Ex als Arbeitskollege: No Contact unmöglich?

Ex im selben Büro – No Contact geht nicht? So funktioniert Low Contact im Job trotzdem.

22 Min. Lesezeit Kontaktsperre

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du siehst deinen Ex täglich im Büro oder in Zoom-Meetings. Eine klassische Kontaktsperre (No Contact) scheint unmöglich – und doch brauchst du Abstand, um zu heilen und womöglich wieder attraktiv zu wirken. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du mit einer wissenschaftlich fundierten Low-Contact-Strategie im Arbeitskontext deine Gefühle stabilisierst, professionell bleibst und deine Chancen auf eine spätere Wiederannäherung nicht verbaust. Wir kombinieren Erkenntnisse aus Bindungsforschung (Bowlby, Ainsworth, Hazan & Shaver), Neurochemie der Liebe (Fisher, Acevedo, Young), Emotionsregulation (Gross) und Trennungspsychologie (Sbarra, Field, Marshall) – und übersetzen sie in klare, alltagstaugliche Schritte. Mit realistischen Szenarien, Textbausteinen, Checklisten und einem 90-Tage-Plan.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum dich der Ex im Büro so triggert

Wenn du deinen Ex als Arbeitskollege täglich siehst, erlebst du ein psychologisches Spannungsfeld, das aus drei starken Quellen gespeist wird: Bindungssystem, Belohnungssystem und Stresssystem.

  • Bindungssystem: Nach der Bindungstheorie (Bowlby; Ainsworth) werden romantische Partner innere Sicherheitssysteme. Trennungen aktivieren „Bindungsalarm“. Du bist besonders sensibel für alles, was den Ex betrifft (Hazan & Shaver). Ein kurzes Lächeln kann Hoffnung auslösen, ein neutrales „Hallo“ Angst – dein Gehirn sucht nach Bindungshinweisen.
  • Belohnungssystem: fMRI-Studien zeigen, dass Liebesverlust Areale des Belohnungssystems anspringen lässt, ähnlich wie Suchtprozesse (Fisher et al., 2010). Jede Begegnung mit deinem Ex ist wie ein „Cue“ – ein Auslöser, der Cravings und Zwangsgedanken verstärken kann.
  • Schmerz- und Stresssystem: Soziale Zurückweisung und Trennungsschmerz überlappen neurobiologisch mit körperlichem Schmerz (Kross et al., 2011). Gleichzeitig erhöht die Arbeitsumgebung den Stresspegel (Allostatic Load; McEwen), was die Emotionsregulation erschwert.

Das Ergebnis: Du bist im Büro simultan getriggert, süchtig nach kleinen Signalen, unter Druck zu funktionieren – und oft gezwungen, professionell mit genau der Person zu kooperieren, die den größten inneren Alarm auslöst. Klassische Kontaktsperre dient normalerweise dazu, diese Systeme zu beruhigen. Im Arbeitskontext braucht es daher eine angepasste Form: eine strategische, strukturierte Low-Contact-Lösung.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit. Entzug wirkt – aber Auslöser im Alltag können Rückfälle triggern.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Warum eine klassische Kontaktsperre hier nicht immer möglich – aber trotzdem sinnvoll ist

Kontaktsperre reduziert Reize, um dein Bindungs- und Belohnungssystem zu beruhigen. Studien zeigen: Weniger Kontakt und weniger Ruminieren beschleunigen die Anpassung nach Trennungen (Sbarra, 2006; 2008). Doch bei einem Ex als Arbeitskollege brauchst du Koordination, Projekte, Deadlines – du kannst nicht komplett verschwinden. Die Lösung: Eine „Arbeits-Kontaktsperre“ (Low Contact) mit glasklaren Regeln.

  • Ziel: Maximaler emotionaler Abstand bei minimal notwendiger, sachlicher Zusammenarbeit.
  • Prinzip: Du behandelst deinen Ex wie jeden anderen Kollegen – freundlich, kurz, informativ, ohne private Inhalte.
  • Effekt: Du reduzierst „Cue Exposure“ (Auslösersituationen), vermeidest Hoffnungs- und Eifersuchts-Spiralen und signalisierst zugleich Reife und Professionalität – das erhöht langfristig deine Attraktivität und schützt deine mentale Gesundheit.

Klassische Kontaktsperre (privat)

  • Kein Kontakt, keine Nachrichten
  • Unfollow/Hide in Social Media
  • Fokus auf Heilung, Distanz, neue Routinen
  • Ziel: Nervensystem beruhigen

Arbeits-Low-Contact (im Job)

  • Nur arbeitsbezogene Kommunikation
  • Schriftlich bevorzugen (E-Mail/Tool)
  • BIFF-Stil: kurz, informativ, freundlich, bestimmt
  • Keine privaten Gespräche, klare Grenzen

Neuro- und Emotionsregulation: Was dir konkret hilft

  • Reizkontrolle: Nutze „Stimulus Control“ – vermeide unnötige gemeinsame Räume. Setze dich in Meetings nicht direkt neben deinen Ex. Nutze Headset, wechsle Schichten, bitte um neutrale Sitzordnung.
  • Emotionsregulation (Gross): Reappraisal hilft – interpretiere neutrale Signale nicht als Zurückweisung oder Einladung. Beispiel: „Er hat nicht gelächelt“ wird zu „Er ist im Arbeitsmodus“. Suppression (Gefühle unterdrücken) kann kurzfristig funktionieren, ist langfristig aber mit höherem Stress verbunden. Besser: kurze, gezielte Regulation (Atmung, Bodyscan) und Reappraisal.
  • Gedankenkontrolle: „Nicht an X denken“ macht es schlimmer (Wegner). Setze stattdessen Wenn-Dann-Pläne: „Wenn ich an sie denke, dann schreibe ich drei Bullet Points für mein aktuelles Ticket.“
  • Rumination reduzieren: Grübeln verlängert Schmerz (Nolen-Hoeksema). Begrenze „Ex-Denken“ auf 2×10 Minuten „Sorgefenster“ pro Tag. Nutze dann Journaling oder Pennebaker-Expressive-Writing (15–20 Minuten) für Emotionsverarbeitung.
  • Schlaf, Bewegung, Ernährung: Schlafdefizit reduziert Emotionsregulation; regelmäßige Bewegung normalisiert Dopamin/Serotonin; stabile Mahlzeiten mindern Cortisolspitzen. Es ist unspektakulär – aber neurobiologisch hochwirksam.

1 Ziel

Täglich 1 klar definierter Low-Contact-Schritt (z. B. BIFF-E-Mail, Sitzordnung)

-75%

Ziel: 75% weniger private Mikro-Interaktionen im Büro in 30 Tagen

90 Tage

Strukturierte Arbeits-Kontaktsperre nach Plan stabilisiert Nerven und Wirkung

Wichtig: „-75%“ ist ein persönliches Zielwert-Beispiel, kein medizinischer Richtwert. Passe Ziele an deine Realität an; kleine, konstante Schritte zählen.

Das Arbeits-Low-Contact-Protokoll (ALCP)

Das ALCP ist ein praktischer Rahmen für 30–90 Tage. Du kannst es länger nutzen, wenn nötig – oder anpassen, wenn die Zusammenarbeit intensiver ist.

Kommunikationskanäle
  • Primär schriftlich: E-Mail, Projekt-Tools (Jira, Asana, Teams). Vorteil: asynchron, sachlich, dokumentiert.
  • Mündlich nur, wenn nötig: Dann standing-only, kurz, am besten mit drittem Teammitglied oder im Meetingraum (Tür offen). Ziel: keine intimen 1:1-Situationen.
BIFF-Stil (Brief, Informative, Friendly, Firm)
  • Kurz: 3–5 Sätze
  • Informativ: nur Fakten, Aufgaben, Termine
  • Freundlich: neutraler Tonfall
  • Bestimmt: eindeutige Bitte/Entscheidung

Beispiel: „Hi Alex, hier die aktualisierte Roadmap (v1.2). Bitte bestätige bis Do 12 Uhr, ob du die zwei Tickets übernimmst. Danke, Lea.“

Themenfilter
  • Erlaubt: Deadlines, Aufgaben, Schnittstellen, Ressourcen, Risiken, Entscheidungen
  • Nicht erlaubt: Gefühle, Beziehung, Dating, Eifersucht, Vorwürfe, Andeutungen, Rückblicke
Strukturelle Distanz
  • Sitzordnung ändern, Blickachsen reduzieren (kein Dauer-Blickkontakt), Pausen versetzen, Kantine auf andere Uhrzeit, andere Liftbank.
  • Remote: Kamera nur an, wenn erforderlich; bei 1:1-Calls Bildschirm teilen, um Fokus auf Content zu halten.
Social Boundaries
  • Keine Vertraulichkeiten, keine gemeinsamen privaten Mittagessen
  • Small Talk kurz halten; neutral („Wie war die Präsentation bei Kunde X?“) statt privat („Und, wie war dein Date?“)
  • Team-Gossip ignorieren; antworte professionell: „Dazu gibt es nichts zu sagen, lass uns beim Projekt bleiben.“
Trigger-Notfallplan
  • Atemanker: 4-6-8-Atmung 2 Minuten
  • Bodyscan: Füße, Beine, Sitzfläche bewusst wahrnehmen
  • Formel: Wahrnehmen – Benennen – Umlenken („Ich spüre Druck im Brustkorb“, „Das ist Trennungsschmerz“, „Jetzt fokussiere ich Folie 5“)
Wochenreflexion
  • 10 Minuten pro Woche: Was hat getriggert? Was hat geholfen? Was ist nächste Woche 1% besser?

90-Tage-Fahrplan: Von Akut zu Stabil

Phase 1

Tage 1–7: Akut-Entzug trotz Büro

  • Sichtkontakte minimieren, Meetings strukturieren
  • Nur schriftliche Kommunikation, BIFF-Schablone vorbereiten
  • Social Media muten (Ex + geteilte Kontakte)
  • Erste Notfallroutine üben (Atmung, Bodyscan)
Phase 2

Tage 8–30: Low-Contact festigen

  • Sitzordnung/Schichten/Nutzungswege anpassen
  • 2×10 Minuten Sorgefenster, Expressive Writing 3×/Woche
  • Fokus auf Selbstwirksamkeit: 1 Micro-Win pro Tag
  • Prüfen: Gibt es unnötige Schnittstellen, die verlegt werden können?
Phase 3

Tage 31–60: Reappraisal und Kompetenzaufbau

  • Reappraisal trainieren („neutral statt Ablehnung“)
  • Boundary-Statements üben: „Darüber spreche ich im Büro nicht.“
  • Aufgabengüte erhöhen: Qualität, Zuverlässigkeit, ruhige Präsenz
  • Optional: Supervisor/HR für neutrale Struktur einbinden
Phase 4

Tage 61–90: Stabilisieren und evaluieren

  • Low-Contact wird zur Norm
  • Rückfallprävention: Wenn-Dann-Pläne verfeinern
  • Entscheidung: Kurs halten, Wechsel vornehmen (Team/Projekt), oder vorsichtiges Reconnecting außerhalb des Büros langfristig prüfen (nur wenn emotional stabil)

Kommunikationsleitfaden mit Beispielen

Die häufigsten Stolpersteine sind Ton, Länge und Grenzverletzungen. Nutze die BIFF-Form, plus klare Textbausteine.

  • Meeting-Anfrage
    • Richtig (BIFF): „Hi Sam, Vorschlag: Do 10:30–10:45 für Status. Agenda: Ticket 34, Risiko A, Freigabe B. Passt?“
    • Falsch: „Wir müssen dringend reden. Es ist so viel offen…“
  • Deadlines klären
    • Richtig: „Bitte bestätige die Übergabe bis 16 Uhr. Falls blockiert, kurze Notiz mit Grund.“
    • Falsch: „Warum meldest du dich nie rechtzeitig?“
  • Private Anläufe abwehren
    • Richtig: „Dafür ist hier nicht der Rahmen. Lass uns beim Projekt bleiben.“
    • Alternative: „Darüber spreche ich im Büro nicht. Welche Schritte brauchen wir für das Release?“
  • Schnippische Bemerkung entkräften
    • Richtig: „Ich möchte sachlich bleiben. Konkrete Punkte bitte auflisten.“
    • Falsch: „Ach, du warst doch immer so…“
  • Dank + Grenze
    • Richtig: „Danke für die Slides. Für inhaltliches Feedback nutze ich den Thread, nicht den Chat.“
  • Reise/Offsite
    • Richtig: „Ich buche getrennte Anreise/Unterkunft. Für die Agenda nehme ich Slot 2.“

Praktische Szenarien aus dem Arbeitsalltag

  • Sarah (34), Marketing, Ex im selben Team
    • Problem: Dailys, Schulter an Schulter, er flirtet passiv-aggressiv.
    • Lösung: Sitzplatzwechsel, Kamera nutzen für Hybrid-Dailys, Moderator-Rolle beantragen, um Fokus auf Aufgaben zu lenken. Standardphrase: „Ich bleibe bei den Tickets.“ Ergebnis nach 3 Wochen: weniger Blickkontakte, weniger Grübeln abends.
  • Leon (38), IT, Ex ist Product Ownerin
    • Problem: Abhängigkeit für Freigaben, private Sticheleien im Review.
    • Lösung: Freigaben per Tool-Workflow erzwingen, Review-Checkliste vorab teilen. Klare Bitte: „Bitte nur Akzeptanzkriterien.“ Bei Verstoß: „Ich trenne Inhalt und Privates. Zurück zu AK1–3.“
  • Aylin (29), Pflege, Ex im Schichtdienst
    • Problem: Nächtliche Trigger, Übergaben emotional.
    • Lösung: Übergabe-Checkliste laminieren, Smalltalk abschaffen. Bei Tränen: kurzer Rückzug mit Atemroutine. Kollegin als Co-Übergabe bitten.
  • Jonas (41), Produktion, Ex in anderer Abteilung, täglich Kantine
    • Problem: Kantinenbegegnungen.
    • Lösung: Andere Zeiten, Lunchbox, Pausenhof wechseln. Wenn Begegnung: Kopfnicken, weitergehen, Fokus-Anker „3 Dinge, die ich sehe/höre/spüre“.
  • Mia (32), Start-up, Ex im Open Space, After-Work-Kultur
    • Problem: Druck, mitzutrinken, Eifersucht.
    • Lösung: Teilnahme begrenzen (30 Minuten), klare Exit-Strategie, Wasser statt Alkohol. Netzwerkgespräche über Produkte statt Privat.
  • Daniel (45), Lehrkraft, Ex-Kollegin im Lehrerzimmer
    • Problem: Flüstern im Kollegium.
    • Lösung: Neutraler Standardsatz: „Wir arbeiten professionell zusammen, mehr gibt es nicht zu sagen.“ Proaktiver Fokus auf Projekte (AG, Fachschaft).
  • Julia (27), Azubi, Ex ist Ausbilder
    • Problem: Machtgefälle, private Fragen.
    • Lösung: Sofort HR/Vertrauensperson einbinden, schriftliche Kommunikation, Begleitung zu Beurteilungsgesprächen. Klare Grenzen: „Gespräche nur in Präsenz mit Dritten.“
  • Tim (36), Teamleiter, Ex im Team
    • Problem: Macht und Fürsorge kollidieren.
    • Lösung: Delegation von 1:1-Gesprächen an Co-Lead, Transparenz im Team, Entscheidungsmatrix nach objektiven Kriterien.
  • Kira (33), HR, Ex in Recruiting-Prozessen
    • Problem: Vertraulichkeitskonflikte.
    • Lösung: China Wall – Dossiers nur über Ticket-System, keine privaten Chats, kollegiale Fallberatung.
  • Markus (39), Vertrieb, Ex reist mit zu Kunden
    • Problem: Reiseintimität, Hotelbar.
    • Lösung: Getrennte Flüge/Züge/Hotels. Kundenmeetings strikt nach Agenda, private Gespräche vermeiden. Frühe Nachtruhe statt Bar.

Trigger-Management: Was tun in der Sekunde X?

  • Mikro-Atem: 4 Sekunden ein, 6 halten, 8 aus, 4–6 Zyklen. Senkt Sympathikusaktivität.
  • Benennen statt Bekämpfen: „Da ist Eifersucht.“ Studien zeigen, dass Affektlabeling die Amygdala-Reaktivität reduziert.
  • Reappraisal-Reihe: „Er ignoriert mich“ → „Er arbeitet fokussiert“ → „Mein Job ist jetzt wichtiger.“
  • Urge Surfing: Welle kommt, Welle geht. 90 Sekunden-Regel: Emotionen haben eine Peak-Welle; nicht handeln, nur surfen.
  • Ersatzhandlung: 10 Push-ups am Waschraum, kaltes Wasser ins Gesicht, 3 E-Mails abarbeiten.

Wenn du Anzeichen einer Depression, Panikattacken oder massiver Arbeitsunfähigkeit bemerkst, suche professionelle Hilfe (Hausarzt, Psychotherapie, Betriebsarzt). Sicherheit und Gesundheit gehen vor jeder Strategie.

Grenzen klar kommunizieren – ohne Drama

Grenzen sind dann wirksam, wenn sie konkret, konsistent und freundlich sind.

Formulierungen:

  • „Ich wünsche mir, dass wir im Büro ausschließlich über Arbeit sprechen.“
  • „Bitte nutze für fachliche Punkte nur E-Mail/Tool.“
  • „Private Themen klären wir nicht hier.“
  • „Ich antworte auf Arbeitsnachrichten innerhalb von 24 Stunden, auf private nicht.“

Konsequenzen:

  • Privatnachricht? Nicht beantworten oder eine einmalige Grenzantwort senden, dann konsequent ignorieren.
  • Unangemessener Kommentar im Meeting? „Ich bleibe beim Thema.“ Wiederholung: „Wir protokollieren nur Sachpunkte.“

Team, Gossip und soziale Dynamik

Trennungen im Team sind soziale Ereignisse. Vermeide drei Fallen: Rechtfertigen, Allianzen schmieden, Ex abwerten.

  • Standardantwort: „Wir arbeiten professionell zusammen. Mehr ist privat.“
  • Keine Sympathie-Koalitionen gegen deinen Ex – das eskaliert.
  • Dokumentiere Grenzverletzungen sachlich, nicht emotional. Halte HR/Vertrauensperson informiert, wenn es entgleist.

Wenn Hierarchie im Spiel ist

  • Ex ist dein Vorgesetzter: Verlege 1:1-Termine in Glastürenräume, bitte um dritten Teilnehmer, halte alles schriftlich nach. Bei Machtmissbrauch: HR, Betriebsrat, Compliance.
  • Du bist Vorgesetzter: Gib Aufgaben über Tools, vermeide Sonderbehandlung, dokumentiere Entscheidungen. Nutze Co-Lead/HR als Puffer.

Bei Druck, Drohungen, Stalking oder sexueller Belästigung gilt: Null Toleranz. Sammle Beweise, informiere HR/Compliance, erwäge rechtliche Schritte. Dein Schutz hat Priorität.

Remote- und Hybrid-Settings

  • Kamera: nur wenn nötig. Wenn 1:1, dann Bildschirm teilen, Agenda oben einblenden.
  • Chat: Asynchron, Threads statt DMs. „Bitte im Ticket-Thread beantworten.“
  • Benachrichtigungen: Ex stummschalten, nur @mentions erlauben.
  • Zeitzonen/Slots: Clear-Cut-Zeiten für Antworten (z. B. 10–16 Uhr), keine Abend-„Ping-Pongs“.

Selbstwert, Attraktivität und „Wirkung“ im Büro

Du willst vielleicht (später) eine zweite Chance. Paradox: Je weniger du jagst, desto eher beruhigen sich beide Nervensysteme. Anziehung im professionellen Kontext entsteht über ruhige Kompetenz, Verlässlichkeit, Selbstführung.

  • Mikro-Signale: Pünktlichkeit, saubere Arbeit, klare Kommunikation. Das überstrahlt emotionales Chaos.
  • Selbstmitgefühl (Neff): Nicht Selbstmitleid, sondern freundliche, klare Haltung dir selbst gegenüber: „Das ist schwer, und ich schaffe Schritt für Schritt.“
  • Capitalization (Gable & Reis): Teile berufliche Erfolge mit wohlwollender, nicht übertriebener Freude im Team – ohne deinen Ex anzusprechen.

Typische kognitive Verzerrungen nach der Trennung

  • Gedankenlesen: „Er hasst mich.“ Gegenmittel: Nachweise sammeln. Was sind Fakten? Was ist Interpretation?
  • Alles-oder-Nichts: „Entweder wir sind wieder zusammen oder es ist wertlos.“ Reappraisal: „Es gibt Zwischenzustände, Heilung, spätere Optionen.“
  • Katastrophisieren: „Wenn wir streiten, verliere ich den Job.“ Realität prüfen: Welche Ressourcen hast du? Wer kann unterstützen?

Arbeitsrecht und Ethik

  • Dokumentation: Halte relevante Vorfälle sachlich fest (Datum, Ort, Zitat). Keine Wertungen.
  • Transparenz: Wenn nötig, informiere HR neutral („Wir hatten eine Beziehung; ich schlage vor, dass Feedbackgespräche immer zu dritt stattfinden.“)
  • Vertraulichkeit: Teile private Details nicht im Team. Das schützt dich und wirkt professionell.

Rückfälle gehören dazu – so fängst du dich ab

Rückfälle (z. B. impulsive Nachricht) sind normal. Entscheidend ist der Umgang danach.

  • 3-Schritte-Regel: Akzeptieren – Analysieren – Adjustieren.
    • Akzeptieren: „Das ist passiert, ich bin Mensch.“
    • Analysieren: Was war der Trigger? Uhrzeit? Ort? Alkohol?
    • Adjustieren: Konkreter Wenn-Dann-Plan für die nächste ähnliche Situation.
  • 24-Stunden-Regel: Nach einem Rückfall keine zweite Nachricht. Emotional abkühlen, dann nur sachlich weitermachen.

Metriken für deinen Fortschritt

  • Prozessmetriken: Anzahl sachlicher Kontakte/Woche, private Kontakte (Ziel: abnehmend), Minuten Grübeln/Tag (Ziel: abnehmend), Schlafstunden (Ziel: stabiler).
  • Ergebnismetriken: Subjektive Belastung (0–10 Skala), Stresslevel vor/nach Interaktion, Anzahl gelungener BIFF-Nachrichten.
  • Review jede Woche: 10 Minuten, grafisch oder stichpunktartig.

Fortgeschrittene Strategien

  • Implementation Intentions: „Wenn wir gleichzeitig am Drucker stehen, dann nicke ich nur und nehme Kopien mit.“
  • Aufmerksamkeit lenken: Nudging in deiner Umgebung – Post-it „BIFF“ am Monitor, Tastenkürzel für Standardantworten.
  • Wertearbeit: Was ist dir wichtig als Kollege? Schreibe drei Werte auf (z. B. Respekt, Klarheit, Qualität) – handle danach.
  • Sinn-Reappraisal: Nutze die Situation als Training in professioneller Selbstführung. Das erhöht deinen Selbstwert jenseits der Beziehung.

Wenn dein Ex einen neuen Partner im Team hat

Eines der schwierigsten Szenarien. Ziel: Null-Mikrovergleiche, strikte Arbeitsorientierung, Schutz der Selbstachtung.

  • Sofortmaßnahmen: Vermeide Social Media, mute gemeinsame Kanäle.
  • Meeting-Strategie: Setze dich zwischen neutrale Kollegen, halte Blickkontakt verteilend, nicht fokussiert.
  • Selbstfürsorge intensivieren: Bewegung, Schlaf, soziale Unterstützung (Freunde außerhalb der Firma).

Was, wenn der Jobwechsel die beste Lösung ist?

Manchmal ist die beste Low-Contact-Strategie strukturell: Teamwechsel, Standort, Schicht, im Extremfall Arbeitgeberwechsel. Indikatoren:

  • Dauerhafte Grenzverletzungen trotz klarer Kommunikation
  • Machtmissbrauch, Mobbing, psychische Eskalation
  • Keine realistischen Alternativen im Betrieb

Treffe diese Entscheidung nicht impulsiv. Prüfe Optionen, führe zwei Informationsgespräche intern, erstelle Pro/Contra, sprich vertraulich mit HR/Betriebsrat.

Wie du Chancen auf spätere Wiederannäherung nicht zerstörst

Wenn „Ex zurückgewinnen“ eine Option bleiben soll, gilt: Keine Dramen im Büro, keine Liebesgespräche während der Arbeit, keine Eifersuchtsstrategien.

Stattdessen:

  • Stabile, respektvolle Kooperationsfähigkeit demonstrieren
  • Ansprechbar für Fachliches, unberührbar für Privates
  • Erfolge leise sichtbar machen (Berichtswesen, Qualität)
  • Freundlich-neutraler Umgangston, keine Sticheleien

Wenn es später ein privates, ruhiges Gespräch geben soll, ist die Basis bereits gelegt: deine ruhige, erwachsene Wirksamkeit im Alltag.

Übungen für den Arbeitsalltag

  • 90-Sekunden-Reset zwischen Meetings: 10 langsame Atemzüge, 10 Schulterrollen, 10 Sekunden Blick auf ein neutrales Objekt.
  • 3-2-1-Protokoll nach Ex-Kontakt: 3 Fakten, 2 Kompetenzen, 1 nächste Mini-Aufgabe. Zielt auf Reappraisal und Selbstwirksamkeit.
  • Wertschätzungs-Minute: Abends 1 Minute aufschreiben, was du heute gut gemacht hast. Kleine Dosen stärken Resilienz.

Beispiel-Dialoge: Do und Don’t

  • Ex: „Wir waren gestern so gut zusammen im Flow, erinnerst du dich…?“
    • Du (Do): „Bitte bleib beim Feature-Scope. Was ist noch offen?“
    • Don’t: „Ja, das war so schön…“
  • Ex: „Komm, wir quatschen kurz draußen alleine.“
    • Du (Do): „Für Arbeitsfeedback gern im Meetingraum mit Agenda.“
    • Don’t: „Okay, aber nur kurz…“
  • Ex: „Du siehst müde aus – alles okay?“
    • Du (Do): „Viel los im Projekt. Lass die ToDos durchgehen.“
    • Don’t: „Ich konnte wegen dir nicht schlafen…“

Micro-Tools für mehr Kontrolle

  • E-Mail-Delay 2 Minuten: verhindert Impuls-Senden.
  • Textbausteine: „Agenda?“, „Bitte AK prüfen“, „Nächster Schritt: …“
  • Digitaler Trennfilter: Ex stummschalten, nur Mentions zulassen.
  • Körperanker: Ellbogen anlehnen, Füße fest am Boden bei Triggern.

Wissenschaft in Alltagssprache: Was funktioniert, warum?

  • Weniger Reize = weniger Cravings (Fisher; Young): Jede Begegnung ist ein Cue. Low Contact sind „Cue-Killer“.
  • Reappraisal (Gross): Umdeuten ist der Goldstandard für akute Stressreduktion – trainierbar und sofort einsetzbar.
  • Rumination bremsen (Nolen-Hoeksema): Grübeln verlängert Schmerz. Sorgefenster + Journaling bündeln die Emotion.
  • Allostatic Load senken (McEwen): Schlaf, Bewegung, Ernährung sind keine „Nice-to-have“, sondern Neuro-Basics.

Häufige Fehler – und bessere Alternativen

  • Fehler: Small Talk ins Private rutschen lassen. Besser: „Wie ist der Stand bei…?“
  • Fehler: Social-Media-Stalking. Besser: Stummschalten + digitale Hygieneregeln.
  • Fehler: Eifersucht wecken wollen. Besser: Respekt, klare Grenzen – wirkt langfristig attraktiver.
  • Fehler: In Meetings unterschwellig provozieren. Besser: Fakten, Checklisten, Protokolle.

Mini-Checkliste vor jedem Arbeitstag

  • Schlaf: 6–8 Stunden?
  • Plan: 1–2 Prioritäten?
  • Grenze: 1 Satz parat („Ich bleibe beim Thema.“)?
  • Notfall: Atem- und Bodyscan präsent?
  • Abschluss: Feierabend-Ritual geplant?

Feierabend-Rituale für Entkopplung

  • „Arbeitskleidung aus“ – Körperlicher Marker
  • 10-Minuten-Spaziergang ohne Handy
  • Kurze Zusammenfassung: „3 Dinge geschafft“
  • Soziale Verbindung: Anruf bei Freund:in – nicht über den Ex sprechen

Wenn ihr weiterhin zusammenarbeiten müsst – aber die Intensität hoch bleibt

  • Projektrotation: Tausche einzelne Aufgabenpakete.
  • Zwischeninstanz einführen: Product Owner, Koordinator, Scrum Master.
  • Stärkere Formalisierung: Checklisten, Templates, SOPs.
  • Timeboxing: Kurze, stehende, schweigende Notizen statt langes Plaudern.

Mentale Haltung: Klar und freundlich ist stärker als kühl und hart

Kühle Distanz wirkt oft wie Abwertung. Besser: Klar und freundlich. Das hält Spannungen niedrig und schützt deinen Ruf.

Formel: „freundlich + sachlich + konsistent + kurz = professionell“.

Selbstschutz bei gemischten Signalen

  • Goldene Regel: Nicht interpretieren – dokumentieren. Du reagierst auf Verhalten, nicht auf Andeutungen.
  • Dreimal-Formel: Wenn sich ein Muster dreimal wiederholt (z. B. private Öffnungen im Büro), setze eine harte Grenze: „Ich gehe nicht auf persönliche Themen ein.“

Umgang mit Feiertagen, Firmenfeiern, Jubiläen

  • Vorher: Wenn-Dann-Plan schreiben (Sitzplatz, Gesprächspartner, Exit-Zeit)
  • Währenddessen: 1 Glas Regel (kein hoher Alkoholkonsum)
  • Danach: Kurzer Check-in mit dir selbst; keine späten Nachrichten

Wie du mit anderen Kolleg:innen über die Situation sprichst

  • Minimalinformation: „Wir haben uns getrennt. Wir arbeiten normal zusammen.“
  • Kein Schuldpingpong: „Wir tragen das privat. Im Team bleibt alles professionell.“
  • Bei Nachfragen: „Dazu sage ich nichts.“ – wiederholen, lächeln, Thema wechseln.

Wenn du trotz Low Contact Hoffnung spürst

Hoffnung ist nicht verboten. Aber ihr Platz ist nicht das Büro.

  • Regel: Keine Beziehungsgespräche am Arbeitsplatz. Wenn es später passt, dann außerhalb, nach Stabilisierung, ohne Druck, ohne „Dafür habe ich alles gemacht…“-Narrativ.
  • Zeichen echter Stabilität: Mehrere Wochen neutraler Umgang, wenig Grübeln, keine Triggerfluten, produktive Zusammenarbeit.

Ein Wort zur Fairness dir selbst gegenüber

Du musst nicht perfekt sein. Du darfst traurig sein. Du darfst Fehler machen. Fortschritt ist, wenn du heute 1% weniger triggert handelst als gestern. Das reicht. Wirklich.

Bindungsstile: Feintuning für Low Contact

Dein Bindungsmuster beeinflusst, wie stark dich der Ex im Büro triggert – und welche Micro-Strategien wirken.

  • Ängstlich-ambivalent
    • Risiko: Überinterpretation, Drang zu klären, ständig nach Bestätigung zu suchen.
    • Hebel: Schriftlich statt mündlich, klare Antwortfenster (z. B. 10–16 Uhr), Selbstberuhigung vor jeder Nachricht (10 Atemzüge). „Parkplatz-Liste“: Offene Gedanken privat notieren, nicht im Büro klären.
  • Vermeidend-distanziert
    • Risiko: Kühle Abgrenzung kippt in Passiv-Aggression, wichtige Abstimmungen werden gemieden.
    • Hebel: Minimal notwendige Syncs bewusst ansetzen (5–10 Minuten Stand-up), „Ich-Botschaften“ zur Grenze („Für das Thema nutze ich E-Mail.“) statt Schweigen.
  • Sicher gebunden
    • Risiko: Unterschätzung eigener Trigger, zu schneller Versuch, „normal“ zu sein.
    • Hebel: Rituale beibehalten (Wochenreflexion), Grenzen sichtbar halten, um Rückfälle zu vermeiden.
  • Desorganisiert
    • Risiko: Schwankung zwischen Klammern und Rückzug, impulsive Aktionen.
    • Hebel: Strikte Struktur (ALCP), externe Co-Regulation (Coach/Therapie), Notfallkarten mit 3 Sätzen („Ich bleibe sachlich. Ich antworte morgen. Ich gehe jetzt raus und atme.“).

25 Textbausteine (DE/EN) für E-Mail, Chat und Meeting

Kurze, wiederverwendbare Snippets reduzieren Impulsivität und halten dich im BIFF-Stil.

  • „Bitte bestätige den Erhalt bis [Zeit].“ / „Please confirm receipt by [time].“
  • „Welche Blocker gibt es aktuell?“ / „What are the current blockers?“
  • „Ich schlage vor: Nächster Schritt ist …“ / „I propose: next step is …“
  • „Lass uns beim Thema bleiben.“ / „Let’s stay on topic.“
  • „Das bespreche ich hier nicht.“ / „I won’t discuss this here.“
  • „Für Feedback nutze ich den Thread.“ / „I’ll use the thread for feedback.“
  • „Danke, ich nehme das ins Protokoll.“ / „Thanks, I’ll add this to the minutes.“
  • „Bitte halte dich an die Akzeptanzkriterien.“ / „Please stick to the acceptance criteria.“
  • „Ich beantworte das bis [Zeitfenster].“ / „I’ll respond by [time window].“
  • „Nicht relevant für die Agenda – weiter mit Punkt 2.“ / „Not relevant to the agenda – moving to item 2.“
  • „Ich gebe eine schriftliche Zusammenfassung.“ / „I’ll send a written summary.“
  • „Ich bevorzuge E-Mail für dieses Thema.“ / „I prefer email for this topic.“
  • „Wir benötigen eine Entscheidung bis …“ / „We need a decision by …“
  • „Bitte formuliere die Punkte konkret.“ / „Please specify your points.“
  • „Dazu habe ich keine Information.“ / „I don’t have information on that.“
  • „Wir halten es professionell.“ / „Let’s keep it professional.“
  • „Ich brauche dazu Zeit – Rückmeldung morgen.“ / „I need time – I’ll revert tomorrow.“
  • „Ich kommentiere nur Fachliches.“ / „I’ll comment on work-related items only.“
  • „Ich dokumentiere das im Ticket.“ / „I’ll document this in the ticket.“
  • „Danke, erledigt.“ / „Thanks, done.“
  • „Bitte bleib im Kanal/Thread.“ / „Please keep it in the channel/thread.“
  • „Kurz: Ja/Nein, Details im Anhang.“ / „Short: yes/no, details attached.“
  • „Ich mache jetzt Schluss und melde mich morgen.“ / „Signing off, I’ll update tomorrow.“
  • „Für Privates ist das hier nicht der Rahmen.“ / „This is not the place for private matters.“
  • „Wir brauchen einen Dritten im Gespräch.“ / „We need a third party in the meeting.“

Checkliste: Business Trip & Offsite mit Ex

  • Planung: Eigene Anreise, getrennte Hotels, Sitzplätze im Flieger/Zug nicht nebeneinander.
  • Agenda: Vorab klar, Pausen strukturiert, After-Hour optional, mit Exit-Zeit.
  • Vor-Ort: Kein Late-Night-Bar-Sitzen, kurze Verabschiedung, klare Grenzen.
  • Nachbereitung: Nur Arbeits-Recap per E-Mail, keine DMs in der Nacht.

Protokoll für heikle Gespräche (wenn unvermeidbar)

  • Vorbereitung: 3 Ziele, 3 Fakten, 3 Sätze zur Grenze („Ich spreche nur über X“).
  • Rahmen: Raum mit Glas, 20–30 Minuten, Agenda sichtbar, Timer.
  • Ablauf: Fakten → Optionen → Entscheidung → Next Steps. Kein Rückblick auf Beziehung.
  • Abschluss: Zusammenfassung per E-Mail binnen 2 Stunden.

Selbstcoaching-Tools für 6 Wochen

  • 5×5-Methode: 5 Minuten Atmung, 5 Minuten Schreiben, 5 Minuten Planen – zu Arbeitsbeginn.
  • STOPP-Karte am Monitor: Stop – Tief atmen – Orientieren – Planen – Proceed.
  • Grübel-Container: Notiz-App mit fixem Slot 19:00, Tags „Ex“, „Arbeit“. Außerhalb des Slots keine Bearbeitung.
  • „Sinn-Schraube“: Frage täglich: „Was ist heute eine wertebasierte Mikrohandlung?“ (z. B. „Respekt“ → höflicher, kurzer Slack).

Selbsttest: Bin ich bereit für mehr Nähe im Arbeitsmodus?

Beantworte die Fragen 0–2 (0 = gar nicht, 2 = stark). Ab 16 Punkten Kurs halten, unter 8 Punkten ggf. behutsam öffnen (nur fachlich mehr Sync).

  • Ich kann meinen Ex sehen, ohne körperliche Stresssymptome (Herzrasen, Zittern).
  • Ich grüble < 30 Minuten/Tag über ihn/sie.
  • Meine Schlafqualität ist stabil (≥ 6,5 h, keine Einschlafprobleme).
  • Ich kann „Nein“ sagen, ohne Schuldgefühle.
  • Nach kurzen Kontakten erhole ich mich binnen 10 Minuten.
  • Ich habe 2–3 Menschen, mit denen ich außerhalb des Jobs rede (nicht über den Ex).
  • Ich halte meine Grenzen seit 2 Wochen konsistent ein.
  • Ich sende keine impulsiven Nachrichten.

Auswertung: Niedrige Summe = mehr Stabilität. Bei hoher Summe Low Contact unverändert lassen und Stabilisierung priorisieren.

Spezialfälle und Branchenbesonderheiten

  • Kleine Firma/Familienbetrieb: Begrenzte Distanz – setze auf klare Prozesse (SOPs), feste Kommunikationsfenster, neutrale Dritte bei strittigen Punkten.
  • Bildung/Schule/Uni: Öffentliche Räume, viel Flurfunk – Standardsatz trainieren, Protokolle zentral ablegen, Fachthemen sichtbar priorisieren.
  • Gesundheit/Schicht: Unvorhersehbare Peaks – Übergabe-Checklisten, kurze Pausen-Mikroregulation, Buddy-System.
  • Vertrieb/Event: Hohe Social-Exposure – Alkoholkonsum begrenzen, Netzwerkziele vorab, „Kollegen-Puffer“ für Small Talk.

Remote tiefer gedacht: Slack/Teams Leitplanken

  • DMs minimieren: „Bitte Channel nutzen.“
  • Keywords muten: Name des Ex stummschalten (wo möglich), nur direkte Erwähnungen.
  • Auto-Responses: „Ich antworte zwischen 10–16 Uhr.“
  • Thread-Disziplin: Jede fachliche Frage in Thread, Emojis sparsam, keine zweideutigen Reaktionen (z. B. Herzen vermeiden).

Mythen vs. Fakten

  • Mythos: „Wer professionell ist, darf keine Gefühle zeigen.“
    • Fakt: Gefühle sind normal; entscheidend ist die Regulation, nicht die Verneinung.
  • Mythos: „Wenn ich Distanz halte, denkt er/sie, mir ist alles egal.“
    • Fakt: Klarer, freundlicher Low Contact signalisiert Reife, nicht Gleichgültigkeit.
  • Mythos: „Ein klärendes Gespräch im Büro bringt Abschluss.“
    • Fakt: Oft eskaliert es. Strukturierte Distanz beruhigt erst – dann kann privat, später, ruhiger gesprochen werden.

Notfall-Woche: Wenn alles gerade kippt

  • Tag 1–2: Maximale Reizreduktion (nur E-Mail, keine DMs, Sitzordnung ändern).
  • Tag 3–4: Schlaf priorisieren (kein Koffein nach 14 Uhr, 30 Minuten Spaziergang).
  • Tag 5: Expressive Writing 20 Minuten, anschließend 10 Minuten Planen.
  • Tag 6: 1 schwieriges Gespräch aufschieben, schriftlich lösen.
  • Tag 7: Wochenreview, 1–2 Anpassungen im ALCP.

Fallstudie (kompakt)

  • Ausgangslage: Nora (31), Customer Success, Ex im selben Key-Account-Team. Starker Trennungsschmerz, tägliche DMs.
  • Intervention: ALCP, BIFF-Templates, „Grübel-Container“, getrennte Hotelbuchung für Kundentermin, HR informell eingebunden.
  • Verlauf 6 Wochen: DMs → 0, nur Tickets; Schlaf +45 Minuten; subjektiver Stress 8/10 → 4/10.
  • Ergebnis: Stabilität im Job, respektvoller Ton. Nach 3 Monaten neutrales privates Gespräch außerhalb, ohne Dramen.

Ressourcen-Ökologie aufbauen

  • Menschlich: 1 Buddy im Team (ohne Klatsch), 1 Person außerhalb der Firma, optional Coach/Therapie.
  • Strukturell: Templates, Checklisten, feste Slots, Meeting-Standards.
  • Physisch: Bewegungsroutine, gesunder Snack, Wasserflasche, Noise-Cancelling.

HR-Gespräch: Leitfaden und Checkliste

  • Ziel: „Wir sichern professionelle Zusammenarbeit, minimieren Risiken.“
  • Bitte: „Feedbackgespräche zu dritt“, „Tickets statt DMs“, „Sitzordnung anpassen“.
  • Ton: Sachlich, ohne Schuldzuweisung. Kurz protokollieren lassen.
  • Dokumente: Kurzes Memo (1 Seite) mit Maßnahmenvorschlägen.

Entscheidungsbaum: Reconnecting (später, privat)

  • Stabilitätskriterien erfüllt? (Schlaf, Grübeln, Grenzen)
  • Gibt es beidseitige Signale über Zeit (nicht Einzelfall)?
  • Ort/Zeit ohne Arbeitsbezug möglich? (z. B. neutraler Ort, Wochenende)
  • Gesprächsrahmen klar? (kein Vorwurf, keine Verhandlung, nur Austausch)
  • Wenn eine Antwort „nein“: Erst stabilisieren, dann neu bewerten.

10 Sätze, die dich durch die Woche tragen

  • „Kurz, sachlich, freundlich.“
  • „Ich reagiere auf Verhalten, nicht auf Andeutungen.“
  • „Mein Nervensystem zuerst, dann das Projekt.“
  • „Ich darf pausen.“
  • „Ein Schritt pro Tag reicht.“
  • „Ich wähle Schriftform.“
  • „Ich schulde niemandem Erklärungen über Privates im Büro.“
  • „Grenzen sind Fürsorge, kein Angriff.“
  • „Rückfälle sind Daten, keine Defizite.“
  • „Professionalität ist meine Stärke.“

Komplett privat – ja; beruflich – nein. Du kannst eine Arbeits-Kontaktsperre umsetzen: nur sachliche, notwendige Kommunikation, vorzugsweise schriftlich, mit klaren Grenzen.

Mindestens 30–90 Tage, bis Trigger, Grübeln und emotionale Reaktivität deutlich sinken. Manche brauchen länger – passe an deine Lage an.

Grenze setzen: „Ich spreche hier nur über Arbeit.“ Bei Wiederholung: Dritten einbinden, schriftlich festhalten, im Zweifel HR/Vertrauensperson informieren.

Indirekt ja: Du wirkst ruhiger, attraktiver, professioneller. Du reduzierst negative Interaktionen und schützt den Respekt – das ist Grundlage jeder späteren Annäherung.

Nicht interpretieren, dokumentieren. Reagiere auf konsistentes Verhalten über Zeit. Einzelne Blicke/Kommentare sind keine Basis für Entscheidungen.

Atemanker, Reappraisal, Kurz-Exit (2 Minuten), dann in eine Aufgabe stürzen. Abends Expressive Writing. Social Media strikt meiden.

Nur minimal: „Wir arbeiten normal zusammen.“ Keine Details, keine Schuldzuweisungen. Professionell bleiben schützt alle.

Nein. Es ist eine valide Strukturmaßnahme, wenn Grenzen nicht respektiert werden oder du dich nicht stabilisieren kannst. Gesundheit geht vor.

Ja, oft nach einer Phase klarer Low-Contact-Regeln. Gehirne sind lernfähig; Trigger verlieren durch Reizkontrolle und Reappraisal ihre Macht.

Delegiere heikle Gespräche, dokumentiere Entscheidungen, halte dich an objektive Kriterien. Nutze HR/Co-Lead als Puffer. Keine Sonderbehandlung – weder positiv noch negativ.

Trenne Rollen: Freundschaft privat, Zusammenarbeit sachlich. Keine Triangulation („Sag ihm/ihr mal…“). Standardantwort nutzen und Themenwechsel anbieten.

Nicht reagieren. Mute/Unfollow, dokumentieren bei Grenzüberschreitung. Kommunikation strikt über Arbeitskanäle halten.

Fazit: Hoffnung mit Haltung

Du musst die Kontaktsperre nicht aufgeben, nur weil dein Ex dein Arbeitskollege ist. Du passt sie an. Mit Low Contact im Job, klaren Grenzen, gezielter Emotionsregulation und professioneller Kommunikation beruhigst du dein Nervensystem, sicherst deine Arbeitsleistung – und bewahrst die Möglichkeit auf ein späteres, reifes Gespräch. Heilung ist kein gerader Weg, doch jeder sachliche, kurze, freundliche Schritt zählt. Und genau diese Schritte hast du jetzt in der Hand.

Wie stehen deine Chancen, deinen Ex zurückzugewinnen?

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