Timing erste Nachricht: Wann senden?

Erste Nachricht an Ex: Wann der richtige Zeitpunkt ist – und wie du es weißt.

22 Min. Lesezeit Kommunikation & Kontakt

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du willst deinem Ex schreiben – aber du weißt nicht, wann der richtige Moment ist? Genau hier passieren die meisten Fehler: zu früh schreiben, in falscher Stimmung, oder am falschen Tag. Ergebnis: Distanz statt Nähe. In diesem Ratgeber erfährst du, auf Basis solider Forschung aus Bindungstheorie, Neurobiologie und Trennungspsychologie, wie du das Timing deiner ersten Nachricht strategisch klug wählst. Du bekommst klare, umsetzbare Schritte, viele Praxisbeispiele, häufige Fallstricke – und du verstehst, warum Timing bei deinem Ex so enorm viel ausmacht.

Timing verstehen: Warum der Zeitpunkt deiner Nachricht wichtiger ist als der Inhalt

Wenn du dir die Frage stellst „Wann soll ich die erste Nachricht senden?“, fragst du eigentlich: „In welchem Zustand bin ich (und ist mein Ex), sodass eine Nachricht wahrscheinlich positiv aufgenommen wird?“ Die Forschung zeigt, dass Micro-Timing – also WANN du eine Nachricht schickst – die emotionale Verarbeitung beeinflusst. Nach einer Trennung ist das Stresssystem aktiviert, Bindungssysteme sind sensibilisiert, und kleine Reize (wie eine Nachricht) können starke Reaktionen auslösen.

  • Neurobiologisch: Ablehnung aktiviert Belohnungs- und Schmerzsysteme. In fMRT-Studien zeigten Menschen nach romantischer Zurückweisung Aktivierung im ventralen Striatum (Craving) und in Arealen, die mit Schmerz und Emotionsregulation zusammenhängen (Fisher et al., 2010; Eisenberger et al., 2003). Das erklärt, warum jede deiner Nachrichten emotional „größer“ wirkt, als du denkst.
  • Bindungspsychologisch: Je nach Bindungsstil reagiert dein Ex anders auf Kontakt. Ängstlich-gebundene Personen suchen sofortige Nähe, vermeidend-gebundene brauchen Abstand (Bowlby, 1969; Ainsworth et al., 1978; Hazan & Shaver, 1987). Timing muss daran angepasst werden.
  • Regeneration: Trennungsforschung zeigt, dass ein Zeitraum der Funkstille („No Contact“) die emotionale Selbstregulation fördert und den späteren Kontakt konstruktiver macht (Sbarra & Emery, 2005; Sbarra & Ferrer, 2006). Zu frühe Nachrichten verstärken häufig die Dysregulation.

Kurz: Gutes Timing ist wie eine stabile Brücke. Es sorgt dafür, dass deine Nachricht überhaupt auf der anderen Seite ankommt, ohne vom emotionalen Hochwasser weggerissen zu werden. Dieses Prinzip wird durch das Primary Keyword gut beschrieben: Du optimierst dein „timing nachricht ex“, bevor du über den genauen Text nachdenkst.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Was in Gehirn, Körper und Bindungssystem passiert

1Das Bindungssystem in Alarmbereitschaft

Bowlbys Bindungstheorie beschreibt ein angeborenes System, das Nähe sichern und Trennungsschmerz minimieren soll (Bowlby, 1969). Nach einer Trennung läuft typischerweise eine Sequenz ab:

  • Protest (Suche nach Kontakt)
  • Verzweiflung (Trauer, Rückzug)
  • Loslösung (Distanz, Schutz)

Menschen mit ängstlicher Bindung neigen zu längerem Protest (mehr Nachrichten, häufigeres Checken). Vermeidend-gebundene Personen reagieren im Protest anderer mit Rückzug und kognitiver Distanzierung (Ainsworth et al., 1978; Hazan & Shaver, 1987). Dein Timing muss berücksichtigen, wo dein Ex in dieser Sequenz steht.

2Neurochemie der Trennung: Warum kurze Pausen Wunder wirken

  • Dopamin/Belohnung: Nach Zurückweisung bleibt das Belohnungssystem aktiv („Craving“), was Kontaktwunsch verstärkt (Fisher et al., 2010). Eine Nachricht triggert diesen Kreislauf.
  • Stresssystem: Cortisol steigt, Schlafqualität sinkt und Grübeln nimmt zu (Field, 2011). Erhöhtes Cortisol reduziert die Fähigkeit zur Emotionsregulation – ungünstig für konstruktive Gespräche.
  • Schmerznetzwerk: Soziale Ablehnung aktiviert ähnliche Areale wie körperlicher Schmerz (Eisenberger et al., 2003). Subjektiv fühlt sich die Nachricht risikoreicher an – für beide Seiten.
  • Paarbindungsbiologie: Oxytocin/vasopressin-gestützte Bindungssysteme (Young & Wang, 2004) verstärken die Sehnsucht nach Kontakt, aber nur in gewisser emotionaler Bandbreite führt das zu Annäherung statt Abwehr.

3Kontakt und Genesung: Warum Funkstille (zeitweise) wirkt

Prospektive Studien zeigen: Abstand nach einer Trennung unterstützt die emotionale Erholung und senkt intrusive Gedanken (Sbarra & Emery, 2005; Sbarra & Ferrer, 2006). Digitale Überwachung des Ex (Social-Media-Checking) verlängert hingegen Distress (Tokunaga, 1 1; Marshall et al., 2013). Daraus ergibt sich eine klare Regel: Erst regulieren, dann kontaktieren – eine zentrale Grundlage für dein timing nachricht ex.

4Digitale Kommunikation: Mehr Missverständnisse als du denkst

Wir überschätzen, wie gut Emotionen per Text rüberkommen. E-Mail-/Textstudien zeigen systematische Fehlattributionen und Egocentrism-Bias (Kruger et al., 2005). Emotionale Texte in labilen Phasen werden eher falsch verstanden. Das Timing sollte daher so gewählt werden, dass beide Seiten reguliert und wohlwollend lesen können – und zwar idealerweise in einem Zeitfenster mit geringer Alltagslast.

5Reaktanz und psychologischer Raum

Zu frühe Kontaktversuche erhöhen die wahrgenommene Bedrohung der Autonomie und lösen Reaktanz aus („Du nimmst mir meinen Raum“; Brehm, 1966). Ein respektiertes Abstandsfeld senkt Reaktanz und macht positive Reaktionen wahrscheinlicher.

6Kognitive Prozesse: Gedächtnis und Bedeutung

Unter hoher Aktivierung verfestigen sich negative Bedeutungen schneller („Alles, was du schreibst, bestätigt, dass es richtig war, Schluss zu machen“). Ein Zeitraum der Beruhigung ermöglicht, dass neutrale/positive Signale wieder integriert werden. Forschung zur Rekonsolidierung zeigt, dass nach einer gewissen Pause neue Informationen alte Spuren modifizieren können (Schiller et al., 2010). Richtiges Timing nutzt dieses Fenster.

Praktischer Leitfaden: Das 5-Phasen-Timing-Modell

Du bekommst jetzt ein klares, alltagstaugliches Modell, das die Forschung in konkrete Entscheidungen übersetzt. Nutze es, um zu entscheiden, wann du die erste Nachricht schickst – und wann nicht.

Phase 1

Akutruhe (0–72 Stunden)

  • Kein emotionaler Kontakt. Nur Notwendiges (Wohnung, Kinder, dringende Finanzen) – sachlich, kurz.
  • Ziel: Abklingen von „Flooding“ (Gottman & Levenson, 1992). Körper beruhigen (Schlaf, Essen, Bewegung).
Phase 2

Reset (3–30 Tage)

  • Funkstille/No Contact. Kein Social-Media-Stalking. Reduziere Trigger.
  • Ziel: Selbstregulation, neue Routinen, Stabilisierung. Minimum: 14 Tage bei logistischen Zwängen.
Phase 3

Stabilisierung (30–45 Tage)

  • Leichte, indirekte Annäherung (z. B. neutrales Reagieren, aber noch keine aktive Öffnung), nur wenn beide reguliert.
  • Ziel: Teste interne und externe Signale (siehe Checklisten unten).
Phase 4

Re-Engagement (45–60+ Tage)

  • Erste proaktive Nachricht mit niedrigem Eskalationspotenzial, in gutem Zeitfenster (Wochentag/ Uhrzeit), ohne Beziehungsinhalte.
  • Ziel: Positiver, stressarmer Erstkontakt.
Phase 5

Aufbau (nach der ersten Antwort)

  • Langsamer, konsistenter Aufbau, Behavior over time. Kein „Beziehungstalk“, bis Stabilität erreicht ist.

Hinweis: Die Zeitangaben sind Richtwerte. Deine Lage entscheidet. Für manche Fälle (kurze, impulsive Trennung ohne schweren Vertrauensbruch) kann Phase 4 bereits nach 21–30 Tagen sinnvoll sein; bei Betrug, hoher Reaktanz oder neuem Partner eher 60–90 Tage.

Der Entscheidungsbaum: Wann ist dein Zeitpunkt reif?

Wenn du der/die Verlassene bist

  • Mindest-Reset: 30 Tage. Ziel: Notfallreaktionen (Protest, Grübeln) senken.
  • Prüfe 3 Signale bei dir: Schlaf stabil (>6,5 Std), Emotionaler Anstieg nach Ex-Reizen < 20 Minuten, Impuls zum „Alles auf einmal klären“ ist spürbar reduziert.
  • Prüfe 3 Signale bei deinem Ex: Antwortet neutral bis freundlich auf notwendige Logistik? Kein Blockieren? Indirekte Offenheit (z. B. Smalltalk bei Übergaben)?

Wenn du Schluss gemacht hast

  • Kürzeres Reset möglich (21–30 Tage), aber nur, wenn du klar bist und nicht aus Schuldgefühl schreibst.
  • Prüfe 3 Risiken: Erwartungsdruck erzeugen? Mixed Signals? Ex in hoher Aktivierung (lange Texte, Vorwürfe)? Warte, bis Antworten kürzer, klarer und ruhiger sind.

Checklisten: Bist du bereit – sind sie es auch?

Deine innere Bereitschaft (muss erfüllt sein)

  • Du kannst dir vorstellen, dass sie nicht antworten – ohne emotional „abzustürzen“.
  • Du schreibst nicht, um sofortige Klärung zu erzwingen, sondern um einen freundlichen, unverbindlichen Kontakt zu eröffnen.
  • Du hast die Nachricht zuerst neutral gelesen, dann in „negativem Ton“ – und sie bleibt respektvoll.
  • Du erwartest keine Retter-Reaktion („Endlich meldest du dich!“). Du bist bereit, langsam zu gehen.

Ihre äußeren Signale (mindestens zwei von drei)

  • Neutrale bis positive Reaktionen bei zufälligen Berührpunkten (Übergaben, Gruppenchat, Arbeit).
  • Keine aktiven Abwehrsignale (Blockieren, „Bitte melde dich nicht“).
  • Leichte Initiativen ihrer Seite (z. B. Reaktion auf Story, freundliche Nachfrage zu etwas Konkretem).

72 Stunden

Akutruhe reduziert Flooding und Fehlkommunikation deutlich.

30–45 Tage

Typisches Reset-Fenster, um Selbstregulation und Offenheit wiederherzustellen.

1 klare Nachricht

Ein guter Erstkontakt ist kurz, konkret, ohne Beziehungstalk.

Mikro-Timing: Tag, Uhrzeit, Kanal

  • Wochentag: Dienstag bis Donnerstag performen besser als Montag (Stress) oder Freitagabend (soziale Pläne) und Wochenende (emotionale Spitzen). Ziel: möglichst neutrales Umfeld.
  • Uhrzeit: 17–19 Uhr ist oft gut – Arbeit/Uni fast durch, aber noch nicht Abendmodus. Vermeide sehr spät (wirkt impulsiv/intim) und Arbeitsanfang (Zeitdruck).
  • Kanal: WhatsApp/SMS bevorzugt. Kein Anruf, kein Voice-Memo für die erste Nachricht. Keine E-Mail – zu formell und zu lang.
  • Sichtbarkeit: Keine Social-Media-Kommentare als Erstkontakt. Direkt, diskret, respektvoll.

Wissenschaftlicher Grund: Kognitive Ressourcen schwanken über den Tag. Unter Zeitdruck und Müdigkeit werden neutrale Nachrichten negativer interpretiert (Kruger et al., 2005). Ein ruhiges Zeitfenster minimiert dies.

Inhalte der ersten Nachricht: Der 3-Filter-Check

  1. Ton: freundlich, sachlich, leicht. Keine Schuld, keine Forderung, kein Druck.
  2. Thema: neutral-external (z. B. ein kurzes Update/Frage, die nicht emotional eskaliert). Keinen „Beziehungstalk“.
  3. Länge: 1–3 Sätze. Kein Roman, keine Rechtfertigung, kein „Wir müssen reden“.

Beispiele:

  • „Hey, ich habe neulich das neue Café bei dir um die Ecke probiert – du hattest recht, der Espresso ist top. Falls du mal Lust hast, gib Bescheid. Kein Stress.“
  • „Kurze Frage zu [neutrales Thema, z. B. Paket/Versicherung/Buch], passt dir [Option A/B]? Danke dir!“
  • „Du hattest mal [Serie/Podcast] empfohlen – hat mir echt gefallen. Wollte nur Danke sagen. Ich hoffe, es geht dir gut.“

Warum das wirkt: Du öffnest eine kleine, unverbindliche Tür. Kein Druck = weniger Reaktanz (Brehm, 1966). Die Wahrscheinlichkeit einer neutralen oder positiven Antwort steigt.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit. Abstand erlaubt dem Gehirn, die Intensität herunterzufahren, sodass neue Informationen – wie eine freundliche Nachricht – nicht als Bedrohung verarbeitet werden.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Szenarien aus der Praxis (inkl. Bindungsdynamik)

1Sarah, 34, wurde verlassen nach wiederholten Streits

  • Bindungsdynamik: Sarah eher ängstlich, Ex eher vermeidend. Nach der Trennung schrieb Sarah mehrmals, er reagierte kühl.
  • Strategie: 30–45 Tage Reset, Social-Media-Pause. Schlaf, Sport, Journaling. Dann eine leichte Nachricht am Dienstag 18:15: „Du hattest mal das Thai bei dir empfohlen – sehr gut! Danke für den Tipp. Ich hoffe, deine Woche läuft ruhig.“
  • Ergebnis: Er antwortet am nächsten Tag neutral freundlich. Kein Beziehungsthema. Nach 2 Wochen kurze Anschlussfrage – langsamer Aufbau.
  • Warum es funktioniert: Abstand reduziert sein Reaktanzniveau; die Nachricht berührt geteilte, unverfängliche Realität.

2Alex, 29, hat Schluss gemacht, bereut es aber

  • Bindung: Alex vermeidend, in Stressphase überfordert. Ex ängstlich, verletzt.
  • Strategie: 21–30 Tage Reset, um nicht aus Schuld zu schreiben. Alex stabilisiert sich, überlegt, was er konkret anbieten kann (z. B. kleines Treffen ohne Erwartungen). Erste Nachricht Mittwoch 17:30: „Ich habe über einiges nachgedacht. Wenn du irgendwann Lust auf 15 Minuten Kaffee hast – ich würde gern in Ruhe Hallo sagen. Kein Druck.“
  • Warum: Vermeidet Überschwemmung, setzt klare, kleine Rahmung. Wichtig: Wenn keine Antwort kommt, kein Nachsetzen in den ersten 7–10 Tagen.

3Deniz, 41, Vertrauensbruch (Flirtgrenze überschritten, kein Betrug)

  • Höheres Reaktanz- und Schutzbedürfnis beim Ex. Längeres Reset (45–60 Tage), echte Verantwortungsübernahme in Vorbereitung (aber nicht in der ersten Nachricht ausschütten!).
  • Erste Nachricht Donnerstag 18:00: „Ich respektiere deinen Raum. Wollte nur sagen: Ich hoffe, es geht dir gut. Wenn du irgendwann Langeweile hast, das neue [neutrale Aktivität] in der Stadt ist echt spannend. Take care.“
  • Nach Wochen, falls leichte Öffnung: Separater, kurzer Rahmenvorschlag für ein ruhiges Gespräch. Kein Druck.

4Mia, 37, gemeinsame Kinder

  • Kein vollständiges No Contact möglich. Regel: Funktionale Kommunikation ja, emotionale Themen nein.
  • Beispiel: „Übergabe Freitag 18 Uhr wie vereinbart. Ich bringe die Sportsachen.“
  • Erstkontakt über Privates: nach 30–45 Tagen stabiler, sachlicher Ko-Kommunikation; dann optional ein neutrales, nicht-beziehungsbezogenes Mini-Thema. Keine Vermischung mit Kinderlogistik.

5Jonas, 26, Fernbeziehung, kein schwerer Grund

  • Kürzeres Reset möglich (21–30 Tage). Erstnachricht Dienstag 18:45: „In [Stadt] gibt’s jetzt endlich [unser Insider]. Musste lächeln. Hoffe, du hast eine gute Woche.“
  • Ziel: Warmes, aber leichtes Signal, das an geteilte Kultur erinnert, ohne Besitzanspruch.

6Lara, 45, lange Ehe, Trennung aus Erschöpfung

  • Längeres Reset (45–90 Tage), parallele Einzeltherapie, Tagesstruktur aufbauen. Erstkontakt erst, wenn beide nicht mehr im akuten Krisenmodus sind.
  • Nachricht Samstag vermeiden; lieber Mittwoch 18:00: „Ich habe deine Lieblingsbücher sortiert, die stehen bereit, wenn du sie holen möchtest. Und eine ehrliche Rückmeldung: Ich schätze wirklich, was wir gemeinsam aufgebaut haben. Ich wünsche dir Ruhe in dieser Woche.“

Häufige Timing-Fehler – und was du stattdessen tust

  • Zu früh schreiben, um Angst zu beruhigen: Warte 72 Stunden, dann neu bewerten. Wenn du das Gefühl hast „Ich MUSS jetzt“, ist es fast immer zu früh.
  • Falscher Anlass: Geburtstage/Feiertage triggern oft hohe Erwartungen. Wenn du grüßen willst, halte es sehr kurz, keine Einladung verknüpfen, keine Vergangenheit thematisieren.
  • Nacht-Nachrichten: Wirken impulsiv, erhöhen Fehlinterpretationen.
  • „Doppeltippen“ (zweite Nachricht ohne Antwort): Mindestens 7–10 Tage warten, dann ggf. ein einziges neutrales Follow-up. Danach Stopp.
  • Entschuldigungsroman: Verantwortung ist wichtig, aber nicht in der ersten Nachricht. Erst wenn Stabilität entstanden ist, in einem klaren Rahmen.

Wichtig: Wenn dein Ex ausdrücklich keinen Kontakt möchte („Bitte melde dich nicht“), respektiere das. Jede Grenzüberschreitung zerstört Vertrauen und erhöht Reaktanz. Timing heißt auch: Nicht schreiben, wenn die Tür zu ist.

Entscheidungsregeln bei Sonderfällen

  • Neuer Partner beim Ex: Verlängere Reset (60–90 Tage). Keine indirekten Eifersuchsmanöver. Baue erstmal dein Leben solide auf; prüfe, ob ein Erstkontakt überhaupt respektvoll möglich und sinnvoll ist.
  • Heftiger Streit/Beleidigungen beim Aus: Warte, bis du aufrichtig sagen kannst „Ich würde gern in Ruhe sprechen, ohne Alte-Wunden-Trigger“. Minimum 45 Tage.
  • Gemeinsame Arbeit: Funktional-professionell bleiben. Erstkontakt über Privates erst, wenn die Arbeitskommunikation konsistent ruhig ist.
  • Mental Health: Wenn du depressive Einbrüche/Schlaflosigkeit hast, priorisiere Stabilität (Therapie, Schlafhygiene). Ein Erstkontakt aus einem Loch heraus sucht meistens Rettung, nicht Beziehung.

Die erste Nachricht formulieren: Templates nach Kontext

  • Neutraler Check-in: „Hi, ich hoffe, deine Woche läuft gut. Ich fand neulich [X] spannend, dachte, das könnte dich interessieren. Schönen Abend dir.“
  • Dank ohne Druck: „Danke für deine Empfehlung zu [X]. Hat mir wirklich gefallen.“
  • Mini-Bitte mit Option: „Kurz organisatorisch: Ist [Option A/B] für dich ok? Wenn nein, sag gern, was besser passt.“
  • Humor/Insider (nur wenn positiv besetzt): „Ich habe endlich [Insiderziel] geschafft – Level up. Dachte, du würdest es feiern. Keine Antwort notwendig, musste schmunzeln.“

Achte darauf, dass du keine impliziten Schuldzuweisungen versteckst (z. B. „Du warst ja immer so…“). Halte es leicht, konkret, freundlich.

Zusatz: Phrasen-Bibliothek für die erste Nachricht (kontextsensitiv)

  • „Ich bin am Mittwoch in deiner Gegend und musste an [unser Insider] denken. Wollte nur ein kurzes Hallo dalassen.“
  • „Dein Tipp zu [App/Tool/Ort] war Gold wert. Danke nochmal und hab einen guten Feierabend.“
  • „Mini-Logistikfrage zu [Gegenstand/Vertrag] – passt dir [A] oder [B]? Sonst schlag gern was vor.“
  • „Hab gerade [Buch/Artikel/Podcast] gesehen, der genau dein Thema ist. Wenn’s dich interessiert, schick ich dir den Link – nur wenn du magst.“
  • „Ich habe heute [kleiner Erfolg] geschafft und musste grinsen, weil du das damals angefeuert hast. Danke dafür.“
  • „Bei [Wetter/Ort] musste ich an unseren [harmlosen Insider] denken. Hoffe, du hast einen ruhigen Tag.“
  • „Ich respektiere deinen Raum. Wollte nur hallo sagen und eine gute Woche wünschen.“
  • „Falls du mal eine neutrale Empfehlung zu [Thema] willst – ich hab zwei gute Optionen gefunden. Kein Muss, nur Angebot.“
  • „Der [Verein/Team] hat gestern gewonnen – du hattest das vorausgesagt. Touché.“
  • „Ich habe [kleines Eigentum] gefunden. Sag Bescheid, wie du es bekommst. Kein Stress.“
  • „Kleines Update: [kurze, positive, unkritische Neuigkeit]. Dachte, das könnte dich freuen.“
  • „Ich hab das Gefühl, ein kurzer Kaffee in ein paar Wochen könnte gut tun. Kein Druck – nur, wenn’s für dich passt.“

Warum diese Phrasen funktionieren: Sie sind kurz, offerieren Wahlmöglichkeiten, vermeiden Druckwörter, und bleiben in neutralen bis positiven Mikrokontexten.

Treffen vorschlagen: Wann und wie eskalieren?

  • Voraussetzungen: 2–4 freundliche, kurze Ping-Pong-Exchanges ohne Spannung; konsistente, ruhige Antwortzeiten; keine defensiven Untertöne.
  • Rahmen: klein, begrenzt, öffentlich-ruhig (15–30 Minuten, Café/Spaziergang). Kein „Wir müssen reden“ und keine „letzte Chance“-Rhetorik.
  • Formulierung: „Wenn du in den nächsten Wochen mal 15–20 Minuten auf einen Kaffee magst – ich würde hallo sagen. Wenn nicht, alles gut.“
  • Timing: Dienstag–Donnerstag, 16:30–18:30 vorschlagen, mit zwei Terminvorschlägen und einer offenen Alternative.

Wie viele Nachrichten? Frequenz und Eskalationsstufen

  1. Erste Nachricht: 1–3 Sätze. Warte dann ab. Keine zweite Nachricht vor 7–10 Tagen.
  2. Antwort erhalten? Spiegele die Länge/Tonalität. Kein „Zu viel zu schnell“.
  3. Kein Reply? Ein einziges Follow-up nach 7–10 Tagen: „Kurz zur Sicherheit, meine Nachricht ist angekommen? Falls gerade unpassend, alles gut – ich wollte nur nicht störend sein.“ Danach pausiere mindestens 21–30 Tage.

Rationale: Forschungen zu Reaktanz und digitaler Misskommunikation stützen eine zurückhaltende, klare, non-invasive Staffelung (Brehm, 1966; Kruger et al., 2005).

Mini-Psychologie-Checks vor dem Senden

  • Herzschlag hoch? Dann 20 Minuten Pause (Gottman & Levenson, 1992). Lies die Nachricht nach der Pause erneut.
  • „Negativfilter“-Test: Stell dir vor, dein Ex liest es gestresst. Könnte es belehrend/fordernd wirken? Falls ja, kürze/neutralisiere.
  • „Langzeit-Ich“-Test: Würde dein ruhiges Ich in 3 Monaten diese Nachricht unterstützen? Wenn nein, nicht senden.

Social Media und Timing: Ein unterschätzter Faktor

Studien zeigen, dass das Beobachten des Ex auf Social Media Distress verlängert und die emotionale Regeneration behindert (Tokunaga, 2011; Marshall et al., 2013). In der Reset-Phase gilt:

  • Unfollow/ stummschalten für mindestens 30 Tage.
  • Keine indirekten Signale (Storys mit doppeltem Boden). Das ist reaktanzfördernd und wirkt manipulativ.
  • Erst nach stabilen Reaktionen wieder schrittweise Sichtbarkeit erhöhen – aber nicht als Ersatz für echte, direkte, respektvolle Nachrichten.

Der Unterschied zwischen Kontaktbedarf und Kontaktfähigkeit

Du kannst dich sehr nach Kontakt sehnen (Bedarf), aber noch nicht in der Lage sein, ihn konstruktiv zu gestalten (Fähigkeit). Fähigkeit zeigt sich an: ruhigem Körper, klaren Sätzen, realistischer Erwartung. Es ist okay, zu warten. Das erhöht nicht nur deine Chancen, sondern schützt auch euch beide vor Rückschritten.

Wenn Menschen physiologisch überflutet sind, hören und lesen sie die Welt als Bedrohung. Eine 20-minütige Pause kann die Biologie so weit beruhigen, dass wieder Verständnis möglich ist.

Dr. John Gottman , Beziehungsforscher

Der „Grüne Bereich“ für dein timing nachricht ex

  • Deine Emotion: 3–5/10 (ruhige Grundspannung, kein Sturm).
  • Ihre Signale: neutral bis leicht offen.
  • Kontext: Wochentag/ Uhrzeit passend, keine externen Stressoren (Prüfungen, Deadlines) bekannt.
  • Nachricht: kurz, freundlich, ohne Beziehungsagenda.

Wenn diese vier erfüllt sind, bist du im grünen Bereich. Wenn nicht, verschiebe. Timing ist nichts anderes als die Fähigkeit, die Bedingungen eines guten Kontakts zu schaffen.

Beispiele für gute und schlechte Nachrichten

  • Schlecht: „Wir müssen reden. Ich halte das Schweigen nicht mehr aus.“ – Druck, Angstabfuhr.
  • Besser: „Ich wollte kurz Hallo sagen. Ich hoffe, es geht dir gut. Wenn du Lust hast, melde dich gern – kein Stress.“
  • Schlecht: „Ich weiß, du willst nichts mehr, aber bitte gib mir eine Chance!“ – Reaktanz-Trigger.
  • Besser: „Danke für [konkrete Sache]. Ich hab es geschätzt.“
  • Schlecht: „Übrigens, ich habe jetzt auch jemanden kennengelernt“ (Eifersuchtstaktik) – manipulativ, zerstört Vertrauen.
  • Besser: Sag nichts über Dating. Halte die erste Nachricht frei von Vergleichen.

Micro-Details, die große Wirkung haben

  • Rechtschreibung/Format: Sorgfältig, aber nicht überperfekt (keine gestelzte Form). Emojis sparsam, maximal 1 neutrales/ freundliches, wenn es natürlich ist.
  • Lesequittungen: Deaktiviere, wenn dich „Gesehen“-Signale triggern.
  • Foto/Profilbild: Neutral, nicht sexualisiert, nicht „Ich bin super glücklich ohne dich“-Botschaft.

Die Psychologie hinter Geburtstags- und Feiertagsnachrichten

Geburtstage sind Sonderfälle. Viele wollen diese Chance nutzen. Bedenke:

  • Erwartungsfalle: Du hoffst unbewusst auf „Danke, lass uns reden“. Bleibt das aus, fällst du tiefer.
  • Timing: Wenn du grüßt, dann kurz, neutral, ohne Frage. Kein „Wie geht’s?“. Beispiel: „Alles Gute zum Geburtstag! Ich wünsche dir einen schönen Tag.“ Punkt. Kein mehr.
  • Alternative: Wenn Reset kurz vor dem Geburtstag endet, verschiebe die erste Nachricht um 1–2 Wochen. Es ist oft besser, nicht an einem emotional aufgeladenen Tag einzusteigen.

Das „Warum“ hinter deiner Nachricht ehrlich prüfen

Frage dich: Schreibst du, um etwas zu geben (Wärme, kurze Info) – oder um etwas zu bekommen (Sicherheit, Bestätigung)? Ersteres öffnet Türen, letzteres schließt sie. Dein timing nachricht ex ist nur dann reif, wenn du in einer gebenden Haltung schreiben kannst, ohne Gegenleistung zu erwarten.

Häufige Mythen entlarvt

  • Mythos: „Wenn ich warte, verliert er/sie das Interesse.“ – Realität: Unregulierter Kontakt zerstört schneller Interesse als eine respektvolle Pause. Bindungs- und Trennungsforschung stützt die Wirkung von Abstand auf spätere Kooperationsbereitschaft (Sbarra & Emery, 2005).
  • Mythos: „Ich muss jetzt alles erklären.“ – Realität: Die erste Nachricht ist kein Tribunal, sondern ein Türklopfen. Erklärungen gehören in ein vorbereitetes Gespräch, nicht in einen Chat.
  • Mythos: „Eine super-kreative Nachricht rettet alles.“ – Realität: Timing > Inhalt. Selbst die beste Zeile scheitert, wenn der Moment falsch ist.

Deine Entwicklung während der Funkstille: Was du tun kannst

  • Körper: Schlafrhythmus, regelmäßige Bewegung, Kaffee/Alkohol moderat. Körperzustand = Emotionsfilter.
  • Geist: Journaling, kognitive Umstrukturierung (z. B. Reframing), Medienkonsum bewusst.
  • Soziales: Sichere Bindungen aktivieren (Freunde, Familie). Co-Regulation ist ein Schutzfaktor (Sbarra & Hazan, 2008).
  • Sinn: Kleine Projekte, Mastery-Erlebnisse. Stärkt Selbstwirksamkeit und vermindert das „Rettungs“-Begehren.

Leitfaden für die ersten drei Wochen nach dem Senden

  • Tag 0: Sende im guten Fenster. Danach: Handy weg, spazieren, kein Starren aufs Display.
  • Tage 1–3: Wenn Antwort kam, spiegele Ton/Länge. Wenn keine kam – nicht nachsetzen.
  • Tage 4–7: Reflektiere. Frage dich: Warum möchtest du jetzt ein Follow-up? Wenn es Angst ist: warten.
  • Tage 7–10: Ein einziges, leichtes Follow-up ist okay. Danach 21–30 Tage Pause.

Kommunikation bei gemeinsamer Logistik (Kinder, Haustiere, Wohnung)

  • Trenne strikt: Logistikkanal (kurz, sachlich) vs. Privatkanal (erst später, wenn reif). Vermische niemals.
  • Beispiel: „Arzttermin verschoben auf 15:30. Ich fahre. Bestätigung folgt.“ Nicht: „Übrigens, ich vermisse dich.“
  • So schützt du das Vertrauen – besonders wichtig bei Co-Parenting.

Wenn du blockiert wurdest

  • Bedeutung: Hohe Reaktanz/Schutz. Lösung: Totalpause, nicht „durch andere Kanäle“ drängen.
  • Wenn Entblockieren nach Monaten: Erst eine sehr respektvolle, kurze Nachricht, die die vorherige Grenze anerkennt. Sonst warte weiter.

Was, wenn du schon zu früh geschrieben hast?

  • Schritt 1: Stoppen. Keine Erklärungsflut.
  • Schritt 2: Kurze, verantwortungsvolle Meta-Nachricht (optional): „Ich merke, ich habe zu früh geschrieben. Ich respektiere deinen Raum und melde mich vorerst nicht.“ Dann Funkstille.
  • Schritt 3: Nutze die Zeit für echte Stabilisierung. Späterer Erstkontakt hat noch Chancen, wenn du das Muster brichst.

Mini-Fälle: Was ist jetzt der richtige Tag?

  • Du weißt, dein Ex hat Montag Team-Meeting-Marathon: Nicht Montag.
  • Du hast selbst Dienstagabend Sport – gut! Schicke kurz vorher, damit du danach beschäftigt bist.
  • Feiertage vor der Tür: Verschieben. Emotionaler Lärm verfälscht Antworten.

Wie du mit deiner Angst arbeitest, bevor du sendest

  • 4-7-8-Atmung 3–5 Runden.
  • Nachricht laut vorlesen – klingt sie ruhig?
  • Zwei Freund:innen lesen lassen mit Anweisung: „Such bitte nach Druckwörtern.“

Dynamiken nach Bindungsstil anpassen

  • Ex vermeidend: Längeres Reset (45–60 Tage). Erste Nachricht ohne Bitte um Treffen. Keine Doppelnachricht. Viel Raum lassen.
  • Ex ängstlich: Etwas kürzeres Reset (21–30 Tage), aber klare, konsistente Signale. Keine Ambivalenz.
  • Du selbst ängstlich: Warte, bis du keine sofortige Rückversicherung brauchst. Sonst rutschst du in Protestmuster.
  • Du selbst vermeidend: Schreib nicht nur, um „Gewissen zu beruhigen“. Sei konkret, freundlich, verlässlich – sonst wirkst du wieder entziehend.

Mentale Modelle, die dir helfen

  • Fenster der Toleranz: Schreib nur, wenn du im mittleren Erregungsbereich bist – nicht hypo- (leer) oder hyper-erregt (panisch).
  • 80/20-Regel: 80% Timing und Ton, 20% Inhalt. Das schützt vor Überoptimierung der Worte.
  • Behavior over time: Nicht die erste Nachricht entscheidet alles, sondern das Muster der nächsten Wochen.

Fortgeschritten: Wenn ihr euch zufällig trefft – was bedeutet das fürs Timing?

  • War das Treffen warm/neutral? Gut. Warte 3–7 Tage, dann ein kurzer Bezug (nicht sofort, nicht noch am selben Abend).
  • War es angespannt? Verlängere Reset um 14–21 Tage.

Kurzdiagnose: Bist du kurz davor, zu früh zu schreiben?

  • Du checkst minütlich „zuletzt online“.
  • Du hast drei verschiedene Nachrichtenversionen in den Notizen und willst sie noch „perfekter“ machen.
  • Du fantasierst über sofortige Versöhnung nach der ersten Nachricht.

Wenn zwei dieser drei Punkte zutreffen – verschiebe. Dein timing nachricht ex ist noch nicht reif.

Beispiele für Follow-up-Nachrichten (nach 7–10 Tagen ohne Antwort)

  • „Ich weiß, du hast viel um die Ohren. Wollte nur kurz sicher sein, dass meine letzte Nachricht angekommen ist. Keine Eile – falls es gerade nicht passt, ist das okay.“
  • „Kein Stress – ich wollte nur Hallo gesagt haben. Ich wünsche dir eine gute Woche.“

Wenn danach weiterhin Funkstille herrscht: Akzeptiere. Respekt schützt Würde – und seltsamerweise auch langfristige Chancen.

Antwortmatrix: Was du je nach Reaktion tust

  • Kurz und neutral („Danke“, „Alles gut“):
    • Antworte ebenfalls kurz. Beispiel: „Gern. Hab einen entspannten Abend.“ Danach mindestens 3–5 Tage Ruhe.
  • Warm und interessiert („Wie geht’s dir?“, Anschlussfragen):
    • Spiegle Interesse, bleib leicht. Zwei bis drei kurze Ping-Pong-Nachrichten, dann Gespräch freundlich beenden. Ziel: Unterbreche im Hoch, nicht im Streit.
  • Lang, defensiv oder vorwurfsvoll:
    • Erkenne an, ohne Debatte. „Danke, dass du ehrlich bist. Ich respektiere deine Sicht. Lass uns das nicht im Chat ausdiskutieren.“ Danach Pause.
  • Keine Antwort:
    • Kein Nachsetzen vor Tag 7. Ein neutrales Follow-up, dann 21–30 Tage Pause.

Wenn dein Ex sich zuerst meldet: Timing spiegeln

  • Geschwindigkeit matchen: Antworte nicht schneller als sie/er – gleiche das Tempo an (z. B. Antwort nach 2–6 Stunden statt in 2 Minuten).
  • Ton matchen: Warm auf warm, neutral auf neutral. Vermeide plötzliche Eskalation („Lass uns reden!“) beim ersten Ping.
  • Inhalt filtern: Kein Beziehungstalk im ersten inbound-Kontakt. Bedanke dich, beantworte konkret, dann freundlich schließen.

Kanal-spezifische Taktiken (WhatsApp, SMS, IG-DM)

  • WhatsApp/iMessage: Gut wegen Vertrautheit. Deaktiviere Lesequittungen, wenn sie dich stressen.
  • SMS: Minimalistisch, gut bei Distanz/neutralem Ton. Kein Roman.
  • Instagram/DM: Nicht als Erstkontakt. Zu öffentlich/ambivalent. Erst später, wenn direkter Kanal funktioniert.
  • Voice-Memos/Anruf: Erst nach stabilen Text-Exchanges und expliziter Zustimmung („Passt ein kurzes Voicemail?“).
  • Nachrichten löschen/bearbeiten: Nicht nutzen, um „zu perfektionieren“. Es schafft Misstrauen, falls bemerkt.

Sprachliche Feinheiten: Druckwörter vermeiden – Alternativen

  • Vermeiden: „müssen“, „sofort“, „immer/nie“, „Beweis“, „schuld“, „warum hast du…“.
  • Besser: „kann“, „wenn es passt“, „manchmal“, „ich nehme wahr“, „ich verstehe“, „magst du…“.
  • Schlussfloskeln mit Raum: „Kein Stress/kein Muss“, „nur als kleines Hallo“, „Antwort, wenn’s dir passt“.

Selbstregulation vor dem Senden: 5-Minuten-Toolkit

  • Labeling (Gefühle benennen): Schreibe 3 Wörter zu deinem Zustand („traurig, angespannt, hoffnungsvoll“). Das reduziert Amygdala-Reaktivität (Lieberman et al., 2007).
  • Distanzierte Perspektive: Formuliere in der „Du-wirst“- oder „Name“-Form („[Dein Name], du schaffst das ruhig anzugehen“). Hilft gegen Grübelschleifen (Kross & Ayduk, 2017).
  • Reappraisal: Rahme um („Diese Nachricht ist nur ein freundliches Klopfen, kein Test meiner Würde“; Gross, 1998/2015).
  • Urge Surfing: Warte 10 Minuten, beobachte den Impuls, statt ihm zu folgen (Linehan, 2014).
  • Mini-Physio: 60–90 Sekunden langsames Ausatmen (länger aus als ein). Senkt Arousal – gut fürs Timing.

90-Tage-Fahrplan in Kurzform

  • Tage 0–3: Akutruhe, kein emotionaler Kontakt.
  • Tage 3–30: Reset, Selbstfürsorge, Social-Media-Pause, Bindungsstil reflektieren.
  • Tage 30–45: Stabilisierung, kleine neutrale Berührungen nur bei klaren Signalen.
  • Tage 45–60: Erstnachricht im grünen Fenster. Danach ruhiger Aufbau.
  • Tage 60–90: Drei bis fünf leichte Exchanges, dann eine kleine Einladung (15–20 Minuten). Verhalten über Zeit statt große Gesten.

Fortgeschritten: Zeitmuster des Ex erkennen – ohne Obsession

  • Antwortrhythmus beobachten: Reagiert dein Ex eher abends oder mittags? Richte dein Sende-Fenster danach aus – maximal anlehnen, nicht kopieren.
  • Inhalts-Resonanz: Worauf gab es Reaktionen (Sachliches, Empfehlungen, Humor)? Baue auf dem, was Leichtigkeit erzeugt, nicht auf „Trigger“-Themen.
  • Dosis-Feingefühl: Wenn Antworten kürzer werden oder sich verzögern, reduziere Frequenz oder pausiere – Timing heißt auch, Stopp-Signale früh zu beachten.

14-Tage-Plan nach positiver Antwort

  • Tag 0–1: Kurz bedanken, 2–3 Sätze, Gespräch freundlich schließen („Ich muss gleich los, wünsch dir einen ruhigen Abend“).
  • Tag 2–3: Ein leichter Ping, der an das vorherige Thema anknüpft, ohne Anspruch.
  • Tag 4–6: Kein tägliches Schreiben. Ein kurzer Austausch im gleichen Ton.
  • Tag 7–10: Mini-Invitation skizzieren („Wenn es passt, 15 Minuten Kaffee nächste Woche?“) – nur bei warmem Ton.
  • Tag 11–14: Wenn kein Treffen – weiter leicht bleiben oder eine kleine Pause setzen, statt Druck aufzubauen.

Timing-Score: 10-Punkte-Check vor dem Senden

  • Schlaf letzte 3 Nächte ausreichend?
  • Kein akuter Kater/Übermüdung?
  • Herzrate/Anspannung vor dem Senden moderat?
  • Kein großer externer Stressor heute?
  • Nachricht ist 1–3 Sätze?
  • Kein Beziehungsthema enthalten?
  • Wochentag/ Uhrzeit im grünen Fenster?
  • Plan B nach dem Senden vorhanden (Sport, Freunde)?
  • Erwartungshaltung realistisch (keine „sofortige Lösung“)?
  • Respekt der Grenzen gewährleistet (kein „Bitte melde dich nicht“ ignoriert)?

Mindestens 8/10 = gutes Go. Sonst nachjustieren.

Grenzfälle: Ghosting, Breadcrumbing, Mixed Signals

  • Ghosting (keine Antwort über Wochen): Ein einziges Follow-up nach 7–10 Tagen, danach 30 Tage Pause. Kein Kanalwechsel.
  • Breadcrumbing (sporadische, unverbindliche Pings): Antworte freundlich, aber spiegele Invest. Kein langes Chatten ohne Substanz. Setze klare, kleine Einladungen oder pausiere.
  • Mixed Signals: Achte auf Konsistenz über 2–3 Wochen, nicht auf einzelne Nachrichten. Timing-Anpassung: Weniger Frequenz, mehr Raum.

Anhang: Mini-Liste hilfreicher Formulierungen ohne Druck

  • „Nur als kurzes Hallo – antworte, wenn’s dir passt.“
  • „Kein Muss, nur ein Gedanke: …“
  • „Gern auch später/anders – völlig ok.“
  • „Ich respektiere, wenn du gerade keinen Kopf dafür hast.“
  • „Kein Stress – ich wollte das nur angeboten haben.“

FAQ – Erweiterung

Nur wenn es Kontext braucht (lange Funkstille, gleicher Name in Kontakten). Sonst wirkt es förmlicher als nötig.

Trenne Logistik von Privatem. Erst Dinge klären, ruhig und knapp. Ein privates Hallo frühestens nach mehreren sachlich guten Austauschen.

Lieber nicht. Bilder tragen viel Interpretation. Ein klarer, kurzer Text ist in der Regel sicherer. Später kann ein neutrales Foto (z. B. vom Café, das ihr mochtet) ergänzend passen.

Ignoriere sie. Sende bewusst, lege das Handy weg. Live-Monitoring erhöht Nervosität und führt oft zu Nachschieben.

Nimm das Tempo auf, ohne Vorwurf. „Danke für deine Rückmeldung – alles gut. Ich hoffe, deine Woche läuft ok.“ Kein „Warum so spät?“.

Ja, aber nur nach expliziter Zustimmung und wenn Text stabil funktioniert. Maximal 30–60 Sekunden, klar, freundlich, ohne Beziehungsthemen.

Fazit: Hoffnung mit System

Timing ist keine Magie, sondern die Kunst, psychologische Bedingungen zu berücksichtigen. Du nutzt Abstand, um die Biologie zu beruhigen, die Bindungssysteme zu deeskalieren und Reaktanz zu senken. Dann sendest du eine leichte, respektvolle erste Nachricht – zum richtigen Zeitpunkt, im richtigen Fenster. Du kannst das. Dein „timing nachricht ex“ ist die stille, aber mächtige Variable. Erzeuge kleine, gute Momente – ohne Druck, ohne Eile. Und egal, wie dein Ex reagiert: Dein respektvoller Umgang mit Raum und Zeit ist immer ein Gewinn – für eure Chancen, und für deine eigene Würde.

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