Kontaktsperre beginnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Kontaktsperre beginnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Tag 1.

22 Min. Lesezeit Kontaktsperre

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du willst die Kontaktsperre beginnen – aber der Gedanke, wirklich auf „Funkstille“ zu gehen, macht dir Angst? Du bist nicht allein. Studien zeigen, dass Liebeskummer dein Gehirn ähnlich aktiviert wie körperlicher Schmerz und Abhängigkeit – und genau deshalb fühlt sich jede Nachricht, jedes Profilbild, jeder „Online“-Punkt deines Ex wie ein Trigger an (Eisenberger, Lieberman & Williams, 2003; Fisher et al., 2010). In diesem Ratgeber bekommst du eine wissenschaftlich fundierte, zugleich praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung, um No Contact stabil zu starten – ohne Spielchen, ohne Manipulation, dafür mit psychologischer Tiefe, klaren Tools und realistischen Beispielen.

Was „Kontaktsperre beginnen“ wirklich bedeutet – und was nicht

Kontaktsperre (engl. „No Contact“) heißt: Du unterbrichst bewusst jeglichen emotionalen und sozialen Kontakt zu deinem Ex-Partner bzw. deiner Ex-Partnerin über einen definierten Zeitraum – meistens 30–45 Tage – um dein Nervensystem zu beruhigen, Abhängigkeiten zu reduzieren, die eigene Identität zu stabilisieren und alte Muster zu durchbrechen. Das Ziel ist nicht, „den anderen zu bestrafen“ oder „Eifersucht zu erzeugen“, sondern dich wieder handlungsfähig zu machen. Wenn ihr Kinder habt oder organisatorische Dinge zu klären sind, gilt: rein sachlicher, minimaler Kontakt nur zu zwingenden Themen. Alles andere – Small Talk, „Wie geht’s?“, Bilder liken, Erinnerungen teilen – fällt aus.

  • Kontaktsperre ist ein Reboot für dein Bindungs- und Belohnungssystem (siehe unten).
  • Sie ist zeitlich begrenzt und hat klare Regeln.
  • Sie ist kein Machtspiel, sondern emotionale Erste Hilfe – oft die Voraussetzung dafür, später eine reife, neue Dynamik aufzubauen, ob zusammen oder getrennt.

30–45 Tage

Typische Kernphase, um das Nervensystem zu entlasten und Trigger zu reduzieren.

50–70%

Subjektive Reduktion akuter Rumination und Stress in 4–6 Wochen, wenn konsequent umgesetzt (angelehnt an Befunde zu Rumination & Selbstregulation; Sbarra & Emery, 2005).

1 Ziel

Deine Stabilität. Alles andere – auch die Chance auf ein späteres, besseres Miteinander – folgt daraus.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum dich jeder Kontakt zurückwirft

Trennungsschmerz ist kein „übertriebenes Drama“, sondern neurobiologisch nachvollziehbar. Drei Bausteine helfen dir zu verstehen, warum Kontaktsperre wirkt:

Bindungssystem und Verlustalarm
  • Nach Bowlby (1969) und Ainsworth et al. (1978) ist Bindung ein biologisch verankertes System: Nähe zu einer Bezugsperson reguliert Stress und Sicherheit.
  • Bei Trennung schaltet das System auf „Suche“: Gedanken kreisen, Alarmpegel steigt, Schlaf und Appetit verändern sich. Das ist evolutionär sinnvoll – aber in der modernen Welt bedeutet es oft wochenlanges Leiden.
  • Erwachsene zeigen Bindungsstile (sicher, ängstlich, vermeidend, desorganisiert; Hazan & Shaver, 1987; Bartholomew & Horowitz, 1991), die Einfluss darauf haben, wie stark du nach Kontakt „cravest“ und wie du Trennung interpretierst.
Neurochemie der Liebe und Entzug
  • Verliebtsein und Bindung sind mit Dopamin (Belohnung, Motivation), Oxytocin/Vasopressin (Bindung, Vertrauen) und Stress-Systemen verschaltet (Young & Wang, 2004; Lim & Young, 2006).
  • Ablehnung oder Trennung aktivieren Hirnareale, die auch bei physischem Schmerz aktiv sind (Eisenberger et al., 2003; Kross et al., 2011). Deshalb fühlen Push-Nachrichten wortwörtlich „weh“.
  • fMRI-Studien zeigen bei Zurückweisung Aktivierungen in Belohnungs- und Emotionsarealen; das erklärt, warum du „nur noch diese eine Nachricht“ senden willst (Fisher et al., 2010).
Selbstregulation, Rumination und digitale Trigger
  • Nach einer Trennung neigen viele zu Rumination (endlosem Grübeln). Das verlängert Leid und behindert Heilung (Sbarra & Emery, 2005).
  • Soziale Medien verstärken Überwachung und Eifersucht, vor allem bei unsicherer Bindung (Marshall et al., 2013; Tokunaga, 2011). Jeder Blick ins Profil ist ein Mikro-Rückfall.

Die Kontaktsperre wirkt, weil sie Reize entfernt, die das Bindungs- und Belohnungssystem immer wieder „anwerfen“. So kommen Emotionswellen zur Ruhe, Selbstkontrolle steigt und du gewinnst Perspektive.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Bevor du die Kontaktsperre startest: Standortbestimmung

Bevor du „No Contact anfangen“ in die Tat umsetzt, prüfe deine Ausgangslage. Das erleichtert die Planung und schützt vor Rückfällen.

  • Trennungskontext: Wer hat Schluss gemacht? War es eskalativ, leise, ambivalent? Je ambivalenter, desto höher die Rückfallgefahr in „Klärungs“-Chats.
  • Bindungsstil: Neigst du eher zu ängstlichem Klammern oder vermeidendem Rückzug? Das ändert, welche Strategien dir am meisten helfen (Mikulincer & Shaver, 2007).
  • Logistische Zwänge: Kinder, Haustiere, Wohnung, Arbeit, gemeinsame Kredite? Hier gilt „grauer Fels“: nur sachlich, so knapp wie möglich.
  • Sicherheit zuerst: Bei Gewalt, Stalking oder Drohungen hat Sicherheit absolute Priorität. Kontaktsperre kann hier anders aussehen (Blockieren, rechtliche Schritte, Sicherheitsplanung). Sie ist dann kein „Tool zur Rückeroberung“, sondern ein Schutzinstrument.

Wichtig: Wenn du dich bedroht fühlst, kontaktiere sofort Unterstützung (Freunde, Familie, Beratungsstellen) und ggf. Polizei oder rechtliche Hilfe. Emotionale Strategien wie Kontaktsperre ersetzen keine Sicherheitsmaßnahmen.

Schritt-für-Schritt: So beginnst du die Kontaktsperre – und bleibst dran

Die folgenden Schritte kombinieren psychologische Prinzipien, praktische Tools und realistische Szenarien, damit du sofort loslegen kannst.

Phase 1

Entscheidung und Zielsetzung (Tag 0)

Schreibe dir konkret auf, warum du die Kontaktsperre beginnst. Beispiel: „Ich reduziere Kontakt 45 Tage, um klar zu werden, zu stabilisieren und mich zu erholen. Ziel: weniger Grübeln, besserer Schlaf, klare Grenzen.“

Phase 2

Grenzen definieren (Tag 0)

Was zählt als Kontakt? Nachrichten, Anrufe, Mails, Social Media, gemeinsame Fotos, gemeinsame Orte. Lege eine „rote Liste“ (verboten) und „graue Liste“ (nur Logistik) fest.

Phase 3

Ankündigung (nur wenn nötig) (Tag 0)

Wenn ihr Kinder/Sachen zu regeln habt: sachliche Kurzinfo. Ansonsten: keine Ankündigung – du gehst einfach still in Funkstille.

Phase 4

Digitaler Reset (Tag 0–1)

Stummschalten/Blockieren, Ordner neu sortieren, Erinnerungen minimieren. Entferne Trigger ohne Drama.

Phase 5

Coping-Plan (Tag 0–1)

Liste mit SOS-Strategien gegen Cravings: „Urge Surfing“, 5-Minute-Delay, Atemübungen, Chat mit Freund, Spaziergang, Journaling.

Phase 6

Erste 72 Stunden (Tag 1–3)

Höchste Rückfallgefahr. Tägliche Struktur, soziale Unterstützung aktivieren, Schlafhygiene, Bewegung.

Phase 7

Woche 1–2

Routinen festigen, Fortschritt tracken (Schlaf, Stimmung, Rumination), soziale Medien Disziplin, neue Mikroziele.

Phase 8

Woche 3–4

Kontaktimpulse nehmen ab. Reflektiere Beziehungsdynamik, Kernbedürfnisse, persönliche Grenzen.

Phase 9

Tag 30–45 Review

Check-in: Bin ich stabiler? Habe ich gelernt, was ich brauche? Erst dann über Rückkehr zu neutralem Kontakt oder längere Fortsetzung nachdenken.

Schritt 1: Klare Entscheidung treffen und schriftlich festhalten

Warum schriftlich? Weil Stress die Impulskontrolle senkt und Ziele im Kopf verwischen. Ein kurzer, klarer Vertrag mit dir selbst hilft.

Beispiel-Formulierung:

  • „Ich beginne am [Datum] eine 45-tägige Kontaktsperre. Ich kontaktiere nicht und antworte nicht, außer bei zwingender Logistik (Kinder, Notfälle, Verträge). Ich benutze eine Antwortschablone (siehe unten) und hole im Zweifel eine Zweitmeinung von [Name Freund/in].“

Schritt 2: Regeln definieren – was konkret verboten und erlaubt ist

  • Absolut tabu: Nachrichten jeder Art, Likes, Reaktionen, Story-Views, „zufällige“ Begegnungen, Erinnerungsalben, Chatverläufe lesen, Ex im Freundeskreis „indirekt“ ausspionieren.
  • Erlaubt (Logistik-only): Kinderübergabe, Miete/Kaution, Eigentum, Fristen. Ziel: 1 Nachricht = 1 Sachinfo.
  • Grauzone entzaubern: Geburtstage, Prüfungen, neue Jobs, Jahrestage gehören in den ersten 30–45 Tagen zur Kontaktsperre. Keine „nur kurz gratulieren“-Ausnahmen – sie verlängern den Entzug.

Schritt 3: Falls nötig – eine neutrale Ankündigung formulieren

Ankündigen nur, wenn reine Funkstille unpraktisch oder unhöflich wäre (Kinder, geteilte Projekte). Kurz, sachlich, ohne Vorwürfe oder Hoffnungssignale.

Vorlagen:

  • Co-Parenting: „Für die nächste Zeit kommuniziere ich nur zu Terminen und Themen der Kinder per Text. Ich melde mich freitags mit den Wochenpunkten. Danke.“
  • Gemeinsamer Haushalt/Trennung in Bearbeitung: „Ich brauche etwas Abstand, um die Trennung zu verarbeiten. Bitte klären wir Wohnungs-/Finanzthemen ausschließlich per Mail bis Ende des Monats.“
  • Arbeit: „Ich halte die Kommunikation auf Projektinhalte beschränkt und nutze dafür nur die Teamkanäle.“

❗Nicht schreiben: „Ich mache No Contact, damit du mich vermisst.“ Das ist manipulierend und weckt Abwehr. Dein Fokus bist du, nicht ihre/seine Reaktion.

Schritt 4: Digitaler Reset – Social Media, Smartphone, gemeinsame Orte

Digitale Reize sind die häufigsten Auslöser für Rückfälle (Marshall et al., 2013; Tokunaga, 2011).

  • Stummschalten statt „großer Block“? Wenn Sicherheit kein Thema ist, reicht oft stumm/entfolgen. Blockieren kann Wut/Eskalation auslösen; entscheide situativ. Bei Stalking/Grenzüberschreitungen: blockieren und dokumentieren.
  • Story-Views vermeiden: Viele Plattformen zeigen, wer Storys ansieht. Stelle Benachrichtigungen aus, lege Social-Apps auf die letzte Bildschirmseite oder nutze App-Limits (z. B. 10 Min/Tag, dann Sperre).
  • Foto-Ordner: Verschiebe gemeinsame Fotos in einen passwortgeschützten Ordner oder in die Cloud (out of sight). Später kannst du sie reflektiert sortieren.
  • Orte: Wenn ihr dasselbe Fitnessstudio/café nutzt, wechsle für 4–6 Wochen. Die kurzfristige Umstellung spart dir Dutzende Trigger.

Forschungen zeigen, dass Selbstkontrolle vor allem durch „Situations-Design“ gelingt: Entferne Versuchungen, bevor sie greifen. So musst du weniger Willenskraft verbrauchen.

Schritt 5: Coping-Plan für Cravings und Trigger

Kontaktsperre fühlt sich am Anfang an wie Entzug – das ist normal. Plane im Voraus konkrete Strategien.

  • Urge Surfing (3–5 Minuten): Beobachte den Drang, ohne zu handeln. Atme 4–6, benenne leise: „Da ist Sehnsucht, Druck im Brustkorb, Bilder im Kopf – sie gehen vorbei.“
  • 5-Minuten-Regel: Wenn du schreiben willst, starte einen 5-Minuten-Timer. In der Zeit: 20 tiefe Atemzüge, 1 Glas Wasser, 10 Kniebeugen, 1 „Notiz an mich“-Eintrag. 8 von 10 Impulsen verflüchtigen sich.
  • Notfall-Karte: Eine Kurzliste am Handyhintergrund: „Nicht schreiben. Es wird schlimmer. Ich wähle [Freund/in], gehe 10 Min raus, Dusche, Musik-Playlist X, 5-4-3-2-1 Bodyscan.“
  • Journaling-Template: „Ich will gerade schreiben, weil… Was erwarte ich? Welche Erfahrung hatte ich zuletzt nach Kontakt? Wie geht es mir in 2 Stunden ohne Nachricht?“
  • Körper: 20–30 Min Bewegung/Tag, konstante Schlafenszeit, basale Ernährung. Trennung erhöht Stress; dein Körper ist Mitspieler, nicht Nebensache.

Schritt 6: Erste 72 Stunden – die kritische Zone

Die ersten drei Tage sind die „heiße Phase“. Dein Gehirn sucht intensiv nach Belohnung.

  • Struktur: Plane deine Tage in 2–3-Stunden-Blöcken: Arbeit, Bewegung, Essen, soziale Zeit, leichte Aufgaben. Kein „leerer“ Abend ohne Plan.
  • Soziale Anker: 2 Personen, die „on call“ sind. Vereinbare Codewörter („Rot“ = akute Versuchung). Sende ihnen abends ein kurzes „Ich bin dran geblieben“ – das stärkt Commitment.
  • Medienfasten: Reduziere insgesamt die Bildschirmzeit um 30–50% in den ersten 3 Tagen. Je weniger Input, desto weniger Trigger.

Schritt 7: Woche 1–2 – neue Gewohnheiten stabilisieren

  • Fokus auf Gewohnheiten statt Willenskraft: gleiche Morgenroutine, feste Schlafenszeit, 1–2 Mikroziele/Tag (z. B. 15 Min Sprachen lernen, 20 Min Kochen, 10 Min Dehnen). Kleine Erfolge glätten große Emotionen.
  • Rumination unterbrechen: Wenn Grübeln startet, benenne es („Ich grüble“), wechsle in eine Sinnesaufgabe (Kälte an den Händen, Geruch des Tees, Schritte zählen). Selbst-Distanzierung reduziert Affektintensität (Kross et al., 2011).
  • Soziale Medien: Weiter minimal halten. Setze Social-Apps auf Schwarz-Weiß-Icon, deaktiviere Badges.

Schritt 8: Woche 3–4 – Tiefenarbeit

  • Autobiografischer Blick: Welche Muster trugen zur Trennung bei? Welche Bedürfnisse blieben unerfüllt? Erwäge, das schriftlich zu ordnen. Forschung belegt: Sinnkonstruktion fördert Anpassung nach Trennungen (Tashiro & Frazier, 2003; Sbarra & Emery, 2005).
  • Identität klären: Nach Trennungen sinkt die Selbstkonzept-Klarheit – „Wer bin ich ohne dich?“ (Slotter, Gardner & Finkel, 2010). Baue Bereiche aus, die nichts mit der Ex-Beziehung zu tun haben: Freundschaften, Hobbies, Lernen.

Schritt 9: Tag 30–45 – Review und Entscheidung

  • Checkliste: Schlaf ich besser? Grüble ich weniger? Kann ich an sie/ihn denken, ohne sofort Körperstress zu spüren? Habe ich einen Plan, wie ich gesunden Kontakt halten würde?
  • Optionen:
    • Verlängern (wenn du noch fragil bist).
    • Übergang zu „Low Contact“ für Co-Parenting oder neutrale Abwicklung.
    • In seltenen Fällen: vorsichtige, respektvolle Kontaktaufnahme – nur wenn du stabil bist, keine Erwartungen mitführst und klare Grenzen hast.

Bindungsstile: Wie sie deinen No-Contact-Start beeinflussen

Attachment-Forschung hilft, deine Reaktionen zu verstehen und deine Strategie anzupassen (Hazan & Shaver, 1987; Bartholomew & Horowitz, 1991; Mikulincer & Shaver, 2007).

Ängstlich gebunden

  • Tendenz: Klammern, ständiges Scannen nach Zeichen der Nähe.
  • Risiko: „Nur kurz fragen, wieso…“ – Rückfall in Kettenkommunikation.
  • Strategie: Stärkeres soziales Netz, klare Tagesstruktur, „Delay & Distract“-Techniken, Affirmationen: „Nähe entsteht nicht durch Druck, sondern durch Stabilität.“

Vermeidend gebunden

  • Tendenz: Rückzug, Emotionen abspalten, Abwertung.
  • Risiko: Pseudo-Kontaktsperre als Abwehr – Gefühle werden vertagt, nicht verarbeitet.
  • Strategie: Gezielte Emotionsarbeit (Journaling, Therapie), bewusstes Zulassen von Trauer in Dosen, körperliche Ko-Regulation (Bewegung, Atem).

Sicher gebunden

  • Tendenz: Flexible Emotionsregulation, realistische Einschätzungen.
  • Nutzen: Kontaktsperre gelingt oft konsequenter; Review-Phase bringt Klarheit.

Desorganisiert/Trauma

  • Tendenz: Stark schwankende Impulse, Trigger, Dissoziation.
  • Empfehlung: Therapeutische Begleitung, Sicherheitsplanung, milde Stufen von Kontaktreduktion in Kombination mit Stabilisierung.

Konkrete Szenarien – so setzt du No Contact in der Realität um

Im Folgenden findest du realistische, verdichtete Fallbeispiele mit Formulierungen, die du adaptieren kannst.

  • Sarah, 34, ängstlicher Stil, Trennung vor 1 Woche: Sarah checkt 20-mal am Tag sein Profil. Plan: Social-Apps auf 10 Min/Tag, Ex stummschalten, 45 Tage Kontaktsperre, abends 2 „Check-in“-Nachrichten an Freundinnen. Vorlagen: „Ich bleibe bei der Vereinbarung. Ich melde mich bei dir, wenn ich den Impuls habe, zu schreiben.“
  • Markus, 41, eher vermeidend, beendet die Beziehung, fühlt sich leer: Gefahr, Kontaktsperre als „Flucht“ zu nutzen. Plan: No Contact 30 Tage mit 3×/Woche Journaling: „Welche Anteile von Nähe meide ich? Welche Verantwortung trage ich?“ Plus 1×/Woche Austausch mit Kumpel über Gefühle (nicht nur Fakten).
  • Leyla, 29, Co-Parenting: „Für die nächsten 30 Tage schreibe ich freitags eine Liste mit Terminen/Bedarfen (Kinder). Bitte beantworte bis Sonntag. Keine anderen Themen.“ Alles nur per E-Mail. Antwortschablone bei Grenzversuch: „Dazu äußere ich mich nicht. Bitte bei Kinderthemen bleiben.“
  • Tom, 36, gleiche Abteilung im Büro: Interaktionsregel: Nur Projektkanäle, keine 1-zu-1-Chats außer nötig. Kantinezeiten versetzen, glasklare Agenda in Meetings. Wenn privat angefangen wird: „Ich brauche jetzt professionellen Fokus – lass uns beim Thema bleiben.“
  • Nina, 25, Fernbeziehung, gleiche Online-Community: Unfollow auf allen Kanälen, temporärer Wechsel des Usernamens/Avatars in Community A, Pause von gemeinsamen Foren. Notiz im Kalender: „In 14 Tagen neu prüfen.“
  • Jonas, 31, gemeinsamer Freundeskreis: Bitte an 2–3 enge Freunde: „Ich mache 45 Tage Abstand, erzähl mir bitte nicht, was X macht. Wenn ich frage, erinnere mich freundlich an mein Ziel.“ Events meiden, bei unvermeidlichem Kontakt: „Hi, ich grüße, halte mich an neutrale Smalltalk-Regeln und gehe nach 10–15 Minuten.“
  • Kim, 30, noch zusammenwohnend für 3 Wochen: „Kitchen Table Agreement“ auf Papier: Ruhezeiten, Zonen, „Briefkasten“ für Post-it-Logistik, keine Gespräche über Beziehung. Kommunikation schriftlich, Ton neutral. Wöchentlicher Fixtermin für Wohnungs-/Finanzpunkte 30 Minuten.
  • Alex, 27, queere Szene, viele gemeinsame Spaces: Wähle für 4–6 Wochen andere Events. Setze klare Social Boundaries: „Ich freue mich, dich zu sehen, aber bitte keine Updates zu Y – ich brauche eine Pause.“
  • Mira, 33, neigt zu Rebound-Dates: Klare Selbst-Vereinbarung: 30 Tage keine romantischen Dates/Apps. Ziel ist Stabilisierung, nicht Betäubung. Rebounds erhöhen häufig Rumination und vergleichen ungesund (Field et al., 2009).
  • Paul, 45, „Dumper“, bereut nach 2 Wochen: Keine Entschuldigungsflut. Kontaktsperre nutzen, um echten Grund für die Trennung zu verstehen. Schreiben erst, wenn Klarheit besteht und du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen – nicht aus Panik.

Kommunikation: Vorlagen für heikle Momente

Kontakt vermeiden ist leichter mit klaren Textbausteinen. Nutze sie wortwörtlich oder als Inspiration.

  • „Ich antworte auf persönliche Nachrichten gerade nicht. Für [Thema] nutze bitte E-Mail.“
  • „Ich brauche gerade Abstand, um mich zu sortieren. Danke für dein Verständnis.“
  • „Das gehört nicht zu den Kinderthemen. Lass uns beim Organisatorischen bleiben.“
  • „Dazu kann und will ich mich jetzt nicht äußern. Wir klären [sachliches Thema] am Freitag.“
Falsch: „Warum hast du das getan?“, „Vermisst du mich?“, „Können wir reden?“ – Das sind Door-Opener für Eskalation und Selbstverletzung (mehr Rumination, mehr Rückfälle; Sbarra & Emery, 2005).

Häufige Fehler beim Start – und wie du sie vermeidest

  • Soft Contact: „Nur mal Story schauen“ oder „Nur ein Like“ sind Kontakte. Ersetze die App-Geste durch 10 Atemzüge + 10 Schritte.
  • „Abschlussgespräch“ ohne Stabilität: In roh-emotionalem Zustand ist „letztes Gespräch“ meist ein Triggerfeuerwerk. Warte 30–45 Tage.
  • Eifersuchts-Strategien: Absichtliches Provozieren verletzt Vertrauen und erhöht Reaktanz – schlecht für jede Zukunft.
  • Alkohol + Nacht: Höchstes Rückfallrisiko. „Alkohol-No-Go“ für 2–3 Wochen einplanen.
  • Einsamkeitslöcher: Ersetze leere Abende durch feste Aktivitäten (Sport, Treffen, Kurse, Telefonate). Plane sie wie Meetings.

Neuro- und Emotionsregulation: Was in dir passiert – und wie du es steuerst

  • Schmerz-Overlap: Soziale Ablehnung aktiviert Schmerznetzwerke – valide Gründe, freundlich mit dir zu sein (Eisenberger et al., 2003; Kross et al., 2011).
  • Belohnung und Entzug: Das Gehirn erwartet den „Schuss“ aus Dopamin/Oxytocin. Kontaktsperre verringert diese Erwartungszyklen, die Cravings schwächen mit der Zeit (Fisher et al., 2010; Young & Wang, 2004).
  • Selbstregulation: Du baust „Regulationsmuskel“ auf – jede nicht gesendete Nachricht ist ein Mikro-Trainingsreiz. Über Wochen summiert sich das zu Stabilität (Mikulincer & Shaver, 2007).

Praktische Tools:

  • Atem 4–6: Einatmen 4, ausatmen 6. Längeres Ausatmen beruhigt den Vagusnerv (parasympathisch).
  • 5-4-3-2-1: Blicke, was du 5 siehst, 4 fühlst, 3 hörst, 2 riechst, 1 schmeckst. Bringt dich aus Kopfkino ins Hier.
  • „Name it to tame it“: Gefühle benennen reduziert Intensität – bewiesen in zahlreichen Emotionsstudien.

Social Media: Die stille Saboteurin – so behältst du die Oberhand

  • „Mutuals“ briefen: Bitte Erzähl-Stopp über Ex. Keine Screenshots, keine „Hast du gesehen…“.
  • Plattform-Regeln: 1. Entfolgen/Stummschalten. 2. Story-Ansicht vermeiden. 3. Keine „Erinnerung an diesem Tag“-Funktion. 4. App-Limits. 5. Zweitprofil? Nein – es füttert nur den Entzug (Tokunaga, 2011).
  • Eigene Posts: Wenn du postest, dann aus Freude, nicht als Signal. Kein „indirektes Senden“.

Gesundheit und Sicherheit – was du nicht ignorieren darfst

  • Schlaf/Wach: Feste Zeiten, 8–9 Stunden anpeilen, Bildschirme 60–90 Minuten vor dem Schlaf aus.
  • Bewegung: 150 Minuten/Woche moderat oder 75 Minuten intensiv. Stressabbau, bessere Stimmung.
  • Ernährung: Proteine, komplexe Kohlenhydrate, Omega-3 – Stabilität statt Blutzuckerachterbahn.
  • Psyche: Wenn Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken auftreten, professionelle Hilfe sofort nutzen. Kontaktsperre ist kein Ersatz für Behandlung bei Depression/Angst (Sbarra & Emery, 2005; Field et al., 2009).

Wenn du merkst, dass du dich sozial isolierst, kaum isst/schläfst oder Zwangshandlungen (permanentes Checking, exzessive Nachrichtenentwürfe) entwickelst, hole dir professionelle Unterstützung. Das ist Stärke, kein Scheitern.

Messbar dranbleiben: Mini-Tracking für deinen Fortschritt

Führe 5-Minuten-Logs, 4–5x/Woche:

  • Schlafstunden, Bewegung, Rumination (0–10), Drang zu schreiben (0–10), Social Media Minuten, Stimmung (0–10).
  • Wöchentliche Reflexion: „Was hilft am meisten? Was triggert? Was passe ich an?“ Klein, konkret, ehrlich.

Grenzen bei nötig bleibendem Kontakt (Co-Parenting, Arbeit, Verträge)

  • Kommunikationskanal festlegen: Nur E-Mail oder nur Messenger X. Keine Mischformen.
  • Struktur: Wöchentliche Sammelmail statt ad-hoc-Pings. Stichpunkte, Fristen, kein Beziehungsinhalt.
  • Antwortfenster: „Ich antworte bei Logistik innerhalb von 48 Stunden.“ Alles andere: ignorieren.
  • Drittperson-Puffer: Bei starkem Konflikt: Mediator/in, Familienberatung oder Projektlead als Schnittstelle.

Beispiel Co-Parenting-Mail:

  • Betreff: „Termine KW 38 – Kind A/B“. Inhalt: 1) Arzttermin Do 15:00. 2) Hortanmeldung Fr Abgabe. 3) Übergabe Freitag 18:00. 4) Bitte Schulranzen bei dir lassen. – Ende. Keine Grüße mit Gefühlsuntertönen.

Wann Kontaktsperre verlängern – und wann ein vorsichtiger Erstkontakt okay ist

Verlängern, wenn:

  • Du bei dem Gedanken an eine neutrale Nachricht sofort Bauchkrampf bekommst.
  • Du heimlich Social-Media checkst oder Meltdowns beim Gedanken an ein Treffen hast.
  • Du noch auf „Rettungsphantasien“ setzt (ein Gespräch „repariert alles“).

Vorsichtiger Erstkontakt (nur, wenn du stabil bist):

  • Ziel: neutral, neugierig, ohne Agenda. Kein „Wir müssen reden über uns“.
  • Kleine Brücke: „Hi [Name], ich hoffe, es geht dir gut. Ich wollte dich über [neutrales Thema] informieren. Alles Gute, [Name].“ Lass Raum. Kein Nachschieben.
  • Reaktion testen: respektvoll, ruhig? Oder pushy, kritisch? Deine Stabilität bleibt oberstes Kriterium.

Moralische und psychologische Leitplanken

  • Kein Spiel: Keine Eifersucht, keine „Stories für dich“. Das ist kurzfristig motivierend, langfristig destruktiv.
  • Respekt: Dein Ex ist ein Mensch mit Nervensystem, nicht ein Projekt. Gleiches gilt für dich.
  • Eigentum, Kinder, Gesundheit > Taktiken. Werte vor Wünschen.

Fallbeispiele vertieft: Wie die ersten 45 Tage aussehen können

Sarah, 34, ängstlich, 45 Tage Plan
  • Tag 1–3: Digitaler Reset, Freundinnen on call, Atemübungen 3×/Tag. Ein Ausrutscher: Story geschaut. Reaktion: Keine Selbstbeschimpfung, App-Limit verschärft, 20 Min Spaziergang.
  • Woche 1–2: Schlaf stabilisiert sich von 5 auf 7 Stunden. Rumination sinkt 8→6/10. Sie reflektiert: „Ich dachte, Nähe heißt ständige Erreichbarkeit. Jetzt lerne ich, dass Ruhe Nähe nicht zerstört.“
  • Woche 3–4: Erste Abende ohne Drang. Sie beginnt mit Yoga. Fortschritt: Drang schreiben 2–3/10.
  • Tag 38: Review. Keine Kontaktaufnahme, Fokus auf Stabilität.
Tom, 36, Büro, 30 Tage Plan
  • Tag 0: Teams-Regeln mit sich selbst: Nur Kanäle, keine DM außerhalb Projekt. Mittagspause 30 Min früher.
  • Woche 1: Ein Versuch von Small Talk. Tom sagt: „Ich brauche Fokus, lass uns beim Projekt bleiben.“
  • Woche 3–4: Emotionen flachen ab. Er erkennt: „Ich wollte mit Small Talk kontrollieren, ob wir okay sind.“
Leyla, 29, Co-Parenting, 45 Tage Plan
  • Wöchentliche Sammelmail, 48h-Antwortfenster. Ex schreibt emotional zurück. Leyla sendet Schablone: „Dazu äußere ich mich nicht. Bitte bleib bei den Kinderthemen.“
  • Woche 3: Er respektiert Grenzen, Konfliktintensität sinkt.

Mythbusters: Was Kontaktsperre nicht kann – und was sie kann

  • Sie garantiert keine Versöhnung. Aber sie verbessert die Voraussetzungen: Klarheit, Grenzen, Selbstachtung.
  • Sie ist kein „Test“, ob der/die Ex „kämpft“. Kein Kontakt zu dir ist dein Schutzraum, nicht ihr Prüfstand.
  • Sie kann dich verändern: Selbstkonzept wird klarer, Bedürfnisbalance realistischer (Slotter et al., 2010). Das ist wertvoll – mit oder ohne Rückkehr.

Mini-Werkzeugkasten: 10 schnelle Helfer

  • 1–2–3-Kärtchen: „Nicht schreiben – Atmen – Wasser – Gehen.“
  • 20-Minuten-Regel für Weinen: Setz Timer, erlaube intensives Fühlen, dann Wechsel in Aktivität.
  • „Schwarze Liste“: 3 Menschen, denen du NICHT über Ex redest – sie mögen dich, aber triggern.
  • Musik-Playlist: 1 beruhigend, 1 aktivierend.
  • Ersatzrituale: Abends Tee statt Chatten, morgens Spaziergang statt Scrollen.
  • „Wenn-dann“-Pläne: „Wenn ich an Ort X vorbeikomme, dann rufe ich Y an.“
  • 3×3 Dank: 3 kleine Dinge morgens/abends.
  • Kalte Dusche 30–60 Sekunden: Kurzreset.
  • Handschrift statt Handy: Verzögert Impulse.
  • Wochen-Reward: Wenn du 7 Tage konsequent warst, belohne dich mit etwas Sinnvollem (Buch, Kinobesuch, Massage).

Wissenschaftliche Perspektiven, kurz und klar

  • Bindung: Unter Stress regressieren wir in Bindungsstrategien. Kontaktsperre reduziert den Stressor und erlaubt reifere Regulation (Bowlby, 1969; Mikulincer & Shaver, 2007).
  • Schmerz/Belohnung: Kein Kontakt = keine Mikro-Belohnungen = Entzugserscheinungen, die aber abklingen (Fisher et al., 2010; Young & Wang, 2004).
  • Rumination: Grübeln verlängert Leid; Struktur, Sinnkonstruktion und Distanzierung helfen (Sbarra & Emery, 2005; Tashiro & Frazier, 2003).
  • Digitale Überwachung: Verhindern, nicht „stark sein“. Settings sind deine Verbündeten (Marshall et al., 2013; Tokunaga, 2011).

Notfall-Plan bei Kontaktversuch durch den/die Ex

  • Regel 1: Nicht sofort antworten. Warte mindestens 12–24 Stunden. Druck raus.
  • Regel 2: Prüfen: Ist es Logistik/Notfall oder emotional?
  • Regel 3: Schablone nutzen.
    • Logistik: „OK. Freitag 18:00 passt. Danke.“
    • Emotional: „Ich bin gerade nicht in der Lage, persönlich darüber zu sprechen. Ich brauche noch Abstand.“
  • Regel 4: Nachsorge: Notiere, wie du dich fühlst, rufe deine Stütze an, mach eine kurze Bodyscan-Übung. Rückfallprävention.

Wenn du einen Ausrutscher hattest – wie du konstruktiv weitergehst

  • Stopp Schuldspirale. Sie zieht dich tiefer ins Grübeln.
  • Analysiere: Was war der Trigger? Welche Lücke in Struktur/Selbstruhe? Was änderst du konkret?
  • Verlängere die Kontaktsperre um 3–7 Tage und informiere deine Stütze. „Ich bin wieder auf Kurs.“

Reif werden – für dich und jede zukünftige Beziehung

Die Forschung zu Paarstabilität zeigt, dass Respekt, Emotionsregulation und Reparaturfähigkeit entscheidend sind (Gottman & Levenson, 1992). Kontaktsperre ist kein „Trick“, sondern Training genau dieser Fähigkeiten: Grenzen setzen, Gefühle halten, klar kommunizieren.

Wenn du zurück willst: Deine beste Chance ist nicht Druck, sondern demonstrierte Stabilität und neue Dynamik. Wenn du loslassen willst: Kontaktsperre ist ein Brückenschlag zurück zu dir.

14-Tage-Startplan: So kommst du sicher über die erste Hürde

Die ersten zwei Wochen entscheiden oft über Erfolg oder Rückfall. Nutze diesen kompakten Plan.

  • Tag 1: Digitaler Reset komplett. Schreibe deinen Selbst-Vertrag. Richte App-Limits ein. Informiere 2 Unterstützerpersonen und teile deinen Plan.
  • Tag 2: Wohnung „enttriggern“ (Fotos, Geschenke, Gerüche). Plane die Woche in Kalenderblöcken. Erstelle deine Notfall-Karte am Handy.
  • Tag 3: Erste längere Bewegungseinheit (45–60 Min). Abends 15 Min Journaling: „Was vermisse ich objektiv vs. was idealisiere ich?“
  • Tag 4: Social-Detox-Tag: Keine Feeds, nur Messenger für Arbeit/Logistik. 10 Min Atem/Body-Scan.
  • Tag 5: Connection-Day ohne Ex-Bezug: Mittag/Abend mit Freund/in, kein Beziehungs-Talk >30 Min, Fokus auf Gegenwartsthemen.
  • Tag 6: Skill-Stacking: Lerne 30 Min etwas Neues (Kurs/Video), koche ein Rezept, das du noch nie gekocht hast.
  • Tag 7: Wochenreview: Tracke Schlaf, Rumination, Drang. Belohne dich bewusst (nicht mit Ex-Checking!).
  • Tag 8: „Mini-Mission“: Ein Bereich der Wohnung neu ordnen. 20 Min zielgerichtetes Aufräumen steigern Agency.
  • Tag 9: Emotionsfenster: 20 Min Trauer bewusst zulassen (Timer), danach Spaziergang + Musik.
  • Tag 10: Soziale Hygiene: „Mutuals“ briefen, was du NICHT hören willst. Stelle Story-Mute für Freund/innen ein, die unbewusst triggern.
  • Tag 11: Kognitive Arbeit: Schreibe 3 typische Grübel-Sätze auf und formuliere je 1 realistische Gegenfrage (siehe Verzerrungen unten).
  • Tag 12: Körperarbeit: Sanftes Krafttraining oder Yoga 30–40 Min. Früh ins Bett.
  • Tag 13: Kreativblock: 30–60 Min etwas Kreatives (Skizze, Musik, Handwerk). Es kanalisiert Energie weg vom Kontrollwunsch.
  • Tag 14: Wochenreview + Anpassung. Entscheide, ob du Limits verschärfst (z. B. App-Limits, Orte wechseln), und plane Woche 3.

Kognitive Verzerrungen beim Trennungsschmerz – und hilfreiche Gegenfragen

  • Alles-oder-Nichts-Denken: „Wenn wir jetzt nicht schreiben, ist es für immer vorbei.“ Gegenfrage: Welche Beweise gibt es, dass Abstand Nähe unmöglich macht? Welche Beispiele kenne ich für „späte“ Re-Kontakte?
  • Gedankenlesen: „Er/Sie meldet sich nicht, also bin ich ihm/ihr egal.“ Gegenfrage: Welche alternativen Gründe gibt es (Stress, Grenzen, Respekt vor meinem Wunsch nach Abstand)?
  • Katastrophisieren: „Ich werde nie wieder jemanden finden.“ Gegenfrage: Wie oft dachte ich das früher – und lag falsch? Welche Stärken trage ich in Beziehungen?
  • Idealisierung/Entwertung: „Er/Sie war perfekt“ oder „alles war schlecht“. Gegenfrage: Was waren 3 echte Stärken und 3 echte Probleme? Wie hätte ich sie ohne Drama adressieren können?
  • Personalisierung: „Die Trennung beweist, dass ich nicht liebenswert bin.“ Gegenfrage: Welche externen Faktoren spielten mit hinein (Timing, Lebensphase, Werte-Mismatch)?

Diese mentalen Muster sind normal. Sie zu erkennen und zu hinterfragen ist ein Kernstück nachhaltiger Heilung (Gross, 1998; Ochsner & Gross, 2005).

Feiertage, Jahrestage und besondere Events ohne Rückfall

  • Proaktiv planen: Blocke kritische Tage im Kalender. Verabrede dich im Voraus. Keine Solo-Abende mit Wein + Social Media.
  • Ersatzrituale: Neues Mikro-Ritual für den Tag X (Spenden, Naturgang, Essen mit Freund/in, Saunagang). Rituale strukturieren Emotionen.
  • Kommunikationshygiene: Wenn gemeinsame Gruppen feiern, kündige freundlich an, dass du „gerade Social Detox machst“ und später wieder dabei bist.
  • Content-Diät: An heiklen Tagen Social-Apps vollständig löschen und erst am Folgetag neu installieren.

Sonderfälle und Stolpersteine – wie du sie professionell löst

  • Gemeinsame Finanzen/Business: Nutze einen dedizierten E-Mail-Thread mit Betreff-Präfix „[Finanzen]“ oder „[Projekt]“. Vereinbare eine wöchentliche „Sachstunde“ per Mail, keine Live-Calls. Protokolle kurz halten, Aufgaben, Fristen, Status.
  • Haustiere: Wenn Übergaben nötig sind, vereinbart feste Slots, neutralen Ort, maximal 10 Minuten, keine „Wie geht’s dir?“-Gespräche. Ein dritter Mensch kann übergeben.
  • Kleine Stadt/gleiche Szene: Plane „Ausweichzeiten“ für Supermarkt, Gym, Bars. Kurz-Exit-Satz üben: „Ich muss los – hab einen Termin. Alles Gute.“
  • Gesundheit/Krisen im Umfeld: Mach klare Ausnahme-Regeln nur für echte Notfälle. „Nur Anruf bei Notfall von Person X. Sonst Mail.“ Dokumentiere Ausnahmen, damit sie nicht zur Regel werden.
  • Geteilte Abos/Daten: Trenne Accounts strukturiert (Passwortwechsel, neue Profile, klare Deadlines). Digitales „Entflechten“ verringert Trigger nachhaltig.

Nach der Kontaktsperre: Drei Pfade – und wie du sie gehst

  • Pfad A: Weiter Abstand und Abschluss
    • Indikatoren: anhaltend hoher Stress, wenig Interesse, Inkompatibilitäten.
    • Handlung: Dankbares inneres Abschiedsritual, ggf. sachliche Restklärung per Mail, danach blockieren/stummschalten.
  • Pfad B: Stabiler Low Contact (Co-Parenting/Arbeitsbezug)
    • Indikatoren: Sachthemen laufen respektvoll, du bleibst gelassen.
    • Handlung: Leitlinien schriftlich fixieren (Kanal, Antwortfenster, Themen). „Grauer Fels“ weiter praktizieren.
  • Pfad C: Vorsichtige Wiederannäherung
    • Indikatoren: echte innere Ruhe, klare Einsichten, Bereitschaft zu Verantwortung.
    • Erstkontakt-Skript: „Hi [Name], danke für die Zeit der Ruhe. Falls du offen bist, könnten wir in 1–2 Wochen einen Kaffee trinken und uns kurz austauschen – ohne Druck, nur zum Check-in.“
    • Rahmen: 45–60 Min, neutraler Ort, kein Alkohol, keine Vergangenheitsdebatten. Ziel: Gegenwart abgleichen, nicht Vergangenheit verhandeln. Danach 48h Pause zur Selbstreflexion.

3-Minuten-Selbstmitgefühl: Erste Hilfe bei akuten Gefühlen

Angelehnt an die Forschung zu Selbstmitgefühl (Neff, 2003):

  • Achtsamkeit: „Das ist gerade schwer.“ Benenne Gefühl + Körperort (z. B. Druck in der Brust).
  • Menschlichkeit: „Viele Menschen fühlen so nach Trennungen. Ich bin nicht allein.“
  • Freundlichkeit: Lege eine Hand auf den Brustkorb. Sage dir leise: „Möge ich heute freundlich mit mir sein. Möge ich Halt spüren.“ Atme 5 Atemzüge lang in diese Geste.

Diese kurze Sequenz senkt Scham, reduziert Selbstkritik und erleichtert es, bei deinen Grenzen zu bleiben.

Professionelle Hilfe: Wann, wo, wie?

  • Wann? Wenn Schlaf/Appetit dauerhaft stark leiden, wenn Panik/Depression dominiert, bei Gewalt/Trauma, bei wiederholten Rückfällen trotz Plan.
  • Wo finden? Hausarzt/Hausärztin, Psychotherapeut:innenverzeichnisse, Beratungsstellen, betriebliche Gesundheitsangebote, Online-Therapien.
  • Was passt?
    • Emotionsfokussierte Therapie (EFT) für Bindungsthemen (Johnson, 2004).
    • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) für Grübeln/Verzerrungen.
    • Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) für Werteklärung/Umsetzungsenergie.
    • Achtsamkeitsbasierte Verfahren (MBSR/MBCT) zur Emotionsregulation (Hofmann et al., 2012).

Bitte beachte: Dieser Artikel ersetzt keine Therapie. Er ist ein strukturierter Leitfaden, der Behandlung sinnvoll ergänzen kann.

Arbeitsblatt: „Stop–Start–Continue“ für klare Grenzen

  • Stop: 3 Dinge, die ich ab heute unterlasse (z. B. Profil-Check, alte Chats lesen, Orte aufsuchen).
  • Start: 3 Dinge, die ich ab heute beginne (z. B. 10 Min Atem, 20 Min Walk, 1 Check-in-Call/Tag).
  • Continue: 3 Dinge, die mir bereits helfen (z. B. App-Limits, Schlafroutine, Wochenreview).

Hänge die Liste sichtbar auf und aktualisiere sie wöchentlich.

Typisch sind 30–45 Tage. Wenn du danach noch stark reaktiv bist (Schlaf schlecht, starker Drang, Social-Media-Checking), verlängere auf 60 Tage. Qualität zählt mehr als eine magische Zahl.

Sicherheit vor Stil: Bei Grenzverletzungen/Stalking blockieren. Sonst reicht oft Stummschalten/Entfolgen, um Eskalationen zu vermeiden. Entscheide nach Kontext und deinem Nervensystem.

„Grauer Fels“: Nur Logistik, ein Kanal, wöchentliche Sammelkommunikation, keine Beziehungsthemen. Schablonen helfen. Halte dich an Zeiten und sachlichen Ton.

Nicht sofort antworten. Prüfe Logistik vs. Emotionales. Logistik: kurz, sachlich. Emotional: verweise freundlich auf deinen Abstand. Danach Selbstfürsorge.

Schmerzhaft, ja. Trotzdem gilt No Contact. Social-Media-Detox verschärfen. Fokus zurück auf dich. Rebound-Beziehungen des Ex sind kein valider Grund, deine Heilung zu sabotieren.

In der Kernphase nein. Es verlängert den Entzug. Später kannst du das kontextabhängig neu bewerten.

Nein. Analysiere den Auslöser, justiere deine Umgebung (mehr Block/Filter), verlängere die Sperre minimal und mach weiter. Fortschritt ist keine Gerade.

No Contact ist keine Strafe, sondern Selbstschutz. Wer reif und respektvoll ist, wird deine Grenzen später respektieren. Wer nur auf permanente Verfügbarkeit reagiert, war nie eine sichere Basis.

Ja. Auch „Dumper“ brauchen Distanz, um Klarheit und Verantwortung zu sortieren. Panik-Entschuldigungen sind selten hilfreich. Stabilität zuerst.

Nur wenn du stabil bist, keine Agenda hast und konkrete Gründe für einen neutralen Austausch vorliegen. Ein kurzer, respektvoller Ping – dann Raum lassen.

Kurze, bedeutungslose Pings („Wie geht’s?“ ohne Inhalt) oder plötzliche „Sog“-Nachrichten nach Funkstille sind Tests. Antworte nicht oder verweise sachlich auf deinen Abstand. Beobachte, ob Taten der Worte folgen – nicht umgekehrt.

Setze klare Info-Grenzen („Bitte keine Updates über X“). Akzeptiere, dass einzelne Kontakte vorübergehend Pause brauchen. Suche aktiv neutrale soziale Felder.

Fazit: Funkstille als Brücke zu Klarheit und Würde

Ich weiß, wie schwer die ersten Tage sind. Du kämpfst nicht gegen eine Laune – du arbeitest mit einem komplexen Bindungs- und Belohnungssystem. Genau deswegen wirkt Kontaktsperre: Sie gibt deinem Nervensystem Zeit, sie baut Selbstregulation auf, sie schenkt dir Perspektive. Ob du am Ende zurückkehrst oder loslässt – die Monate nach einer Trennung prägen, wie du liebst. Mit jedem Tag, an dem du dich für Ruhe, Struktur und Selbstrespekt entscheidest, baust du die Grundlage für eine gesunde Zukunft.

Erlaube dir, diesen Schritt zu gehen. Und erinnere dich: Du bist nicht alleine. Millionen haben diesen Weg beschritten, und die Wissenschaft steht an deiner Seite.

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