Kontaktsperre bei kurzer Beziehung: Wie lange?

Kurze Beziehung, Kontaktsperre: Wie lange wirklich? Ehrliche Antwort.

20 Min. Lesezeit Kontaktsperre

Warum du diesen Artikel lesen solltest

Du fragst dich, wie lange eine Kontaktsperre nach einer kurzen Beziehung – vielleicht nur wenige Monate – sinnvoll ist? Du willst einerseits heilen und emotionale Klarheit gewinnen, andererseits den Kontakt nicht so lange abbrechen, dass alle Chancen vertrocknen. Dieser Artikel gibt dir eine fundierte, realistische Antwort. Grundlage sind Forschungsergebnisse aus Bindungspsychologie (Bowlby, Ainsworth; Hazan & Shaver), Neurochemie der Liebe (Fisher, Acevedo, Young), sowie Trennungs- und Beziehungsforschung (Sbarra, Marshall, Field, Gottman, Johnson, Hendrick). Du bekommst konkrete Zeitspannen, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, Szenarien aus der Praxis, Formulierungsbeispiele – und Kriterien, wann du die Kontaktsperre anpassen solltest.

Was bedeutet Kontaktsperre – speziell nach einer kurzen Beziehung?

"Kontaktsperre" (oft auch No Contact; NC) heißt: Du reduzierst jeden nicht zwingend nötigen Kontakt zu deinem Ex-Partner auf null – keine Nachrichten, keine Likes, kein "nur mal schauen". In der Anwendung nach einer kurzen Beziehung (z. B. wenige Wochen bis wenige Monate) hat NC zwei zentrale Ziele:

  1. Biochemisches "Detox": Nach der Trennung entgleist das Belohnungs- und Stresssystem. NC reduziert Trigger, die wiederholt Stress, Sehnsucht und Grübeln anfeuern.
  2. Psychologische Neuausrichtung: Du räumst deinen inneren Raum auf – Identität, Erwartungen, Grenzen. Erst dann lässt sich prüfen, ob und wie ein neuerlicher Kontakt sinnvoll ist.

Eine kurze Beziehung hat Besonderheiten: Die Bindung ist oft noch im Aufbau, idealisierte Anteile sind stark, Alltagserfahrung gering. Daher ist die Kontaktsperre meist kürzer als nach langjährigen Beziehungen – aber sie ist nicht optional. Gerade in der "Limerenz"-Phase (intensive Verliebtheitsgefühle) können sporadische Pings und Social-Media-Spuren deine Emotionen massiv retriggern.

Die Neurochemie der Liebe ist vergleichbar mit einer Drogenabhängigkeit. Trennung kann Entzug bedeuten – und Kontakt wirkt wie ein Rückfall-Trigger.

Dr. Helen Fisher , Anthropologin, Kinsey Institute

Wissenschaftlicher Hintergrund: Warum Kontaktsperre wirkt

  • Bindungssystem: Bowlby und Ainsworth zeigten, dass Trennungen das Bindungssystem aktivieren. Bei Zurückweisung oder Verlust können sich Verhaltensmuster (Nähe suchen, protestieren, Rückzug) überschlagen. Hazan & Shaver übertrugen die Bindungstheorie auf romantische Beziehungen – mit Ängstlich-ambivalenten, vermeidenden und sicheren Mustern.
  • Schmerz- und Belohnungsnetzwerke: fMRI-Studien belegen, dass sozialer Schmerz ähnliche Hirnregionen aktiviert wie physischer Schmerz (Eisenberger et al.; Kross et al.). Fisher et al. fanden bei romantischer Zurückweisung Aktivität in Belohnungsarealen – die Gier nach "mehr von jener Person" ist also neurochemisch verankert. NC reduziert die Zufuhr dieser Trigger.
  • Paarbindung als Neurochemie: Oxytocin, Vasopressin und Dopamin sind bei Paarbindung relevant (Young & Wang). Frühphasen romantischer Beziehungen sind durch hohe Belohnungssensitivität und Idealisierung gekennzeichnet – nach Trennung plus Kontakt entsteht ein Ping-Pong aus Hoffnung und Enttäuschung.
  • Selbstregulation und Rumination: Sbarra und Kolleg:innen zeigen, dass häufiger Kontakt, Monitoring und Grübeln mit länger anhaltendem Stress, Schlafproblemen und verzögerter Erholung korrelieren. NC ist kein Zaubertrick, aber ein wirksamer Rahmen für Selbstregulation.
  • Digitale Trigger: Marshall et al. fanden, dass Social-Media-Überwachung von Ex-Partnern mit mehr Belastung und mehr Sehnsucht einhergeht. Eine Kontaktsperre beinhaltet daher immer auch digitale Hygiene.

Kurz: Kontaktsperre bei kurzer Beziehung ist ein neuropsychologisches Reset. Sie reduziert Reizüberflutung, senkt die Wahrscheinlichkeit impulsiver Fehler und schafft Raum für realistische Neubewertung – ob für Neuanbahnung oder Abschluss.

Vertiefung: Warum intermittierende Belohnung dich festhält

Unvorhersehbare, sporadische Antworten (z. B. ein Like hier, eine späte Nachricht dort) verstärken die Erwartung auf „vielleicht heute“. Diese intermittierende Verstärkung hält Suchtkreisläufe aktiv. NC unterbricht genau dieses Muster und ermöglicht, dass das Belohnungssystem zur Ruhe kommt.

Wie lange sollte die Kontaktsperre dauern – bei wenigen Monaten Beziehung?

Die Dauer hängt vom Ziel (Heilung vs. Wiederannäherung), der Bindungsdynamik, der Trennungsart und deinen Lebensumständen ab. Für kurze Beziehungen (wenige Wochen bis wenige Monate) sind evidenznahe Richtwerte praktikabel:

  • Sehr kurze Affäre/Datingsituation (2–8 Wochen): 14–21 Tage NC
  • Kurze Beziehung (1–3 Monate): 21–30 Tage NC
  • Kurze Beziehung (3–6 Monate): 30–45 Tage NC

Warum diese Spannen? Nach 2–3 Wochen nimmt die akute Reaktivität messbar ab (Schlaf, Cortisol, Grübeln). Nach 3–4 Wochen sind kognitive Neubewertung und Routineaufbau stabiler. Länger als 45–60 Tage bei sehr kurzer Beziehung ist selten nötig – außer bei stark toxischen Mustern, Gewalt oder massiver Co-Abhängigkeit. In diesen Fällen geht es nicht um NC zur Wiederannäherung, sondern um Schutz und langfristigen Abstand.

Wichtig: Sicherheitsrelevante Themen (Gewalt, Stalking, Drohungen) erfordern klare No-Contact-Regeln ohne zeitliche Perspektive auf Wiederannäherung. Hole dir in solchen Fällen Unterstützung (z. B. Beratung, ggf. juristisch). NC ist dann Schutzmaßnahme, nicht Strategie.

Fine-Tuning: Faktoren, die die Länge beeinflussen

  • Wer hat Schluss gemacht? Wenn du verlassen wurdest, brauchst du mehr Detox (21–30 Tage). Wenn du Schluss gemacht hast, kann kürzer reichen (14–21 Tage) – außer du bist emotional stark verstrickt.
  • Intensität statt Dauer: 6 Wochen „Limerenz“ mit täglichem Kontakt können emotional bindender sein als 4 Monate „on/off“. Fühle eher in Intensität und Auflösungsschwierigkeit hinein.
  • Bindungsstil: Ängstlich-ambivalente profitieren von klarerer, eher längerer NC (30–45 Tage), Vermeidende manchmal von strukturierter, nicht "endloser" NC (21–30 Tage), damit Prokrastination keine Nähe verhindert. Sichere kommen oft mit 21–30 Tagen gut klar.
  • Gemeinsamer Alltag: Arbeitskolleg:in? Gemeinsame Freundesgruppe? Dann wähle "Low Contact" mit strikten Grenzen – und verlängere die Phase eher an die Obergrenze.
  • Ziele: Wenn „Ex zurück“ ein ernsthaftes Ziel ist, plane mindestens 21–30 Tage – zu kurze NC riskiert Rückfälle und kommunikative Fehler. Wenn dein Ziel ausschließlich Heilung ist, können 30–45 Tage stabilisierend wirken.

14–30 Tage

Typische NC-Dauer bei 2–12 Wochen Beziehung

0 Nachrichten

Kein Kontakt – keine Ausnahmen für „Wie-geht’s?“

3 Kernziele

Regulieren, Neubewerten, Stabil handeln

No-Contact, Low-Contact, Grey-Rock: Was passt zu dir?

  • No-Contact: Vollständiger Kontaktabbruch außer rechtlich/organisatorisch Notwendigem. Ideal, wenn ihr getrennte Lebenswelten habt.
  • Low-Contact: Nur sachliche, kurze Kommunikation, wenn ihr euch zwangsläufig seht (Arbeit, WG, gemeinsame Projekte). Kein Smalltalk, keine Gefühlsgespräche.
  • Grey-Rock: Extrem neutrale, unpersönliche Reaktion, um Drama-Dynamiken zu entschärfen (hilfreich bei toxischen Interaktionen). Keine Rechtfertigungen, keine Trigger-Themen.

Entscheidungs-Flow: Finde deine NC-Dauer

  1. Beziehungslänge < 3 Monate? Ja → Basis 21–30 Tage. Nein → anderer Leitfaden.
  2. Hohe Limerenz/Grübelzwang? Ja → +7–14 Tage.
  3. Gemeinsame Alltagskontakte? Ja → Low-Contact-Regeln plus +7 Tage.
  4. Ziel „Heilung only“? Ja → 30–45 Tage anpeilen.
  5. Sicherheitsrisiko oder toxische Muster? Ja → Unbefristete NC, externe Hilfe.

Die Phasen der Kontaktsperre (kurze Beziehung)

Phase 1

Entzug & Stabilisierung (Tage 1–7)

  • Akzeptiere, dass Rückzug Symptome triggert (Schlaf, Appetit, Grübeln).
  • Entferne digitale Trigger: Mute, entfolgen, Archivieren von Chats.
  • Akute Selbstfürsorge: Schlafrhythmus, Bewegung, soziale Unterstützung.
  • Notfallplan für Cravings: 3 Personen, die du statt Ex kontaktierst; 10-Minuten-Regel vor jeder Impulsnachricht.
Phase 2

Neuordnung & Identität (Tage 8–21)

  • Reflektiere Bindungsdynamik: Welche Bedürfnisse blieben offen?
  • Schreibe „Beziehungsinventur“: Fakten vs. Fantasie.
  • Mikroziel-Programm: Täglich 1 winziger Schritt (z. B. 15 Minuten Lernen, Sport, Spaziergang).
  • Reizmanagement: Ort- und Musik-Trigger temporär ersetzen.
Phase 3

Re-Appraisal & Weichenstellung (Tage 22–30/45)

  • Prüfe: Ziel Heilung vs. erneute Annäherung?
  • Entwickle Kommunikationsrahmen für den Re-Start (falls sinnvoll): neutral, wertschätzend, niedrigschwellig.
  • Teste emotionale Stabilität: Kannst du eine neutrale Antwort geben, ohne dich zu überrollen?

Praxis: Exakte Schritte für eine kurze Beziehung (wenige Monate)

1Starte sauber: NC-Startbotschaft

Du musst NC nicht ankündigen – aber bei kurzer Beziehung kann eine respektvolle Abschlussnachricht hilfreich sein, um Eskalation und Missverständnisse zu vermeiden.

Option A – knappe Klarheit: „Ich brauche jetzt erstmal etwas Abstand und melde mich, wenn sich die Wogen gelegt haben. Ich wünsche dir bis dahin alles Gute.“

Option B – wertschätzend, etwas ausführlicher: „Unsere Trennung fällt mir nicht leicht. Damit wir beide wieder klarer denken können, mache ich für einige Wochen Funkstille. Das ist kein Spiel, sondern Selbstschutz. Danke fürs Verständnis.“

Nicht senden: Rechtfertigungs-Romanze, Schuldzuweisungen, verdeckte Bitten („Meld dich, wenn du mich vermisst“), Eifersuchts-Peaks.

2Digitale Hygiene

  • Chatverlauf archivieren, nicht löschen. Löschen triggert oft Reue; Archiv verhindert Scrollen.
  • Stummschalten oder entfolgen. "Soft mute" ist besser als harte Blockade, außer bei Missbrauch.
  • Entferne Erinnerungs-Trigger aus dem Sichtfeld: Fotos in einen externen Ordner.
  • Kein "Statusspiel": Keine kryptischen Posts, keine unterschwelligen Botschaften an die/den Ex.

3Soziale Struktur

  • 2–3 Personen als „Kontaktsperren-Buddies“: Sie halten dich accountable, wenn der Impuls kommt, zu schreiben.
  • Aktivität vor Grübeln: Plane fix 2–4 Aktivitäten pro Woche mit Bewegung und sozialer Qualität.
  • Triggerlandkarte: Orte, Routen, Cafés, Playlists – temporär ersetzen.

4Selbstregulation in Krisenmomenten

  • 4-7-8-Atmung, kaltes Wasser (Gesicht), kurze intensive Belastung (z. B. 30 Sekunden Wall-Sit), um Stresskurven zu unterbrechen.
  • 10-Minuten-Protokoll: Wenn Schreibimpuls kommt, schreibe alles in eine Notiz – nicht abschicken. Nach 10 Minuten neu bewerten.
  • Wähle eine Ersatzhandlung mit „kleinem Sieg“: 10 Liegestütze, kurzes Aufräumen, 5 Kontakte in deinem Netzwerk pflegen.

5Kognitive Neubewertung

  • Liste „Fakten vs. Fantasie“: Was weißt du wirklich über euch? Was hast du idealisiert? Welche Konflikte wurden nur vertagt?
  • 3 Perspektiven: Deine Sicht, die Sicht deines Ex, Sicht einer neutralen Person – jeweils mit wohlwollender Interpretation der Motive.
  • Lernpunkte notieren: Was brauchst du künftig? Wie erkennst du früh red flags (Inkonsequenz, mangelnde Verfügbarkeit, Kommunikationsstil)?

6Gesundheitliche Basis

  • Schlaf, Ernährung, Bewegung, Sonne – die simplen Dinge sind jetzt Hebel mit großem Effekt auf Stimmung, Stresshormone, Selbstkontrolle.
  • Minimale digitalfreie Zeiten täglich (z. B. 1 Stunde), um das Nervensystem zu entspannen.

Konkrete Dauer-Empfehlungen nach Beziehungslänge

2–8 Wochen Daten/Beziehung

  • 14–21 Tage Kontaktsperre
  • Kurzer Re-Start möglich, wenn du innerlich ruhig bist.
  • Fokus: Klärung, ob echte Kompatibilität vorhanden ist oder nur Chemie.

1–3 Monate Beziehung

  • 21–30 Tage Kontaktsperre
  • Danach Testkontakt in 1–2 ruhigen, sachlichen Schritten.
  • Fokus: Muster erkennen (Zuverlässigkeit, Gesprächskultur), nicht Romantik pushen.

3–6 Monate Beziehung

  • 30–45 Tage Kontaktsperre
  • Intensiver Detox und Identitätsarbeit.
  • Re-Start nur, wenn neue Rahmenbedingungen realistisch sind.

Ausnahmen (toxisch/gefährlich)

  • Unbefristete Kontaktsperre
  • Sicherheit & Hilfe priorisieren
  • Kein Re-Start-Fokus

Re-Start: Wie du nach NC wieder Kontakt aufnimmst (wenn sinnvoll)

Ziel ist ein leichter, freundlicher, druckfreier Kontakt. Kein "Wir müssen reden". Kein "Ich hab nachgedacht und…"-Monolog. Stattdessen: niedrigschwellig, wertschätzend, konkreter Mini-Anknüpfpunkt.

  • Eisbrecher 1 (neutral): „Hey, ich hoffe, es geht dir gut. Ich hab letztens an [neutrales Thema] gedacht – musste schmunzeln. Kein Stress, nur ein Gruß.“
  • Eisbrecher 2 (Wertschätzung ohne Druck): „Mir ist aufgefallen, dass ich [konkrete Qualität] an dir mochte. Wollte dir das sagen, ohne Erwartung. Ich hoffe, du hast eine gute Woche.“
  • Eisbrecher 3 (Mini-Vorschlag): „Wenn du magst, Kaffee in [Ort] nächste Woche – ganz locker. Wenn nicht, alles gut.“
Vermeide: Love Bombing, Rechtfertigungsromane, Forderungen, Eifersuchts-Elemente, offene Ultimaten.

Was, wenn keine Antwort kommt?

  • Warte 7–10 Tage und sende maximal einen zweiten, noch kürzeren Ping. Danach: loslassen. Stille ist eine Information.

Was, wenn die Antwort lau ist?

  • Mirror the energy. Halte es leicht. Keine langen Gespräche. Baue maximal ein neutrales Treffen auf, wenn beidseitig Interesse spürbar ist.

Was, wenn die Antwort sehr positiv ist?

  • Beruhigen, nicht beschleunigen. Kurze Beziehung = wenige Datenpunkte. Baue in Mini-Schritten Vertrauen auf: Pünktlichkeit, Konsistenz, klare Kommunikation. Erst Stabilität, dann Intensität.

Bindungsstile und NC-Länge: Anpassungen

  • Ängstlich-ambivalent: Stärkerer Kontaktzug, mehr Grübeln. Empfehlung: 30–45 Tage NC, feste Routinen, klare Notfallpläne. Re-Start nur, wenn du die eigene Beruhigungsfähigkeit spürst.
  • Vermeidend: Gefahr der Übervermeidung – NC kann zur Vermeidung von Nähe genutzt werden. Empfehlung: 21–30 Tage NC, danach bewusst kleine Öffnungsschritte, wenn du wirklich Interesse an Wiederannäherung hast.
  • Sicher: 21–30 Tage NC sind meist ausreichend. Fokus auf sachliche Klärung und wertschätzenden Ton.

Bindungsstile sind Tendenzen, keine Schicksale. Nutze sie als Spiegel, nicht als Etikett.

Häufige Fehler in der Kontaktsperre – und wie du sie vermeidest

  • Mikro-Kontakt: „Nur eine Story anschauen“, „Nur den Status prüfen“ – das sind Trigger in Verkleidung. Lösung: Radikale digitale Hygiene.
  • Doppelbotschaften: NC ankündigen und dann doch schreiben. Lösung: Vorab-Plan, Buddy, Notfallliste.
  • Eifersucht über Dritte: „Ich poste mit Absicht mit XY“ – erodiert Vertrauen, wirkt manipulativ. Lösung: Authentizität und Ruhe.
  • Rauschmittel & NC: Alkohol + Handy = Fehler. Lösung: Handysperre, abends Flugmodus, digitale Grenzen.
  • Über-Analyse: Ständiges Grübeln führt zu Erschöpfung. Lösung: Zeitfenster fürs Reflektieren (z. B. 20 Minuten/Tag) und dann Fokuswechsel.

Wenn ihr euch seht: Arbeit, Freundeskreis, Nachbarschaft

  • Low-Contact-Regeln: Nur sachlich, kurz, freundlich. Keine privaten Updates, keine Emotionsthemen. Vermeide Blicke, die als Einladung gedeutet werden könnten.
  • Gemeinsame Freund:innen: Bitte um Neutralität, keine Nachrichtenüberbringer:innen. Kein "Sag ihm/ihr, ich...".
  • Grenzen wie ein Pro: „Ich halte es erstmal sachlich. Danke fürs Verständnis.“

Szenarien aus der Praxis (Beispiele)

  1. Sarah, 34, 9 Wochen Beziehung, sie wurde verlassen. Intensiver Start, dann Rückzug seinerseits. Empfehlung: 21–30 Tage NC. Ergebnis: Nach 25 Tagen neutraler Re-Start, 2 Kaffee-Dates, erkannt: Werte passen nicht. Frieden statt Ping-Pong.
  2. Jonas, 29, 4 Monate Beziehung, er hat Schluss gemacht, fühlt sich aber hin- und hergerissen. Empfehlung: 30–45 Tage NC wegen hoher emotionaler Verstrickung. Ergebnis: Nach 33 Tagen ein ruhiges Gespräch, beide erkennen Tempo-Differenzen; freundlicher Abschluss.
  3. Lea, 27, 6 Wochen „fast Beziehung“, Trennung per Text. Empfehlung: 14–21 Tage NC. Ergebnis: Nach 18 Tagen kurzer Ping, Treffen; sie bemerkt Inkonsequenz – entscheidet sich gegen Wiederaufnahme.
  4. Mehmet, 31, 3 Monate Beziehung, gemeinsamer Freundeskreis. Empfehlung: Low Contact + 30 Tage NC privat. Ergebnis: Nach 5 Wochen neutrales Beisammensein im Freundeskreis ohne Spannung, später lockeres Wiederanbahnen – diesmal langsam.
  5. Alina, 40, 5 Monate, starke Limerenz, Schlafstörungen, ständiges Checking. Empfehlung: 45 Tage NC, therapeutische Begleitung. Ergebnis: Deutlich ruhiger, entscheidet, keinen Re-Start zu versuchen.
  6. Daniel, 33, 2 Monate, er wünscht Ex zurück; beide kommunikativ, aber verletzt. Empfehlung: 21–30 Tage NC, danach strukturierter Re-Start: 2 kurze Treffen, klare Absprachen, dann Neustart auf Probe.

Mini-Checkliste: Bist du bereit für den Re-Start?

  • Du kannst die Beziehung in Stärken UND Schwächen sehen, nicht nur idealisiert.
  • Du würdest auch „Nein“ sagen, wenn alte Muster auftauchen.
  • Du brauchst kein sofortiges Commitment, um dich sicher zu fühlen.
  • Du kannst dich ehrlich ausdrücken, ohne Schuldzuweisung oder Drang zur Rechtfertigung.

Wenn nein: NC verlängern (z. B. um 1–2 Wochen) und weiter stabilisieren.

Formelsammlung: Deine persönliche NC-Dauer

Nutze diese pragmatische Faustformel, wenn du bei wenigen Monaten unsicher bist:

  • Basis: 21 Tage
  • +7 Tage bei starker Limerenz/Grübelzwang
  • +7–14 Tage bei gemeinsamer sozialer Einbettung (Arbeit, Freundeskreis)
  • +14 Tage bei toxischem Verlauf (ohne Sicherheitsrisiken)
  • −7 Tage, wenn du Schluss gemacht hast und dich emotional stabil fühlst

Obergrenze: 45 Tage (außer bei Sicherheits- oder Missbrauchsfällen – dann unbefristet)

Kommunikation in Sonderfällen

  • Geburtstag während NC: Kurze, neutrale Einzeiler? Bei sehr kurzer Beziehung empfehle ich: kein Kontakt in den ersten 21–30 Tagen. Später: „Alles Gute zum Geburtstag!“ – ohne Zusatz.
  • Ex schreibt dir während NC: Antworte nur auf Sachliches relevant/kurz. Bei emotionalen Nachrichten: „Ich melde mich, wenn ich wieder klarer bin. Danke fürs Verständnis.“
  • Gemeinsame Gegenstände: Einmaliger, sachlicher Austausch. Kein Gespräch über die Beziehung.

NC ist kein Spiel: Ethik und Haltung

  • Ehrlichkeit mit dir selbst: NC dient nicht dazu, dein Gegenüber zu "bestrafen". Es ist eine Methode der Selbstregulation.
  • Respekt: Keine taktischen Eifersuchtsspiele, kein „Hot & Cold“.
  • Verantwortung: Wenn du den Re-Start willst, kommuniziere später klar, ruhig und respektvoll.

Wissenschaft tiefer gedacht: Was passiert in dir?

  • Entzugssymptome: Dopaminabhängigkeit von der Verbindung – NC reduziert unberechenbare Belohnungen (z. B. sporadische Nachrichten), die dein Gehirn in starker Erwartungshaltung halten.
  • Schmerznetzwerke: Soziale Zurückweisung triggert Regionen, die sich mit Schmerz verknüpfen. NC dämpft diese Reizung, weil keine neuen Ablehnungsreize dazukommen.
  • Rumination vs. Sinnkonstruktion: Grübeln vergrößert Leiden. Strukturierte Reflektion in der Phase 2 führt eher zu Sinnkonstruktion und Wachstum.
  • Selbstkonzept: Kurzbeziehungen mischen Identität und Fantasie. NC gibt dir Raum, dein Selbstkonzept zu entkoppeln und zu stärken.

Beispiele für richtige vs. falsche Nachrichten

Falsch: „Ich wollte nur hören, wie es dir geht.“ – verdeckter Beziehungs-Check.
Richtig (Re-Start nach NC): „Hey, kurzer Gruß und danke für das Gute, das wir hatten. Wenn du magst: Kaffee nächste Woche – ganz locker. Kein Stress.“
Falsch: „Denkst du noch an mich? Ich hab so gelitten.“
Richtig: „Ich würde gern hören, wie es dir geht – und kann auch gut respektieren, wenn du keinen Kontakt möchtest.“
Falsch: „Ich vermisse dich, bitte gib uns noch eine Chance!“
Richtig: „Wenn wir es versuchen, würde ich es gern langsam und klar angehen – mit kleinen Schritten und ehrlicher Kommunikation.“

Psychologische Übungen während NC

  • Schreibübung: „Unsent Letter“ – alles aufschreiben, nicht absenden.
  • 3 gute Dinge täglich – trainiert Aufmerksamkeit auf Ressourcen.
  • Wertearbeit: Was ist dir in Partnerschaft wirklich wichtig? Beispiel: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Humor, Verantwortungsgefühl, Neugier.
  • Perspektivwechsel: 2 Sätze, die deine Sicht erweitern („Ich kann verletzt sein und trotzdem freundlich bleiben.“ „Ich kann loslassen und würde dennoch standhaft bleiben, falls es eine neue Chance gäbe.“)

Häufige Mythen zur Kontaktsperre bei kurzer Beziehung

  • Mythos 1: „Bei kurzen Beziehungen lohnt sich NC nicht.“ – Doch. Gerade hier verhindert NC impulsive Eskalationen und bewahrt Würde und Klarheit.
  • Mythos 2: „Wenn ich NC mache, vergisst er/sie mich.“ – Menschen vergessen nicht, wenn echte Verbindung da war. NC schützt vor schlechten Eindrücken.
  • Mythos 3: „Wenn ich mich melde, sehe ich stärker aus.“ – Frühe Kontaktversuche wirken oft bedürftig. Stärke ist, verantwortungsvoll zu handeln.
  • Mythos 4: „NC manipuliert.“ – Absicht und Haltung zählen. NC ist Selbstschutz, nicht Trick. Manipulativ wird es, wenn du bewusst Eifersucht auslöst oder inkonsistent bist.

Erweiterte Sonderfälle

  • On/Off in wenigen Monaten: Eher längere NC (30–45 Tage), weil Musterveränderung Zeit braucht.
  • Distanzbeziehungen: Digitale Trigger sind oft stärker. Strenge digitale Hygiene, klare Re-Start-Kriterien.
  • Rebound-Konstellationen: Wenn dein Ex direkt in etwas Neues gesprungen ist, dient NC deinem Schutz. Keine Triangulation.

Mikro-Plan: 30 Tage NC bei 1–3 Monaten Beziehung

  • Tage 1–3: Ankündigung (optional), digitale Hygiene, Schlafpriorität, Buddy-System.
  • Tage 4–7: Aktivierungsfenster schließen – täglich Bewegung, Notfallkärtchen, keine Social-Media-Checks.
  • Tage 8–14: Inventur (Fakten vs. Fantasie), 3 Lernpunkte notieren, kleine soziale Aktivitäten.
  • Tage 15–21: Wertearbeit, Zukunfts-Skizze, 2–3 Situationen ohne Ex-Trigger meistern.
  • Tage 22–30: Re-Start vorbereiten oder Verlängerung entscheiden. Testfrage: „Kann ich eine neutrale Antwort geben, ohne mich zu verlieren?“

Ethischer Re-Start: Grundregeln

  • Konsens: Beide dürfen „Nein“ sagen, ohne dass ein Drama entsteht.
  • Langsamkeit: Kurze Beziehung? Baue Vertrauen – nicht Tempo.
  • Dokumentiere die Rahmen: „Was braucht jeder von uns, damit es gut funktioniert?“ – klare, kleine Absprachen.

Wenn du etwas falsch gemacht hast: Verantwortung statt Druck

  • Kurze Accountability-Note (nach NC): „Ich habe über [konkretes Verhalten] nachgedacht und übernehme Verantwortung. Ich arbeite an [konkreter Veränderung]. Keine Erwartung – ich wollte es sagen.“
  • Keine Entschuldigungsserien. Einmal klar, dann Raum lassen. Veränderung zeigt sich durch Konsistenz, nicht Worte.

Grenzen zu Situationships & Friends-with-Benefits

  • Kein „Abschlusssex“ in NC. Sex triggert Bindung und verzerrt die Bewertung.
  • Freundschaft als Übergang? Nur, wenn echte Gleichgewichtung möglich ist. Sonst klare Pause.

Neurodiversität & NC (ADHS, Autismus-Spektrum)

  • ADHS: Höheres Impulsrisiko. Tools: App-Blocker, abendlicher Flugmodus, Buddy mit „Vorab-Freigabe“ für Nachrichten (du sendest nichts ohne Check).
  • Autistisches Spektrum: Direkte, klare Regeln helfen. Schreibe dir eine Kommunikationsmatrix (Was antworte ich auf X? Meist: nichts in NC). Vermeide offene Enden.

Selbstmitgefühl statt Selbstkritik

  • Wenn du NC brichst, bewerte es als Datenpunkt, nicht als Versagen. Frage: Was war der Auslöser? Welche Lücke schließe ich? (z. B. Einsamkeit → feste Abendroutine mit Freunden).
  • Kurze Übung (2 Minuten): „Es ist menschlich, dass das weh tut. Viele erleben das. Ich entscheide mich heute für eine freundliche Handlung mir selbst gegenüber.“

Metriken, die dir helfen, Kurs zu halten

  • Schlafdauer/Qualität pro Nacht
  • Bildschirmzeit/Ex-Checking pro Tag (Ziel: 0 Checks)
  • Bewegung (Schritte/Minuten)
  • Soziale Berührpunkte (Anrufe/Treffen)
  • Stimmungsskala 1–10 morgens/abends

Trend statt Perfektion zählt. Stabilität ist attraktiver als Dramatik – auch für dich selbst.

45-Tage-Plan (bei 3–6 Monaten Beziehung oder hoher Verstrickung)

  • Woche 1: Entzug & Sicherheit – alle Trigger raus, Schlaf, Essen, Bewegung, Buddy.
  • Woche 2: Identität – Inventur, Werte, kleine Herausforderungen (z. B. Solo-Ausflug).
  • Woche 3: soziale Reaktivierung – neue/alte Kontakte, Hobbys, Skill-Aufbau.
  • Woche 4: Zukunftsskizze – Was wäre ein „guter“ Neustart? Was sind Dealbreaker?
  • Woche 5–6: Test der inneren Stabilität – Begegnung mit leichten Ex-Triggern (ohne Kontakt), dann Entscheidung: Re-Start testen oder NC fortführen.

Re-Start Playbook: Die ersten 3 Treffen

  • Treffen 1 (30–60 Min.): Neutraler Ort, keine Vergangenheitsschlacht. Ziel: Tonlage, Leichtigkeit, Respekt.
  • Treffen 2 (60–90 Min.): Etwas persönlicher. Teile 1–2 Lernpunkte von dir, ohne Forderung. Beobachte Konsistenz.
  • Treffen 3 (max. 2 Stunden): Wenn die ersten beiden gut liefen, vorsichtige Rahmung: „Wenn wir’s probieren, dann langsam, ehrlich, verbindlich in Kleinigkeiten. Wie siehst du das?“

Abbruchkriterien: Respektlosigkeit, Unklarheit bei Basics (Zeit, Verfügbarkeit), altes Drama. Dann freundlich, klar: „Ich merke, das passt nicht – ich bleibe bei Abstand.“

Arbeitsumfeld: Low-Contact konkret

  • Standardantwort-Vorlage: „Klingt gut, ich schicke dir die Datei bis 16 Uhr.“ – Keine Emojis, keine Nebenthemen.
  • Meeting-Strategie: Sitzplatz mit Fluchtlinie, klare Agenda, danach sofortiger Kontextwechsel (kurzer Spaziergang, Anruf beim Buddy).
  • After-Work: In den ersten 30 Tagen freundlich absagen, um Grauzonen zu vermeiden.

LGBTQIA* und kulturelle Aspekte

  • In kleineren Communities sind Berührungspunkte höher. Nutze Low-Contact plus klare Grenzen mit Freund:innen (kein Gossip, keine Spitzelrollen).
  • Kulturelle Erwartungen (z. B. „man muss sofort klären“) können Druck erzeugen. Erlaube dir, Tempo selbst zu wählen.

Häufige kognitive Verzerrungen nach Trennungen

  • Sunk-Cost-Fallacy: „Ich habe schon so viel investiert…“ – Investition rechtfertigt nicht weitere Investition ohne Perspektive.
  • Knappheits-Bias: „Ich finde nie wieder so jemanden“ – statistisch unwahrscheinlich; dein Netzwerk ist größer als dein Gefühl.
  • Rosafärbung der Vergangenheit: Das Gehirn blendet Schmerzen aus. Gegenmittel: Inventur-Liste regelmäßig lesen.

Wenn dein Ex während NC datet

  • Deine Aufgabe bleibt gleich: Stabilität, Würde, Klarheit. Keine Triangulation, kein Schattenkrieg in Social Media. Wenn es dich stark triggert: NC verlängern, Social Media pausieren.

Wenn du NC gebrochen hast: 3-Schritte-Reset

  1. Stopp: Kein weiteres Nachschieben.
  2. Analyse: Was war der Auslöser? (Zeit, Ort, Gefühl, Bedürfnis)
  3. Anpassung: Konkrete Barriere einbauen (z. B. abends Handy in andere Wohnungsecke; Buddy für „rote Uhrzeit“).

Erweiterte FAQ

Bei sehr kurzer Beziehung und echtem beidseitigem Wunsch kannst du prüfen – aber nur, wenn du innerlich ruhig bist. Vorschlag: kurzes Treffen im öffentlichen Rahmen, kein Beziehungs-Talk.

Ja – aber aus Selbstachtung, nicht aus Taktik. Stabilität, Schlaf, Sozialkontakte, Konsistenz. Substanz schlägt „Glow-Up“-Show.

Sie kann die Qualität der NC erhöhen. Verkürzen ist nicht das Ziel; Klarheit ist das Ziel. Gute Begleitung verhindert häufige Rückfälle.

Schnelle, sachliche Trennung: Passwörter ändern/teilen, klare Deadlines, keine Nebenkommentare.

Meist nicht. Unklare Rahmen reaktivieren alte Unsicherheiten. Wenn Neustart: kleine klare Absprachen statt „mal schauen“.

Ja. Träume sind Verarbeitungsprozesse. Kein Handlungsauftrag. Notiere sie, atme, weiter Kurs halten.

Setze eine klare Grenze: „Ich probiere 30 Tage Ruhe. Unterstütz mich bitte, nicht das Gegenteil.“

Bewegung reguliert Stress, verbessert Schlaf, stärkt Selbstwirksamkeit – einer der besten NC-Verstärker.

Lies deine Inventur-Liste. Sprich mit einer ehrlichen Person. Vergleiche konkrete Verhaltensdaten, nicht Gefühle.

Wenn du vermeidest statt heilst: Du denkst kaum noch an die Person, und doch schiebst du klare Klärung aus Angst vor Nähe auf. Dann: wohldosierte Öffnung testen.

Signale deines Nervensystems: Grünes, Gelbes, Rotes Licht

  • Grün – Re-Start realistisch: Schlaf weitgehend stabil, seltene Impulswellen, du kannst die Vergangenheit nüchtern besprechen; du würdest ein „Nein“ akzeptieren.
  • Gelb – Vorsicht: Gedankenkreisen nimmt noch >30 Minuten/Tag ein, Social-Media-Drang vorhanden, du hoffst auf „magische“ Lösungen. Lösung: 1–2 Wochen verlängern, Alltagsstruktur stärken.
  • Rot – NC fortsetzen: Starke Impulse (Schreiben, Fahren zu Orten), Appetit/Schlaf massiv gestört, du willst beweisen/überzeugen. Lösung: klare Barrieren, Buddy aktivieren, ggf. professionelle Hilfe.

SMS-Toolkit: 12 zusätzliche Formulierungen für den Re-Start

  • Neutraler Ping: „Kurzer Gruß aus [Ort/Ereignis]. Ich wünsche dir eine gute Woche.“
  • Mini-Ressource teilen: „Das Buch/Podcast zu [Thema], das du mochtest: [Link]. Kein Need to reply.“
  • Sachlicher Follow-up: „Ich habe [Gegenstand] gefunden. Kann ich ihn am Do. 18:00 vor die Tür legen?“
  • Wertschätzung ohne Erwartung: „Danke für [konkrete Hilfe/Erinnerung]. Wollte das nicht unter den Tisch fallen lassen.“
  • Grenzen wahren: „Ich bleibe gerade noch etwas in Funkstille. Melde mich, wenn ich klarer bin.“
  • Einladung light: „Ich bin am Sa. 15:00 im [Ort] Kaffee holen. Wenn es passt, 20 Minuten? Ganz locker.“
  • Absage freundlich: „Danke für die Einladung. Ich halte es noch ruhig – vielleicht ein andermal.“
  • Kein Interesse signalisieren (falls erkannt): „Danke für deine Nachricht. Ich wünsche dir aufrichtig alles Gute – ich halte Abstand.“
  • Nach lamer Antwort: „Alles klar, dann dir eine gute Woche.“
  • Nach positivem Ping: „Freut mich. Lass uns’s langsam angehen – Kaffee ja, Vergangenheit später.“
  • Accountability-Notiz: „Ich hab über [Konflikt] nachgedacht. Ich hätte früher klarer sein sollen. Das nur als Info – kein Erwartungsdruck.“
  • Schlussstrich (falls nötig): „Ich merke, dass Kontakt mich zurückwirft. Ich ziehe mich länger zurück. Alles Gute dir.“

WG oder häufige Begegnungen: 7-Punkte-Plan

  1. Kommunikationskanal festlegen (nur Text, nur Sachliches, Antwortfenster z. B. 12–18 Uhr).
  2. Zonen trennen (Küche-Benutzungszeiten, Bad-Slots, Postfach).
  3. Visuelle Trigger minimieren (Gegenstände in Kisten, neutrale Flächen).
  4. Hausregeln schriftlich fixieren, neutraler Ton.
  5. Social Spillover vermeiden: Mitbewohner:innen nicht einbeziehen.
  6. Notfallformel bei emotionalen Ausbrüchen: „Ich spreche jetzt nicht darüber. Wir klären Organisatorisches morgen 17 Uhr.“
  7. Exit-Strategie zeitlich planen (Zwischenlösung: Workspaces, Sport, Freunde), bis NC abgeschlossen ist.

Selbsttest: Beende ich NC zu früh?

Beantworte 12 Fragen mit 0–2 Punkten (0 = trifft nicht zu, 2 = trifft zu):

  1. Ich kann mir ein realistisches Nein vorstellen, ohne zusammenzubrechen.
  2. Mein Schlaf ist 10 von 14 Nächten okay.
  3. Ich checke Social Media des Ex nicht (0–1x/Woche).
  4. Ich habe eine Woche ohne impulsive Schreibwünsche erlebt.
  5. Ich habe konkrete Lernpunkte formuliert (mind. 3).
  6. Ich fühle Neugier statt Drang, etwas zu beweisen.
  7. Ich kann Grenzen freundlich äußern.
  8. Ich habe mein Unterstützungsnetz aktiviert (2 Personen).
  9. Ich nutze Stress-Tools automatisch (Atmung, Bewegung).
  10. Ich habe keine „magischen“ Erwartungen.
  11. Ich kann kurz, neutral, respektvoll schreiben.
  12. Ich bin bereit, langsam zu gehen.

Auswertung: 0–12 = NC verlängern; 13–18 = gelbe Zone, noch 7–14 Tage; 19–24 = Re-Start testweise möglich.

Interesse vs. Höflichkeit: Woran du Re-Start-Signale erkennst

  • Konsistenz: Antworten innerhalb 24–48 Stunden vs. sporadische Pings nur nachts.
  • Initiativen: Ex macht eigene Vorschläge (Zeit/Ort), nicht nur „vielleicht irgendwann“.
  • Invest: Nachfragen zu dir, Bezug auf gemeinsame Insider, kleine Fürsorglichkeiten.
  • Zukunftsbezug: „Dann sehen wir uns nächste Woche“ statt unverbindlicher Floskeln.
  • Grenzen-Respekt: Deine Tempo-Wünsche werden akzeptiert.

Wenn nur Höflichkeit: kurze, späte Antworten, keine Fragen, kein Vorschlag, Ausweichen bei Treffen – dann loslassen oder Abstand vergrößern.

Wenn „Freundschaft“ angeboten wird

  • Klarheit prüfen: Willst du echte Freundschaft – oder hoffst du heimlich? Wenn Letzteres: vorerst Nein.
  • Formulierung: „Danke für das Angebot. Ich brauche erst Abstand, um ehrlich freundschaftlich sein zu können. Melde mich, wenn das realistisch ist.“

Sex während/kurz nach NC – und jetzt?

  • Stoppe weitere Intimität bis zur Klärung. Sex stärkt Bindung und verwischt Signale.
  • Mini-Klärung: „Wenn wir uns sehen, dann ohne Sex, bis wir wissen, was wir wollen.“
  • Wenn es ein Ausrutscher war: NC 14–21 Tage verlängern, Routinen schließen (Abende strukturieren).

Mikro-Skills für akute Momente

  • STOPP (anhalten – tief atmen – beobachten – Perspektive wählen – planen). 90 Sekunden reichen oft, um eine Impulswelle abklingen zu lassen.
  • Name it to tame it: Benenne das Gefühl („Traurig/ängstlich/leer“) – das reduziert Intensität messbar.
  • 5–4–3–2–1: 5 Dinge sehen, 4 fühlen, 3 hören, 2 riechen, 1 schmecken – Nervensystem erden.

Tagesplan-Vorlagen (21/30/45 Tage)

  • 21 Tage: 1) Morgens 10 Min. Bewegung, 2) Mittags 5-Min-Atmung, 3) Abends 30 Min. Sozialkontakt/Telefonat, 4) 15 Min. Inventur/Lesen.
  • 30 Tage: Wochenrhythmus festlegen (Mo/Do Sport, Di/Fr Freunde, Sa Solo-Event, So Planung). Jede Woche 1 Neuerung (Kurs, Meetup, Hobby).
  • 45 Tage: Woche 5–6 gezielte Ex-Trigger-Exposition ohne Kontakt (z. B. an einem gemeinsamen Ort kurz vorbeigehen) – prüfe Stabilität.

Dynamik „ängstlich × vermeidend“ in kurzen Beziehungen

  • Muster: Schneller Start, tiefe Limerenz, dann Rückzug → Protest → mehr Rückzug.
  • NC-Ziel: Kreislauf unterbrechen, Selbstwert entkoppeln.
  • Empfehlung: Ängstliche Seite 30–45 Tage NC; vermeidende Seite 21–30 Tage plus bewusste Bereitschaft zur klaren, konstanten Kommunikation beim Re-Start. Ohne beidseitige Anpassung droht rascher Rückfall.

Typische Re-Start-Fallen – und Gegenstrategien

  • Falle: „Lass uns alles klären“ im ersten Treffen → Gegenstrategie: nur Tonlage prüfen, maximal 1 Lernpunkt teilen.
  • Falle: Tägliches Schreiben ab Tag 1 → Gegenstrategie: 2–3 Nachrichten pro Woche, dann Treffen, nicht Chat.
  • Falle: Social-Media-Inszenierung → Gegenstrategie: Ruhig bleiben, private Stabilität statt öffentlicher Signale.

Glossar (Kurz)

  • Kontaktsperre/NC: Gezielte Pause von Kontakt für Heilung/Klarheit.
  • Low-Contact: Nur sachliche, minimale Kommunikation bei unvermeidbarem Kontakt.
  • Limerenz: intensive, intrusive Verliebtheitszustände.
  • Re-Start: Geplanter, ruhiger Wiedereinstieg in den Kontakt nach NC.

Perspektive: Wenn es nicht zurückgeht

Auch das ist ein gutes Ergebnis. Du hast Selbstachtung, Grenzen und Klarheit gewonnen. Das sind die Bausteine für eine nächste, bessere Verbindung. Forschung zeigt, dass Menschen nach Trennungen häufig persönliches Wachstum berichten – kompetenter in Grenzen, Kommunikation und Selbstfürsorge.

Erfolg heißt nicht zwingend „wieder zusammen“. Erfolg heißt: Du wirst ruhiger, klarer, handlungsfähiger – und triffst dann eine gute Entscheidung, mit oder ohne Ex.

Schlussgedanke: Hoffnung – realistisch und freundlich

Eine Kontaktsperre nach einer kurzen Beziehung ist kein kalter Entzug der Menschlichkeit, sondern eine warme Entscheidung für Klarheit. Du gibst deinem Nervensystem Ruhe, deinem Herzen Schutz und deinem Kopf Raum zum Denken. Ob daraus ein ruhiger, respektvoller neuer Kontakt erwächst oder ein guter, friedlicher Abschluss – beides ist wertvoll. Die Länge der Kontaktsperre richtet sich nicht nach starren Regeln, sondern nach deiner inneren Stabilität, euren Mustern und deinem Ziel. Für kurze Beziehungen gilt in der Praxis meist: 14–45 Tage, mit Schwerpunkt 21–30 Tage. Danach sprich leise, handle klar – und höre gut zu, was die Realität antwortet.

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