Wieder ausgehen: Nach Trennung

Wieder ausgehen nach Trennung: Wann du bereit bist – und wie du schön langsam startest.

22 Min. Lesezeit Emotionale Heilung

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du willst nach einer Trennung wieder ausgehen – ohne dich zu verlieren, ohne in alte Muster zu rutschen und ohne deine Heilung zu sabotieren? Dieser Ratgeber vereint aktuelle Befunde aus Bindungsforschung, Neuropsychologie und klinischer Praxis. Du erfährst, was in deinem Gehirn und in deinem Körper nach einer Trennung passiert, wie du deine emotionale Stabilität schützt, und wie du gesunde, realistische Schritte zurück ins soziale (und romantische) Leben planst. Du bekommst konkrete Checklisten, Beispiel-Dialoge, Szenarien aus dem echten Leben und evidenzbasierte Strategien, damit „wieder ausgehen nach Trennung“ nicht zum Zufall, sondern zu einem verantwortungsvollen, stärkenden Prozess wird.

Was „wieder ausgehen“ nach einer Trennung wirklich bedeutet

„Ausgehen“ klingt so einfach: Ein Drink mit Freund:innen, ein Konzert, vielleicht ein erstes Date. Nach einer Trennung ist es jedoch ein psychologischer Prozess – kein einzelnes Event. Du bewegst dich zwischen drei Ebenen:

  • Regulieren: deinen Nervensystemzustand stabilisieren (Schlaf, Stress, Emotionen)
  • Reflektieren: verstehen, was war, was du brauchst, welche Muster dich leiten
  • Explorieren: neue Erfahrungen, Interessen und Kontakte – mit Grenzen, die dich schützen

Dieses Zusammenspiel ist entscheidend. Wenn du zu schnell nur „explorierst“ (z. B. in Dates flüchtest), ohne Nervensystem und Selbstbild zu stabilisieren, steigt das Risiko für Rückfälle in Rumination, impulsive Nachrichten an die/den Ex oder Verstrickungen, die deine Heilung verzögern. Wenn du zu lange nur „stabilisierst“ und vermeidest, fehlen positive soziale Inputs, die nachweislich die Regeneration fördern (Cohen & Wills, 1985).

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum dich Ausgehen nach der Trennung so fordert

Bindungssystem: Warum Verlust sich wie Alarm anfühlt

Die Bindungstheorie (Bowlby, 1969; Ainsworth et al., 1978) erklärt, warum eine Trennung dein inneres Alarmsystem aktiviert. Partner:innen dienen als „sichere Basis“. Fällt diese weg, tritt ein Protest-Despair-Zyklus auf: Suchen, Warten, Hoffen – gefolgt von Traurigkeit und Rückzug. Dein Bindungsstil (Hazan & Shaver, 1987) beeinflusst, wie du wieder ausgehst:

  • Ängstlich: starke Sehnsucht, Angst vor Ablehnung; Gefahr von Überanpassung bei Dates
  • Vermeidend: Distanz, Unabhängigkeit; Gefahr, Nähe ganz zu meiden oder nur oberflächlich zu datieren
  • Sicher: flexibler Umgang; gute Chancen, in sozial unterstützende Kontakte zurückzufinden

Das bedeutet für dich: „Ausgehen nach Trennung“ kann unbewusst ein Versuch sein, Bindungskummer zu betäuben – oder reif gestaltet eine Chance, Bindungssicherheit zu kultivieren.

Neurochemie: Warum dein Gehirn nach „Mehr“ schreit

fMRI-Studien zeigen, dass Zurückweisung und Trennung Schmerznetzwerke aktivieren, die auch bei körperlichem Schmerz beteiligt sind (Eisenberger et al., 2003; Kross et al., 2011). Zusätzlich bleibt das Belohnungssystem (Dopamin) auf den/die Ex „geeicht“ (Fisher et al., 2010). Das erklärt:

  • Cravings: Impulse, Nachrichten zu checken, alte Fotos zu stalken
  • Fehlattribution: Jede neue, kleine Aufregung beim Ausgehen kann sich „größer“ anfühlen
  • Volatile Gefühle: Euphorie beim Date, Absturz danach

Auch Oxytocin- und Vasopressin-Systeme, die Bindung stärken (Young & Wang, 2004; Carter, 1998), sind nach Trennung dysreguliert. Das „Entzugsgefühl“ ist real. Es zu kennen hilft, impulsive Entscheidungen einzuordnen.

Selbstkonzept und Identität: „Wer bin ich ohne uns?“

Nach Trennungen ist das Selbstkonzept oft erschüttert. Studien zeigen, dass Menschen vorübergehend weniger Klarheit über Werte, Ziele und Rollen empfinden (Slotter et al., 2010). Ausgehen kann dann sowohl heilsam (neue Selbstanteile testen) als auch überfordernd sein (wenn es als Flucht vor der inneren Arbeit dient).

Emotionale Regulationsstrategien: Was wirklich hilft

  • Kognitive Neubewertung (Reappraisal) reduziert Distress (Gross, 1998)
  • Selbstmitgefühl senkt Rumination und Scham (Neff, 2003)
  • Achtsamkeit verbessert Emotionsregulation (Keng et al., 2011)
  • Verhaltenale Aktivierung unterstützt gegen Antriebslosigkeit (Dimidjian et al., 2006)

Diese Strategien bilden die psychologische Basis, damit Ausgehen dich stärkt statt stresst.

Soziale Unterstützung als Heilfaktor

Soziale Kontakte puffern Stress und senken das Risiko für anhaltenden Distress (Cohen & Wills, 1985). Aber: Nicht jeder Kontakt ist hilfreich. „Ko-rumination“ (ständiges Wiederkäuen) kann Traurigkeit verstärken (Nolen-Hoeksema et al., 2008). Vielfalt in Aktivitäten und Gesprächen hilft.

Rebound-Beziehungen: Risiko oder Chance?

Die Datenlage ist differenziert. Einige Befunde weisen darauf hin, dass frühe neue Kontakte Selbstwert und Ablösung von der/dem Ex fördern können, sofern sie nicht nur Vermeidung dienen (Brumbaugh & Fraley, 2015). Gleichzeitig kann Angst vor dem Alleinsein dazu führen, dass man sich auf weniger passende Partner:innen einlässt (Spielmann et al., 2013). Fazit: „Rebound“ ist kein Schimpfwort – aber das Motiv zählt. Wenn du bewusst bleibst und Rohsignale (Bedürftigkeit, Idealisierung) erkennst, kann frühes Dating neutral bis hilfreich sein.

Online-Dating: Chancen und Stolpersteine

Online-Dating kann Suchkosten senken, aber Paradox-of-Choice und Oberflächlichkeit erhöhen (Finkel et al., 2012). Gute Praxis: klare Filter, kurze Nutzungszeiten, Fokus auf Begegnung statt endloses Chatten.

Wachstum nach der Krise ist möglich

Viele berichten über posttraumatisches Wachstum nach Trennung: mehr Eigenständigkeit, Klarheit, Wertschätzung (Tashiro & Frazier, 2003; Bonanno, 2004). Ausgehen ist ein Feld, in dem dieses Wachstum sichtbar wird – wenn du es bewusst gestaltest.

Bist du bereit, wieder auszugehen? Kurz-Check

  • Deine Schlaf- und Essgewohnheiten sind stabil genug
  • Du kannst an Ex denken, ohne sofort zu handeln
  • 1–2 Vertraute geben dir ehrliches Feedback
  • Du hast klare Grenzen (z. B. kein Alkohol-Übermaß auf ersten Dates)
  • Du kennst 2–3 Gesprächsstopper, wenn Themen zu schwer werden

Wenn du noch warten solltest

  • Intensive Cravings und tägliche Kontaktversuche
  • Starke Impulsivität (z. B. exzessives Trinken/Online-Dating)
  • Andauernde Schlafstörungen
  • Gewalt, Stalking oder Zwangsdynamiken im Ex-Kontext
  • Schwere Depression/Angst – zuerst professionelle Hilfe suchen
Phase 1

Akutphase (0–4 Wochen): Stabilisieren

  • No-/Low-Contact-Plan, Schlafpriorisierung, sichere Routinen
  • Körperliche Aktivierung (Spaziergänge), Mini-Sozialkontakte
  • Schreib- und Achtsamkeitsübungen
Phase 2

Reorientierung (4–8 Wochen): Erweitern

  • Hobbys reaktivieren, neue Mikro-Abenteuer (Kurs, Meetup)
  • Erste low-stake Events (Brunch, Kino mit Freund:innen)
  • Dating-Bereitschaft prüfen
Phase 3

Exploration (8–16 Wochen): Testen

  • Unverbindliche Dates mit klaren Grenzen
  • Online-Dating mit Zeitlimit und Filter
  • Reflektierte Auswertung: Was tut gut, was nicht?
Phase 4

Integration (ab 16 Wochen): Vertiefen

  • Passendere Kontakte selektieren
  • Werte, Bindungsmuster und Lebensstil abgleichen
  • Langsamkeit kultivieren, Rückfälle managen

Wichtig: Zeitfenster sind Richtwerte. Einige sind früher stabil, andere später. Dein Nervensystem gibt den Takt vor – nicht der Kalender.

Dein Praxisplan: Schritt für Schritt zurück ins Leben

1Stabilisieren: Das Fundament

  • Schlaf: feste Zeiten, Screens 60 Minuten vorher aus, Dunkelheit, ggf. White Noise. Schlaf ist „Neuro-First-Aid“ für Emotionsregulation.
  • Essen und Trinken: regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Wasser. Unterzucker = mehr Impulsivität.
  • Bewegung: 20–30 Minuten moderate Aktivität täglich (Spaziergang zählt). Bewegung wirkt antidepressiv (Dimidjian et al., 2006).
  • No-/Low-Contact-Regeln: Kommunikation auf Logistik begrenzen (wenn nötig, z. B. wegen Kindern). Stichwort: „klar, knapp, freundlich“. Beispiel:
    • Falsch: „Ich vermisse dich. Können wir reden?“
    • Richtig: „Übergabe Freitag 18 Uhr am bekannten Ort.“
  • Achtsamkeit und Selbstmitgefühl: 5–10 Minuten Atemfokus; innerer Dialog: „Schmerz ist menschlich, ich handle nach meinen Werten.“ (Neff, 2003; Keng et al., 2011)
  • Schreibübungen (10–15 Minuten, 3–4 Tage): Was habe ich gelernt? Was brauche ich? (Pennebaker & Seagal, 1999)

2Soziale Reaktivierung ohne Dating

  • Quality over Quantity: 1–2 verlässliche Personen statt 10 flüchtige Kontakte.
  • Ko-rumination vermeiden: Vereinbare „Trennungstalk-Budgets“ (z. B. 15 Minuten, dann Themenwechsel).
  • Aktivitätsorientierte Treffen: Kino, Kochen, Brettspiele, Sport – Erlebnisse statt Analysen.
  • Mikro-Abenteuer: neue Kaffeebar, Park, Workshop. Ziel: positive, machbare Reize.

3Ausgeh-Experimente – ohne romantische Agenda

  • „Solo-Date“: 60 Minuten mit dir selbst (Galerie, Café mit Notizbuch) – baue die Fähigkeit auf, in Öffentlichkeit mit dir verbunden zu bleiben.
  • „Buddy-Abende“: Vereinbare Signale mit Freund:innen (z. B. Handzeichen, wenn du Ruhe brauchst).
  • Sensorische Grenzen: Lärm/Alkohol begrenzen, früh gehen ist erlaubt. Deine Stabilität geht vor.

4Dating-Bereitschaft testen

Fragen, die du ehrlich beantworten solltest:

  • Kann ich das Wort „Ex“ aussprechen, ohne sofortige Handlungsimpulse zu spüren?
  • Gehe ich auf Dates, um Neugier zu stillen – oder um ein Loch zu stopfen?
  • Kenne ich 3 Werte, die mir in Partnerschaft wichtig sind (z. B. Verbindlichkeit, Humor, Fairness)?
  • Habe ich 2–3 Non-Negotiables (z. B. keine verbale Abwertung)?
  • Habe ich ein Exit-Skript, wenn ich mich unwohl fühle?

5Erste Dates gestalten – klar, leicht, respektvoll

  • Ort: tagsüber/early evening, gut beleuchtet, 60–90 Minuten. Kaffee/Spaziergang schlägt 5-Gänge-Menü.
  • Inhalt: 70/30-Regel – 70% Leichtigkeit/Neugier, 30% Substanz. Vermeide Tiefenanalyse der Ex-Beziehung.
  • Grenzen: max. 1–2 Drinks, keine Verabredung zu später Stunde beim ersten Date. Gehe, wenn du innerlich „zu schnell“ wirst.
  • Feedback-Schleife: Nach dem Date 10 Minuten Notizen: Wie habe ich mich gefühlt? Was war stimmig? Würde ich diese Person meinen Freund:innen vorstellen?

6Kommunikation – Beispiele

  • Termin finden:
    • „Ich mag Kaffee und Spaziergänge. Dienstag oder Donnerstag 18 Uhr?“
  • Grenzen setzen:
    • „Ich lerne dich gern kennen, aber ich gehe nach 90 Minuten, morgen ist ein früher Start.“
  • Bei zu viel Ex-Talk:
    • „Das Thema ist bei mir noch sensibel. Lass uns über Aktuelles sprechen – was macht dir gerade Freude?“
  • Kein Interesse respektvoll kommunizieren:
    • „Danke für den Abend! Ich spüre keine romantische Passung, wünsche dir aber alles Gute.“

7Online-Dating mit System

  • App-Strategie: max. 1–2 Plattformen, Nutzungsfenster 20–30 Minuten, 4 Tage/Woche. Keine Endlos-Swipes im Bett.
  • Profil: 3–5 Fotos (ein natürliches Lächeln, Ganzkörper, Aktivität), Kurztext mit 2–3 konkreten Interessen und einem wertbasierten Satz („Ich schätze Verbindlichkeit und Humor“).
  • Filter: Dealbreaker klar benennen (z. B. Rauchverhalten, Kinderwunsch). Besser upfront als späterer Frust.
  • Vom Chat zum Treffen: Nach 8–12 Nachrichten ein Vorschlag: „Wirkt nett – Lust auf Kaffee am Samstag?“
  • Sicherheitsregeln: öffentlicher Ort, Freund:in informiert, eigener Heimweg, keine Weitergabe sensibler Daten.

8Sexualität nach der Trennung

  • Körper und Nervensystem fragen, nicht nur den Kopf. Sex kann Nähe spenden, aber auch Bindungsreaktionen triggern.
  • Klar kommunizieren: „Ich suche gerade Leichtigkeit und kein Commitment“ – nur wenn es stimmt.
  • Schutz: Kondome, STI-Check, keine Betrunkenheitsentscheidungen.
  • Aftercare: kurze Selbstreflexion, ob es dir emotional gut tat. Wenn nicht: Tempo rausnehmen.

9Bindungstypen-spezifische Strategien beim Ausgehen

  • Ängstlich: Pausen zwischen Dates einplanen; nicht mehrere Personen parallel idealisieren; Notfallzettel gegen Drang-Nachrichten („Atmen, 24 Stunden warten“).
  • Vermeidend: Dosis-Exposition in Nähe; Offenheitssätze trainieren („Ich bin nervös, weil ich Nähe langsam angehe“).
  • Sicher: Bewahre deine Balance und reflektiere, welche Interaktionen Sicherheit fördern.

10Rückfälle managen

  • Trigger erkennen (Musik, Orte, Social Media). Proaktiv Alternativen planen.
  • No-Contact erneuern, wenn nötig. Jeder „Ausrutscher“ ist Information, kein Versagen.
  • Micro-Repair: 10 Minuten Spaziergang, 5 Minuten Atem, 1 ehrliche Nachricht an dich selbst.

30 Tage

Empfehlung: So lange konsequent No-/Low-Contact testen, bevor du Dating ernsthaft öffnest – dein System beruhigt sich oft spürbar.

60–90 Min

Erst-Dates kurz halten: genug für Eindruck, wenig Risiko für Überflutung. Danach reflektieren.

3 Regeln

Deine persönliche Trias: Schlaf zuerst, klare Grenzen, kein Dating als Flucht. Das reduziert Fehler drastisch.

Hinweis: Zahlen sind Praxis-Richtwerte, keine starren Vorgaben. Wenn Depression, Angst oder Trauma-Symptome anhalten, suche professionelle Unterstützung.

Konkrete Szenarien: So sieht es im echten Leben aus

Sarah, 34, 6-jährige Beziehung, ängstlicher Bindungsstil

Sarah fühlt sich nach 3 Wochen Trennung zwischen Sehnsucht und Wut. Sie will „jemanden treffen, um sich abzulenken“. Plan:

  • 2 Wochen Fokus Stabilisierung: Schlaf, Essen, 20-Min-Spaziergänge, 10 Min Achtsamkeit/Tag
  • Sozial: 2 Buddy-Abende ohne Trennungstalk, 1 Solo-Date im Café
  • Woche 5: ein Low-Stake-Date (Kaffee, 60 Minuten), klare Grenzen: max. 1 Drink, kein Ex-Talk
  • Notfallkarte: „Ich schreibe dem Date erst nach 24 Stunden – keine Impuls-Nachricht an Ex.“ Ergebnis: Sarah erlebt, dass sie Anziehung fühlen kann, ohne gleich zu verschmelzen. Das stärkt ihr Selbstwirksamkeitserleben.

Mehmet, 41, zwei Kinder, kooperatives Co-Parenting

Mehmet will Rücksicht auf die Kids nehmen. Plan:

  • Kommunikation mit Ex strikt logistikorientiert; gemeinsame Eltern-WhatsApp nur für Termine
  • Ausgehen nur an kinderfreien Abenden, Kinderpriorität bleibt sichtbar
  • Dating-Disclosure: erst nach 2–3 Monaten stabiler Kontakte, kein frühes Vorstellen
  • Grenzen: keine Übernachtungen, wenn am nächsten Morgen Kinderzeit ist Ergebnis: Mehmet erlebt weniger Chaos und Schuldgefühle; sein Date schätzt die Klarheit.

Lina, 27, vermeidender Bindungsstil, neue Stadt

Lina meidet Nähe, stürzt sich in Arbeit. Plan:

  • 2 soziale Aktivitäten/Woche (Meetup, Sportgruppe), 1 „Vulnerabilitätsübung“ (einen persönlichen Satz teilen)
  • Online-Dating: 1 App, 3 Chats/Woche, 1 Date/2 Wochen
  • Nach jedem Date: „Ein Satz echter Offenheit“ üben Ergebnis: Näherücken wird tolerierbar, ohne Kontrollverlust.

Jonas, 52, frisch geschieden, 20 Jahre Ehe

Jonas fühlt sich „aus der Zeit gefallen“. Plan:

  • Identitätsarbeit: 3 Schreibsessions („Was ist in meinem Leben nicht verhandelbar?“)
  • Offline zuerst: Kochkurs, Konzert mit Freund
  • Online-Dating später, mit Support eines Freundes fürs Profil
  • Erste Dates kurz, ohne Zukunftspläne Ergebnis: Jonas findet Freude an Begegnungen, ohne Druck.

Carla, 38, queere Frau, Kleinstadt

Sorge um Sichtbarkeit und Outing. Plan:

  • Community-freundliche Orte identifizieren (LGBTQ+-Cafés, Vereine)
  • Dating-Apps mit klaren Privatsphäreeinstellungen
  • Safety-Buddy für Dates Ergebnis: Risiko sinkt, Zugehörigkeit steigt.

David, 29, starker Drang in Rebound-Sex

David will „Gefühl zurück“. Plan:

  • 30 Tage No-Contact, 20 Minuten Bewegung täglich
  • Wenn Sex: vorher klar sagen, was er emotional kann – und Notfallausstieg vereinbaren
  • Nach jedem Encounter: kurze Emotionsinventur Ergebnis: Reduktion impulsiver Entscheidungen, mehr Konsens und Selbstrespekt.

Mentale Tools für unterwegs

  • STOPP-Methode: Stop – Tief atmen – Beobachten – Perspektive – Plan. Nützlich bei Triggern im Club oder beim Date.
  • Reappraisal in drei Schritten: „Das ist Stress“ → „Das ist mein Bindungssystem“ → „Ich entscheide nach Werten, nicht nach Wellen“ (Gross, 1998).
  • Selbstmitgefühl-Mini: Hand aufs Herz, leise: „Es ist schwer. Ich bin nicht allein. Was brauche ich jetzt?“ (Neff, 2003)

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Diese Perspektive ist entlastend: Du bist nicht „schwach“, wenn Ausgehen Wellen auslöst – du bist menschlich. Entscheidend ist, ob du deine Wellen reiten lernst.

Red Flags und Green Flags beim Wieder-Ausgehen

  • Green Flags: respektvoller Umgang mit Grenzen, Konsistenz, Neugier statt Verhör, humorvolle Leichtigkeit, Verbindlichkeit bei Absprachen
  • Red Flags: Drängen auf schnelles Commitment, Abwertung des/der Ex (spricht nicht für Verantwortungsübernahme), inkonsistente Kommunikation, Alkohol-/Drogenexzesse beim Kennenlernen, Überschreiten deiner Grenzen

Wenn du unsicher bist: „Wie fühle ich mich 24 Stunden nach dem Kontakt?“ Körperliche und emotionale Nachwirkungen sind oft ehrlicher als der Date-Glanz.

Rausgehen ohne Rückfall ins Ex-Universum

  • Social Media: Mute/Blockieren, wenn dich Posts triggern (Marshall et al., 2013)
  • Orte variieren: meide „eure“ Stammplätze zunächst, wähle neue Umgebungen
  • Ritual vor dem Ausgehen: 2 Minuten Atmung, Self-Check (Hunger, Ärger, Einsamkeit, Müdigkeit)
  • Heimweg-Plan: nicht spontan bei jemandem landen, nur weil die Einsamkeit hochgeht

Wertebasierte Auswahl statt impulsiver Anziehung

Nutze drei Ebenen, um neue Kontakte zu bewerten:

  • Werte: Passen Lebensentwürfe (z. B. Umgang mit Geld, Familie, Arbeitsethik)?
  • Fähigkeiten: Konfliktgespräch, Empathie, Selbstreflexion (Gottman & Levenson, 1992; Johnson & Greenman, 2013)
  • Chemie: Anziehung darf wachsen – sie muss nicht sofort explodieren

Übung: Notiere 3–5 „Wachstumskriterien“ aus der alten Beziehung („Worauf achte ich jetzt?“) und 3 „Dealbreaker“.

Umgang mit Zurückweisung, Ghosting & Co.

Zurückweisung reaktiviert die gleichen Schmerzsysteme wie die Trennung (Eisenberger et al., 2003). Schnellhilfe:

  • Benenne: „Das fühlt sich an wie Schmerz, nicht wie Wahrheit über meinen Wert.“
  • Reframe: Passung statt Bewertung – „Nicht kompatibel“ ist keine Globalaussage über dich.
  • Verhalten: 24-Stunden-Regel vor jeder Reaktion. Keine Beschimpfungen, kein Bittstellen.
  • Selbstwert: 15 Minuten Kompetenzaktivität (Kochen, Laufen, Reparieren) – erinnere dich an Wirksamkeit.

Wann professioneller Support sinnvoll ist

  • Anhaltende Schlafstörungen, Gewichtsveränderungen, Verzweiflungsgefühle
  • Zwangsgedanken, Suizidgedanken, Gewalt-/Stalkingthemen
  • Traumatische Trennung (z. B. Gewalt, hoher Kontrollverlust) Eine Psychotherapie kann Emotionsregulation vertiefen und Bindungsmuster bearbeiten.

Wenn du akute Gedanken hast, dir selbst zu schaden, wende dich bitte sofort an den Notruf (112) oder den psychiatrischen Bereitschaftsdienst (116 117) bzw. die nächste Notaufnahme.

Häufige Fallstricke beim Wieder-Ausgehen – und wie du sie vermeidest

  • Vergleichsfallen: „Mein Ex war aber …“ → Ersetze Vergleiche durch Kriterien („Ich suche X, Y, Z“)
  • Tempo: Zu schnell zu viel Nähe → Slow Dating, Pausen zwischen Dates
  • Alkoholverstärker: mehr Impulsivität → setze Limits vorab
  • Heimliche Hoffnung: „Vielleicht wird mein Ex eifersüchtig“ → Stopp. Ausgehen ist für dich, nicht als Botschaft.
  • Perfektionismus: „Ich muss schon bereit sein“ → Ersetze durch Lernhaltung: „Ich sammle Daten über mich“

Mikro-Pläne: Drei Wochen zurück ins Ausgehen

Woche 1: Schlaf priorisieren, 3x 20-Minuten-Bewegung, 2 soziale Micro-Treffen, 2x Schreiben Woche 2: 1 neues Event (Meetup/Kurs), 1 Buddy-Abend, 1 Solo-Date, Dating-Bereitschaft prüfen Woche 3: 1 Low-Stake-Date (oder bewusst noch nicht), 2 Qualitätskontakte, 1 Reflexionssession

Wenn sich dein Nervensystem beruhigt (weniger Rumination, stabilere Stimmung), erhöht sich die Chance, dass Ausgehen dich stärkt.

Elternschaft und Ausgehen: Spezielle Hinweise

  • Transparenz mit dir selbst: Kinderwohl zuerst. Dates nur in kinderfreien Zeiten.
  • Diskretion: neue Kontakte nicht vorschnell integrieren. Frühestens nach Monaten und bei Stabilität.
  • Co-Parenting-Respekt: keine Abwertung des anderen Elternteils – das schadet Kindern.
  • Eigenes Bindungssystem beruhigen: Routine mit Kindern beibehalten, klare Übergaben.

Technik-Detox fürs Herzausgehen

  • Push-Off: Benachrichtigungen aus, App-Check zu festen Zeiten
  • Klarer Chat-to-Date-Trigger: Wenn 2 Tage kein Vorschlag – weiterziehen
  • „Kein Bett-Swiping“: Räume schützen

Nach dem Date: Auswertung ohne Selbstsabotage

  • 3 Fragen: Habe ich mich gesehen gefühlt? War ich ich? Will ich neugierig bleiben?
  • Nicht interpretieren, was du nicht weißt. Keine Geschichten über Motive erfinden.
  • Schreibe eine 1–10 Skala für Leichtigkeit, Respekt, Neugier. 6+ kann ein zweites Treffen rechtfertigen – Chemie darf wachsen.

Wenn du eigentlich deinen Ex zurückwillst

Ehrlichkeit spart Leid. Ausgehen kann dich stärken – oder zur Taktik werden. Orientiere dich an Werten: Was dient meinem langfristigen Wohl? Sbarra & Emery (2005) zeigen, dass Kontakt mit Ex den Distress oft verlängert. Wenn dein eigentliches Ziel „Ex zurück“ ist, nutze Ausgehen primär zur Stabilisierung (Freund:innen, Interessen) – romantisches Dating erst, wenn du auch mit einem „Nein“ leben kannst.

Wissenschaft für dein Bauchgefühl – in einfachen Leitsätzen

  • Schmerz ist normal, Impuls ist normal – Handeln ist deine Wahl (Eisenberger et al., 2003; Gross, 1998)
  • Sicherheit entsteht aus kleinen, wiederholten Selbstzuwendungen, nicht aus einem perfekten Date (Neff, 2003)
  • Soziale Qualität > Quantität (Cohen & Wills, 1985)
  • Lernen schlägt Romantisieren: Nach jedem Kontakt reflektieren
  • Rebounds sind Werkzeuge, keine Lösungen – Motive prüfen (Brumbaugh & Fraley, 2015)

Es gibt keinen magischen Zeitpunkt. Hilfreich sind Indikatoren: stabiler Schlaf, weniger akutes Verlangen, der/die Ex zu kontaktieren, und die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen. Viele fühlen sich nach 4–12 Wochen bereit, wenn sie bewusst stabilisiert haben.

Wenn keine gemeinsamen Pflichten bestehen: oft ja – es senkt Trigger und beschleunigt Emotionsregulation (Sbarra & Emery, 2005). Bei Co-Parenting: Low-Contact mit klaren Regeln und neutralem Ton.

Nicht zwingend. Rebounds können kurzfristig Selbstwert stützen (Brumbaugh & Fraley, 2015). Wichtig ist, dass du Motive reflektierst, Grenzen hältst und andere Regenerationspfeiler (Schlaf, Freunde, Aktivitäten) nicht ersetzt.

Kurz, ehrlich, ohne Details: „Ich bin getrennt seit X Monaten, ich achte auf ein gesundes Tempo.“ Wenn du dich getriggert fühlst, stoppe das Thema.

Benennen (es tut weh), neu bewerten (Passungsproblem, nicht Werturteil) und regulieren (Bewegung, Atem, soziale Stütze). Keine impulsiven Nachrichten. Schütze deine Energie.

Offlinedynamiken: Kurse, ehrenamtliche Arbeit, Freund:innennetzwerke, Vereine. Ziel: echte Kontexte, in denen Werte sichtbar werden.

Anerkenne, dass dein Bindungssystem aktiv ist. Pausiere Dating 2–3 Wochen, intensiviere Stabilisierung (Schlaf, Bewegung, Achtsamkeit, Schreiben). Dann erneut testen.

Nein, es sei denn, es ist aus Sicherheits- oder Elternschaftsgründen nötig. Das dient selten deiner Heilung und kann Dynamiken eskalieren.

Mythen vs. Fakten: Klarheit vor Geschwindigkeit

  • Mythos: „Nur wer schnell wieder datet, kommt über den Ex hinweg.“
    • Fakt: Schnelligkeit ist kein Prädiktor für Heilung. Konsistente Selbstfürsorge und soziale Qualität sind wirksamer.
  • Mythos: „Wenn es nicht sofort funkt, ist es nichts.“
    • Fakt: Anziehung kann wachsen, besonders bei sicheren Bindungserfahrungen. Sofortige Intensität kann auch Bindungspanik oder Idealisierung sein.
  • Mythos: „Rebounds zerstören Heilung.“
    • Fakt: Motiv und Grenzen entscheiden. Bewusste Leichtigkeit kann stützen, unbewusste Flucht eher schaden.
  • Mythos: „Online ist oberflächlich, offline ist echt.“
    • Fakt: Jede Plattform ist nur ein Werkzeug. Deine Filter, Kommunikationsqualität und Grenzen machen den Unterschied.
  • Mythos: „Ich muss erst ganz bereit sein, dann erst loslegen.“
    • Fakt: Vollständige „Bereitheit“ gibt es selten. Ein iterativer, achtsamer Prozess ist realistischer.

30+ Low-Stake-Date-Ideen, die wirklich helfen

  • Kaffee- oder Tee-Spaziergang in neuem Viertel
  • Wochenmarkt-Runde mit „3 Dinge, die wir noch nie probiert haben“
  • Galerie-Bummel mit je einem Lieblingsbild
  • Buchladen-Challenge: „Zeig mir ein Buch, das dich geprägt hat“
  • Minigolf oder Boule im Park
  • Eisdielen-Tasting (kleine Portionen, viele Sorten)
  • Stadtpark-Picknick mit je zwei Must-haves
  • Fahrrad- oder E-Scooter-Runde, 45 Minuten
  • Botanischer Garten, „Geruch-Favoriten“ teilen
  • Brettspielcafé, kooperatives Spiel
  • Kochschule/Street-Food-Festival
  • Second-Hand-Laden: „10€-Style-Challenge“
  • Kalligraphie-/Töpfer-Workshop
  • Sternwarte/Planetarium
  • After-Work-Quiznight
  • Comedy-Open-Mic (früh gehen erlaubt)
  • Kletterhalle mit Anfängerkurs
  • Foto-Walk: „3 Motive, die uns an Kindheit erinnern“
  • Tierheim-Spazierdienst (vorher anmelden)
  • Schnitzeljagd-App in der Stadt
  • Kunst- oder Technikmuseum mit Audioguide
  • Kirschblüten-/Herbstlaub-Walk je nach Saison
  • Keramik bemalen
  • Stadtstrand/Flussufer bei Sonnenuntergang
  • Kaffeerösterei-Tasting
  • Trödelmarkt: „Gegenstand mit Geschichte finden“
  • Parkbank-Interviews: 10 Fragen aus einem Fragen-Spiel
  • Badminton oder Tischtennis im Park
  • Probewohnen fürs Hobby: Imker:in, Urban Gardening, Makerspace
  • Kurzer Ehrenamts-Einsatz (Tafel, Cleanup)

Hinweis: low stake = geringe Kosten, geringe Dauer, klare Ausstiege – ideal zum Testen deiner Grenzen.

Gesprächsstarter und Gesprächsstopper – konkrete Sätze

  • Leichte Einstiege:
    • „Was hat dich zuletzt positiv überrascht?“
    • „Wenn du eine kostenlose Masterclass wählen könntest – welches Thema?“
    • „Welche Gewohnheit hat dein Leben spürbar verbessert?“
  • Substanz ohne Schwere:
    • „Was ist dir in Freundschaften wichtig – und warum?“
    • „Welche Werte würdest du nie tauschen?“
  • Grenzen freundlich setzen:
    • „Das Thema geht mir noch nah, lass uns wechseln.“
    • „Ich mag ein langsames Tempo – so lerne ich dich am besten kennen.“
  • Wenn du aussteigen willst:
    • „Ich merke, meine Energie ist heute begrenzt. Danke dir, ich mache mich auf den Weg.“
  • Wenn du Interesse hast:
    • „Ich mochte die Leichtigkeit heute. Hast du Lust auf Teil 2 nächste Woche?“
  • Bei Fehlverhalten (z. B. despektierlicher Kommentar):
    • „So eine Bemerkung passt für mich nicht. Wenn Respekt wertvoll ist, können wir gern weiterreden.“

Ein 6-Wochen-Programm: Vom Innen nach Außen

  • Woche 1: Schlaf resetten, 4x Bewegung, 3x Schreiben, 2 Micro-Treffen
  • Woche 2: 1 neuer Ort, 1 Buddy-Abend, 1 achtsamer Abend zu Hause (ohne Screen)
  • Woche 3: 1 Solo-Date, 1 Skill-Aufbau (Kurs), Social Media Mute/Limits
  • Woche 4: Dating-Bereitschaft erneut prüfen, 1 Low-Stake-Date oder bewusst kein Date
  • Woche 5: 2 Qualitätskontakte, 1 Aktivitätsdate, Grenzen trainieren (1 „Nein“ üben)
  • Woche 6: Review: Werteabgleich, „Was fördert Sicherheit?“, ggf. zweite Dates

Wichtig: Jede Woche endet mit 15 Minuten Wochenrückblick: Highlights, Lowlights, nächste Mikro-Anpassung.

Mini-Selbsttest: Bindung und Dating-Readiness

Beantworte je von 0 (nie) bis 4 (sehr oft):

  1. Ich kann an meine/n Ex denken, ohne sofort zu handeln.
  2. Ich schlafe 5 von 7 Nächten solide und esse regelmäßig.
  3. Ich kann „Nein“ sagen, ohne mich stark zu schämen.
  4. Ich habe 2 Personen, die mir ehrliches Feedback geben.
  5. Ich weiß 3 Werte, die ich in Partnerschaft lebe.
  6. Ich kann auf einem Date kurz innehalten und atmen.
  7. Ich nutze Dating-Apps maximal 30 Minuten am Stück.
  8. Ich verwechsel nicht Aufregung mit „Schicksal“.
  9. Ich kann nach Ablehnung freundlich bleiben und mich regulieren.
  10. Ich habe einen Exit-Plan für unpassende Situationen.

Auswertung: 0–15 = primär Stabilisierung; 16–25 = langsam explorieren; 26–40 = gute Basis, Tempo weiterhin bewusst halten.

Introvertiert, extravertiert, neurodivers – so passt du den Plan an

  • Introvertiert: Wähle leise Orte, 1:1-Kontakte, kürzere Dauer. Baue Puffer vor und nach Treffen ein. Schreibe dir 3 Themen vorab auf.
  • Extravertiert: Plane Aktivitätsdates, aber vermeide Reizüberflutung (z. B. laute Clubs am Anfang). Achte darauf, nicht mit sozialer Fülle innere Leere zu überdecken – 1 Abend/Woche bewusst allein.
  • Neurodivers (z. B. ADHS, Autismus): Nutze klare Struktur (Zeitfenster, Agenda), wähle sensorisch angenehme Orte, kommuniziere Bedürfnisse („Ich brauche manchmal kurze Pausen“). Dates mit Aktivität und klaren Regeln (Spiele, Kurse) sind oft günstiger als Smalltalk-only.

Jahreszeiten, Feiertage, Urlaube: Spezielle Trigger meistern

  • Feiertage: Plane „Ankerkontakte“ an belastenden Tagen, setze Social-Media-Pausen, erlaube dir neue Rituale (z. B. Freund:innenbrunch statt Paartradition).
  • Urlaube: Wähle Kurztrips mit Struktur (Städte, Naturwanderungen), keine langen All-inclusive-Settings mit viel Alkohol.
  • Sommer/Events: Leichte Outdoor-Dates, ausreichend Wasser, klare Heimweg-Regeln. Keine spontanen Nachtwechsel, wenn du emotional dünnhäutig bist.

Stadt vs. Land, Budget vs. Premium – Ausgehen realistisch machen

  • Stadt: Vielfalt ist Vorteil, Filter sind Pflicht. Wähle „kleine“ Formate (Kaffee, Spaziergänge), sonst drohen Entscheidungsfallen.
  • Land: Nutze Vereine, Ehrenamt, Kurse. Qualität entsteht über Wiedersehen in Kontexten.
  • Budget: Kostenlose Orte (Parks, Bibliotheken, Ausstellungen am freien Tag), DIY-Picknicks, Fragen-Spiele.
  • Premium: Auch bei gehobenen Orten gilt: kurz, klar, nüchtern starten. Flair ersetzt keine Grenzen.

Sicherheit first: Physisch, emotional, digital

  • Physisch: öffentlicher Ort, eigene Anreise, Freund:in informiert, Standort teilen.
  • Emotional: kein „Love bombing“ akzeptieren; Pausen legitimieren; keine großen Offenbarungen im ersten Treffen.
  • Digital: Keine Adressen/Fotos von Kindern teilen; Profilbilder ohne leicht zuzuordnende Hintergründe; Dating-Apps nicht mit Haupt-Mail verknüpfen.

90-Tage-Checkliste für nachhaltiges Wieder-Ausgehen

  • Woche 1–4: Schlaf, Bewegung, No-/Low-Contact, soziale Micro-Dosen
  • Woche 5–8: Hobbys + 1–3 low-stake Dates, Review-Routinen, Grenzen trainieren
  • Woche 9–12: Qualität selektieren, zweite/ dritte Dates, Werteabgleich vertiefen, Social-Media-Trigger im Blick behalten
  • Durchgehend: 1 Selbstmitgefühlsübung/Tag, 1 Bildschirmfreie Stunde/Tag, 1 „Nein“/Woche üben

Wenn Dates zu Beziehung werden: Aufbau statt Rausch

  • Tempo: Exklusivität erst besprechen, wenn ihr euch in Alltagssituationen erlebt habt (Stress, Langeweile, kleine Konflikte).
  • Transparenz: Bedürfnisse und Grenzen fortlaufend kommunizieren („Ich brauche 1–2 Abende für mich“).
  • Integration: Freundeskreise langsam zusammenführen, kein schneller Umzug.
  • Konfliktkultur: „Weich starten“ („Ich wahrnehme…, mir ist wichtig…“) statt Vorwürfe; Pausen bei Eskalation; Reparatur in 24–48 Stunden anstreben.

Was tun, wenn du Ex unerwartet triffst – 3-Minuten-Plan

  • Pause: 3 tiefe Atemzüge, Schultern lockern.
  • Klarheit: „Ich bin auf dem Weg, wir sprechen ein andermal, wenn nötig.“
  • Schutz: Kein „Nur ein Drink“. Danach 10 Minuten Regulation (Spaziergang, Wasser, Notiz: Welche Welle kam hoch?).

Wenn No-Contact gebrochen wurde – ohne Selbsthiebe reparieren

  • Benennen: „Es war eine Bindungswelle.“
  • Lernen: Welche Situation, welche Emotion, welcher Gedanke führte dazu?
  • Plan: Eine kleine Barriere hinzufügen (Blockieren, neue Routine), eine Ressource stärken (Buddy anrufen, Spaziergangsanker).

Mini-Workbook: 7 Schreibprompts

  • „Was ist ein Date, nach dem ich mich ruhig fühle – wie sieht es konkret aus?“
  • „Welche 3 Dinge verwechsel ich oft mit Liebe?“
  • „Welche Werte habe ich in der letzten Beziehung gelebt – welche will ich jetzt bewusster leben?“
  • „Was ist meine Definition von langsam?“
  • „Welche Musik/Orte triggern – welche Alternativen plane ich?“
  • „Woran erkenne ich, dass ich über meine Grenzen gegangen bin?“
  • „Wie sieht ein freundlicher ‚Nein‘-Satz für mich aus?“

Gesprächsrampen für zweite und dritte Dates

  • „Was würdest du in einer Partnerschaft als Teamleistung sehen?“
  • „Wie gehst du mit Stress um – was hilft dir?“
  • „Welche Rolle spielen Freunde/Familie in deinem Alltag?“
  • „Was bedeutet Verbindlichkeit für dich konkret?“

Green Flags in dir selbst – Selbstbeobachtung

  • Du kannst nach einem angenehmen Date 24 Stunden warten, bevor du schreibst.
  • Du passt dich nicht automatisch an Vorlieben der anderen Person an.
  • Du hältst Absprachen mit dir selbst (Alkohol, Dauer, Heimweg).
  • Du kannst Interesse zeigen, ohne Druck aufzubauen.

Drei Mikro-Rituale vor dem Ausgehen

  • 2-Minuten-Body-Scan: Kopf bis Fuß spüren, wo Anspannung sitzt.
  • Intention setzen: „Heute will ich neugierig sein – nicht perfekt.“
  • Exit-Satz laut üben: „Ich gehe jetzt, danke für den Abend.“

Beispiel-Dialoge für knifflige Situationen

  • „Komm doch noch mit zu mir.“ – „Nicht heute. Ich lerne gern langsam. Wenn es passt, sehen wir uns wieder.“
  • „Warum bist du Single?“ – „Weil ich klare Werte habe und lieber passend wähle als schnell.“
  • „Erzähl von deiner/m Ex!“ – „Gern ein andermal. Heute lieber über uns beide jetzt.“
  • „Ich will dich morgen wiedersehen.“ – „Das ehrt mich. Für mich fühlt sich 1–2 Treffen pro Woche gut an.“

Achtsames Feiern: Wenn du Clubs und Bars magst

  • Vorher essen, Wasser planen, Limit setzen.
  • „Buddy-System“: Check-ins alle 45–60 Minuten.
  • Frühestmöglichen Heimweg definieren; kein spontanes „Weiterziehen“, wenn du müde bist.
  • Nach Hause: 5-Minuten-Entladung (Dehnen, Atem), dann Handy weg.

Digitaler Minimalismus für Herzruhe

  • Homescreen-Detox: Dating-Apps in Ordner, nicht sichtbar.
  • Zeitboxen mit Timer; Apps schließen nach Vorschlag.
  • „2 Ja/1 Nein“-Regel: Nur zwei Chats aktiv, einen bewusst beenden.

Frühwarnzeichen für ungesunde Dynamiken

  • Extreme Idealisierung nach 1–2 Treffen („Seelenverwandte:r“)
  • Tests und Spiele („Wenn du nicht sofort antwortest…“)
  • Grenzverschiebung über Humor („War doch nur Spaß“) – du fühlst dich klein
  • Heimliches Doppelleben (z. B. lückenhafte Erreichbarkeit ohne Erklärung)

Ressourcenliste – was dich außerhalb von Dates nährt

  • Körper: Schlaf, Bewegung, Ernährung
  • Geist: Lesen, Lernen, kreative Projekte
  • Herz: Freundschaften, Familie, Community
  • Sinn: Ehrenamt, Wertearbeit, Naturzeit

Abschluss-Review nach 8–12 Wochen Ausgehen

  • Was hat Stabilität gefördert? Was hat sie gestört?
  • Welche Date-Formate taten gut? Welche nicht?
  • Wo habe ich Grenzen klar gehalten? Wo fiel es schwer?
  • Was sind meine 3 Leitprinzipien für die nächsten Wochen?

Fazit: Mit Kopf und Herz – zurück ins Draußen

Wieder ausgehen nach der Trennung ist kein Sprint, sondern ein Lernweg. Dein Bindungssystem schickt Wellen, dein Belohnungssystem lockt, und dein Selbstbild ordnet sich neu – das ist normal. Mit Stabilisierung, sozialen Ankern und klugen, kleinen Experimenten wird Ausgehen zu einer Bühne für Wachstum: Du trainierst Grenzen, Neugier und Selbstmitgefühl. Du lernst, was gut tut, und lässt los, was dich zurückhält. Wichtig: Du musst nicht perfekt „bereit“ sein. Du darfst ausprobieren, korrigieren, atmen und wieder probieren. Jeder Abend, an dem du dich dir selbst zuwendest – ob mit Freund:innen, allein im Kino oder auf einem achtsamen Date – ist ein Schritt nach vorn. Und genau darum geht es: nicht um das eine „richtige“ Date, sondern um viele kleine, richtige Entscheidungen für dich.

Wie stehen deine Chancen, deinen Ex zurückzugewinnen?

Finde in nur 8-10 Minuten heraus, wie realistisch eine Versöhnung mit deinem Ex ist - basierend auf Beziehungspsychologie und praktischen Erkenntnissen.

Wissenschaftliche Quellen

Bowlby, J. (1969). Attachment and loss: Vol. 1. Attachment. Basic Books.

Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Lawrence Erlbaum.

Hazan, C., & Shaver, P. R. (1987). Romantic love conceptualized as an attachment process. Journal of Personality and Social Psychology, 52(3), 511–524.

Fisher, H. E., Brown, L. L., Aron, A., Strong, G., & Mashek, D. (2010). Reward, addiction, and emotion regulation systems associated with rejection in love. Journal of Neurophysiology, 104(1), 51–60.

Eisenberger, N. I., Lieberman, M. D., & Williams, K. D. (2003). Does rejection hurt? An fMRI study of social exclusion. Science, 302(5643), 290–292.

Kross, E., Berman, M. G., Mischel, W., Smith, E. E., & Wager, T. D. (2011). Social rejection shares somatosensory representations with physical pain. Proceedings of the National Academy of Sciences, 108(15), 6270–6275.

Young, L. J., & Wang, Z. (2004). The neurobiology of pair bonding. Nature Neuroscience, 7(10), 1048–1054.

Carter, C. S. (1998). Neuroendocrine perspectives on social attachment and love. Psychoneuroendocrinology, 23(8), 779–818.

Acevedo, B. P., Aron, A., Fisher, H. E., & Brown, L. L. (2012). Neural correlates of long-term intense romantic love. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 7(2), 145–159.

Sbarra, D. A., & Emery, R. E. (2005). The emotional sequelae of nonmarital relationship dissolution: Analysis of change and intraindividual variability over time. Journal of Personality and Social Psychology, 88(2), 292–307.

Marshall, T. C., Bejanyan, K., Di Castro, G., & Lee, R. A. (2013). Attachment styles as predictors of Facebook-related jealousy and surveillance in romantic relationships. Personality and Individual Differences, 54(3), 434–439.

Slotter, E. B., Gardner, W. L., & Finkel, E. J. (2010). Who am I without you? The influence of romantic breakup on the self-concept. Journal of Personality and Social Psychology, 99(5), 801–814.

Nolen-Hoeksema, S., Wisco, B. E., & Lyubomirsky, S. (2008). Rethinking rumination. Perspectives on Psychological Science, 3(5), 400–424.

Pennebaker, J. W., & Seagal, J. D. (1999). Forming a story: The health benefits of narrative. Journal of Clinical Psychology, 55(10), 1243–1254.

Dimidjian, S., Hollon, S. D., Dobson, K. S., et al. (2006). Randomized trial of behavioral activation, cognitive therapy, and antidepressant medication in the acute treatment of adults with major depression. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 74(4), 658–670.

Cohen, S., & Wills, T. A. (1985). Stress, social support, and the buffering hypothesis. Psychological Bulletin, 98(2), 310–357.

Gross, J. J. (1998). The emerging field of emotion regulation: An integrative review. Review of General Psychology, 2(3), 271–299.

Neff, K. D. (2003). Self-compassion: An alternative conceptualization of a healthy attitude toward oneself. Self and Identity, 2(2), 85–101.

Finkel, E. J., Eastwick, P. W., Karney, B. R., Reis, H. T., & Sprecher, S. (2012). Online dating: A critical analysis from the perspective of psychological science. Psychological Science in the Public Interest, 13(1), 3–66.

Bonanno, G. A. (2004). Loss, trauma, and human resilience: Have we underestimated the human capacity to thrive after extremely aversive events? American Psychologist, 59(1), 20–28.

Tashiro, T., & Frazier, P. (2003). "I'll never be the same": Posttraumatic growth following romantic breakup. Personal Relationships, 10(1), 113–128.

Brumbaugh, C. C., & Fraley, R. C. (2015). Too fast, too soon? An empirical investigation of rebound relationships. Journal of Social and Personal Relationships, 32(1), 99–118.

Spielmann, S. S., MacDonald, G., Joel, S., & Impett, E. A. (2013). Settling for less out of fear of being single. Journal of Personality and Social Psychology, 105(6), 1049–1073.

Gottman, J. M., & Levenson, R. W. (1992). Marital processes predictive of later dissolution: Behavior, physiology, and health. Journal of Personality and Social Psychology, 63(2), 221–233.

Johnson, S. M., & Greenman, P. S. (2013). The path to a secure bond: Emotionally focused couple therapy. Journal of Clinical Psychology, 69(2), 124–139.

Hendrick, S. S., & Hendrick, C. (1986). A theory and method of love styles. Journal of Personality and Social Psychology, 50(2), 392–402.

Keng, S.-L., Smoski, M. J., & Robins, C. J. (2011). Effects of mindfulness on psychological health: A review of empirical studies. Clinical Psychology Review, 31(6), 1041–1056.

Downey, G., & Feldman, S. I. (1996). Implications of rejection sensitivity for intimate relationships. Journal of Personality and Social Psychology, 70(6), 1327–1343.