Wer bin ich jetzt: Identität

Wer bin ich jetzt? 4-Phasen-Fahrplan, um deine Identität nach Trennung neu zu bauen.

24 Min. Lesezeit Emotionale Heilung

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Nach einer Trennung ist eine der schmerzhaftesten Fragen: „Wer bin ich jetzt?“ Vielleicht fühlst du dich leer, zerrissen oder wie eine Fremde in deinem eigenen Leben. Dieser Artikel zeigt dir – verständlich und wissenschaftlich fundiert –, was in deinem Gehirn, in deiner Psyche und in deinem Alltag passiert, und wie du in klaren Schritten dein Selbstbild stabilisierst und neu aufbaust. Du erhältst praxisnahe Tools, realistische Beispiele und evidenzbasierte Strategien aus der Bindungsforschung, der Neuropsychologie und der Identitätsforschung, damit du dich nicht nur wiederfindest, sondern gestärkt aus dieser Phase hervorgehst.

Identität nach dem Beziehungsende: Warum „Wer bin ich jetzt?“ so weh tut

Wenn eine Beziehung endet, bricht nicht nur Kontakt ab – es bricht auch ein Teil deiner gelebten Identität weg. Ihr hattet Rituale, Insider-Witze, gemeinsame Zukunftsbilder, geteilte Freundeskreise, Orte, Musik. In der Psychologie spricht man von der „Inclusion of Other in the Self“: In engen Beziehungen verschmelzen Selbst- und Partneranteile teilweise. Das macht Liebe schön – und Trennungen so verwirrend. Deshalb ist die Frage „wer bin ich trennung“ nicht nur ein Gedanke, sondern ein Identitäts-Schock.

  • Psychologisch: Dein Selbstkonzept (die mentale Karte, wer du bist) wird erschüttert. Studien zeigen, dass nach Trennungen die „Self-Concept Clarity“ – also die Klarheit, Kohärenz und Stabilität des Selbstbildes – sinkt. Das führt zu Unsicherheit, Grübeln und Orientierungslosigkeit.
  • Neurobiologisch: Das Belohnungssystem, das an deinen Ex gebunden war, verliert seinen wichtigsten Reiz. Gleichzeitig werden Schmerz- und Stressnetzwerke aktiviert. Dein Körper erlebt das Ende als Verlust – mit echten körperlichen Folgen wie Schlafstörungen, Appetitverlust, Unruhe.
  • Bindung: Je mehr dein Gefühl von Sicherheit an die Beziehung gekoppelt war, desto intensiver ist der Absturz. Unsichere Bindungsmuster (ängstlich oder vermeidend) machen die Phase oft turbulenter.

Das klingt hart – ist aber kein persönlicher Defekt. Es ist eine erwartbare Reaktion deines Nervensystems und deiner Identitätsarchitektur auf eine abrupte Veränderung. In diesem Ratgeber lernst du, wie du diese Mechanismen verstehst und für dich nutzt: um Tempo herauszunehmen, dich zu stabilisieren und Aspekte deiner Identität bewusst neu zu bauen.

Wissenschaftliche Grundlagen: Was bei Identitätsverlust nach Trennung wirklich passiert

Bindung und Selbstbild

  • Bindungstheorie (Bowlby; Ainsworth): Unser Bedürfnis nach Nähe, Schutz und verlässlicher Zuwendung ist biologisch verankert. Partnerschaften fungieren als „sichere Basis“. Fällt sie weg, steigt das Stressniveau – und unser Ich wirkt plötzlich „kleiner“ oder verletzlicher.
  • Romantische Bindung (Hazan & Shaver): Liebesbeziehungen sind Bindungsbeziehungen. Ängstliche Bindungstypen neigen nach Trennungen eher zu intensiver Suche nach Nähe und erhöhter Grübelei, vermeidende eher zu emotionaler Abflachung und Rückzug. Beide Strategien können die Identitätsarbeit erschweren – die eine, weil sie dich im Außen verliert; die andere, weil sie dich vom Innen abschneidet.

Self-Expansion und Self-Concept Clarity

  • Self-Expansion (Aron & Aron): Beziehungen erweitern unser Selbst – wir übernehmen Interessen, Fähigkeiten, sogar Werte. Beim Ende schrumpft dieses erweiterte Selbst abrupt. Forschung zeigt: Nach Trennungen sinkt die Selbstkonzeptklarheit, die innere Ordnung wird diffus. Dadurch fühlst du dich wackelig und fragst dich: „Wer bin ich jetzt ohne uns?“ (Slotter, Gardner & Finkel)
  • Narrative Identität (McAdams): Wir schreiben fortlaufend eine Lebensgeschichte über uns. Eine Trennung zwingt dich, das Kapitel neu zu interpretieren, Rollen umzuschreiben und einen roten Faden wiederzufinden.

Neurobiologie von Verlust und Zurückweisung

  • Belohnungssystem: fMRT-Studien (Fisher et al.) zeigen, dass romantische Zurückweisung Areale aktiviert, die auch bei Sucht und Belohnung greifen. Dein Gehirn „vermisst“ den Partner wie eine Substanz – craving inklusive.
  • Schmerznetzwerk: Soziale Zurückweisung aktiviert Hirnregionen, die bei körperlichem Schmerz beteiligt sind (Eisenberger, Lieberman; Kross et al.). Das erklärt, warum Nachrichten, Fotos oder Orte wirklich „weh tun“ können.
  • Bindungsneuropeptide: Oxytocin und Vasopressin stabilisieren Bindung. Ihr Abfall bzw. die fehlende Paarinteraktion kann Entzugssymptome verstärken (Young & Wang).

Emotionsregulation, Stress und Grübeln

  • Rumination (Nolen-Hoeksema): Grübeln verlängert und vertieft negative Stimmung – es fühlt sich an wie Problemlösen, verschlechtert aber Schlaf, Konzentration und Selbstwert.
  • Körperliche Marker: Trennungsschmerz geht mit Stresszeichen einher (Cortisol-Veränderungen, Schlafprobleme; Field). Das ist belastbar – und behandelbar.
  • Dual-Process-Modell (Stroebe & Schut, auf Trauer übertragen): Gesunde Bewältigung pendelt zwischen Verlustorientierung (Fühlen, Verstehen) und Wiederherstellungsorientierung (Aufgaben, Alltag, neue Rollen). Dieses Pendeln hilft auch bei Trennung.

Soziale Sicherheit als Energiequelle

  • Social Baseline Theory (Beckes & Coan): Nähe senkt den Energieaufwand des Gehirns. Ohne Paarbindung musst du neue Sicherheitsquellen etablieren: Freunde, Rituale, Selbstberuhigung. Handhalten mit einer vertrauten Person reduziert messbar die Bedrohungsreaktion (Coan, Schaefer & Davidson).

Kurz: Dein Erleben ist normal. Und es ist formbar. Du kannst dein Nervensystem beruhigen, dein Selbstbild sortieren und neu justieren – Schritt für Schritt.

Grundlagen schaffen: Stabilisieren, bevor du neu definierst

Identitätsarbeit gelingt nur, wenn dein Nervensystem halbwegs beruhigt ist. Sonst dreht sich alles um die nächste Nachricht oder den nächsten Trigger.

Was du heute tun kannst

  • Atemanker: 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus – 3 Minuten. Senkt akute Anspannung.
  • Reize reduzieren: Mute deine Ex-Chats, lege Bilder in einen „Später“-Ordner.
  • Mini-Struktur: Drei feste Punkte pro Tag (Schlafenszeit, Mahlzeit, 20-minütiger Spaziergang).
  • Sozialer Check-in: Eine Person, der du ehrlich sagst, wie du dich fühlst.
  • 10-Minuten-Aufräumung eines Ortes: Ordnung im Außen beruhigt das Innen.

Was du heute lassen solltest

  • Spontane Nachrichten an den Ex/die Ex – emotionaler Kontakt triggert Entzug.
  • Social-Media-Stalking – erhöht Grübeln und verzerrt Wahrnehmung.
  • Große Lebensentscheidungen – warte, bis dein Stressniveau gesunken ist.
  • Selbstabwertung („Ich bin nichts ohne ihn/sie“) – stoppe und benenne es als Gedanke, nicht als Fakt.

Wichtig: Falls ihr Kinder habt oder beruflich verbunden seid, ersetze „No Contact“ durch „Low Emotion Contact“. Das heißt: Nur sachliche, knappe Kommunikation zu klar definierten Themen und Zeiten. Das schützt deine Regulierung und ist mit Forschung zur Emotionsregulation und Co-Parenting vereinbar (Sbarra & Emery).

Ein 4-Phasen-Fahrplan, um dein Selbst stabil zu erneuern

Die folgende Orientierung ist realistisch und basiert auf Trauer-, Bindungs- und Identitätsforschung. Tempo ist individuell. Rückschritte sind Teil des Prozesses.

Phase 1

Stabilisierung (Tage 1–30)

  • Ziel: Nervensystem beruhigen, sichere Basis im Alltag schaffen.
  • Werkzeuge: Schlafhygiene, strukturierte Mahlzeiten, tägliche Bewegung, Atemübungen, soziale Stützpunkte, digitale Grenzen.
  • Identitätsfokus: „Ich bin jemand, der sich jetzt schützt und für sich sorgt.“
Phase 2

Sinngebung und Verlustarbeit (Wochen 2–8)

  • Ziel: Verstehen, ohne zu verhaften. Gefühle benennen, Story ordnen.
  • Werkzeuge: Journaling (Pennebaker), Selbstmitgefühl (Neff), Werteklärung, Gespräche mit verlässlichen Personen oder Therapeut:innen.
  • Identitätsfokus: „Ich bin jemand, der fühlen und lernen kann.“
Phase 3

Experimentieren und Selbstexpansion (Monat 2–4)

  • Ziel: Neue und alte Selbstanteile testen, Interessen beleben, Kompetenzen erweitern (Aron & Aron).
  • Werkzeuge: „2× Neu pro Woche“-Regel, Verhaltensaktivierung, kleine soziale Abenteuer.
  • Identitätsfokus: „Ich bin jemand, der wächst und ausprobiert.“
Phase 4

Integration und Zukunft (Monat 4–6+)

  • Ziel: Neues Selbstnarrativ formulieren; Grenzen, Werte und Routinen konsolidieren.
  • Werkzeuge: Sinn-Statement, Vision-Board (realistisch), regelmäßige Check-ins, ggf. Paarreflexion ohne Kontaktaufnahme (Brief, den du nicht verschickst).
  • Identitätsfokus: „Ich bin jemand, der ein stimmiges Leben gestaltet.“

Übungen, die nachweislich helfen

1Expressives Schreiben (Pennebaker)

  • Setze 20 Minuten Timer. Schreibe 3–4 Tage hintereinander über deine Gefühle, Gedanken und Hoffnungen bezüglich der Trennung. Keine Grammatikregeln, nicht für andere.
  • Wirkung: Studien zeigen weniger Grübeln, höhere Sinngebung und bessere Emotionsverarbeitung.
  • Variante: Wechsle zwischen Ich-Perspektive („Ich…“) und distanzierter Perspektive („Sie/Er erlebt…“). Das fördert kognitive Distanz.

2Selbstmitgefühl in 3 Schritten (Neff)

  • Achtsamkeit: „Autsch, das tut gerade sehr weh.“
  • Geteilte Menschlichkeit: „Viele Menschen kämpfen nach einer Trennung so.“
  • Freundlichkeit: „Was würde ich einer Freundin jetzt sagen? Ich sage es mir selbst.“
  • Wirkung: Reduziert Selbstabwertung, fördert Resilienz und fördert konstruktive Selbstregulation.

3Verhaltensaktivierung (Jacobson et al.)

  • Liste 15 kleine Aktivitäten, die dir früher gut getan haben. Plane täglich 2–3 feste Slots (10–30 Min.).
  • Wirkung: Bewegungs- und Sinn-Input stabilisiert Stimmung, verhindert Grübelschleifen, stärkt Selbstwirksamkeit.

4Werteklärung

  • Nenne pro Lebensbereich (Gesundheit, Beziehungen, Arbeit, Lernen, Kreativität, Erholung) je 3 Werte. Frage dich: Welche 1–2 Handlungen pro Woche drücken diese Werte konkret aus?
  • Wirkung: Identitätsanker. Du handelst nicht länger reaktiv (Ex-getrieben), sondern wertegeführt.

5„2× Neu pro Woche“ (Self-Expansion)

  • Montags buche etwas Kleines, Freitags etwas Sozialeres: z. B. neue Route laufen, Kochkurs, Sprache, Impro-Workshop, Ehrenamtsschnuppern.
  • Wirkung: Erweiterung des Selbst, neue Rollen, mehr Selbstkonzeptklarheit.

6Sicherheitsplan für Trigger

  • Trigger-Liste erstellen (Orte, Songs, Uhrzeiten, Social Media). Für jeden Trigger: Eine alternative Handlung (Atem, Spaziergang, Anruf bei Person X, 10-Minuten-Aufgabe).
  • Wirkung: Du fühlst dich vorbereitet statt überrollt – das stabilisiert Identität („Ich kann handeln“).

7Implementation Intentions (Wenn–Dann-Pläne)

  • „Wenn ich ihr/ihm schreiben will, dann trinke ich ein Glas Wasser, stelle 10-Minuten-Timer und schreibe erst in mein Journal.“
  • „Wenn ich beim Abholen der Kinder Emotionen spüre, dann atme ich 4/6, lächle höflich und bleibe beim Sachinhalt.“
  • Wirkung: Automatisierte Selbststeuerung reduziert Rückfälle und stärkt das Bild von dir als handlungsfähige Person.

Konkrete Szenarien: Identitätsfragen alltagsnah lösen

Sarah, 34, zwei Kinder, berufstätig

  • Situation: Trennung nach 10 Jahren. Co-Parenting, wöchentliche Übergaben. Sarah fühlt sich als „halbe Mutter“, wenn die Kinder beim Vater sind. Frage: „Wer bin ich trennung – ohne die tägliche Care-Arbeit?“
  • Strategien:
    • Low Emotion Contact: „Übergabe Freitag 18 Uhr wie vereinbart. Kleidung im Rucksack. Arzttermin Montag 9 Uhr.“
    • Identitätsanker: „Ich bin eine liebevolle, verlässliche Mutter – auch, wenn die Kinder heute beim Vater sind.“ Belege: Eine liebevolle Nachricht am Vorabend, ein kleines Ritual für den Abschied.
    • Selbstexpansion: Freitagabend-Frauenchor; Samstagvormittag 10 km Radfahren. Ergebnis: Sarah erlebt sich auch als Sängerin, Freundin, Sportlerin.
  • Möglicher Rückschlag: Tränen bei Übergabe. Reaktion: Auf Parkplatz eine 3-Minuten-Atmung, danach Spaziergang mit Freundin. Rückschläge ≠ Rückfall; sie sind Lerngelegenheiten.

Jonas, 41, Unternehmensberater

  • Situation: Verlassen worden. Jonas hält an der Story fest: „Ich bin nur als Partner wertvoll.“
  • Strategien:
    • Expressives Schreiben 4 Tage: Er erkennt Denkfehler („Ich = Beziehungserfolg“) und trennt Selbstwert von Partnerschaft.
    • Wertehandlung: Mentoring für Berufseinsteiger. Erlebt Selbstwirksamkeit und sozial bedeutsame Rolle.
    • Social Baseline: Wöchentlicher Männer-Lauftreff als Co-Regulation. Der Körper beruhigt, die Identität erfährt Bestätigung jenseits von Partnerschaft.

Maya, 29, zog für die Liebe um

  • Situation: Neues Umfeld, Freundeskreis war „unser“ Kreis. Nach der Trennung fragt sie: „Wer bin ich trennung, wenn hier alles mit ihm verbunden ist?“
  • Strategien:
    • Trigger-Management: Meidet gemeinsame Lieblingsbar 6 Wochen. Alternativ: neues Café, anderer Stadtteil.
    • 2× Neu: Stadtbibliothek-Karte, Urban-Sketching-Gruppe. Neue Narrative: „Ich bin Entdeckerin dieser Stadt.“
    • Digitale Hygiene: Mutes, Listen, eigene Playlists ohne „unsere Songs“.

Emre, 27, Fernbeziehung, starker ängstlicher Bindungsstil

  • Situation: Drang, ständig zu schreiben. Grübeln über „was-wäre-wenn“.
  • Strategien:
    • Wenn–Dann-Plan: „Wenn ich tippe, dann lege ich das Handy in einen anderen Raum und laufe 10 Minuten.“
    • Selbstmitgefühl: „Es ist normal, dass ich Sehnsucht spüre. Ich bin nicht schwach – ich bin menschlich.“
    • Achtsamkeits-App, 8-Minuten-Body-Scan am Abend. Schlaf stabilisiert, Grübeln sinkt.

Lina, 52, 24 Jahre verheiratet, erwachsene Kinder

  • Situation: Identitätsfusion über Jahrzehnte. „Wer bin ich trennung – noch Frau, Partnerin, Wir?“
  • Strategien:
    • Werteklärung: Gemeinschaft, Natur, Bildung. Handlung: Volkshochschulkurs „Kunstgeschichte“, wöchentliche Wandergruppe.
    • Sinngebung: Lebensgeschichte neu schreiben („Ich habe 24 Jahre geliebt und gelebt – jetzt beginnt Kapitel ‚Lina als Autorin ihres Lebens‘“).
    • Soziale Sicherheit: Schwester als „Handhalten“-Partnerin bei schwierigen Terminen.

Was die Forschung zu „Wer bin ich Trennung“ konkret nahelegt

  • Reduziere Reizkaskaden: Dein Gehirn reagiert wie auf Entzug (Fisher). Digitale Distanz verschafft dem Belohnungssystem Zeit.
  • Balanciere Fühlen und Handeln: Pendeln zwischen Verlust- und Wiederherstellungsfokus entspricht dem dualen Prozess (Stroebe & Schut).
  • Setze auf Körperroutinen: Schlaf, Ernährung, Bewegung stabilisieren Neurochemie und Emotionsregulation (Field; Kabat-Zinn zur Achtsamkeit).
  • Nutze Self-Expansion bewusst: Neue Erfahrungen stiften Selbstkonzeptklarheit (Aron & Aron; Slotter et al.).
  • Pflege sichere Bindung außerhalb der Paarbeziehung: Freunde, Familie, Gruppen sind echte „Regulatoren“ (Beckes & Coan; Coan et al.).
  • Bremsen statt brüten: Rumination verschlechtert Stimmung; Schreiben, Bewegung und strukturierte Aktivitäten wirken entgegen (Nolen-Hoeksema; Pennebaker; Jacobson et al.).

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Kommunikationsleitfaden für Low Emotion Contact (mit und ohne Kinder)

  • Basis-Regel: kurz, sachlich, freundlich, ohne Deutung, ohne Vorwürfe, ohne Emojis. Keine späten Nacht-Nachrichten.
  • Struktur: Betreff/Anlass – Kerninfo – konkrete Frage/Bitte – Abschluss.

Beispiele:

  • Sachlich (Kinder): „Übergabe Freitag 18:00 wie vereinbart. Bitte Regenjacke mitgeben. Arzttermin Montag 09:00, ich übernehme. Danke.“
  • Neutral (Wohnung): „Ich hole am Samstag zwischen 10–12 Uhr meine Kisten. Passt das? Falls nicht, schlage bitte zwei Alternativen vor.“
  • Grenze (Emotion): „Ich möchte unsere Trennung respektvoll regeln. Für persönliche Themen bin ich aktuell nicht verfügbar. Lass uns bei den organisatorischen Punkten bleiben.“
Falsch: „Ich kann nicht schlafen, warum tust du mir das an?“ – das triggert Abwehr, verschiebt keine Fakten und füttert dein Belohnungssystem mit „Ex-Kontakt“.

Messbar wachsen: Deine Identitäts-Check-ins

  • Self-Concept-Klarheit (gefühlte Skala 0–10): Wie klar fühle ich mich heute? Notiere 3 Dinge, die zu Klarheit beitrugen.
  • Werte-Handlungen: Welche 1–2 Dinge habe ich getan, die meinen Werten entsprechen?
  • Soziale Sicherheit: Hatte ich heute Kontakt, der mich beruhigt hat? Mit wem? Wie kann ich morgen anknüpfen?
  • Trigger-Protokoll: Was hat angeschoben? Welche Wenn–Dann-Regel hilft mir nächstes Mal schneller?

Nach 2–4 Wochen dieser Check-ins wirst du Muster erkennen: Was stärkt dich zuverlässig? Das wird Teil deiner neuen Identität.

Identitätsbausteine: Rollen, Werte, Geschichten

  • Rollen reaktivieren und neue testen: Freundin, Kollege, Läuferin, Lernende, Ehrenamtliche, Musikerin, Reisende, Nachbarin.
  • Werte als Kompass: z. B. Verbundenheit, Autonomie, Kreativität, Ehrlichkeit, Gesundheit, Humor, Mut.
  • Geschichten reframen: Statt „Ich habe versagt“ – „Ich habe geliebt, gelernt und ich lerne weiter.“ Statt „Ich bin nur halbfertig ohne uns“ – „Ich war immer eine ganze Person, die sich in einer Beziehung geteilt hat.“

Formuliere dein Sinn-Statement

  • „Ich bin jemand, der …“: … freundlich handelt, … Lösungen sucht, … Grenzen setzt, … neugierig bleibt.
  • Beispiel: „Ich bin jemand, der sich verlässlich um sich und andere kümmert. Ich wähle Beziehungen, die meine Werte spiegeln. Ich investiere wöchentlich in Lernen und in Ruhe.“

Häufige Fallen – und wie du sie umgehst

  • Alles-oder-Nichts-Denken: „Entweder wir sind zusammen, oder mein Leben ist wertlos.“ – Ersetze durch: „Heute ist schwer, und ich kümmere mich um eine Sache, die gut für mich ist.“
  • Rückfall als Katastrophe: „Ich habe geschrieben, alles kaputt.“ – Reframe: „Ich habe Kontakt aufgenommen. Was war der Auslöser? Welche Wenn–Dann-Formulierung hilft nächstes Mal?“
  • Soziales Vergleichen: „Alle kommen besser klar.“ – Erinnere: Jede Timeline ist individuell; Social Media verzerrt.
  • Identitätsfusion mit Leistung: „Nur wenn ich X erreiche, bin ich okay.“ – Selbstmitgefühl und wertebasierte Ziele statt nur Leistungsziele.

Achtung: Substanzkonsum, exzessiver Sport oder Arbeit können als vermeidende Bewältigung dienen. Kurzfristige Erleichterung, langfristige Identitäts- und Gesundheitsrisiken. Hole dir Unterstützung, wenn du merkst, dass du ohne diese Strategien kaum funktionierst.

Mini-Identitätsexperimente für 30 Tage

  • Woche 1: Jeden Tag 12 Minuten spazieren; 1 Mal expressiv schreiben; 1 Sozialkontakt; 1 neue Playlist.
  • Woche 2: 1 Ehrenamt-Schnuppern; 1 Stunde „Aufräumprojekt“; 2 Mini-Küche-Experimente; 1 Grenze setzen.
  • Woche 3: 1 Kurs/Workshop; 2× Sport; 1 Gespräch „ohne Ex-Thema“; 1 Abend digital minimal.
  • Woche 4: 1 Mikro-Abenteuer (neue Route/Ort); 1 Selbstmitgefühl-Übung; 1 Vision-Check („Was hat mir gut getan?“); 1 Belohnung ohne Ex-Bezug.

Übertrage das, was funktioniert, in Routine. Identität entsteht aus wiederholten, wertekongruenten Handlungen.

30 Tage

Ein guter Startzeitraum, um neue Gewohnheiten zu testen und Trigger zu entschärfen.

10 Minuten

Kleine Dosen Bewegung oder Atmung reichen, um dein Stresssystem messbar zu beruhigen.

0 ungeplante Nachrichten

Ungeplanter Ex-Kontakt füttert dein Belohnungssystem – plane Kommunikation bewusst.

Wie du mit Bindungsmustern smart arbeitest

  • Ängstliche Tendenz: Baue „sichere Personen“ und Rituale ein, die deine Nervosität abpuffern. Konkrete Erreichbarkeitsfenster mit Freunden helfen, die innere Suchbewegung zu bändigen. Achte auf Selbstberuhigung statt Selbstabwertung.
  • Vermeidende Tendenz: Erlaube dir kurze, dosierte Gefühlsfenster (10 Minuten schreiben/fühlen) und danach eine handlungsorientierte Aufgabe. Sonst bleibt der Schmerz eingefroren und Identitätsarbeit oberflächlich.
  • Desorganisierte Muster: Suche professionelle Unterstützung. Hohe Emotionswellen und Impulsivität profitieren von traumasensibler Begleitung und klaren, körperbasierten Skills.

Körper als Verbündeter

  • Schlaffenster konsistent halten (z. B. 23–7 Uhr), kein Bildschirm 60 Minuten vor dem Schlaf, 10-Minuten-Entspannung.
  • Essen als Strukturanker: 3 Hauptmahlzeiten, Proteine und komplexe Kohlenhydrate, ausreichend Wasser.
  • Bewegung: 150 Minuten pro Woche moderat oder 75 Minuten intensiv. Plus 2× Kraft. Kurz und oft ist besser als gar nicht.
  • Achtsamkeit: 5–10 Minuten Body-Scan oder Atemübung. Nicht, um „nichts zu fühlen“, sondern um Gefühle zu bemerken und zu regulieren.

Wenn du noch an eine Rückeroberung denkst

Dieser Artikel fokussiert auf dich. Auch falls du später eine zweite Chance erwägst, brauchst du eine tragfähige Identität – sonst wiederholt sich Dynamik. Stelle dir ehrlich Fragen:

  • Will ich zurück, weil ich Angst vor Leere habe, oder weil ich eine stimmige Beziehung auf Augenhöhe sehe?
  • Was sind meine nicht verhandelbaren Werte? Wie würde ich sie leben – mit und ohne diese Person?
  • Welche Muster muss ich ändern, damit ich „ich“ bleiben kann, auch in Zweisamkeit?

Erst wenn du dich selbst wieder spürst, kannst du eine mögliche Zukunft klar prüfen – ohne Illusion, ohne Selbstverlust.

Mikro-Skripte für Alltagsknackpunkte

  • Begegnung zufällig: „Hi. Ich hab’s eilig. Mach’s gut.“ – freundlich, kurz, ohne Türöffner für Emotionen.
  • Gemeinsame Freunde: „Ich will gerade nicht über uns sprechen. Erzähl mir von dir.“
  • Arbeitsplatz-Gerüchte: „Privates behalte ich privat. Danke für dein Verständnis.“
  • Gemeinsame Wohnung noch nicht aufgeteilt: „Ich schlage Termin X und Y vor. Lass uns eine Liste machen, was zu klären ist. Danach Pause.“

Fortschritt erkennen: Indikatoren, dass du dich neu findest

  • Du denkst nicht mehr im 5-Minuten-Takt an den Ex/die Ex; du hast zusammenhängende Phasen ohne Grübeln.
  • Du triffst kleine Entscheidungen ohne inneren Panikdialog.
  • Du hast 2–3 Rituale, die automatisch laufen (Bewegung, Schlaf, soziales Check-in).
  • Du sagst „Ich“ in Sätzen, die nicht mit „wir“ verknüpft sind – und es fühlt sich nicht leer an.
  • Du empfindest leise Neugier auf neue Kapitel – auch wenn noch Wehmut da ist.

Wissenschaftliche Einordnung der Hoffnung

  • Posttraumatisches Wachstum nach Beziehungsende ist dokumentiert: Viele Menschen berichten nach dem Schmerz von mehr Selbstkenntnis, Autonomie und besseren Grenzen (Tashiro & Frazier; Lewandowski & Bizzoco).
  • Langzeitliebe ist möglich, ohne Selbstverlust: Studien zeigen, dass Menschen auch nach Jahren hohe Verliebtheit empfinden können, wenn Neugier, Wertschätzung und Selbstexpansion in der Beziehung gepflegt werden (Acevedo et al.). Voraussetzung: Ein stabiles, eigenständiges Selbst.

Identitätskompass: Stärken, Werte, Temperament

Selbstklarheit wächst, wenn du dir drei Grundpfeiler bewusst machst: Temperament (z. B. Big Five), Charakterstärken und Kernwerte.

  • Temperament/Big Five: Wie ausgeprägt sind Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Emotionale Stabilität und Offenheit bei dir? Eine grobe Selbsteinschätzung reicht. Beispiele für Umsetzung:
    • Hohe Offenheit: Setze Kreativprojekte und Lernziele (z. B. Kurs, Leseliste).
    • Hohe Gewissenhaftigkeit: Nutze Routinen und Checklisten, um Sicherheit aufzubauen.
    • Niedrige Extraversion: Plane stille, verbindende Kontakte (1:1 statt große Gruppen).
  • Charakterstärken (VIA): Identifiziere 5 Signaturstärken (z. B. Neugier, Ausdauer, Freundlichkeit, Humor, Perspektive). Frage: „Wie kann ich jede Stärke diese Woche einmal leben?“
  • Werte: Wähle 3–5 Leitwerte. Ergänze pro Wert eine Mikrohandlung (15–30 Min.), die unabhängig vom Ex erfüllbar ist. Wiederholung formt Identität.

So entsteht ein Kompass: Nicht „wer du sein solltest“, sondern wie du dich zuverlässig erlebst, wenn du im Einklang mit dir handelst.

Narrative Re-Autorenschaft: Dein 5-Schritte-Storyboard

Eine Trennung ist ein Plot-Twist, kein Abspann. Nutze das 5-Schritte-Format:

  1. Titelseite: „Kapitel: Zwischenlandung – ich finde meinen inneren Kurs.“
  2. Ausgangslage: 3–5 Sätze zu Beziehung und Trennung – ohne Schuldzuweisung.
  3. Konflikt: „Was ist das Kernproblem?“ (z. B. Verlust von Struktur, einsame Abende, Selbstzweifel).
  4. Wendepunkte: 3 konkrete Momente, in denen du handlungsfähig warst (z. B. keine Nacht-Nachricht, Lauf um den Block, ehrliches Gespräch mit Freundin).
  5. Ausblick: „In 90 Tagen möchte ich mich … fühlen, weil ich … tue.“ Fülle es mit 3 wiederholbaren Handlungen.

Schreibe es handschriftlich, lies es 1× pro Woche laut vor. Sprache prägt Identität – nicht als Beschönigung, sondern als geordnete Bedeutung.

Digital-Detox und Reizmanagement: Ein konkreter Plan

  • 14-Tage-Reset: Entferne Chat-Pins, archiviere Konversationen, logge dich 2× täglich zu festen Zeiten in Social Media ein (je 10–15 Min.).
  • „Schwarze Liste“ für 30 Tage: Orte, Playlists, Serien, die stark triggern. Ersetze sie bewusst (neue Musik, neue Wege).
  • Signalreduktion: Deaktiviere Vorschau-Banner am Handy. Schaffe „Fokuszonen“ (Schlafzimmer ex-frei: keine Fotos, keine Gegenstände mit hoher Ladung).
  • Digitale Sicherungen: Wichtiges (Verträge, Kontakte) sichern, damit der Entkopplungsprozess nicht zu Kontrollverlust führt.

Ernährung, Substanzen und Stimmung

  • Koffein: Reduziere späte Koffeingaben (nach 14 Uhr), um Schlafqualität zu schützen.
  • Alkohol: Kurzfristig dämpfend, mittelfristig stimmungsverschlechternd. Pausiere 30 Tage.
  • Grundversorgung: Proteine, Vollkorn, buntes Gemüse, Omega-3-Quellen. Ziel: stabile Energie → stabilere Affektregulation.
  • Essen als Ritual: Gleiche Uhrzeiten schaffen Inseln der Vorhersagbarkeit – wichtig für ein gestresstes Nervensystem.

Natur, Staunen und Identität

Kurze Naturmomente („Awe“) reduzieren Grübeln und vergrößern das Gefühl von Verbundenheit. Ideen:

  • 10-Minuten-Baumrunde: Täglich der gleiche Weg, bewusst sehen, hören, riechen.
  • Himmelstagebuch: 30 Tage, jeden Abend ein Foto oder 2 Sätze zum Himmel. Minimalaufwand, maximaler Effekt auf Präsenz.

Gewohnheiten, die tragen: Mikro statt Makro

Neue Identität entsteht durch wiederholte, kleine Handlungen.

  • Habit-Stapeln: „Nach dem Zähneputzen 4/6-Atmung, 1 Runde.“
  • Reibung verringern: Sporttasche gepackt an die Tür; Journal offen auf dem Tisch.
  • Reibung erhöhen (für Ex-Kontakt): Messenger aus dem Dock, Log-in-Barrier, Handy in eine andere Etage.
  • Wöchentlicher Review: Was hat funktioniert? Was war zu groß? Kleinere nächste Schritte wählen.

Teilearbeit light: Innere Anteile sehen, ohne sie zu pathologisieren

Viele erleben nach Trennung innere Stimmen: die Verzweifelte, der Kritiker, die Beschützerin, der Pragmatiker.

  • Mapping: Zeichne Kreise für 3–5 Anteile. Schreibe Bedürfnisse darunter.
  • Dialog: „Danke, Kritiker, dass du mich schützen willst. Heute probiere ich eine freundliche Erinnerung statt Abwertung.“
  • Ziel: Nicht einen Anteil auslöschen, sondern Führung übernehmen: „Mein erwachsener Anteil entscheidet.“

Re-Entry ins Dating – wann und wie?

Kriterien, bevor du wieder datest:

  • Du kannst 7 Tage ohne ungeplanten Ex-Kontakt auskommen.
  • Du triffst 3 wertebasierte Handlungen pro Woche – unabhängig von Dating.
  • Du kennst 3 Grenzen und kannst sie aussprechen (z. B. Kommunikationsrhythmus, Ex-Themen, Exklusivität).
  • Du suchst nicht primär Betäubung, sondern Begegnung. Vorgehen:
  • Intention klar: „Ich übe Verbindung, nicht ich finde ‚die Eine/den Einen‘.“
  • Tempo: 1 Date/Woche, maximale Chatzeit pro Tag 15–20 Min.
  • Debrief: Nach jedem Date 5 Fragen: Was habe ich über mich gelernt? Welche Werte/Signale passten? Wo fühle ich Druck?

Spezielle Situationen – zusätzliche Hinweise

  • Gemeinsame Haustiere: Lege ein neutrales Übergabebuch an (Futter, Termine, Gesundheit). Vermeide emotionale Diskussionen über das Tier.
  • Gemeinsames Unternehmen: Trenne Rollen schriftlich. Wöchentlicher fixer, kurzer Jour fixe mit Agenda und Protokoll. Keine Ad-hoc-Meetings.
  • Migrations-/Expat-Kontext: Kulturelle und soziale Stützsysteme sind evtl. dünn. Priorität: Aufbau eines „Ersatz-Netzes“ (Community-Gruppen, Sprachstammtisch, Sportvereine).
  • LGBTQ*: Manchmal ist der Freundeskreis stark überlappend. Vereinbart „Sicherheitsinseln“: Orte/Veranstaltungen, die ihr 8–12 Wochen getrennt nutzt.

Arbeitsblatt: Dinge entkoppeln, Raum zurückerobern

  • Inventur: Liste 10 Gegenstände, die am stärksten triggern. Markiere: behalten, lagern (Box „6 Monate“), abgeben.
  • Raumzone: Kreiere 1 „Ex-freie“ Zone (Nachttisch, Regal). Stelle dort bewusst Dinge mit neuer Bedeutung hin (Buch, Pflanze, Foto von Freund:innen, Reiseziel).
  • Musik: Erstelle 2 Playlists – „Beruhigen“ (langsamer Beat, wenig Lyrics) und „Aktivieren“ (mittlerer Beat, positiv). Nutze sie gezielt nach Bedarf.

14 zusätzliche Wenn–Dann-Skripte für knifflige Momente

  1. Wenn ich alte Chats scrolle, dann archiviere ich den Chat und schreibe 3 Sätze in mein Journal.
  2. Wenn ich abends einsam werde, dann rufe ich Person X an oder gehe 10 Minuten raus.
  3. Wenn ich einen gemeinsamen Ort sehe, dann halte ich kurz an, atme 4/6 und nenne 3 Dinge, die ich heute gut gemacht habe.
  4. Wenn ich morgens aufwache und an sie/ihn denke, dann trinke ich Wasser, mache 10 Squats und öffne erst danach das Handy.
  5. Wenn mich eine Erinnerung überrollt, dann lege ich die Hand auf den Brustkorb und zähle 10 Atemzüge.
  6. Wenn ich von gemeinsamen Freunden eine Nachricht bekomme, dann lese ich sie erst zur vollen Stunde.
  7. Wenn ich nachts schreiben will, dann schreibe einen unsendbaren Brief in Notizen.
  8. Wenn ich Bilder anschauen will, dann setze einen 5-Minuten-Timer und lösche 1 Bild am Ende.
  9. Wenn ich Schuldgefühle spüre, dann liste ich 3 Lernerkenntnisse auf.
  10. Wenn ich mich wertlos fühle, dann tue ich eine 10-Minuten-Wertehandlung (z. B. jemandem helfen, etwas lernen).
  11. Wenn ich mich überfordert fühle, dann mache ich die „5-4-3-2-1“-Achtsamkeitsübung.
  12. Wenn ich merke, ich isoliere mich, dann sage 1 Treffen/Woche zu.
  13. Wenn die Nacht unruhig ist, dann stehe kurz auf, trinke Wasser, lese 5 Seiten und versuche erneut zu schlafen.
  14. Wenn ich Fortschritt kleinrede, dann lese meine Check-ins der letzten Woche.

Wertarbeit vertiefen: Von Zielen zu Systemen

  • WOOP-Methode: Wunsch – Ergebnis – Hindernis – Plan. Beispiel: Wunsch „ruhiger schlafen“; Ergebnis „mehr Energie“; Hindernis „abends Handy“; Plan „Wenn 22 Uhr, dann Handy in Küche und Buch ins Bett“.
  • Systeme statt Einmalaktionen: Identitätsstark ist nicht „ein Marathon“, sondern „3×/Woche 25 Minuten Laufen“.
  • Feedback-Schleifen: Monatlich 30 Minuten Review – was passt noch? Werte sind stabil, Gewohnheiten flexibel.

Schlaf als Identitäts-Upgrade

Schlafmangel macht Identitätsarbeit schwerer. Mini-Protokoll:

  • Konstanter Rhythmus, auch am Wochenende (±1 Stunde).
  • Licht: Morgens 5–10 Minuten Tageslicht; abends warmes Licht.
  • Gedankendownload: 10 Minuten „Braindump“ vor dem Schlafen – Zettel, nicht Handy.
  • Koffein-/Alkoholfenster: siehe oben. Kleine Änderungen → große Wirkung auf Affektregulation.

Bewegung als Stimmungsregler

  • „MINI“-Regel: Mindestens 3×/Woche 20–30 Minuten zügig gehen/joggen/radeln. Plus 2× 10-Minuten-Kraftzirkel (z. B. Kniebeugen, Liegestütz, Planks).
  • Social Movement: Verbinde Bewegung mit Menschen – doppelte Dosis soziale Sicherheit.
  • Tracke Gefühl vor/nach der Einheit (0–10). Sichtbarer Effekt motiviert und stärkt dein Handlungs-Selbstbild.

Mythen über Identität nach der Trennung – entlarvt

  • Mythos 1: „Zeit heilt alle Wunden.“ – Zeit hilft, aber nur, wenn du sie mit regulierenden, wertebasierten Handlungen füllst.
  • Mythos 2: „Ich muss erst alles verstehen, bevor ich handle.“ – Handeln und Verstehen bedingen sich; kleine Schritte schaffen Klarheitsfenster.
  • Mythos 3: „Ein Rebound rettet mich.“ – Kurzfristige Betäubung, oft spätere Identitätsdelle. Erst du, dann Dating.
  • Mythos 4: „Starke Menschen brauchen niemanden.“ – Soziale Co-Regulation ist Biologie, kein Makel.

Sicherheitsaspekte und Grenzen

  • Emotionaler Selbstschutz: „Ich antworte nur zu Bürozeiten und nur auf sachliche Punkte.“
  • Physische Sicherheit: Wenn Drohungen, Stalking oder Gewalt im Spiel waren: Dokumentiere Vorfälle, informiere Vertrauenspersonen und suche Unterstützung bei Fachstellen. Deine Sicherheit hat Priorität.
  • Finanzielle Ordnung: Liste Verträge/Abos, ändere Passwörter, trenne Accounts. Klarheit reduziert Hintergrundstress.

Rollenklarheit im Alltag: 3R-Methode

  • Reduzieren: Welche Verpflichtungen entlastest du 8–12 Wochen (Vereine, Zusatzprojekte)?
  • Routinisieren: Welche 3 Dinge laufen täglich gleich (Schlaf, Mahlzeit, Bewegung)?
  • Reinvestieren: Welche kleine Sache tust du nur für dich (Lernen, Kreativität, Natur)?

Mini-FAQ zu gemeinsamen Kreisen und Events

  • Hochzeit im Freundeskreis? Entscheide früh: hingehen mit Buddy oder absagen. Wenn du gehst, plane Vorher-Nachher-Support.
  • Gemeinsame Clique? Kommuniziere klar: „Ich mag euch beide. Ich spreche nicht über Details.“ Bitte um Respekt.
  • Social Media? 30 Tage pausieren mit ex-nahen Accounts oder auf „leise stellen“. Dein Nervensystem wird es dir danken.

Abschluss-Checkliste: 12 Punkte für die nächsten 6 Wochen

  1. Schlafenszeit fixiert (+/– 30 Min.).
  2. Ex-Kommunikation geplant oder pausiert.
  3. 2–3 sichere Personen als „Netz“ benannt.
  4. Wöchentlicher Bewegungsplan erstellt.
  5. 5 Signaturstärken notiert und 1×/Woche gelebt.
  6. 3 Kernwerte + passende Mikrohandlungen definiert.
  7. 2× Neu pro Woche terminiert.
  8. Triggerliste + Alternativhandlungen erstellt.
  9. Wenn–Dann-Pläne für Top-3-Risikosituationen formuliert.
  10. Arbeitsblatt „Dinge entkoppeln“ durchgeführt.
  11. 1 Sinn-Statement geschrieben und sichtbar platziert.
  12. Wöchentlicher 15-Minuten-Review im Kalender.

Mit diesen Punkten baust du kein perfektes, aber ein tragfähiges Fundament, auf dem Identität wieder wachsen kann – ruhig, echt, in deinem Tempo.

Schlussgedanken: Deine Identität ist verletzlich – und unglaublich formbar

Du bist nicht die Trennung. Du bist auch nicht nur die Person, die du in dieser Beziehung warst. Du bist jemand, der fühlen, lernen und gestalten kann. Forschung zeigt: Identität ist ein dynamisches System. Mit stabilisierenden Routinen, klaren Werten, neuen Erfahrungen und freundlicher Selbstbegegnung findest du in eine Version von dir, die nicht kleiner ist als vorher – sondern reifer, klarer und freier. Es geht nicht darum, das „Wir“ zu löschen, sondern darum, dein „Ich“ so zu stärken, dass du zukünftige „Wirs“ wählen kannst, ohne dich zu verlieren.

Wenn du heute nur eine Sache tust: Wähle eine 10-Minuten-Handlung, die deinen Werten entspricht. Morgen wieder. So beginnt die Antwort auf die Frage „wer bin ich trennung“ – nicht im Kopf allein, sondern in deinem gelebten Alltag.

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