Wann ist Ex zurück unmöglich?

Wann ist Ex zurück wirklich unmöglich? Der 3-Ebenen-Check, der Klarheit schafft.

20 Min. Lesezeit Grundlagen

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du möchtest wissen, ob es für dich realistisch ist, deinen Ex oder deine Ex zurückzugewinnen – oder ob du dir gerade Hoffnung machst, wo faktisch keine Chance besteht. In diesem Ratgeber bekommst du eine ehrliche, wissenschaftlich fundierte Antwort: Wir ordnen ein, wann „Ex zurück" unmöglich ist (rechtlich, ethisch, psychologisch) und wann die Chancen so gering sind, dass du deine Energie besser in Heilung und Zukunft investierst. Du erfährst, was in deinem Gehirn und in deinem Bindungssystem nach der Trennung passiert, welche Beziehungsfaktoren Rückeroberungen vorhersagen – und welche sie nahezu ausschließen. Mit klaren Checklisten, realen Szenarien und konkreten Formulierungen für schwierige Situationen.

Was bedeutet „unmöglich“ überhaupt?

„Unmöglich" klingt absolut – doch Beziehungen sind komplexe, dynamische Systeme. In der Forschung sprechen wir selten von 0 % oder 100 %, sondern von Wahrscheinlichkeiten und Bedingungen. Für dich heißt das:

  • Rechtlich unmöglich: Wenn Annäherung per Gesetz verboten ist (z. B. Kontakt- oder Näherungsverbote).
  • Ethisch unmöglich: Wenn ein Wiederannähern massiven Schaden verursacht (z. B. Gewalt, anhaltender Missbrauch, schwere Co-Abhängigkeit).
  • Psychologisch extrem unwahrscheinlich: Wenn zentrale Voraussetzungen für Bindung und Paarstabilität fehlen (z. B. chronische Verachtung, kein Minimalkonsens zu Werten, wiederholter Verrat ohne Einsicht).
  • Pragmatisch unklug: Wenn die Kosten (emotional, gesundheitlich, sozial) den Nutzen weit übersteigen und Prognosen schlecht sind.

Wichtig: „Unmöglich" ist hier keine moralische Verurteilung, sondern eine nüchterne Analyse, die dir helfen soll, deinen Weg klarer und friedlicher zu gehen.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum Trennungen so hart sind – und warum das dein Urteil trüben kann

Nach einer Trennung schlägt dein Gehirn Alarm. Das ist kein „Drama", sondern Biologie:

  • Dopamin- und Belohnungssystem: Verliebtheit aktiviert das mesolimbische System. Wird die Beziehung beendet, fehlt der „Kick" – Entzugssymptome, Sehnsucht und Obsessionen können folgen (Fisher et al., 2010).
  • Schmerznetzwerke: Soziale Zurückweisung aktiviert Areale wie die anteriore cinguläre Cortexregion, ähnlich wie körperlicher Schmerz (Eisenberger & Lieberman, 2004; siehe auch Fisher et al., 2010).
  • Oxytocin und Bindung: Körperliche Nähe, Routinen und Rituale stärken Bindung; ihr Wegfall verstärkt Trennungsstress (Young & Wang, 2004).
  • Bindungsstile: Ängstliche Bindung verstärkt „Protestverhalten" (anhaltende Kontaktversuche), vermeidende Bindung neigt zu Rückzug – beide Muster können Entscheidungen verzerren (Bowlby, 1969; Ainsworth et al., 1978; Hazan & Shaver, 1987).

Was heißt das praktisch? In akuter Trennungsphase sind deine kognitiven Ressourcen oft eingeschränkt: Du überschätzt die Chance auf Versöhnung, suchst „Zeichen" in jeder Nachricht und willst sofort handeln. Studien zeigen, dass kurzfristiger Kontakt Entzugssymptome verlängern kann (Sbarra & Emery, 2005; Sbarra et al., 2012). Dein inneres Erleben ist real – aber kein zuverlässiger Prädiktor für die Machbarkeit einer Rückkehr.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Wann „Ex zurück“ rechtlich unmöglich ist

Recht geht vor Romantik. Es gibt Situationen, in denen jede Rückeroberung sofort endet – nicht, weil du nicht „gut genug" wärst, sondern weil sie verboten ist.

  • Aktives Kontakt- oder Näherungsverbot: Jede Annäherung (auch indirekt über Freunde oder Social Media) kann strafbar sein.
  • Gerichtliche Schutzanordnungen nach Gewalt: Diese sind nicht „nur Papier". Verstöße verschlimmern die Lage, gefährden dich oder andere und verhindern jede langfristige Perspektive.
  • Arbeitsrechtliche Verbote: In seltenen Konstellationen (z. B. Vorgesetztenverhältnis, Compliance-Auflagen) kann Annäherung zum Jobverlust führen.
  • Minderjährige oder Betreute: Bei Vormundschaft oder Schutzkontexten sind Kontakte gesetzlich geregelt – romantische Annäherung ist tabu.

Rechtliche Anordnungen zu ignorieren ist kein „mutiger Liebesbeweis", sondern erhöht Risiko, Stress und Entfernung. Wenn du unter einem Verbot stehst: Nimm juristische Beratung in Anspruch, halte alle Auflagen ein und arbeite (falls möglich) an langfristiger Stabilisierung – nicht an Kontakt.

Ethische No-Gos: Wenn Rückeroberung nicht verantwortbar ist

Manche Konstellationen sind nicht gesetzlich verboten, aber ethisch nicht vertretbar. Die Forschung zeigt, dass bestimmte Risikofaktoren die psychische und körperliche Gesundheit massiv beeinträchtigen:

  • Gewalt und Missbrauch (physisch, psychisch, sexualisiert): Das Rückfallrisiko und die gesundheitlichen Langzeitfolgen sind hoch (Johnson, 2008; WHO-Daten; Dutton, 1995).
  • Fortgesetzte Demütigung und Verachtung: Verachtung ist der stärkste Prädiktor für Trennung und geringe Stabilität (Gottman & Levenson, 1992). Dauerhafte Verachtung macht Bindung toxisch.
  • Aktive Sucht ohne Behandlung: Unvorhersehbares Verhalten, Vertrauensbruch und erhöhte Gewalt- und Unfallrisiken (Saitz & O’Malley, 1997; McHugh et al., 2010).
  • Unbehandelte, schwere Persönlichkeitsdynamiken mit wiederkehrendem Schaden: Ohne Einsicht und Therapie kaum realistische Stabilisierung (Linehan, 1993 – als generelle Evidenz für DBT bei BPS; keine Stigmatisierung, nur Realismus).
  • Co-Abhängigkeit: Wenn dein Wohl fast komplett an die Rettung des anderen geknüpft ist, drohen Burnout, Depressionen und Isolation (van Golde et al., 2017).

Ethische Faustregel: Wenn deine körperliche oder psychische Sicherheit, deine Kinder, dein Job oder dein soziales Netz wiederholt Schaden nehmen, ist „Ex zurück" nicht verantwortbar – selbst wenn Gefühle stark sind.

Psychologische Kriterien: Diese Muster machen eine Rückkehr extrem unwahrscheinlich

Die Beziehungsforschung bietet robuste Prädiktoren, wann Beziehungen scheitern – und wann eine Fortsetzung wenig Aussicht hat:

  • Die „Vier apokalyptischen Reiter": Kritik, Verteidigung, Verachtung, Mauern. Besonders Verachtung sagt Trennung sehr valide voraus (Gottman & Levenson, 1992; Gottman, 1994). Wenn Verachtung chronisch ist, wird Wiederannäherung extrem unwahrscheinlich.
  • Kein geteiltes Commitment: Das Investment-Modell zeigt, dass Zufriedenheit, Alternativen und Investitionen Commitment bestimmen (Rusbult, 1980; Le & Agnew, 2003). Wenn eine Seite hohe Alternativen und geringes Commitment hat, fehlen tragfähige Bedingungen.
  • Wiederholte Untreue ohne Einsicht: Einmaliger Betrug ist nicht immer das Ende – aber wiederkehrender Betrug ohne glaubhafte Reparaturprozesse ist ein starker Negativprädiktor (Atkins et al., 2005).
  • Werte- und Lebenszielinkompatibilität: Anders als Hobbys sind Grundwerte (Kinderwunsch, Monogamie, Religionscore, Suchtmittelerlaubnis) kaum „verhandelbar". Persistente Inkompatibilitäten führen zu wiederholten Konflikten (Karney & Bradbury, 1995).
  • Kein sicherer Bindungsanker: Extrem vermeidende oder ängstliche Dynamiken ohne Therapie neigen zu Beziehungszyklen („On-Off“) mit sinkender Qualität (Dailey et al., 2013; Halpern-Meekin et al., 2013).
  • Feindselige Attributionen: Wenn ihr euch wechselseitig als „Gegner" frame-t und neutrale Signale negativ interpretiert, wird Wiederannäherung erschwert (Fincham, 2001).

Kurz: Wenn Kernmechanismen intakt sind (Respekt, Verantwortung, geteilte Zukunft, Reparaturfähigkeit), ist eine Rückkehr denkbar. Fehlen sie dauerhaft, sinkt die Wahrscheinlichkeit gegen null.

Eher nicht unmöglich (wenn weitere Bedingungen stimmen)

  • Einmalige Verletzung mit klarer Reue
  • Beidseitige Bereitschaft zu Therapie
  • Realistische Logistik (Wohnort, Zeit, Familie)
  • Geteilte Werte und Zukunftsbilder
  • Bisher respektvoller Umgang

Nahezu unmöglich / nicht verantwortbar

  • Gewalt oder Drohungen
  • Aktives Kontaktverbot
  • Anhaltende Verachtung
  • Wiederholte Untreue ohne Veränderung
  • Sucht ungeklärt und unbehandelt

Der Unterschied zwischen „unmöglich“ und „extrem unwahrscheinlich“

Die Wissenschaft arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. „Unmöglich" ist selten – aber „praktisch nicht mehr sinnvoll anstrebbar" kommt häufig vor. Beides erfordert unterschiedliche Entscheidungen.

  • Unmöglich: Du darfst nicht und solltest nicht (z. B. Schutzanordnung).
  • Extrem unwahrscheinlich: Du könntest formal, aber die Erfolgswahrscheinlichkeit ist so gering, die Risiken so hoch, dass es rational ist, loszulassen.

Denk in „Base Rates": Wie oft gelingen Rückeroberungen unter ähnlichen Bedingungen? Studien zu On-Off-Beziehungen zeigen, dass viele Paare zwar wieder zusammenkommen, aber ihre durchschnittliche Beziehungsqualität und Stabilität abnimmt (Dailey et al., 2013; Halpern-Meekin et al., 2013). Das ist kein Verbot, aber eine Warnung: Ein „Zurück“ ohne signifikant neue Voraussetzungen ist meistens nur ein „Zurück in dasselbe Muster".

Ein 3-Ebenen-Check: Recht – Ethik – Psychologie

Nutze dieses Raster, bevor du irgendetwas tust.

  • Recht: Gibt es Verbote, Auflagen, Schutzanordnungen? Wenn ja: kein Kontakt.
  • Ethik: Gefährdet die Annäherung dich, Kinder, Dritte? Liegt Missbrauch vor? Wenn ja: Abstand, Hilfe, Schutzplan.
  • Psychologie/Praktik: Sind Respekt, Verantwortung, Commitment, Wertekompatibilität und Reparaturfähigkeit realistisch? Wenn nein: Fokus auf Heilung statt Rückeroberung.
Phase 1

Stopp – Sicherheit & Recht

Kläre rechtliche Rahmenbedingungen (Verbote, Auflagen). Prüfe Sicherheitsaspekte (Gewalt, Stalking). Keine Kontaktversuche, bevor das sicher ist.

Phase 2

Stabilisieren – Körper & Geist

Reduziere Trigger (Social Media, Alkohol), aktiviere Support (Freunde, Therapie), reguliere Schlaf und Essen. Dein Gehirn braucht Stabilität, um klar zu denken.

Phase 3

Klarheit – Analyse & Werte

Führe den 3-Ebenen-Check durch, schreibe Werte und Grenzen auf. Prüfe, ob die Bedingungen für eine gesunde Rückkehr überhaupt herstellbar sind.

Phase 4

Entscheidung – Weg wählen

Wenn unmöglich: Loslass-Plan starten. Wenn möglich: Ethik- und Respekt-basierte Strategie mit klaren Bedingungen und Zeitrahmen.

Warum dein Gefühl „Wir gehören zusammen“ nicht immer ein guter Ratgeber ist

Das Gefühl intensiver Verbundenheit nach Trennung entsteht u. a. durch dopaminerge Entzugsmechanismen und das Bindungssystem, das Trennung als „Gefahr" interpretiert (Fisher et al., 2010; Sbarra & Ferrer, 2006). Dadurch:

  • erinnerst du dich selektiv an Höhepunkte („Glanz-Erinnerungen"),
  • interpretierst du neutrale Signale als Chancen,
  • unterschätzt du Risiken, die vorher sehr real waren.

Forschende nennen das „rosarote Retrospektion". Gegenmittel: Nimm eine „Langzeitbrille": Welche Muster gab es über 12–24 Monate? Welche Reparaturen wurden versucht? Wie oft? Mit welchem Erfolg? Was sagen Verhaltensdaten, nicht Worte?

10 rote Linien: Hier ist „Ex zurück“ realistisch nicht verantwortbar

  1. Aktive Schutz- oder Kontaktanordnung gegen dich oder deinen Ex.
  2. Gewalt, Drohungen, Stalking, massive Kontrolle.
  3. Wiederholte Untreue ohne Therapie und nachweisliche Änderung.
  4. Anhaltende Verachtung und Demütigung (auch vor Dritten).
  5. Aktive Sucht ohne Behandlung und Rückfallplan.
  6. Größere Rechtsverstöße im Beziehungskontext (z. B. Sabotage, Diebstahl).
  7. Feindselige Co-Elternschaft, die Kinder instrumentalisiert.
  8. Null-Verantwortungsübernahme über lange Zeit („Ich hab nichts falsch gemacht“ trotz belegter Verletzungen).
  9. Fundamental inkompatible Lebensentwürfe (z. B. Kinderfrage) mit festen Positionen.
  10. Wiederholt gebrochene No-Contact- und Respekt-Absprachen in Trennungsphasen.

8 starke Warnsignale: Extrem geringe Chancen

  • Der Ex ist in einer stabilen, langfristigen neuen Beziehung mit geteilten Werten (und du bist „Plan B").
  • Wiederholtes „Breadcrumbing": kleine Signale, aber keine Taten, keine Verbindlichkeit.
  • Jahrzehntelange Konfliktmuster ohne Therapie, obwohl die Option bestand.
  • „Wir sind nur noch Teamkollegen" – platonische Entkopplung über Jahre ohne körperlich-emotionale Nähe.
  • Chronische Ausstrahlung von Gleichgültigkeit, kein Minimalkontakt mehr, aktive Vermeidung.
  • Mehrfach gescheiterte Wiederbelebungsversuche trotz aller Bemühungen.
  • Massive externe Barrieren (Distanz, Visa, Schichtarbeit) plus geringe Investitionsbereitschaft.
  • Expliziter Wunsch des Ex nach Abschluss: „Bitte kontaktiere mich nicht mehr.“

Was Studien zu Trennung, Versöhnung und Stabilität sagen

  • Breakups sind häufiger als gedacht; ein großer Anteil erlebt „On-Off“-Zyklen, die mit geringerer Beziehungsqualität assoziiert sind (Dailey et al., 2013; Halpern-Meekin et al., 2013).
  • Die Fähigkeit zur Reparatur (z. B. Deeskalation, „Bids for connection", Entschuldigungen) unterscheidet stabile Paare von instabilen (Gottman, 1994; Johnson, 2004).
  • Bindungsunsicherheit verstärkt Trennungsschmerz und erschwert klare Entscheidungen (Hazan & Shaver, 1987; Sbarra et al., 2012).
  • Verlust belastet Körper und Psyche; Selbstfürsorge und soziale Unterstützung sind Schutzfaktoren (Field, 2011; Pietromonaco & Beck, 2019).

Wesentlich: Eine Rückkehr ist kein „Zaubertrick", sondern ein komplexer Verhandlungs- und Heilungsprozess, der nur funktioniert, wenn beide Seiten tragen – und die Rahmenbedingungen stimmen.

Praxis: Der Unmöglichkeits-Check in 10 Minuten

Beantworte spontan, ohne zu beschönigen:

  1. Gibt es eine juristische Barriere?
  2. Ist jemals Gewalt vorgefallen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten?
  3. Gab es wiederkehrende Untreue ohne glaubhafte Änderung?
  4. Erlebst du (oder andere) wiederholt Verachtung?
  5. Ist eine Sucht unbehandelt?
  6. Wurden klare Vereinbarungen wiederholt gebrochen?
  7. Seid ihr in Grundwerten unvereinbar?
  8. Gibt es Kinder, die leiden – und keinen Plan, das zu ändern?
  9. Ist der Ex in einer stabilen neuen Beziehung?
  10. Hast du über 6–12 Monate echte, dokumentierte Veränderungen erlebt (bei euch beiden)?

Wenn du 1–2 Mal „Ja" bei den Punkten 1–5 sagst, ist „Ex zurück" praktisch nicht verantwortbar. Bei 3–5 Mal „Ja" in den Punkten 6–10 ist die Chance sehr gering – du brauchst außergewöhnliche Veränderungen, nicht nur guten Willen.

0 Toleranz

Für Gewalt, Stalking, Verachtung. Diese Muster zerstören Bindung.

90 Tage

Mindestens so lange braucht dein System oft, um nach Trennung wieder klarer zu denken (Regelmäßige Selbstfürsorge vorausgesetzt).

2-seitig

Ohne beidseitige, sichtbare Veränderung kehrt das alte Muster zurück.

Fallbeispiele: Wann es unmöglich ist – und wann fast

  • Sarah, 34, zwei Kinder: Der Ex hat ein aktuelles Kontaktverbot nach mehrfacher Gewalt. Sarah fühlt sich schuldig und überlegt, über gemeinsame Freunde „zufällig“ Kontakt herzustellen. Diagnose: Rechtlich unmöglich, ethisch nicht vertretbar. Fokus: Sicherheitsplan, Traumatherapie, juristische Beratung.
  • Mehmet, 29: Seine Ex ist seit 18 Monaten in einer stabilen Beziehung, sie wohnen zusammen, planen Kinder. Mehmet schreibt alle paar Wochen „nur so“. Antwort: „Bitte respektiere meine Beziehung.“ Diagnose: Nicht rechtlich unmöglich, aber praktisch extrem unwahrscheinlich und grenzverletzend. Fokus: Loslassen, Social-Media-Detox, neue Routinen.
  • Lisa, 41: Ihr Mann hatte zwei Affären in vier Jahren. Er sagt: „Ich liebe dich, aber ich kann nicht monogam sein.“ Lisa hofft, ihn „umzuerziehen“. Diagnose: Fundamental inkompatible Werte. Unmöglich ohne Einigung; in der Praxis sehr unwahrscheinlich. Fokus: Werteklärung, Grenzen, ggf. Trennungsmediation.
  • Jonas, 37: Beziehung endete im respektvollen Ton, beide überlastet durch Schichtarbeit und Pflege eines Angehörigen. Beide sind therapiebereit. Diagnose: Nicht unmöglich. Es braucht strukturelle Entlastung, klare Zeitfenster und Paartherapie – sonst droht ein On-Off-Zyklus.
  • Elena, 28: Nach der Trennung kontrollierte sie ständig Standort und Social Media des Ex, fuhr nachts vorbei. Er beantragte eine Schutzanordnung. Diagnose: Rechtlich unmöglich, therapeutische Unterstützung dringend.
  • Paul, 45: Ex-Partnerin mit Alkoholabhängigkeit, mehrfacher Rückfall, keine Behandlung. Er „rettet“ seit Jahren. Diagnose: Ethik- und Gesundheitsrisiko, Co-Abhängigkeit. „Ex zurück“ derzeit nicht verantwortbar.
  • Hanna, 33: Der Ex äußert seit Jahren Verachtung, macht Witze über ihr Gewicht vor Freunden. Diagnose: Verachtung ist ein starker Trennungsprädiktor. Eine Rückkehr ohne tiefgreifende Veränderung (Therapie, Einsicht, Wiedergutmachung) ist extrem unwahrscheinlich.
  • David, 31: Fernbeziehung 9000 km, Visa abgelehnt, Einkommen unsicher. Beide wollen, aber die Logistik scheitert seit Jahren. Diagnose: Nicht unmöglich, aber ohne realistische Migrations- und Finanzstrategie kaum machbar. Entscheidung nötig.

Was du stattdessen tun kannst, wenn „Ex zurück“ unmöglich ist

  • Sichere dich: Rechtslage klären, Sicherheit planen (v. a. bei Gewalt).
  • Nervensystem beruhigen: Schlaf, Sport, Ernährung, Atemübungen – das reduziert Entzugssymptome.
  • Soziale Verbundenheit: Nähe zu unterstützenden Menschen, nicht zu Triggern.
  • Sinn neu strukturieren: Alte Paarrituale durch neue ersetzen (neue Sonntagsroutine, Sportverein, Ehrenamt).
  • Therapeutische Unterstützung: Besonders bei Trauma, Sucht, Co-Abhängigkeit.
  • Narrative Neubewertung: Schreibe dir eine ehrliche, komplexe Geschichte eurer Beziehung – nicht nur „Liebe vs. Scheitern“, sondern auch „Lernen und Wachsen“.

Trennungsschmerz ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine gesunde Reaktion deines Bindungssystems. Du heilst nicht, weil du „vergisst“, sondern weil du neue sichere Muster aufbaust.

Kommunikation: Klare, respektvolle Grenzen setzen

Wenn du entschieden hast, nicht weiter zu versuchen – oder nicht versuchen kannst –, brauchst du klare Worte. Beispiele:

  • Co-Parenting, sachlich: „Übergabe am Freitag 18 Uhr wie vereinbart. Ich bleibe beim schriftlichen Kontakt zu Kinderthemen.“
  • Neues Nein: „Ich werde keinen privaten Kontakt mehr aufnehmen. Bitte respektiere meinen Wunsch nach Abstand.“
  • Bei Grenzverletzungen: „Deine Kommentare über mein Aussehen verletzen mich. Ich werde Gespräche beenden, wenn das erneut passiert.“
  • Gegen „Breadcrumbing“: „Ich wünsche dir alles Gute. Ich bin nicht verfügbar für unverbindliche Nachrichten. Bitte kontaktiere mich nicht mehr.“
Falsch: „Du bist meine große Liebe, bitte gib mir nur ein Zeichen!“ – Das lädt zu Ambivalenz ein.
Richtig: „Ich gehe meinen Weg weiter. Bitte respektiere meine Entscheidung.“

Co-Parenting: Wenn Ex zurück nicht geht, aber Zusammenarbeit muss

Kinder profitieren von verlässlicher, konfliktarmer Kooperation. Forschung betont, dass elterlicher Konflikt stärker schädigt als Trennung an sich (Amato, 2010). Leitlinien:

  • Parallel Parenting statt Co-Regulation, wenn Konflikte hoch sind: Klare Regeln, minimale Übergaben, schriftliche Kommunikation.
  • Strikte Themen-Trennung: Nur Kindthemen, keine Paargespräche.
  • Standards statt Spontanität: Feste Zeiten, klare Verantwortlichkeiten.
  • Schutz vor Loyalitätskonflikten: Keine Abwertungen des anderen Elternteils vor den Kindern.

Beispielsätze: „Ich bleibe bei den abgesprochenen Zeiten. Themenwechsel bitte per E-Mail.“ – „Wir informieren einander 24 Stunden vorher über Änderungen.“

Warum „No Contact“ in vielen Fällen sinnvoll ist – und wann nicht

  • Sinnvoll: Wenn du heilen musst, eine Schutzanordnung besteht (dann aber juristische Regeln beachten), dein Nervensystem überflutet ist, oder Breadcrumbing dich festhält.
  • Nicht sinnvoll/Unmöglich: Wenn Co-Parenting, gemeinsamer Job oder laufende rechtliche Prozesse bestehen. Dann: „Low Emotion – High Structure“.

No Contact ersetzt nicht die Arbeit an dir. Es schafft Raum, damit dein Gehirn entzieht, Erinnerungen sich rekontextualisieren und du realistisch bewerten kannst (Fisher et al., 2010; Sbarra & Ferrer, 2006).

Wenn du noch Hoffnung hast: Die „Bedingungen statt Tricks“-Regel

Falls nichts gegen eine spätere Annäherung spricht, gilt: Keine Manipulation, keine Eifersuchtstaktiken. Stattdessen Bedingungen:

  • Beidseitige Therapie- oder Lernbereitschaft (z. B. Kommunikations-Training).
  • Konkrete Verhaltensänderungen über Zeit (mindestens 8–12 Wochen beobachtbar), nicht nur Worte.
  • Wertelage klären (Kinder, Treue, Zukunft).
  • Langsame, testweise Annäherung mit klaren Stop-Regeln.

Wenn eine dieser Bedingungen nicht erfüllbar ist, deutet das auf „praktisch unmöglich“.

Wie du deine Entscheidung festigst: Der „Realitätsabgleich“

Schreibe zwei Listen:

  • Daten: 10 Beobachtungen, die für eine gesunde Rückkehr sprechen (nicht Wünsche, sondern Taten).
  • Risiken: 10 klare Risiken, die im letzten Jahr auftraten.

Wenn die Datenliste schwach bleibt, die Risiken aber stark sind, ist dein Weg klar – auch wenn das Herz noch trauert.

Typische Denkfallen – und Ausstiegshilfen

  • Alles-oder-Nichts-Denken: „Entweder zurück oder für immer unglücklich“ → Reframe: „Auch ohne diese Beziehung ist erfüllte Liebe möglich.“
  • Personalisierung: „Ich war nicht gut genug“ → Reframe: „Viele Faktoren, auch strukturelle, haben dazu geführt.“
  • Romantisierung von Schmerz: „Was weh tut, ist wahr“ → Reframe: „Schmerz zeigt Bindung, nicht Machbarkeit.“

Techniken: Tagebuch, kognitive Umstrukturierung, Achtsamkeit, soziale Reize (Sportgruppe), Exposition ohne Kontakt (Orte neu besetzen).

Körperorientierte Strategien gegen Trennungsstress

  • Schlafhygiene: Feste Zeiten, kein Handy im Bett.
  • 30-Minuten-Regel: Täglich zügiges Gehen/leichter Sport reduziert Stresshormone.
  • Atem: 4-7-8-Atmung vor heiklen Situationen.
  • Reizdiät: 2 Wochen ohne Social Media-„Stalking“.
  • „Rotes Telefon“: 3 Kontakte, die du anrufst, statt dem Ex zu schreiben.

Wenn der Ex „plötzlich“ wieder Willen zeigt

Frage nicht: „Kommt er/sie zurück?“ Frage: „Zu welchen Bedingungen – und passen die zu meiner Gesundheit und meinen Werten?“ Prüfe: Verantwortung, Entschuldigung, Reparaturhandlungen, Konsistenz über Zeit, Umgang mit schwierigen Themen. Ohne das: Hohe On-Off-Gefahr (Dailey et al., 2013).

Langfristig heilen: Was die Forschung empfiehlt

  • Emotionsfokussierte Arbeit und sichere Bindungserfahrungen fördern Resilienz (Johnson, 2004).
  • Selbstmitgefühl korreliert mit weniger Grübeln und weniger depressiven Symptomen nach Trennung (Neff, 2003; Sbarra et al., 2012).
  • Soziale Unterstützung und sinnstiftende Aktivitäten reduzieren die Zeit bis zu subjektiver Stabilität (Field, 2011).

Wertearbeit: Wofür willst du stehen?

Schreibe deine 5 wichtigsten Beziehungswerte auf (z. B. Respekt, Ehrlichkeit, Humor, Verbindlichkeit, Zärtlichkeit). Prüfe: Was in der alten Beziehung wurde diesen Werten gerecht, was nicht? „Ex zurück“ ist nur sinnvoll, wenn deine Werte nicht geopfert werden.

Eine nüchterne Kosten-Nutzen-Betrachtung

  • Kurzfristiger Gewinn: Nähe, Hoffnung, Entzugsmilderung.
  • Langfristige Kosten: Wiederkehrende Konflikte, Zeitverlust, Selbstwert-Erosion.
  • Alternativen: Wachstum, neue Beziehungen, innere Ruhe, Autonomie.

Wenn kurzfristige Linderung langfristige Schäden kauft, ist die Antwort klar.

Mini-Workbook: 6 Fragen für Klarheit

  1. Welche 3 Verhaltensweisen müssten sich belegbar ändern?
  2. Was habe ich in der Vergangenheit über Monate versucht – mit welchem Ergebnis?
  3. Welche Grenzen setze ich ab heute?
  4. Welche Sicherheit brauche ich (rechtlich, emotional)?
  5. Was sagt mein zukünftiges Ich in 2 Jahren zu dieser Entscheidung?
  6. Wer aus meinem Umfeld spiegelt mir ehrlich Risiken – und wo könnte ich zuhören?

Mythen über „Ex zurück“, die dich in die Irre führen

  • „Wenn ich nur stark genug liebe, reicht das.“ Liebe ist notwendig, aber nicht hinreichend – Strukturen, Werte, Fähigkeiten zählen.
  • „Eifersucht macht attraktiv.“ Manipulation beschädigt Vertrauen.
  • „Kein Kontakt = Spielchen.“ Nein, es ist oft notwendige Heilungs- und Klarheitszeit.
  • „Wer einmal betrügt, betrügt immer.“ Nicht zwingend – aber ohne Einsicht und Therapie sinken Chancen stark (Atkins et al., 2005).

Wenn es um Sicherheit geht: Plane wie ein Profi

  • Dokumentiere Vorfälle, sichere Beweise.
  • Informiere Vertrauenspersonen.
  • Vermeide vorhersehbare Routen/Zeiten.
  • Kontaktiere Hilfestellen (z. B. Gewaltschutzzentren).

Deine Sicherheit hat Vorrang vor jeder romantischen Hoffnung.

Social-Media-Regeln, wenn „Ex zurück“ unmöglich ist

  • Entfollow/Blocken, wenn nötig.
  • Keine indirekten Botschaften („Songs“, Zitate).
  • Keine Profil-Politur für Eifersucht.
  • Kein gemeinsames „Erinnerungsalbum“ mehr ansehen in den ersten 60–90 Tagen.

Mini-Fallstudien: Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit

  • „Er schreibt alle 2 Wochen ein Emoji.“ → Keine Handlung, keine Absicht.
  • „Sie bat um Verzeihung, ging in Therapie, zeigte 12 Wochen konsistente Veränderung, wir reden über Werte.“ → Handlung, potenziell tragfähig.

Warnzeichen im Wiederannäherungsprozess

  • Tempo zu schnell, Grenzen ignoriert.
  • Alte Trigger ohne neue Tools.
  • „Inseln der Nähe“ ohne Alltagsintegration.
  • Fehlende Verantwortungsübernahme.

Wenn das auftritt, bremsen oder beenden.

Realitätscheck mit Freund:innen – ohne Gruppendruck

Bitte 1–2 reife, ehrliche Menschen um Feedback. Frage explizit: „Was sind Risiken, die ich übersehe?“ Sei bereit zuzuhören. Vermeide Shaming-Kreise, die nur polarisieren.

Für Fortgeschrittene: Bindungstyp und Rückeroberungs-Illusionen

  • Ängstlich: Neigt zu Überdehnung der eigenen Grenzen, idealisiert Partner:in, hält zu lange fest.
  • Vermeidend: Idealisiert Freiheit, unterschätzt Verbundenheit, fordert nahe Distanz.

Interventionen: Achtsamkeitsübungen, Emotionscoaching (Johnson, 2004), verhaltenstherapeutische Skills, Expositionspläne ohne Kontakt.

Wenn dein Ex dich klar abgewiesen hat

„Ich möchte keinen Kontakt und keine Beziehung mehr.“ Nimm das wörtlich. Nachfragen ist menschlich, aber wiederholte Versuche überschreiten Grenzen und können in Stalking kippen. Akzeptanz schützt deinen Selbstwert und deine Zukunft.

Trauerkorridor: Erlaub dir Wellen

Trennungstrauer verläuft nicht linear. Wellen sind normal (Field, 2011). Plane bewusst: 15 Minuten tägliches „Trauerfenster“ mit Schreiben oder Weinen, dann Rückkehr zu Alltag. Rituale helfen: Abschiedsbrief (nicht senden), Ort verändern, symbolisches Loslassen.

Wenn Kinder im Spiel sind – und „Ex zurück“ unmöglich

Kinder brauchen Stabilität. Halte dich an Struktur, sorge für Verlässlichkeit. Bau eigene Rituale, die nicht an den Ex koppeln. Hole dir bei Hochkonflikt-Konstellationen fachliche Hilfe (Mediation, Familienberatung).

Fortschritt messen – nicht nur fühlen

  • Schlafdauer und -qualität.
  • Anzahl der Tage ohne Social-Media-Check.
  • Kontakte gepflegt (Freunde, Familie).
  • Aktivitätslevel (Sport, Lernen).

Mehr Daten, weniger Deutung. Das erdet.

Häufige Gegenargumente – und wissenschaftlich fundierte Antworten

  • „Aber große Liebe findet Wege!“ – Nur wenn Sicherheit, Respekt und Werte stimmen. Sonst findet große Liebe Wege, dich zu schützen.
  • „Er/sie ändert sich, wenn ich bleibe!“ – Veränderung braucht Motivation, Einsicht und Strukturen, selten Druck durch Drohung.
  • „Ohne ihn/sie kann ich nicht glücklich sein!“ – Studien zeigen Anpassungsfähigkeit des Wohlbefindens. Mit Zeit, Unterstützung und Sinn erholt sich die Lebenszufriedenheit (Lucas, 2007).

Fazit mit Hoffnung

Es tut weh, wenn die ehrliche Antwort lautet: „Ex zurück ist unmöglich – oder so unwahrscheinlich, dass es nicht klug ist.“ Doch Hoffnung ist mehr als Rückkehr in Vergangenes. Hoffnung ist die Zuversicht, dass du Bindung lernen, Schutz herstellen, Freude neu entdecken kannst. Manche Türen schließen sich, damit du den Raum verlassen kannst, der dich klein hält. Wissenschaft, Erfahrung und unzählige Geschichten zeigen: Mit Klarheit, Grenzen und Mitgefühl wächst aus Trennung eine neue, reifere Form von Liebe – zuerst zu dir selbst, dann zu einem Menschen, der deine Werte teilt.

12-Wochen-Stabilisierungsplan (wenn Loslassen angezeigt ist)

  • Woche 1: Notfallplan erstellen. Rechtliches prüfen, Triggerliste schreiben, 3 Kontaktpersonen benennen. Schlaf priorisieren, Alkohol/Nikotin reduzieren.
  • Woche 2: Digitale Hygiene. Entfolgen/Blocken, Fotos in einen passwortgeschützten Ordner verschieben, Gerätepasswörter ändern.
  • Woche 3: Körper in Bewegung. Täglich 30 Minuten Aktivität, feste Essenszeiten, Wasser-Reminder. Ein Abend pro Woche ohne Bildschirm.
  • Woche 4: Soziale Fäden knüpfen. Eine Aktivität mit Freund:in planen, alte Kontakte reaktivieren, Unterstützungsgruppe oder Coaching anfragen.
  • Woche 5: Wertearbeit. Top-5-Beziehungswerte definieren, rote Linien formulieren, „Nicht mehr“-Liste erstellen.
  • Woche 6: Narrativ schreiben. Ein ehrlicher Beziehungsrückblick auf 1–2 Seiten: Was war schön, was war schädlich, was habe ich gelernt?
  • Woche 7: Kompetenzaufbau. Kommunikationsskill oder Emotionsregulation üben (z. B. Ich-Botschaften, 4-7-8-Atmung, Stopp-Signal).
  • Woche 8: Räume neu besetzen. Orte, Musik, Routinen entkoppeln. Neue Sonntagsroutine, neuer Spazierweg, neues Hobby testen.
  • Woche 9: Zukunftsfenster. 90-Tage-Ziele für Gesundheit, Arbeit, Freundschaften setzen (SMART). Kleine Steps terminieren.
  • Woche 10: Finanz- und Alltagsordnung. Verträge prüfen, Budgetplan erstellen, Papierkram ordnen. Stabilität senkt Rückfallrisiken.
  • Woche 11: Sinn und Freude. Ehrenamt, Kurs oder kreatives Projekt starten. Mikrofreuden protokollieren.
  • Woche 12: Review und Rituale. Fortschritt messen, Stolpersteine benennen, Abschlussritual durchführen (Brief verbrennen, Symbol ablegen).

Vorlagen für respektvolle Abschluss- und Grenznachrichten

  • Neutraler Abschluss: „Ich respektiere unsere Trennung und gehe meinen Weg ohne weiteren privaten Kontakt. Ich wünsche dir alles Gute.“
  • Bei Breadcrumbing: „Kurze Nachrichten ohne konkrete Absicht tun mir nicht gut. Bitte kontaktiere mich nicht mehr.“
  • Bei neuer Partnerschaft des Ex: „Ich respektiere deine Beziehung und werde keinen Kontakt mehr aufnehmen. Alles Gute euch beiden.“
  • Co-Parenting only: „Lass uns schriftlich zu Kindthemen kommunizieren. Private Themen werde ich nicht besprechen.“
  • Bei wiederholten Grenzverletzungen: „Ich habe um Abstand gebeten. Wenn das nicht respektiert wird, schütze ich mich und ziehe Konsequenzen.“
  • Rechtlicher Hinweis (ohne Drohung): „Ich halte mich an die rechtlichen Vorgaben und erwarte das auch von dir.“
  • Höfliche Ablehnung eines Treffens: „Danke für die Anfrage. Ein Treffen ist für mich aktuell nicht stimmig. Bitte akzeptiere meine Entscheidung.“
  • Bei Druck durch Freunde: „Ich bitte euch, meine Grenzen zu respektieren. Unterstützt mich bitte beim Loslassen, nicht beim Wiederaufrollen.“

Spezialfälle und wie du sie einordnest

  • Affärenkonstellation: Wenn du Affäre warst und der Ex in der Hauptbeziehung bleibt, sind Chancen sehr gering; ethisch heikel. Ohne klare Trennung und Transparenz ist eine gesunde Basis kaum herstellbar.
  • Arbeitsplatz und Machtgefälle: Vorgesetzte:r/Angestellte:r ist hochriskant (Compliance, Karriere). Eine Rückeroberung kann existenzielle Schäden verursachen – meist pragmatisch unklug.
  • LGBTQIA+: Dieselben Prinzipien gelten. Zusätzliche Belastungen (Outingdruck, familiäre Ablehnung) können Entscheidungen verzerren. Sicherheit und Community-Support priorisieren.
  • Poly/ENM: „Unmöglich“ ist nicht die Beziehungsform, sondern Intransparenz. Wenn Absprachen wiederholt gebrochen werden, sinken Chancen stark – unabhängig vom Modell.
  • Kulturelle/Religiöse Vorgaben: Externe Barrieren (Familie, Migration, Recht) können objektiv hoch sein. Ohne gemeinsame, tragfähige Strategie ist „Zurück“ selten stabil.

Kurzscreen Co-Abhängigkeit: 10 Fragen

Beantworte ehrlich mit „trifft zu/teils/nie“:

  1. Meine Stimmung hängt stark davon ab, wie es ihm/ihr geht.
  2. Ich rette/erkläre sein/ihr Verhalten vor anderen.
  3. Ich ignoriere eigene Bedürfnisse über längere Zeit.
  4. Ich übernehme Aufgaben, die eigentlich seine/ihre Verantwortung sind.
  5. Ich habe Angst vor seinem/ihrem Ärger oder Rückzug.
  6. Ich fühle mich schuldig, wenn ich Grenzen setze.
  7. Ich vernachlässige Freundschaften für die Beziehung.
  8. Ich verharmlosen Sucht/Übergriffe als „Phase“.
  9. Ich verliere mich in Kontrolle (Ortung, Durchsuchen, Überwachen).
  10. Ich habe ohne Beziehung wenig Selbstgefühl. Hinweis: Viele „trifft zu“-Antworten deuten auf Risikodynamiken. Unterstützung suchen (Therapie, Gruppen).

Digitale Sicherheit und Datenschutz nach der Trennung

  • Passwörter ändern (E-Mail, Cloud, Social Media, Banking). Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
  • Gerätezugriff prüfen: Gemeinsame Laptops/Tablets abmelden, Standortfreigaben deaktivieren.
  • Gemeinsame Dienste trennen (Streaming, Familienfreigaben, Kalender).
  • Keine sensiblen Inhalte (Fotos, Dokumente) auf gemeinsam genutzten Geräten lassen.
  • Bei digitalem Missbrauch (Spyware, Drohungen): Fachstellen kontaktieren, Beweise sichern.

Wenn du die Trennung verursacht hast: Verantwortung statt „Reparatur-Tricks“

  • Ehrliche Bestandsaufnahme: Was genau habe ich getan/unterlassen? Welche Folgen hatte das? Ohne Bagatellisierung.
  • Qualifizierte Entschuldigung: Konkrete Benennung, keine Ausreden, Empathie für Wirkung, Benennung von Lernschritten.
  • Reparaturhandlungen: Vereinbarte Wiedergutmachung, Transparenz (sofern sinnvoll), verlässliches Verhalten über Wochen.
  • Raum geben: Der/die andere bestimmt Tempo und ob eine Annäherung überhaupt gewünscht ist. „Recht auf Nein“ respektieren.
  • Akzeptiere Grenzen: Bei Gewalt, Verachtung, wiederholter Untreue ohne Therapie gilt: Rückkehr ist praktisch nicht verantwortbar – auch wenn du Reue empfindest.

Absolut unmöglich ist selten. Aber rechtlich (Kontaktverbote), ethisch (Gewalt, Missbrauch) oder psychologisch (Verachtung, massive Inkompatibilität) gibt es klare Grenzen. In vielen anderen Fällen ist es extrem unwahrscheinlich – und damit praktisch nicht sinnvoll, es anzustreben.

Typisch 30–90 Tage, je nach Situation. Bei Co-Parenting oder gemeinsamem Job ist strikter No Contact nicht machbar – setze dann auf „Low Emotion – High Structure“. Halte dich strikt an rechtliche Vorgaben.

Kurzfristig kann das Hoffnung mindern. Wenn es eine stabile Partnerschaft mit geteilten Werten ist, sinken deine Chancen deutlich. Respektiere Grenzen – jede Einmischung schadet dir und deinen Chancen.

Ja – wenn beide teilnehmen, Verantwortung übernehmen und neue Verhaltensweisen über Wochen konsistent umsetzen. Ohne beidseitige Bereitschaft bringt Therapie als „Druckmittel“ wenig.

On-Off ist häufig, aber im Schnitt mit geringerer Qualität und höherem Konflikt verbunden. Eine erneute Chance braucht neue Bedingungen, nicht nur neue Versprechen.

Nicht zwingend. Entscheidend sind Einsicht, Reue, konkrete Wiedergutmachung und konsistente Veränderung über Zeit. Bei Gewalt, wiederholter Untreue ohne Therapie oder Verachtung ist eine Rückkehr kaum verantwortbar.

Achte auf Körperzeichen (Unruhe, Zwang, Grübeln), Trigger (Social Media), und die Tendenz, Risiken auszublenden. Entzug lindert sich mit Zeit, Struktur und Unterstützung. Liebe zeigt sich in gegenseitiger Fürsorge, Respekt und Verantwortung – nicht nur in Sehnsucht.

„Ich entscheide mich für einen Weg, der meine Werte und meine Sicherheit schützt. Kämpfen ohne Grundlage ist kein Mut, sondern Selbstverlust.“ Bitte um Unterstützung beim Loslassen, nicht beim Gräben ausheben.

Das ist eine normale Angst. Psychologische Forschung zeigt hohe Anpassungsfähigkeit. Mit Zeit, sozialer Unterstützung und aktiver Sinnsuche steigt die Lebenszufriedenheit wieder. Neue, passende Partnerschaften entstehen oft, wenn du deine Werte klar lebst.

Wenn du entschieden hast zu gehen – oder es rechtliche/ethische Gründe gibt: lieber nicht. Solche „harmlosen“ Nachrichten halten Entzug und Ambivalenz aufrecht. Fokus auf Heilung.

Wie stehen deine Chancen, deinen Ex zurückzugewinnen?

Finde in nur 8-10 Minuten heraus, wie realistisch eine Versöhnung mit deinem Ex ist - basierend auf Beziehungspsychologie und praktischen Erkenntnissen.

Wissenschaftliche Quellen

Bowlby, J. (1969). Attachment and loss: Vol. 1. Attachment. Basic Books.

Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Lawrence Erlbaum.

Hazan, C., & Shaver, P. (1987). Romantic love conceptualized as an attachment process. Journal of Personality and Social Psychology, 52(3), 511–524.

Fisher, H. E., Brown, L. L., Aron, A., Strong, G., & Mashek, D. (2010). Reward, addiction, and emotion regulation systems associated with rejection in love. Journal of Neurophysiology, 104(1), 51–60.

Eisenberger, N. I., & Lieberman, M. D. (2004). Why rejection hurts: A common neural alarm system for physical and social pain. Trends in Cognitive Sciences, 8(7), 294–300.

Young, L. J., & Wang, Z. (2004). The neurobiology of pair bonding. Nature Neuroscience, 7(10), 1048–1054.

Sbarra, D. A., & Emery, R. E. (2005). The emotional sequelae of nonmarital relationship dissolution: Analysis of change and intraindividual variability over time. Personal Relationships, 12(2), 213–232.

Sbarra, D. A., Briskin, J. L., & Slatcher, R. B. (2012). When and why social contacts affect recovery from loss: Social support, loneliness, and emotional adjustment after divorce. Current Directions in Psychological Science, 21(3), 154–159.

Gottman, J. M. (1994). What predicts divorce? The relationship between marital processes and marital outcomes. Lawrence Erlbaum.

Gottman, J. M., & Levenson, R. W. (1992). Marital processes predictive of later dissolution: Behavior, physiology, and health. Journal of Personality and Social Psychology, 63(2), 221–233.

Johnson, S. M. (2004). The practice of emotionally focused couple therapy: Creating connection (2nd ed.). Brunner-Routledge.

Rusbult, C. E. (1980). Commitment and satisfaction in romantic associations: A test of the investment model. Journal of Experimental Social Psychology, 16(2), 172–186.

Le, B., & Agnew, C. R. (2003). Commitment and its theorized determinants: A meta-analysis of the Investment Model. Personal Relationships, 10(1), 37–57.

Dailey, R. M., Rossetto, K. R., Pfiester, A., & Surra, C. A. (2013). A qualitative analysis of on-again/off-again romantic relationships: 'It's up, it's down, all around'. Journal of Social and Personal Relationships, 30(8), 1145–1168.

Halpern-Meekin, S., Manning, W. D., Giordano, P. C., & Longmore, M. A. (2013). Relationship churning in emerging adulthood: On/off relationships and sex with an ex. Journal of Adolescent Research, 28(2), 166–188.

Atkins, D. C., Baucom, D. H., & Jacobson, N. S. (2005). Understanding infidelity: Correlates in a national random sample. Journal of Family Psychology, 19(2), 291–299.

Karney, B. R., & Bradbury, T. N. (1995). The longitudinal course of marital quality and stability: A review of theory, methods, and research. Psychological Bulletin, 118(1), 3–34.

Fincham, F. D. (2001). Attributions in close relationships: From research to practice. Psychology Press.

Field, T. (2011). Romantic breakups, heartbreak and bereavement. International Journal of Behavioral Medicine, 18(3), 255–261.

Amato, P. R. (2010). Research on divorce: Continuing trends and new developments. Journal of Marriage and Family, 72(3), 650–666.

Linehan, M. M. (1993). Cognitive-behavioral treatment of borderline personality disorder. Guilford Press.

McHugh, R. K., Hearon, B. A., & Otto, M. W. (2010). Cognitive-behavioral therapy for substance use disorders. Psychiatric Clinics of North America, 33(3), 511–525.

Saitz, R., & O’Malley, S. S. (1997). Pharmacotherapies for alcohol abuse. New England Journal of Medicine, 337(7), 492–498.

Pietromonaco, P. R., & Beck, L. A. (2019). Attachment processes in adult romantic relationships. Annual Review of Psychology, 70, 541–566.

Lucas, R. E. (2007). Adaptation and the set-point model of subjective well-being: Does happiness change after major life events? Current Directions in Psychological Science, 16(2), 75–79.

Johnson, M. P. (2008). A typology of domestic violence: Intimate terrorism, violent resistance, and situational couple violence. Northeastern University Press.

Sbarra, D. A., & Ferrer, E. (2006). The structure and process of emotional experience following nonmarital romantic dissolution: Dynamical systems approaches. Journal of Personality, 74(4), 1089–1127.

Neff, K. D. (2003). Self-compassion: An alternative conceptualization of a healthy attitude toward oneself. Self and Identity, 2(2), 85–101.

van Golde, C. J., et al. (2017). Co-dependency: A critical review. Addictive Behaviors, 64, 34–40.