Emotionale Intelligenz: Der wahre Schlüssel zum Beziehungserfolg

Dein IQ hat dich weit gebracht, aber dein EQ entscheidet, ob deine Beziehungen halten oder zerbrechen. Verstehe die Wissenschaft hinter emotionaler Intelligenz und lerne, sie zu entwickeln, um deinen Ex zurückzugewinnen.

20–25 Min. Lesezeit Wissenschaftlich fundiert Umsetzbar

Warum scheitern kluge Menschen in der Liebe?

Du kennst den Typ: hochintelligente Menschen - Ärzte, Juristen, Ingenieure - die im Job glänzen, in Beziehungen aber abstürzen. Wie kann das sein?

Die Antwort geht zurück auf ein Konzept, das 1990 von den Psychologen Peter Salovey und John Mayer geprägt wurde: Emotionale Intelligenz (EQ). 1995 machte Daniel Goleman es mit seinem Bestseller weltbekannt und revolutionierte unser Verständnis davon, was Menschen in Beziehungen erfolgreich macht.

Die Forschung ist klar: Emotionale Intelligenz sagt Beziehungserfolg oft besser voraus als der IQ. John Gottman, der „Beziehungs-Guru“, kann anhand von EQ-Indikatoren mit 90% Genauigkeit vorhersagen, welche Paare sich scheiden lassen. Eine 10-Jahres-Studie in Korea zeigte, dass EQ 48% der ehelichen Zufriedenheit und 56% der Konfliktlösungsfähigkeit erklärt.

In diesem Guide lernst du nicht nur die Wissenschaft hinter emotionaler Intelligenz, sondern auch konkret, wie niedriger EQ deine Beziehung beschädigt hat und wie du ihn entwickelst, um deinen Ex zurückzugewinnen.

Die Wissenschaft: Von Salovey & Mayer zu Goleman

1990: Die Geburt eines Konzepts

Peter Salovey (Yale-Präsident 2013-2024, jetzt Sterling Professor of Psychology) und John D. Mayer (University of New Hampshire) veröffentlichten 1990 ihren bahnbrechenden Artikel „Emotional Intelligence“ in der Zeitschrift Imagination, Cognition and Personality.

Die ursprüngliche Definition (1990)
"Die Fähigkeit, Emotionen bei sich selbst und anderen wahrzunehmen, zwischen ihnen zu unterscheiden und diese Information zu nutzen, um Denken und Verhalten zu steuern."

Salovey und Mayer waren klar: Emotionale Intelligenz ist nicht einfach „nett sein“ oder „emotional sein“. Sie ist eine messbare kognitive Fähigkeit, ähnlich dem logischen Denken, nur mit Fokus auf emotionale Informationen.

Das Vier-Zweige-Modell

Das 1997 von Mayer & Salovey formalisierten Modell definiert EQ als hierarchische Fähigkeit mit vier Ebenen:

1
Emotionen wahrnehmen

Emotionen in Gesichtern, Stimmen und Bildern erkennen. Das Fundament aller emotionalen Intelligenz.

2
Emotionen nutzen

Gefühle einsetzen, um Denken zu unterstützen, zum Beispiel Traurigkeit für Reflexion und Freude für Kreativität.

3
Emotionen verstehen

Emotionale Sprache und komplexe Mischungen begreifen (zum Beispiel Eifersucht = Angst + Wut).

4
Emotionen regulieren

Eigene und fremde Emotionen steuern, die höchste Stufe emotionaler Kompetenz.

1995: Golemans Revolution

Als der Psychologe und Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman 1995 "Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ" veröffentlichte, wurde es über 18 Monate ein New-York-Times-Bestseller. Das Buch wurde in Dutzende Sprachen übersetzt und machte EQ massentauglich.

Der 80%-Mythos - Klarstellung

Goleman wird oft falsch zitiert mit „EQ macht 80% des Erfolgs aus.“ Das ist FALSCH. Goleman stellt klar: EQ macht nicht 80% des Lebenserfolgs aus. In Führungsrollen sind jedoch 80-90% der unterscheidenden Kompetenzen, die Top-Performer von Durchschnittlichen trennen, EQ-basiert. IQ erklärt nur etwa ~25% des Karriereerfolgs, der Rest sind soziale Faktoren, Glück und ja, EQ.

Golemans fünf Komponenten

  1. Selbstwahrnehmung: Deine Emotionen und ihre Wirkung erkennen
  2. Selbstregulation: Störende Emotionen und Impulse steuern
  3. Motivation: Emotionale Faktoren nutzen, um Ziele zu erreichen
  4. Empathie: Gefühle anderer wahrnehmen und ihre Perspektive verstehen
  5. Soziale Kompetenz: Beziehungen managen und Netzwerke aufbauen

Unterschied zu Salovey-Mayer: Golemans Modell ist breiter und umfasst Persönlichkeitsmerkmale und Motivation. Salovey-Mayer fokussieren rein auf kognitive Fähigkeiten im Umgang mit Emotion, was akademisch präziser, aber im Alltag weniger praktisch ist.

Das emotionale Gehirn: Warum Gefühle die Logik überlagern

Emotionale Intelligenz ist kein „Soft Skill“, sie ist eine neurologische Realität. Verstehst du das Gehirn, verstehst du, warum Beziehungen scheitern.

Zentrale Hirnareale

Die Amygdala - das Alarmsystem

Funktion: Verarbeitet emotionale Reize, insbesondere Angst und Bedrohung. Löst die Kampf-oder-Flucht-Reaktion aus.

In Beziehungen: Aktiviert bei wahrgenommener Zurückweisung oder Konflikt. Überaktivität führt zu emotionaler Überflutung, Panikattacken, Kontrollverlust im Streit.

Der präfrontale Kortex - der Regulator

Funktion: Moduliert emotionale Reaktionen durch Top-down-Kontrolle. Ermöglicht bewusste Impulssteuerung.

In Beziehungen: Hält dich davon ab, Dinge zu sagen, die du bereust. Ermöglicht Perspektivübernahme. Unter Stress übernimmt die Amygdala, der PFC geht offline.

Der Hippocampus - emotionales Gedächtnis

Funktion: Konsolidiert emotionale Erinnerungen. Arbeitet mit der Amygdala zusammen, um emotional bedeutsame Ereignisse zu kodieren.

In Beziehungen: Speichert Streit, Betrug, liebevolle Momente. Warum dich ein Lied an deinen Ex erinnert. Warum Trigger alten Schmerz reaktivieren.

Die Insula - Empathie-Zentrum

Funktion: Zentral für Interozeption (Wahrnehmung innerer Körperzustände) und emotionale Gewahrheit. Spielt eine Schlüsselrolle bei Empathie.

In Beziehungen: Ermöglicht dir, die Gefühle deines Partners zu „fühlen“. Kleineres Insula-Volumen ist mit Alexithymie ("Gefühlsblindheit") verbunden.

Der Amygdala-Hijack: Wenn Gefühle übernehmen

Was passiert bei „emotionaler Überflutung“?

John Gottman identifizierte emotionale Überflutung als entscheidenden Beziehungskiller. Was passiert im Gehirn?

  1. Nervensystem erkennt Bedrohung -> Amygdala aktiviert
  2. Adrenalin- und Cortisolschub
  3. Herzfrequenz steigt, Aufmerksamkeit verengt sich
  4. Partner wird als Gegner statt Verbündeter gesehen
  5. Zugriff auf Empathie, Humor, Problemlösen ist stark beeinträchtigt
  6. Es dauert mindestens 20 Minuten, bis der Körper wieder herunterfährt

Forschung: Die Amygdala „kapert“ das Gehirn und umgeht den präfrontalen Kortex. Deshalb sagen Menschen im Streit Dinge, die sie bereuen, der rationale Verstand war offline.

Spiegelneuronen: Die Empathie-Maschine

In den 1990ern identifizierten Forschende Spiegelneuronen, Neuronen, die feuern, wenn wir eine Handlung ausführen UND wenn wir beobachten, wie andere sie ausführen.

Empathie ist neurologisch verankert

Neurowissenschaftler Marco Iacoboni argumentiert, dass Spiegelneuronen die neuronale Basis menschlicher Empathie sind. Wenn du deinen Partner in Schmerz siehst, aktivieren sich dieselben Hirnregionen, als würdest du selbst Schmerz empfinden.

Beteiligte Regionen:

  • Inferiorer Frontallappen (IFG)
  • Superiorer Temporalsulcus (STS)
  • Anteriorer cingulärer Kortex (ACC)
  • Ventromedialer präfrontaler Kortex
  • Insula, Amygdala, somatosensorischer Kortex
Gefühlsansteckung

Forschung (2023): Je näher die Beziehung, desto stärker der emotionale Transfer. Paare übernehmen die Gefühlszustände des anderen durch limbische Resonanz. Positiv genutzt könnt ihr euch beruhigen, negativ übertragt ihr Angst, Wut und Depression.

EQ schlägt IQ: Forschung zum Beziehungserfolg

IQ bringt dich in den Job. EQ lässt dich bleiben - und hält deine Beziehung.

Die Zahlen sprechen für sich

48%

der ehelichen Zufriedenheit wird durch EQ erklärt (10-Jahres-Studie in Korea)

56%

der Konfliktlösungsfähigkeit wird durch EQ erklärt (derselben Studie)

90%

Treffsicherheit: Gottman kann Scheidung vorhersagen (auf Basis von EQ-Indikatoren)

r = 0.53

Korrelation zwischen EQ und ehelicher Zufriedenheit (Meta-Analyse)

John Gottmans „Love Lab“

Seit den 1970ern untersucht Gottman über 3.000 Paare, einige seit mehr als 20 Jahren. 1986 baute er an der University of Washington ein Apartment-Labor, Spitzname „Love Lab“.

Die Methodik

Paare verbrachten 24 Stunden im Labor. Gemessen wurden:

  • Gesichtsausdrücke (Mikroexpressionen)
  • Herzfrequenz, Blutdruck, Hautleitfähigkeit
  • Wortwahl während Gesprächen
  • „Wiggle Meter“ in Stühlen (körperliche Unruhe)
  • Blut- und Urinproben (Stresshormone wie Cortisol)
Bahnbrechender Befund

Die ersten drei Minuten eines Streits sagen nicht nur den Ausgang des Gesprächs voraus, sondern auch die Zukunft der Beziehung. Eine Studie von 1999 mit 124 frisch verheirateten Paaren fand, dass jene, die Konflikte negativ beginnen, mit hoher Wahrscheinlichkeit auseinandergehen.

Das magische Verhältnis: 5:1

Gottman fand, dass stabile Paare ein 5:1-Verhältnis wahren, fünf positive Interaktionen auf jede negative während eines Konflikts.

Positive Interaktionen:
  • Interesse zeigen ("Erzähl mir mehr")
  • Zuneigung ausdrücken (Berührung, Lächeln)
  • Fürsorge zeigen
  • Wertschätzung ausdrücken
  • Empathie zeigen
  • Nachgeben, wenn angebracht ("Du hast recht...")
  • Humor nutzen (kein Sarkasmus)
Negative Interaktionen:
  • Kritik (Charakter angreifen)
  • Verachtung (Ekel, Augenrollen)
  • Abwehrhaltung (Verantwortung abstreiten)
  • Mauern (Rückzug, Schweigen)

Die vier Kernkompetenzen emotionaler Intelligenz

EQ ist keine einzelne Fähigkeit, sondern vier ineinandergreifende Kompetenzen.

1. Selbstwahrnehmung - die Grundlage von allem

Definition: Die Fähigkeit, deine Emotionen in Echtzeit zu erkennen und ihre Wirkung zu verstehen.

Die Selbstwahrnehmungslücke

95% der Menschen halten sich für hoch selbstwahrnehmend. In Wirklichkeit sind nur 10-15% wirklich selbstwahrnehmend (empirische Messungen).

In Beziehungen heißt das:
  • "Ich bemerke, dass ich eifersüchtig bin" statt einfach eifersüchtig handeln
  • Körperliche Signale verfolgen: Spannung, schnellerer Puls, flache Atmung
  • Verstehen, wie deine Stimmung deinen Partner beeinflusst
  • Emotionale Trigger aus vergangenen Beziehungen identifizieren
Mechanismen im Gehirn:
  • Insula: Entscheidend für Interozeption (Körperzustände spüren)
  • Medialer präfrontaler Kortex: Für Selbstreflexion
  • Anteriorer cingulärer Kortex: Für emotionales Selbst-Monitoring
2. Selbstregulation - Impulskontrolle

Definition: Die Fähigkeit, eigene Emotionen und Impulse zu beeinflussen oder zu kontrollieren.

Zentrale Komponenten:
  • Emotionsregulation: Eine Antwort wählen statt automatisch zu reagieren
  • Impulskontrolle: Impulsen widerstehen, die der Beziehung schaden
  • Stresstoleranz: Emotionen unter Druck managen
  • Flexibilität: Dich an wechselnde emotionale Situationen anpassen
Kognitive Neubewertung

Eine forschungsbasierte Technik, die die Rückkopplungsschleife zwischen negativen Gedanken und Gefühlen unterbricht.

Prozess:

  1. Verzerrte oder wenig hilfreiche Gedanken erkennen
  2. Ihre Richtigkeit hinterfragen
  3. Durch konstruktive Interpretationen ersetzen
In Beziehungen heißt das:
  • Deinem Ex NICHT 50 Nachrichten schreiben, wenn du ängstlich wirst
  • Bei emotionaler Überflutung eine 20-minütige Pause nehmen
  • Eine besonnene Antwort wählen statt eines Wutausbruchs
  • Eifersucht managen, ohne Vorwürfe zu machen
3. Soziales Bewusstsein - Empathie

Definition: Die Fähigkeit, nonverbale Signale anderer zu erkennen und zu interpretieren.

Drei Arten von Empathie:
Kognitive Empathie

Die Perspektive des anderen verstehen

Emotionale Empathie

Fühlen, was der andere fühlt

Mitfühlende Empathie

Verstehen + fühlen + motiviert sein zu helfen

Geschlechtsunterschiede:

Meta-Analyse von 215 Studien: Kleiner Vorteil für Frauen bei der Emotionswahrnehmung. Frauen schnitten in 80% der Studien besser ab. ABER die individuelle Streuung ist groß, und Geschlecht erklärt nur einen kleinen Anteil.

In Beziehungen heißt das:
  • Die Mikroexpressionen deines Partners bemerken (flüchtige Traurigkeit, Frust)
  • Erkennen, wenn „Mir geht's gut“ eigentlich „Ich bin verletzt“ bedeutet
  • Körpersprache lesen: verschränkte Arme, Blickkontakt vermeiden
  • Unausgesprochene Bedürfnisse und Ängste verstehen
4. Beziehungsmanagement - Konfliktlösung

Definition: Die Fähigkeit, andere zu beeinflussen, zu coachen und zu unterstützen sowie Konflikte effektiv zu lösen.

Schlüsselkompetenzen:
  • Kommunikation: Klar sprechen, aktiv zuhören
  • Einflussnahme: Andere inspirieren und leiten
  • Konfliktmanagement: Meinungsverschiedenheiten konstruktiv navigieren
  • Zusammenarbeit: Harmonisch zusammenarbeiten
Gottmans Forschung zu Männern

Männer, die den Einfluss ihrer Partnerin akzeptieren, haben glücklichere Ehen und geringere Scheidungsraten. Wenn Männer den Einfluss ihrer Partnerin NICHT annehmen, besteht eine 81%ige Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe implodiert.

Low-EQ-Verhaltensweisen, die Beziehungen zerstören

Das ist vielleicht unangenehm, aber notwendig. Diese Muster haben deine Beziehung möglicherweise zerstört.

Gottmans „Vier apokalyptische Reiter“

1. Kritik

Den Charakter deines Partners angreifen, statt ein Verhalten anzusprechen.

"Du bist so faul" vs. "Kannst du bitte den Müll rausbringen?"

2. Verachtung (der #1 Prädiktor für Scheidung)

Den Partner mit Ekel, Spott, Sarkasmus, Augenrollen behandeln.

"Du bist erbärmlich" + Augenrollen

3. Abwehrhaltung

Verantwortung abstreiten, Ausreden machen, mit Gegenangriffen reagieren.

"Stimmt nicht! DU machst das doch auch!"

4. Mauern

Sich zurückziehen, nicht mehr reagieren, Schweigen als Waffe nutzen.

Wegdrehen, den Raum verlassen, völlig verstummen

Weitere Low-EQ-Killer

Emotionale Überflutung

Nervensystem erkennt Bedrohung -> Adrenalin/Cortisol -> Herzfrequenz steigt -> Partner wird als Feind gesehen -> Empathie unmöglich -> es dauert mindestens 20 Minuten, bis sich alles beruhigt.

Emotionale Unerreichbarkeit

Schwierigkeiten, Gefühle auszudrücken ("Ich weiß nicht, was ich fühle"). Unbehagen mit den Gefühlen deines Partners. Ablenken mit Humor oder Intellektualisieren. Arbeit oder Hobbys über emotionale Intimität stellen.

Mangel an Empathie

Unfähigkeit zur Perspektivübernahme. Die Gefühle des Partners abtun ("Du übertreibst"). Ich-Fokus. Schwierigkeiten, emotionale Signale zu lesen. Extreme: Alexithymie ("Gefühlsblindheit").

Unfähigkeit zur Reparatur nach Konflikten

Sich weigern, sich zu entschuldigen ("Ich habe nichts falsch gemacht"). Unaufrichtige Entschuldigungen ("Tut mir leid, dass du so sensibel bist"). Alte Konflikte neu aufrollen. Unfähigkeit zu vergeben und weiterzugehen. Buch über vergangene Fehler führen.

Anwendung: Mit höherem EQ den Ex zurückgewinnen

Jetzt wird Theorie zu Praxis. Wie baust du emotionale Intelligenz auf und nutzt sie, um deinen Ex zurückzugewinnen?

Schritt 1: Diagnose - Hat niedriger EQ zur Trennung geführt?

Häufige Low-EQ-Muster bei Trennungen:
  1. Der emotional unerreichbare Partner: Konnte Liebe oder Wertschätzung nicht ausreichend ausdrücken -> Partner fühlte sich einsam, selbst wenn ihr zusammen wart
  2. Der emotional reaktive Partner: Häufige Überflutung bei Meinungsverschiedenheiten -> verletzende Dinge im Affekt gesagt -> emotional unsicheres Umfeld geschaffen
  3. Der empathiearme Partner: Gefühle des Partners wiederholt abgewertet -> "Du bist zu sensibel/dramatisch/bedürftig" -> Partner gab das Hoffen auf Verständnis auf
  4. Der schwache Konfliktmanager: Jede Meinungsverschiedenheit wurde zum Nuklearkrieg -> Verachtung, Kritik, Abwehr dominierten -> keine produktive Problemlösung
  5. Das Selbstwahrnehmungs-Versagen: Eigenen Anteil nicht gesehen -> Partner vollständig verantwortlich gemacht -> gleiche Muster ohne Einsicht wiederholt

Schritt 2: Selbstwahrnehmung aufbauen

Die Beziehungsautopsie:
  • Mit welchen Gefühlen hattest du Mühe, sie auszudrücken?
  • Wann wurdest du defensiv?
  • Was hat bei dir emotionale Überflutung ausgelöst?
  • Wie hast du auf die Annäherungsversuche deines Partners reagiert?
  • Welche der vier Reiter traten in eurer Beziehung auf?

Schritt 3: Emotionsregulation während der Kontaktsperre

Warum die Kontaktsperre deinen EQ testet

Intensive Gefühle: Trauer, Wut, Sehnsucht, Hoffnung, Verzweiflung. Der Impuls, dich zu melden, Social Media zu stalken, bei ihnen vorbeizufahren. Das erfordert maximale Selbstregulation.

Strategien der Selbststeuerung:
1. Die 20-Minuten-Regel

Wenn dich der Drang überflutet, dich zu melden, warte 20 Minuten. So lange braucht es mindestens, bis Stresshormone abklingen. Der Impuls vergeht meist.

2. Kognitive Neubewertung

Gedanke: "Ich kann ohne sie/ihn nicht leben"

Neurahmung: "Ich trauere, das heißt, ich habe tief geliebt. Ich werde heilen und kann mich vielleicht von einem stärkeren Ort aus wieder annähern."

3. Emotionen benennen

Forschung zeigt: Das Identifizieren und Benennen von Gefühlen (zentral in der Therapie) reduziert deren Intensität. "Ich fühle mich verlassen und habe Angst" statt in namenloser Furcht zu versinken.

4. Physiologische Regulation
  • Bewegung setzt Endorphine frei und senkt Cortisol
  • Atemübungen aktivieren das parasympathische System
  • Schlaf reguliert emotionale Reaktivität
  • Ernährung beeinflusst die Stabilität der Stimmung

Schritt 4: EQ-Wachstum zeigen, wenn ihr wieder Kontakt habt

Die Glaubwürdigkeitsfrage

Dein Ex denkt: "Du sagst, du hast dich verändert, aber das habe ich schon gehört." Wie beweist du echtes EQ-Wachstum?

✓ Authentische Indikatoren für EQ-Wachstum
  • Konkrete Selbstwahrnehmung zeigen
  • Klare Verantwortung ohne „Aber du...“
  • Empathie für ihre/seine Erfahrung zeigen
  • Verhaltensbelege (Therapie, neue Techniken)
  • Geduld und Respekt für Grenzen
✗ Was NICHT funktioniert
  • Vage Versprechen ("Ich mach's besser")
  • Defensive Entschuldigungen
  • Dem Ex die Schuld geben
  • Keine konkreten Veränderungen
  • Ungeduld, Druck

Schritt 5: Nutze Gottmans Reparaturversuche

Sechs Kategorien wirksamer Reparaturen (für die Versöhnung angepasst):
1. „Ich fühle...“-Aussagen

"Ich fühle mich hoffnungsvoll wegen uns und bin auch nervös, dieselben Fehler zu wiederholen"

2. „Es tut mir leid“

"Es tut mir leid, wie ich [konkrete Situation] gehandhabt habe. Du hättest Besseres verdient."

3. „Das Ja finden“

"Du hast recht, dass ich nicht gut zugehört habe. Daran möchte ich arbeiten."

4. „Ich muss mich beruhigen“

"Ich fühle mich überwältigt. Können wir 20 Minuten Pause machen?"

5. „Stopp-Aktion“

"Warte, ich mache wieder dieses defensive Ding. Lass mich das nochmal versuchen."

6. „Ich schätze...“

"Ich schätze es, dass du bereit bist, mit mir zu reden"

EQ ist trainierbar - in jedem Alter

Die beste Nachricht: Emotionale Intelligenz ist NICHT von Geburt an festgelegt. Meta-Analysen zeigen, dass EQ-Trainings mittelstarke bis starke Effekte haben, die noch 3+ Monate nach dem Training anhalten.

Anders als IQ, der weitgehend genetisch ist, lässt sich EQ in jeder Lebensphase entwickeln. Die Arbeit von Marc Brackett an der Yale, Gottmans Paartherapie, strukturierte Emotionsregulation, all das zeigt: Du kannst lernen, emotional intelligenter zu werden.

Ob du deinen Ex zurückgewinnst oder nicht, diese Arbeit verbessert dein gesamtes Leben. Deine zukünftigen Beziehungen. Deine Freundschaften. Deine Karriere. Deine mentale Gesundheit.

Wissenschaftliche Quellen

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Goleman, D. (1995). Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ. Bantam Books.

Mayer, J. D., & Salovey, P. (1997). What is emotional intelligence? In P. Salovey & D. Sluyter (Eds.), Emotional Development and Emotional Intelligence: Implications for Educators (pp. 3-31). Basic Books.

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Brackett, M. A., Rivers, S. E., Reyes, M. R., & Salovey, P. (2012). Enhancing academic performance and social and emotional competence with the RULER feeling words curriculum. Learning and Individual Differences, 22(2), 218-224.

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