum hast du dich nie geändert…“
  • Sachlich: „Ich hole die Bohrmaschine Freitag 17 Uhr. Danke.“
  • Verstrickt: „Ich hab mich geändert! Du warst doch…“ → Stopp. Nicht einsteigen.

Wenn der Ex mischt Signale sendet

  • „Ich vermisse dich“ am Abend, am nächsten Tag kalt. Intermittierende Verstärkung in Reinform. Antwort: Kein Ping-Pong. Entweder klare Gesprächsvereinbarung bei Tageslicht – oder Kontaktsperre.

Warum „freundlich bleiben“ alleine nicht reicht

Freundlichkeit ist gut, aber sie ersetzt keine Struktur. Ohne klare Grenzen kehren Muster zurück. Freundlich + klar = erwachsene Beziehungskompetenz.

Deine Identität zurückerobern

Slotter et al. (2010) zeigen, dass Trennungen das Selbstkonzept destabilisieren. Nutze die Ruhe, um neu zu definieren:

  • Was sind deine 3 wichtigsten Werte?
  • Welche Tätigkeiten nähren dich?
  • Welche Grenzen schützen diese Werte?

Wenn du diese Fragen beantwortest, fällt die Entscheidung, ob/ wann du entblockst, leichter.

Integration: Was ein reifer Neustart braucht (falls das dein Ziel ist)

  • Offenheit für Verantwortung auf beiden Seiten
  • Zeit, um Vertrauen neu aufzubauen – kleine Verlässlichkeiten
  • Transparenz über Trigger und Bedürfnisse
  • Kein „Testen“, kein „Laufenlassen“, sondern bewusste Entscheidung

Wenn das Gegenüber nicht bereit ist, ist deine Aufgabe, dich zu schützen. Einseitige Reife trägt eine Beziehung nicht.

In den meisten Fällen ja – zumindest 30–45 Tage. Diese Zeit ist entscheidend, um akuten Stress zu senken, Rumination zu reduzieren und Stabilität aufzubauen. Ausnahmen: notwendige Logistik (Kinder/Job). Dann: Teilkontaktsperre.

Nein. Es ist eine legitime Form der Reizkontrolle. Du teilst idealerweise einmal kurz mit, dass du Abstand brauchst, und setzt dann die Grenze. Reif ist, langfristige Gesundheit über kurzfristige Höflichkeit zu stellen.

Als Basis 45 Tage. Bei starker Co-Abhängigkeit, On/Off-Mustern oder massiven Triggern eher 60–90 Tage. Entscheidend sind nicht Kalendertage, sondern deine Stabilitätsmarker (Puls, Schlaf, Grübelzeit, Impulskontrolle).

Dann blockiere alle privaten Kanäle und nutze eine Co-Parenting-App oder E-Mail ausschließlich für Kindesbelange. Keine Emotionen, keine Rückblicke. Strukturiere Übergaben und halte Vereinbarungen schriftlich fest.

Respektiere es. Deute es nicht als Feindschaft, sondern als Schutzmaßnahme. Nutze die Zeit für deine Heilung. Kein Kontaktversuch über Umwege – das verletzt Grenzen und schadet langfristig.

Du reagierst körperlich nicht mehr stark auf Ex-Gedanken, du brauchst keine Antwort, um dich gut zu fühlen, und du hast einen klaren Kommunikationsplan. Deine Motivation ist Neugier/Respekt – nicht Sehnsucht oder Angst.

Wenn es sicher ist, ist eine kurze, neutrale Nachricht hilfreich: „Ich nehme für 45 Tage Abstand, um mich zu stabilisieren. Danach melde ich mich.“ Bei Missbrauch/Bedrohung: sofort blockieren, ohne Ankündigung.

Für manche reicht das. Wenn du aber merkst, dass du weiter checkst oder Hoffnungsschübe bekommst, ist vollständiges Blockieren effektiver. Wähle die Maßnahme, die den Dopaminkreislauf wirklich unterbricht.

Kurzfristig kann es Distanz schaffen. Langfristig erhöht es die Chance auf reife Gespräche, weil du regulierter bist. Nähe ohne Sicherheit führt selten zu stabiler Versöhnung.

Bitte deine Freund:innen freundlich, neutral zu bleiben und keine Botschaften zu überbringen. Halte dich an deine Grenzen. Bei wiederholten Grenzverletzungen: temporärer Abstand auch dort.

Fazit: Klarheit, Schutz und Hoffnung

Ich weiß, wie hart es ist, „Blockieren“ zu drücken. Aber „Blockieren“ heißt nicht „Aufgeben“ – es heißt, dich und deine Zukunft ernst zu nehmen. Die Forschung zeigt klar: Abstand reduziert Schmerz, beruhigt dein Nervensystem und eröffnet den Raum, den du brauchst, um wieder du selbst zu sein (Bowlby, 1969; Fisher et al., 2010; Sbarra & Emery, 2005). Wenn irgendwann ein Gespräch, eine Entschuldigung oder sogar eine zweite Chance dran ist, wirst du dann aus Stärke handeln – nicht aus Panik.

Halte dich an dein Protokoll, feiere stille Fortschritte und vertraue darauf, dass Klarheit aus Ruhe entsteht. Mit oder ohne den Ex: Du baust gerade die Basis für sichere, gesunde Bindungen – und das ist der wertvollste Schritt überhaupt.

Wann „nicht blockieren“? Ausnahmen mit Struktur

Es gibt Konstellationen, in denen vollständiges Blockieren nicht praktikabel ist – du kannst aber die „Dosis“ kontrollieren.

  • Amikable Trennung mit sicherem Stil: Ein kurzes Abschlussgespräch in Präsenz kann sinnvoll sein. Danach mindestens 30 Tage digitale Ruhe (Soft-Block reicht oft), um Gewohnheiten zu resetten.
  • Langjährige Freundschaftsgruppen/kleine Stadt: Soft-Block und klare Filter (Stumm, Mute, „Weniger sehen“). Erkläre in 2–3 Sätzen, dass du Abstand brauchst, ohne Drama.
  • Gemeinsame Projekte: Ein fest definierter Kommunikationskanal (z. B. nur E-Mail, CC dritte Person), Kommunikationsfenster (Di/Do 10–11 Uhr), keine Chat-Apps.

Merke: Auch in Ausnahmen gilt Reizkontrolle. Nicht die Etikette („Wir sind erwachsen“) entscheidet, sondern dein Nervensystem.

Technik-How-to: Blockieren und Stummschalten auf den wichtigsten Plattformen

  • iOS (Telefon/SMS): Kontakte-App → Kontakt → „Anrufer stummschalten“/„Anrufer blockieren“.
  • Android (variabel): Telefon-App → Kontakt → Drei Punkte → „Blockieren“.
  • WhatsApp: Chat öffnen → Kontaktinfo → „Blockieren“. Zusätzlich: Chat „Archivieren“ und „Stumm“ (immer), „Archivierte Chats oben halten“ deaktivieren.
  • Instagram: Profil → Drei Punkte → „Blockieren“ oder „Einschränken“. Zusätzlich „Stummschalten: Beiträge/Stories“.
  • Facebook: Profil → „…“ → „Blockieren“; „Erinnerungen“: Einstellungen → Erinnerungen → Ausschalten.
  • TikTok: Profil → Drei Punkte → „Blockieren“; „Nicht interessiert“ konsequent nutzen.
  • LinkedIn: Profil → „Mehr“ → „Melden/Blockieren“; Benachrichtigungen über Profil-Views deaktivieren.
  • Gmail: Nachricht öffnen → Drei Punkte → „[Absender] blockieren“; Filter erstellen: Von: E-Mail des Ex → „Archivieren“.
  • Slack/Teams: Private Nachrichten deaktivieren/ignorieren, „Do not disturb“-Zeitfenster setzen; bei Bedarf Admin informieren.

Tipp: Setze App-Limits (iOS: Bildschirmzeit; Android: Digital Wellbeing) auf Social-Apps (15–20 Min/Tag) für die ersten 30–45 Tage.

Arbeit, Remote & Büro: So bleibst du professionell

  • Kanalhygiene: Nur berufliche Kanäle (E-Mail, Ticketing). Private Chats schließen.
  • Meeting-Management: Agenda vorab, Protokoll danach. Halte Smalltalk minimal und neutral.
  • Script bei Grenzverletzung: „Gern zurück zum Thema. Berufliches bitte per E-Mail.“ Wiederholen, ohne zu rechtfertigen. Bei Persistenz: Vorgesetzte/HR einbinden.

Wenn ihr noch zusammen wohnt (Übergangsphase)

  • Übergangs-Kodex: Klare Zonen (Zimmer), stille Zeiten, schriftlicher Putz-/Kostenplan.
  • Mikro-No-Contact: Nur Logistik in Stichworten, kein gemeinsames Fernsehen/Abendessen.
  • Exit-Plan: Feste Auszugs- oder Umzugstermine, wöchentlicher Check-in (15 Min) nur zur Organisation.

Feiertage, Geburtstage, Jahrestage

  • Vorab-Plan: Entscheide 72 Stunden vorher, wie du mit dem Datum umgehst (Ritual, Freunde, Natur).
  • Kein Pflichtgruß: Du schuldest keine Nachricht. Wenn du doch musst (z. B. Kindergeburtstag): Kurz, sachlich, neutral.
  • Trigger-Schutz: Social-Apps am Tag selbst pausieren, Selfcare blocken (Sport, warme Dusche, kochen).

LGBTQ+, Poly/ENM und kleine Communities

  • Höhere Sichtbarkeit in gleichen Räumen/Events. Plane „Schutzinseln“: andere Bars/Events, neue Gruppen.
  • Gemeinsame Chat-Server: Mute oder verlasse temporär.
  • Metamours/Netzwerk: Bitte um Clear Boundaries („Keine Updates, keine Screenshots“).

Recht und Sicherheit (DACH) – Kurzüberblick

Kein Ersatz für Rechtsberatung, aber Orientierung:

  • Stalking/Belästigung: In D/AT/CH strafbar. Dokumentiere: Datum, Uhrzeit, Inhalt (Screenshots).
  • Kontaktverbote/Annäherungsverbote sind möglich, wenn Gefährdung vorliegt. Beratung: Opferhilfe/Beratungsstellen, Anwält:in.
  • Co-Parenting: Halte Kommunikation sachlich, schriftlich und nachvollziehbar. Das schützt dich rechtlich und emotional.

Rebound-Beziehungen des Ex: Was tun?

  • Nicht reagieren, nicht vergleichen. Rebounds sind häufig Coping, nicht Qualitätssignal.
  • Blockieren schützt dich vor Zwangsvergleichen. Vermeide „Research“.
  • Reframing: „Das sagt nichts über meinen Wert oder unsere Geschichte, nur über seine/ihre Coping-Strategie.“

Selbstmitgefühl statt Selbstvorwurf

  • Mikro-Skript (Neff, 2003): 1) Achtsamkeit: „Das ist ein Moment von Schmerz.“ 2) Gemeinsamkeit: „Trennung tut vielen weh.“ 3) Freundlichkeit: „Ich bin freundlich zu mir. Ich halte meine Grenze.“
  • 90-Sekunden-Welle: Emotionen klingen oft nach 60–90 Sek. ab, wenn du sie nicht fütterst. Atme, benenne, warte.

Messbar machen: Deine Regenerations-KPIs

  • Schlafdauer/-qualität (1–10)
  • Grübelzeit/Tag (Minuten)
  • Impulsdrang zu schreiben (0–10)
  • Körperliche Stressspitzen (Anzahl/Tag)
  • Soziale Kontakte (Anzahl/Woche)
  • Bewegung (Minuten/Woche)

Wöchentlicher Review (10 Min, So-Abend): Trendpfeil hoch/runter, 1 kleine Anpassung für die nächste Woche.

Nach dem Entblocken: Eskalationsleiter für Kontakt

  1. Asynchron und sachlich (E-Mail) → 2) Kurzer Call (15 Min, tagsüber) → 3) Kurzer Kaffee (30–45 Min, neutraler Ort) → 4) Längerer Austausch mit klarer Agenda.
  • Bei Dysregulation/Altmustern: Einen Schritt zurück oder wieder blockieren.

Typische Nachrichten – Antworten (oder bewusstes Nicht-Antworten)

  • Ex: „Wie geht’s?“ – Du (wenn bereit): „Danke, gut soweit. Ich halte es gerade ruhig. Alles Gute dir.“ Oder: Nicht antworten.
  • Ex: „Vermisse dich“ (nachts) – Du: Nicht antworten. Später: „Wenn du reden willst, lass uns einen Termin tagsüber ausmachen.“ Oder: „Ich möchte derzeit keinen Kontakt.“
  • Ex: „Du warst schuld, dass…“ – Du: Keine Text-Debatten. „Per Text klären wir das nicht. Ich wünsche dir alles Gute.“

Daten- und Kontenhygiene: Vermeide Rückfall-Fallen

  • Gemeinsame Accounts (Netflix, Spotify, Amazon, iCloud, Google Drive): Passwörter ändern/teilen beenden.
  • Geräte-Check: Entferne gekoppelte Geräte (Bluetooth, WLAN, Smart-Home).
  • Fotofeeds/Cloud: Gemeinsame Alben verlassen, Erinnerungs-Widgets deaktivieren.

Therapie/Coaching: Wann es hilft

  • Wiederholte On/Off-Muster, starke Co-Abhängigkeit, Trauma-Trigger, Depression/Angst.
  • Evidenznah: EFT (Johnson, 2004) für Paardynamiken; ACT/CBT für Grübeln; Achtsamkeitsverfahren gegen Rumination (Nolen-Hoeksema, 2000).
  • Sport als Medizin: 3×/Woche moderat 30 Min kann Depressionssymptome reduzieren (Babyak et al., 2000).

„Grauer Stein“ und BIFF – nüchtern bleiben bei Provokation

  • Grey Rock: Minimal, emotionslos, sachlich. Keine Rechtfertigungen.
  • BIFF: Brief, Informativ, Friendly, Firm. Beispiel: „Bitte die Unterlagen bis Freitag 12 Uhr. Danke.“

Urlaubs- und Krisen-Kit (7 Punkte)

  • 1 Ersatzplan für Trigger-Tage
  • 2 Personen auf Kurzwahl
  • 3 Tools: Atem-App, Musik, Spaziergang
  • 4 Sätze Selbstmitgefühl
  • Digitale Fastenzeitfenster
  • Früh schlafen, genug essen/trinken
  • Reminder: „Heute nur 24 Stunden kein Kontakt.“

Mini-Meditation (3 Minuten)

  • 1 Min Atem zählen (1–10, wiederholen)
  • 1 Min Körper scannen (Stirn, Kiefer, Schultern lockern)
  • 1 Min Satz: „Ich bin sicher. Ich halte meine Grenze. Es wird leichter.“

Wenn der Ex dich öffentlich „anpiekst“ (Posts, Subtweets)

  • Nicht reagieren, nicht rechtfertigen.
  • Dokumentieren, falls grenzverletzend/ehrenrührig.
  • Socials 7 Tage reduzieren. Teile ggf. eine neutrale Einmal-Nachricht: „Bitte poste nichts über mich. Ich poste auch nichts über dich.“ Danach: Block.

Falls dein Ziel eine spätere, reife Annäherung ist

  • Erst du: Schlaf, Arbeit, soziale Stabilität, Hobbys.
  • Dann wir: Kleine, verlässliche Taten statt große Worte.
  • Date-Tempo: 1–2 Treffen/Woche, keine Übernachtungen in den ersten 3–4 Wochen, keine Exklusivität ohne Klarheitsgespräch.
  • Gesprächsrahmen: 80/20-Regel, Trigger benennen, Reparaturversuche planen.
  • „All-or-Nothing“-Prinzip (Finkel, 2017): Qualität statt Quantität.

Entscheidungsbaum (verbale Skizze)

  • Brauche ich Heilung/Klarheit? → Ja → Habe ich zwingende Logistik? → Nein → Vollblock 45 Tage. → Ja → Teilblock + 1 Logistikkanal.
  • Fühle ich mich sicher? → Nein → Vollblock + Dokumentation + Hilfe.
  • Nach 45 Tagen: Trigger niedrig? → Ja → Soft-Entblock E-Mail → Testkontakt. → Nein → Verlängern + Schutz erhöhen.

Häufige Mythen in der Popkultur

  • „Wer liebt, kämpft“ – Reife Liebe respektiert Grenzen.
  • „Freundschaft direkt danach“ – Meist Selbsttäuschung; Freundschaft braucht beidseitige Stabilität und Zeit.
  • „Eifersucht zeigt Wert“ – Eifersucht zeigt Aktivierung, nicht Beziehungswert.

Kurz und knapp: 10 Goldene Regeln

  1. Blockiere für dich, nicht gegen den Ex.
  2. Mindestens 45 Tage.
  3. Ein Kanal für Logistik – sonst Funkstille.
  4. Keine Hintertüren.
  5. Tracke KPIs (Schlaf, Grübelzeit, Impulskontrolle).
  6. Kein Nachtkontakt.
  7. Socials auf Diät.
  8. Selfcare wie Training.
  9. Neutral kommunizieren, wenn nötig.
  10. Bei Red Flags sofort zurück zur Kontaktsperre.

Sichere Bindung entsteht nicht im Sturm, sondern im Hafen – in Momenten, in denen wir uns gesehen, respektiert und ruhig fühlen.

Dr. Sue Johnson , Psychologin, EFT

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Wissenschaftliche Quellen

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